| 8. Volk: Verhahmt ihr all die Kunde schon? | 00:00 |
| 9. Adriano: Gerechter Gott! | 07:38 |
| 10. Introduction Rienzi: Der Tag ist da, die Stunde naht! |
17:15 26:05 |
(Männer. Dann Baroncelli. Später Cecco. Zuletzt Rienzi.)
(Der Vorhang geht auf. - Die Szene stellt den grossen Platz des alten Forums, mit Ruinen von Säulen und Statuen, dar. Im Beginn der Nummer hört man von fern und in unregelmässigen Pausen die grosse Kapitolsglocke - in Des - läuten. Wild aufgeregte Volkshaufen erfüllen die Szene.)
VOLK
Vernahmt ihr all die Kunde schon?
Schliesst eure Häuser, wahrt
eu'r Gut!
Die Nobili sind nachts geflohn,
bald fliesst in Rom der Bürger
Blut!
Rienzi, Rienzi! Sucht den Tribun!
BARONCELLI
(auftretend)
Ihr Römer, hört's, wie wir betrogen!
Des Friedens Geiseln
sind entflohn.
VOLK
Wo ist Rienzi?
BARONCELLI
Der Rasende!
Schon gibt sie ihr Verrat uns preis,
mit einem Schlag
sind sie vertilgt -
da gibt er Gnade, lässt sie frei!
O Tor, wer
zählt auf ihre Treu!
VOLK
Rienzi, Rienzi! Sucht den Tribun!
CECCO
(tritt auf)
Ha, 's ist zum Rasen! Alles hin!
Gerüstet sind die Nobili
und nahen drohend sich der Stadt!
Ha, wie zur Unzeit war die Milde!
Wir büssen sie mit unserm Blut.
VOLK
Schreit nach Rienzi! Ruft ihn her!
Rienzi! Rienzi! Rienzi!
RIENZI
(tritt auf)
Ich kenne euren Ruf! Seht mich,
gleich euch, von Zorn und Wut
entflammt!
Weh denen, die ihr mit Gnade überladen,
die dennoch
Eid und Treue brachen!
Ha! Dreifach Wehe treffe sie!
BARONCELLI, CECCO, VOLK
Tribun, du sündigtest an uns,
da Gnade du vor Recht geübt!
RIENZI
Ja, ich versteh' euch, tadl' euch nicht.
Fortan sei mein Herz gestählt,
und eisern walte das Gesetz!
Blut fliesse, wenn kein Tropfen selbst
Patrizierblutes übrig blieb'!
Weh ihnen, wenn sie Roma nahn!
CECCO
Was willst du tun?
VOLK
Was hast du vor?
RIENZI
Die Freiheit Roms verteidigen
und niederschmettern die Verräter.
BARONCELLI
Das stand bei dir, das konntest du,
als unser Blut der Preis nicht
war.
VOLK
Durch unser Blut bestrafst du sie nun!
RIENZI
Ein vollres Recht nun haben wir,
strafbarer macht die Gnade sie,
vernichten wir die Buben jetzt,
nennt uns die ganze Welt gerecht.
VOLK
Ha, furchtbar treffe unser Grimm
die Frevler, die treulose Brut!
Rienzi, sprich, was hast du vor?
Wir sind bereit und folgen dir!
RIENZI
Ihr Römer, auf! Greift zu den Waffen,
zum Kampfe eile jeder Mann!
Der Gott, der Roma neu erschaffen,
führt euch durch seinen Streiter
an!
Lasst eure neuen Fahnen wallen
und kämpfet froh für ihre
Ehre!
Den Schlachtruf lasset laut erschallen:
Santo spirito
cavaliere!
RIENZI, BARONCELLI, CECCO, VOLK
Ihr Römer, auf! Greift zu den Waffen,
zum Kampfe eile jeder Mann!
Der Gott, der Roma neu geschaffen,
führt euch durch seinen Streiter
an!
Lasst eure neuen Fahnen wallen
und kämpfet froh für ihre
Ehr'!
Die stolzen Feinde seh' sie fallen
und siegen freier Römer
Speer.
(Alle zerstreuen sich unter grossem Tumult nach verschiedenen Seiten.)
VOLK
Zu den Waffen!
ADRIANO
(tritt auf)
Gerechter Gott, so ist's entschieden schon!
Nach Waffen schreit das
Volk; kein Traum ist's mehr!
O Erde, nimm mich Jammervollen auf!
Wo
gibt's ein Schicksal, das dem meinen gleicht?
Wer liess mich dir verfallen,
finstre Macht?
Rienzi, Unheilvoller, welch ein Los
beschwurst du auf
dies unglücksel'ge Haupt!
Wohin wend' ich die irren Schritte?
Wohin das Schwert, des Ritters Zier?
Wend' ich's auf dich, Irenens Bruder?
Zieh' ich's auf meines Vaters Haupt?
(Er lässt sich erschöpft am Fuss einer umgestürzten Säule nieder.)
In seiner Blüte bleicht mein Leben,
dahin ist all mein Rittertum;
der Taten Hoffnung ist verloren,
mein Haupt krönt nimmer Glück
und Ruhm.
Mit trübem Flor umhüllet sich
mein Stern im ersten
Jugendglanz;
durch düstre Gluten dringet selbst
der schönsten
Liebe Strahl ins Herz.
Wo war ich? Ha, wo bin ich jetzt?
Die Glocke, Gott, es wird zu spät!
Was nun beginnen? - Ha, nur eins!
Hinaus zum Vater will ich fliehn!
Versöhnung glückt vielleicht dem Sohne!
Er muss mich hören,
denn sein Knie
umfassend sterbe willig ich!
Auch der Tribun wird milde
sein;
in Frieden wandl' ich glühnden Hass!
(auf die Knie sinkend)
Du Gnadengott, zu dir fleh' ich,
der Lieb' in jeder Brust entflammt!
Mit Kraft und Segen waffne mich,
Versöhnung sei mein heilig Amt!
(Er eilt ab.)
(Kriegerische Signale hinter der Szene. - Die waffenfähigen Bürger Roms ziehen kampfgerüstet mit kriegerischer Haltung auf. - Der Zug der Gewaffneten wird durch den Zug der Priester und Mönche unterbrochen. - Frauen und Jungfrauen geleiten den Zug. - Auftritt der hohen Geistlichkeit. - Nun beginnen wieder die Züge der Bewaffneten. - Es erscheinen Rienzi und die Senatoren, geharnischt und zu Pferde; Irene und die römischen Frauen.)
(Rienzi steigt vom Pferde.)
RIENZI (26:05)
Der Tag ist da, die Stunde naht
zur Sühne hundertjähr'ger
Schmach!
Er schaue der Barbaren Fall
und freier Römer hohen Sieg!
So stimmt denn an den Schlachtgesang,
er soll der Feinde Schrecken sein!
Santo spirito cavaliere!
(Schlachthymne)
ALLGEMEINER CHOR
Auf, Römer, auf, für Herd' und für Altäre!
Fluch
dem Verräter an der Römer Ehre!
Nie sei auf Erden ihm die Schmach
verziehn,
Tod seiner Seel', es lebt kein Gott für ihn!
Trompeten
schmettert, Trommeln wirbelt drein,
es soll der Sieg der Römer Anteil
sein;
ihr Rosse stampfet, Schwerter klirret laut,
heut ist der Tag,
der eure Siege schaut!
Paniere weht, blinkt hell, ihr Speere!
RIENZI, PRIESTER, MÖNCHE, ALLE ANDEREN
Santo spirito cavaliere!
(Der Zug setzt sich in Bewegung. Als Rienzi das Pferd wieder besteigen will, tritt Adriano auf.)
ADRIANO
(wie atemlos)
Zurück, zurück, halt ein, Tribun!
Lass ab vom Kampfe, höre
mich!
RIENZI
Du Ärmster, ich beklage dich!
Verfluchen musst du dein Geschlecht!
ADRIANO
Lass ab, noch einmal fleh' ich dich!
Versuche Milde, sende mich!
Schon eilt' ich ohne dein Geheiss,
zu tun, was hohe Pflicht gebeut.
Doch ach, verschlossen jedes Tor...
Drum sieh mich hier und höre
mich!
Zu meinem Vater lass mich sprechen,
und fliessen soll dann
kein Tropfen Bluts!
RIENZI
Unsel'ger Jüngling, warst nicht du's,
der mich gestimmt zu jener
Milde,
die römisch Blut jetzt fliessen macht?
Ha, schweig! Fremd
ist den Buben Treu!
ADRIANO
Tribun, bedenke, was du tust!
Noch schone Blut, o sende mich!
Zum
Pfand setz' ich mein Leben ein
für ew'ger Treue neuen Bund!
RIENZI
Ihr Römer, auf! Hört ihn nicht an!
Sie fordern Kampf -
wohlan: - zum Kampf!
ADRIANO
Auf meinen Knien beschwör' ich dich!
Noch ist es Zeit, du wirst
bereun!
RIENZI
Eh' du von neuem mich bewegst,
soll alle Welt zugrunde gehn!
ADRIANO
Rienzi, sieh, hier liege ich:
willst Rache du, so nimm mein Haupt!
RIENZI
Du rasest, Knabe! Stehe auf
und lass dem Schicksal seinen Lauf!
(Rienzi besteigt das Pferd und gibt das Zeichen zum Aufbruch.)
ADRIANO
(sich aufrichtend, mit schmerzlichem Grimm)
Nun denn, nimm, Schicksal, deinen Lauf!
(Der ganze Kriegszug verlässt unter Absingung des zweiten Verses der Hymne die Bühne, jedoch so, dass der erste Teil derselben noch auf der Szene gesungen wird.)
ALLGEMEINER CHOR
Auf, Römer, auf, für Freiheit und Gesetze,
sei Zeug', o Erd',
für unsre höchsten Schätze!
Ihr Heil'gen all und Gottes
Engelschar,
steht uns im Kampfe bei und in Gefahr!
Trompeten
schmettert, Trommeln wirbelt drein!
Es soll der Sieg der Römer Anteil
sein;
ihr Rosse stampfet, Schwerter klirret laut,
heut ist der Tag,
der eure Siege schaut!
Paniere weht, blinkt hell, ihr Speere!
Santo
spirito cavaliere!
(Die Priester und Mönche haben den Kriegszug begleitet. Irene, Adriano und die Frauen bleiben zurück. - Adriano, der wie betäubt gestanden, umfasst nach einem heftigen stummen Kampfe mit seinen Gefühlen leidenschaftlich Irene.)
ADRIANO
Leb wohl, Irene! Ich muss hinaus.
Barmherzig ist des Vaters Schwert!
IRENE
(ihn heftig haltend)
Unseliger, bleib hier zurück!
Nicht mächtig bist du deiner
Sinne.
ADRIANO
Lass mich fliehn! Mich ruft der Tod!
Irene, ach, dein Umarmen selbst,
ich muss es fliehn, mich ruft der Tod!
IRENE
Treuloser, hast du kein Erbarmen
mit deiner, mit Irenens Not?
Ich
lass dich nicht aus meinen Armen,
Gott selbst gebeut mir diese Pflicht!
(Wie von Windstössen getragen, hört man das Kriegsgewühl aus der Ferne.)
ADRIANO
Hörst du? Das ist das Mordgewühl!
Rienzi würgt mein ganz
Geschlecht.
(Die Frauen senken sich auf die Knie.)
FRAUEN
Schütz, Heil'ge Jungfrau, Romas Söhne!
Steh ihnen bei in
Kampfesnot!
Lass sie uns schaun in Sieges Schöne,
und ihren
Feinden sende Tod!
Maria, sieh im Staub uns flehn!
O, blick auf uns
aus Himmelshöhn!
(Hier macht Adriano, der sich bis jetzt von Irene loszuwinden suchte, eine heftige Bewegung zum Fliehen.)
IRENE
Unsel'ger! Sieh; es ist zu spät!
Willst sinnlos du dem Tod dich
weihn?
ADRIANO
Allmächt'ger! Ja! Es wird zu spät!
Ach, meine Sinne
schwinden mir!
IRENE
Sieh, deinen Hals umschlinge ich;
mit meinem Leben weich' ich nur!
ADRIANO
Zwiefacher Tod und Liebespein!
O Himmel, ende meine Qual!
(Irene zieht Adriano zu sich auf die Knie.)
IRENE, ADRIANO
O heil'ge Jungfrau, hab Erbarmen!
Bring Hilfe mir in dieser Not!
Umfange ihn mit Segensarmen,
beschütze ihn vor Schmach und Tod!
Maria, sieh im Staub mich flehn!
O blick auf mich aus Himmelshöhn!
FRAUEN
Schütz, heil'ge Jungfrau, Romas Söhne,
steh ihnen bei in
Kampfesnot!
Lass sie uns schaun in Sieges Schöne,
und ihren
Feinden sende Tod!
Maria, sieh im Staub uns flehn!
O blick herab aus
Himmelshöhn!
(Der Sturm hat sich gelegt; man hört deutlich die Musik der Schlachthymne sich nähern.)
MÄNNERCHOR
(hinter der Szene)
Fluch dem Verräter an der Römer Ehre!
Nie sei auf Erden ihm
die Schmach verziehn,
Tod seiner Seel', es lebt kein Gott für ihn!
IRENE
Schon schweigt der Sturm: hört den Gesang!
FRAUEN
Das ist der Römer Siegeslied!
MÄNNERCHOR
(hinter der Szene)
Trompeten schmettert, Trommeln wirbelt drein!
Es muss der Sieg der Römer
Anteil sein!
Ihr Rosse stampfet, Schwerter klirret laut!
Heut ist der
Tag, der eure Siege schaut!
Paniere weht, blinkt hell, ihr Speere!
Santo spirito cavaliere!
ADRIANO
Ha, grosser Gott! So ist's entschieden!
IRENE
Sie nahen schon!
FRAUEN
Sieg! Sieg!
IRENE
Mein Bruder hoch vor ihnen her!
(Hier betritt der zurückkehrende Kriegszug die Bühne, die Musik zuerst; die Priester und Mönche geleiten ihn auf die Szene.)
FRAUEN, PRIESTER UND MÖNCHE
Heil! Heil dir, du stolzes Siegesheer!
Willkommen, Romas siegreiche Söhne!
Heil euch und euren Waffen
Ruhm!
Auf, streuet Blumen! Jubel ertöne;
er gelte euch und eurem
Heldentum!
Ehrt, preist das schönste Heldentum!
(Der ganze Kriegszug ist wieder auf der Bühne.)
RIENZI
Heil, Roma, dir! Du hast gesiegt,
zerschmettert liegt der Feinde Heer.
(Man trägt die Leichen Colonnas und Orsinis auf die Bühne.)
Wer sagt nun noch, Rom sei nicht frei?
Colonna und Orsini sind nicht
mehr.
ALLGEMEINER CHOR
(in halb freudiger, halb schaudernder Empfindung)
Ha, kein Colonna, kein Orsini mehr!
(Adriano hat die Leiche seines Vaters erkannt und ist mit einem Schrei über sie hingesunken. Im Hintergrunde werden in einzelnen stillen Zügen Tote und Verwundete über die Bühne getragen.)
BARONCELLI
Ach, blutig ist die Strafe erkauft!
Auch uns traf furchtbarer Verlust.
Wieviele unter diesen Frauen
sehn nie den Mann, den Bruder mehr!
ADRIANO
(sich totenbleich von der Leiche aufrichtend, mit Bedeutung zu Rienzi)
Weh dem, der mir verwandtes Blut
vergossen hat! Blut'ger Tribun,
blick hierher! Sieh! Das ist dein Werk!
(Auf Rienzis Zeichen wird die Leiche Colonnas entfernt.)
Fluchwürdiger, der du von dir
mich stiessest, da den Frieden ich
mit meinem Leben dir verbürgte!
Geschieden sind wir denn fortan,
nur Rache haben wir gemein!
Die deine stilltest du, so zittre
vor
meiner, du verfielest ihr!
(Er geht ab.)
RIENZI
Hört nicht den Rasenden! Den er so wild
beklagt, war Romas ärgrer
Feind als einst
Tarquinius selbst; Tod, ewiger Tod sei ihm!
Nie
werd' ihm Ruh' in geweihter Erde!
Doch ihr, freut euch! Lasst alle Glocken
läuten!
Trompeter blast! Der Sieg, den wir erkämpft,
ist
schlechter nicht als Brutus' Heldentat.
Auf, im Triumph zum Kapitol!
Lasst uns die Stirn mit Lorbeer schmücken!
VOLK
Auf! Im Triumph zum Kapitol!
(Friedensboten mit Lorbeerzweigen treten auf und geleiten einen antiken Triumphwagen Rienzi entgegen. Rienzi steigt vom Pferd und betritt den Triumphwagen, nachdem ihm von den Friedensboten der Helm abgenommen und dafür ein Lorbeerkranz auf das Haupt gesetzt worden ist. Irene, welche bei Adrianos Abgang erblassend in die Arme der Frauen gesunken war, wird von diesen zu Rienzi geleitet, welcher sie zu sich auf den Wagen heraufzieht, wo sie, sich matt an ihres Bruders Schultern anlehnend, an seiner Seite stehenbleibt. Trophäen, bestehend aus Rüstungen und Feldzeichen der Nobili, werden im Triumph vor Rienzi vorübergetragen, die Bewaffneten ordnen sich zum Zuge, dem sich endlich auch Rienzi im Triumphwagen anschliesst.)
Ertönet Freudenlieder,
und ehrt die Sieger hoch.
Die Freiheit