| Scene 1 | Rheintöchter: Frau Sonne | 00:00 |
| Scene 2
Siegfried's Funeral March |
Siegfried: Hoiho! Hoiho hoihe! | 20:16
41:00 |
| Scene 3
Immolation Scene |
Gutrune: War das sein Horn?
Brünnhilde: Starke Scheite schichtet mir dort |
46:05
57:22 |
Wildes Wald- und Felsental am Rheine, welcher im Hintergrunde an einem
steilen Abhange vorbeifliesst.
(Die drei Rheintöchter, Woglinde,
Wellgunde und Flosshilde, jauchen aus der Flut auf und schwimmen, wie im
Reigentanze, im Kreise umher)
(im Schwimmen mässig einhalte)
DIE DREI RHEINTÖCHTER
Frau Sonne
sendet lichte Strahlen;
Nacht liegt in der Tiefe:
einst war sie hell,
da heil und hehr
des Vaters Gold noch in ihr glänzte.
Rheingold!
Klares Gold!
wie hell du einstens strahltest,
hehrer
Stern der Tiefe!
(Sie schliessen wieder den Schwimmenreigen)
Weialala leia,
wallala leialala.
(Ferner Hornruf. Sie lauschen. Sie schlagen jauchzend das Wasser)
Frau Sonne,
sende uns den Helden,
der das Gold uns wiedergäbe!
Liess er es uns,
dein lichtes Auge
neideten dann wir nicht länger.
Rheingold!
Klares Gold!
wie froh du dann strahltest,
freier Stern
der Tiefe!
(man hört Siegfrieds Horn der Höhe her)
WOGLINDE
Ich höre sein Horn.
WELLGUNDE
Der Helde naht.
FLOSSHILDE
Lasst uns beraten!
(Sie tauchen alle drei schnell unter)
(Siegfried erscheint auf dem
Abhange in vollen Waffen)
SIEGFRIED
Ein Albe führte mich irr,
dass ich die Fährte verlor:
He, Schelm! in welchem Berge
bargst du so schnell mir das Wild?
DIE DREI RHEINTÖCHTER (tauchen wieder auf und schwimmen im
Reigen)
Siegfried!
FLOSSHILDE
Was schiltst du so in den Grund?
WELLGUNDE
Welchem Alben bist du gram?
WOGLINDE.
Hat dich ein Nicker geneckt?
ALLE DREI
Sag' es Siegfried! sag' es uns!
SIEGFRIED (sie lächelnd betrachtend)
Entzücktet ihr zu euch
den zottigen Gesellen,
der mir
verschwand?
Ist's euer Friedel,
euch lustigen Frauen
lass ich ihn
gern.
(Die Mädchen lachen laut auf)
WOGLINDE
Siegfried, was gibst du uns,
wenn wir das Wild dir gönnen?
SIEGFRIED
Noch bin ich beutelos;
so bittet, was ihr begehrt
WELLGUNDE
Ein goldner Ring
glänzt dir am Finger:
DIE DREI RHEINTÖCHTER
Den gib uns!
SIEGFRIED
Einen Riesenwurm
erschlug ich um den Reif:
für eines
schlechten Bären Tatzen
böt' ich ihn nun zum Tausch?
WOGLINDE
Bist du so karg?
WELLGUNDE
So geizig beim Kauf?
FLOSSHILDE
Freigebig
solltest Fräuen du sein.
SIEGFRIED
Verzehrt' ich an euch mein Gut,
dass' zürnte mir wohl mein Weib.
FLOSSHILDE
Sie ist wohl schlimm?
WELLGUNDE
Sie schlägt dich wohl?
WOGLINDE
Ihre Hand fühlt schon der Held!
(Sie lachen unmässig)
SIEGFRIED
Nun lacht nur lustig zu!
In Harm lass ich euch doch:
denn giert
ihr nach dem Ring,
euch Nickern geb' ich ihn nie!
(Die Rheintöchter haben sich wieder zum Reigen gefasst)
FLOSSHILDE
So schön!
WELLGUNDE
So stark!
WOGLINDE
So gehrenswert!
DIE DREI
Wie schade, dass er geizig ist!
(Sie lachen und tauchen unter)
SIEGFRIED (tiefer in den Grund hinabsteigend)
Wie leid' ich doch
das karge Lob?
Lass ich so mich schmäh'n?
Kämen sie wieder,
zum Wasserrand,
den Ring könnten sie
haben.
(laut rufend)
He! He, he! Ihr munt'ren
Wasserminnen!
Kommt rasch! Ich schenk'
euch den Ring!
(Er hat den Ring vom Finger gezogen und hält ihn in die Höhe)
DIE DREI RHEINTÖCHTER
(lauchen wieder au. Sie zeigen sich ernst und feierlich)
Behalt' ihn, Held,
und wahr' ihn wohl,
bis du das Unheil errät'st,
das in dem Ring du heg'st;
froh fühl'st du dich dann,
befrei'n
wir dich von dem Fluch.
SIEGFRIED (steckt gelassen den Ring, wieder an seinen Finger)
So singet, was ihr wiss't!
DIE RHEINTÖCHTER
Siegfried! Siegfried! Siegfried!
Schlimmes wissen wir dir.
Zu
deinem Unheil
wahr'st du den Ring!
Aus des Rheines Gold
ist der
Reif geglüht:
der ihn listig geschmiedet
und schmählich
verlor,
der verfluchte ihn,
in fernster Zeit
zu zeugen den Tod
dem, der ihn trüg'
Wie den Wurm du fälltest,
so fällst
auch du,
und heute noch:
So heissen wir's dir,
tauschest den Ring
du uns nicht,
im tiefen Rhein ihn zu bergen:
Nur seine Flut
sühnet
den Flucht!
SIEGFRIED
Ihr listigen Frauen,
lasst das sein!
Traut' ich kaum eurem
Schmeicheln,
euer Drohen schreckt mich noch minder!
DIE RHEINTÖCHTER
Siegfried! Siegfried!
Wir weisen dich wahr.
Weiche! weiche dem
Fluch!
Ihn flochten nächtlich
webende Nornen
in des
Urgesetzes Seil!
SIEGFRIED
Mein Schwert zerschwang einen Speer:
des Urgesetzes
ewiges Seil,
flochten sie wilde
Flüche hinein,
Notung zerhaut es den Nornen!
Wohl warnte mich einst
vor dem Fluch ein Wurm,
doch das Fürchten
lehrt' er mich nicht!
(Er betrachtet den Ring)
Der Welt Erbe
gewänne mir ein
Ring:
für der Minne Gunst
miss ich ihn gern, -
ich geb' ihn
euch, gönnt ihr mir Lust.
Doch bedroht ihr mir Leben und Leib:
fasste er nicht
eines Fingers Wert, -
den Reif entringt ihr mir nicht!
Denn Leben und Leib,
seht: - so -
werf' ich sie weit von mir!
(Er hebt eine Erdscholle vom Boden auf, hält sie über seinem
Haupte und wirft sie mit den letzten Worte hinter sich)
DIE RHEINTÖCHTER
Kommt, Schwestern!
Schwindet dem Toren!
So weise und stark
verwähnt sich der Heid,
als gebunden und blind er doch ist.
(Sie schwimmen, wild aufgeregt, in weiten Schwenkungen dicht an das Ufer
heran)
Eide schwur er -
und achtet sie nicht.
(Wieder heftige Bewegung)
Runen weiss er -
und rät sie nicht!
Ein hehrstes Gut
ward ihm gegönnt:
dass er's verworfen,
weiss er nicht;
nur
den Ring, der zum Tod ihm taugt,
den Reif nur will er sich wahren!
Leb' wohl, Siegfried!
Ein stolzes Weib
wird noch heut' dich Argen
beerben:
sie beut uns besseres Gehör:
Zu ihr! Zu ihr! Zu ihr!
(Sie wenden sich schnell zum Reigen, mit welchem sie gemächlich dem
Hintergrunde zu fortschwimmen)
(Siegfried sieht ihnen lächelnd nach,
stemmt ein Bein auf ein Felsstück am Ufer und verweilt mit auf der Hand
gestütztem Kinne)
Weialala weialala
leia leia walla lala
leila la la leila lala
lalala lei walla la la la
weia la walla la weiala lei
walla lala la
leia leia leia
leia la la la
SIEGFRIED
Im Wasser, wie am Lande
lernte nun ich Weiberart:
wer nicht ihrem
Schmeicheln traut,
den schrecken sie mit Drohen;
wer dem kühnlich
trotzt,
dem kommt dann ihr Keifen dran.
(Die Rheintöchter sind hier gänzlich verschwunden)
Und doch, -
trüg' ich , nicht Gutrun' Treu, -
der zieren
Frauen eine
hätt' ich mir frisch gezähmt!
(Er blickt ihnen unverwandt nach)
DIE RHEINTOCHTER (in grösserer Entfernung)
La, la!
(Jagdhornrüfe kommen von der Höhe näher)
HAGENS STIMME (von Fern)
Hoiho!
(Siegfried fährt aus seinem träumerischen Entrücktheit
auf und antwortet dem vernommenen Rufe auf seinem Horne)
SIEGFRIED (antwortend)
Hoiho! Hoiho hoihe!
DIE MANNEN (ausserhalb der Szene)
Hoiho! Hoiho!
HAGEN (kommt auf der Höhe hervor. Gunther folgt ihm)
Finden wir endlich,
wohin du flogest?
SIEGFRIED
Kommt herab! Hier ist's frisch und kühl!
(Die Mannen kommen alle auf der Höhe an und steigen nun mit Hagen und
Gunther herab)
HAGEN
Hier rasten wir
und rüsten das Mahl.
(Jagdbeute wird zuhauf gelegt)
Lasst ruh'n die Beute
und bietet die Schläuche!
(Trinkhörnen und Schläuche werden hervorgeholt, denn lagert sich
alles)
Der uns das Wild verscheuchte,
nun sollt ihr Wunder hören,
was Siegfried sich erjagt.
SIEGFRIED (lachend)
Schlimm steht es um mein Mahl:
von eurer Beute
bitte ich für
mich.
HAGEN
Du beutelos?
SIEGFRIED
Auf Waldjagd zog ich aus,
doch Wassewild zeigte sich nur:
war ich
dazu recht beraten,
drei wilde Wasservögel
hätt' ich euch
wohl gefangen,
die dort auf dem Rhein mir sangen,
erschlagen würd'
ich noch heut'.
(Er lagert sich zwischen Gunther und Hagen)
(Gunther erschrickt und
blickt düster auf Hagen)
HAGEN
Das wäre üble Jagd,
wenn den Beutelosen selbst
ein
lauernd Wild erlegte!
SIEGFRIED
Mich dürstet!
HAGEN (indem er für Siegfried ein Trinkhorn füllen lässt
und es diesem dann darreicht)
Ich hörte sagen, Siegfried,
der Vögel Sangessprache
verstündest du wohl:
so wäre das wahr?
SIEGFRIED
Seit lange ach't ich
des Lallens nicht mehr.
(Er lasst das Trinkhorn und wendet sich damit zu Gunther)
(Er trinkt
und reicht das Horn Gunther hin)
Trink', Gunther, trink': dein Bruder bringt es dir!
GUNTHER (gedankenvoll und schwermütig in das Horn blickend,
dump)
Du mischtest matt und bleich:
(noch gedämpfter)
dein Blut allein darin!
SIEGFRIED
So misch' es mit dem deinen!
(Er giesst aus Gunthers Horn in das seine, so dass dieses überläuft)
Nun floss gemischt es über:
der Mutter Erde lass' das ein Labsal
sein!
GUNTHER (mit einem heftigen Seufzer)
Du überfroher Held!
SIEGFRIED (leise zu Hagen)
Ihm macht Brünnhilde müh?
HAGEN (leise zu Siegfried)
Verstünd' er sie so gut,
wie du der Vögel Sang!
SIEGFRIED
Seit Frauen ich singen hörte,
vergass ich der Vöglein ganz.
HAGEN
Doch einst vemahmst du sie?
SIEGFRIED (sich lebhaft zu Gunther wendend)
Hei! Gunther,
grämlicher Mann!
Dankst du es mir,
so
sing' ich dir Mären
aus meinen jungen Tagen.
GUNTHER
Die hör' ich gern.
(Alle lagern sich nah an Siegfried, welcher allein aufrecht sitzt, während
die andern tiefer gestreckt liegen)
HAGEN
So singe, Held!
SIEGFRIED
Mime hiess
ein mürrischer Zwerg:
in des Neides Zwang
zog er mich auf,
dass einst das Kind,
wann kühn es erwuchs,
einen Wurm ihm fällt' im Wald,
der lang' schon hütet einen Hort.
Er lehrte mich schmieden
und Erze schmelzen;
doch was der Künstler
selber nicht konnt',
des Lehrling's Mute
musst'es gelingen:
eines
zerschlag'nen Stahles Stücke
neu zu schmeiden zum Schwert!
Des
Vater's Wehr
fügt' ich mir neu:
nagelfest
schuf ich mir
Notung.
Tüchtig zum Kampf
dünkt' er dem Zwerg';
der führte
mich nun zum Wald:
dort fällt' ich Fafner, den Wurm.
Jetzt aber
merkt
wohl auf die Mär':
Wunder muss ich euch melden.
Von
des Wurmes Blut
mir brannten die Finger;
sie führt' ich kühlend
zum Mund:
kaum netzt' ein wenig
die Zunge das Nass, -
was da die
Vöglein sangen,
das konnt' ich flugs verstehn.
Auf den Ästen
sass es und sang:
"Hei! Siegfried gehört nun
der Niblungen
Hort!
fänd' in der Höhle
den Hort er jetzt!
Wollt' er
den Tarnhelm gewinnen,
der taugt' ihm zu wonniger Tat!
Doch möcht'
er den Ring sich erraten,
der macht ihn zum Walter der Welt!"
HAGEN
Ring und Tarnhelm
trug'st du nun fort?
DIE MANNEN
Das Vöglein hörtest du wieder?
SIEGFRIED
Ring und Tarnhelm
hatt' ich gerafft: -
da lauscht' ich wieder
dem wonnigen Laller;
der sass im Wipfel und sang: -
"Hei,
Siegfried gehört' nun
der Helm und der Ring.
O traute er Mime,
dem Treulosen, nicht!
Ihm sollt' er den Hort nur erheben;
jetzt lauert
er listig am Weg:
nach dem Leben trachtet er Siegfried: -
o, traute
Siegfried nicht Mime!"
HAGEN
Es mahnte dich gut?
DIE MANNEN
Vergaltest du Mime?
SIEGFRIED
Mit tödlichem Tranke
trat er zu mir;
bang und stotternd
gestand er mir Böses:
Notung streckte den Strolch!
HAGEN (grell lachend)
Was er nicht geschmiedet,
schmeckte doch Mime!
ZWEI MANNEN (nacheinander)
Was wies das Vöglein dich wieder?
HAGEN (lässt ein Trinkhorn neu füllen und träufelt
den Saft eines Krautes hinein)
Trink' erst, Held,
aus meinem Horn:
ich würzte dir holden
Trank,
die Erinnerung hell dir zu wecken,
(Er reicht Siegfried das Horn)
dass Fernes nicht dir entfalle!
SIEGFRIED (blicke gedankenvoll in das Horn und trinkt dann langsam)
In Leid zu dem Wipfel
lauscht ich hinauf;
da sass es noch und
sang:
"Hei, Siegfried erschlug nun
den schlimmen Zwerg!
Jetzt wüsst', ich ihm noch
das herrlichste Weib;
auf hohem Felsen
sie schläft,
Feuer umbrennt ihren Saal;
durchschritt er die
Brunst,
weckt er die Braut -
Brünnhilde wäre dann sein!"
HAGEN
Und folgtest du
des Vöglein's Rate?
SIEGFRIED
Rasch ohne Zagern
zog ich nun aus: -
(Gunther hört mit wachsendem Erstaunen zu)
bis den feurigen Fels ich traf:
die Lohe durchschritt ich
und
fand zum Lohn -
(in immer grössere Verzückung geratend)
schlafend ein wonniges Weib
in lichter Waffen Gewand,
Den Helm löst',
ich
der herrlichen Maid;
mein Kuss erweckte sie kühn: -
o!
wie mich brünstig da umschlang
der schönen Brünnhilde Arm!
GUNTHER (in höchstem Schrecken aufspringend)
Was hör' ich!
(Zwei Raben fliegen aus einem Busche auf, kreisen über Siegfried und
fliegen dann dem Rheine zu, davon)
HAGEN
Errätst du auch
dieser Raben Geraun'?
(Siegfried fährt heftig auf und blickt, Hagen den Rücken
zukehrend, den Raben nach)
HAGEN
Rache rieten sie mir!
(Er stösst seinen Speer in Siegfrieds Rücken: Gunther fällt
ihm - zu spät - in den Arm. Siegfried schwingt mit beiden Händen
seinen Schild hoch empor, um Hagen damit zu zerschmettern: die Kraft verlässt
ihn, der Schild entsinkt ihm rückwärts; er selbst stürzt krachend
über dem Schilde zusammen)
VIER MANNEN (Welche vergebens Hagen zurückzuhalten
versuchen)
Hagen! was tu'st du?
ZWEI ANDERE
Was tatest du?
GUNTHER
Hagen, was tatest du?
HAGEN (auf den zu Boden Gestreckten deutend)
Meineid rächt' ich!
(Er wendet sich ruhig zur Seite ab und verliert sich dann einsam über
die Höhe, wo man ihn langsam durch die bereits mit der Erscheinung der
Raben eingebrochene Dämmerung von dannen schreiten sieht. Gunther beugt
sich schmerzergriffen zu Siegfrieds Seite nieder. Die Mannen umstehen
teilnahmvoll den Sterbenden)
SIEGFRIED (von zwei Mannen sitzend erhalten, schlägt die
Augen glanzvoll auf)
Brünnhilde!
Heilige Braut!
Wach' auf! öffne dein Auge!
Wer verschloss dich
wieder in Schlaf?
Wer band dich in Schlummer so
bang?
Der Wecker kam;
er küsst dich wach,
und aber - der
Braut
bricht er die Bande:
da lacht ihm Brünnhildes Lust! -
Ach! Dieses Auge,
ewig nun offen!
Ach, dieses Atem's
wonniges
Wehen!
Süsses Vergehen -
seliges Grauen:
Brünnhild'
bietet mir - Gruss!
(Er sinkt zurück und stirbt. Regungslose Trauer der Umstehenden. Die
Nacht ist hereingebrochen. Auf die stumme Ermahnung Gunthers erheben die Mannen
Siegfrieds Leiche und geleiten mit dem Folgenden sie in feierlichem Zuge über
die Felsenhöhe langsam von dannen. Gunther folgt der Leiche zunächst)
(Der Mond bricht durch die Wolken hervor und beleuchtet immer heller den die
Berghöhe erreichenden Trauerzug. Dann steigen Nebel aus dem Rheine auf und
erfüllen allmählich die ganze Bühne, auf welcher der Trauerzug
bereits unsichtbar geworden ist, bis nach vorne, so dass diese während des
Zwischenspiels gänzlich verhüllt bleibt. Als sich die Nebel wieder
verteilen, tritt die Halle der Gibichungen, wie im ersten Aufzuge, immer
erkennbarer hervor)
Siegfried's Funeral March (41:00)
Die Halle der Gibichungen
(Es ist Nacht. Mondschein spiegelt sich
auf dem Rhein. Gutrune aus ihrem Gemache in die Halle)
GUTRUNE
War das sein Horn?
(Sie lausch)
Nein! - Noch
kehrt er nicht heim. -
Schlimme Träume
störten
mir den Schlaf!
Wild wieherte sein Ross;
Lachen Brünnhilde's
weckte mich auf.
Wer war das Weib,
das ich zum Ufer schreiten sah?
Ich fürchte Brünnhild'!
Ist sie daheim?
(Sie lauscht an der Tür rechts und ruft dann leise)
Brünnhild'! Brünnhild'!
Bist du wach?
(Sie öffnet schüchtern und blickt in das innere Gemach)
Leer das Gemach.
So war es sie,
die ich zum Rheine schreiten sah?
(Sie erschrickt und lauscht nach der Ferne)
War das sein Horn?
Nein! -
Öd' alles!
Säh' ich
Siegfried nur bald!
(Sie will sich wieder ihrem Gemache zuwenden: als sie jedoch Hagens Stimme
vernimmt, hält sie an und bleibt, von Furcht gefesselt, eine Zeitlang
unbeweglich stehen)
HAGENS STIMME (von aussen sich näher)
Hoiho! Hoiho!
Wacht auf! Wacht auf!
Lichte! Lichte,
helle Brände
Jagdbeute
bringen wir heim.
Hoiho! Hoiho!
(Licht und wachsender Feuerschein von aussen)
HAGEN (tritt in die Halle)
Auf! Gutrun'!
Begrüsse Siegfried!
Der starke Held,
er
kehret heim!
GUTRUNE (im grosser Angst)
Was geschah? Hagen!
Nicht hört' ich sein Horn!
(Manner und Frauen, mit Lichtern und Feuerbränden, geleiten in grosser
Verwirrung den Zug der mit Siegfrieds Leiche Heimkehrenden, unter denen Gunther)
HAGEN
Der bleiche Held,
nicht bläst er es mehr;
nicht stürmt
er zur Jagd,
zum Streite nicht mehr,
noch wirbt er um wonnige Frauen.
GUTRUNE (mit wachsendem Entsetzen)
Was bringen die?
(Der Zug gelangt in die Mitte der Halle, und die Mannen setzen dort die
Leiche auf einer schnell errichteten Erhöhung nieder)
HAGEN
Eines wilden Eber's Beute:
Siegfried: deinen toten Mann.
(Gutrune schreit auf und stürzt über die Leiche hin. Allgemeine
Erschütterung und Trauer)
GUNTHER (bemüht sich um die Ohnmächtige)
Gutrun'! Holde Schwester,
hebe dein Auge, schweige mir nicht!
GUTRUNE (wieder zu sich kommend)
Siegfried - Siegfried erschlagen!
(Sie stösst Gunther heftig zurück)
Fort, treuloser Bruder,
du Mörder meines Mannes! -
O Hülfe!
Hülfe! Wehe! Wehe!
Sie haben Siegfried erschlagen!
GUNTHER
Nicht klage wider mich!
dort klage wider Hagen.
Er ist der
verfluchte Eber,
der diesen Edlen zerfleischt'.
HAGEN
Bist du mir gram darum?
GUNTHER
Angst und Unheil
greife dich immer!
HAGEN (mit furchtbarem Trotze herantretend)
Ja denn! Ich hab' ihn erschlagen!
Ich - Hagen -
schlug ihn zu
Tod'.
Meinem Speer war er gespart,
bei dem er Meineid sprach.
Heiliges Beuterecht
hab' ich mir nun errungen:
drum fordr' ich hier
diesen Ring.
GUNTHER
Zurück! Was mir verfiel,
sollst nimmer du empfah'n.
HAGEN
lhr Mannen, richtet mein Recht!
GUNTHER
Rühr'st du an Gutrunes Erbe,
schamloser Albensohn?
HAGEN (sein Schwert ziehend)
Des Alben Erbe
fordert so sein Sohn!
(Er dringt auf Gunther ein; dieser wehrt sich: sie fechten. Die Mannen
werfen sich dazwischen. Gunther fälltvon einem Streiche Hagens darnieder)
Her den Ring!
(Er greift nach Siegfried Hand: diese hebt sich drohend empor. Gutrune und
die Frauen schreien entsetzt laut auf. Alles bleibt in Schauder regungslos
gefesselt)
(Vom Hintergrunde her schreitet Brünnhilde fest und
feierlich dem Vordergrunde zu)
BRÜNNHILDE (noch im Hintergrunde)
Schweigt eures Jammers
jauchzenden Schwall!
Das ihr alle
verrietet,
zur Rache schreitet sein Weib.
(Sie schreitet ruhig weiter vor)
Kinder hört' ich
greinen nach der Mutter,
da süsse Milch
sie verschüttet:
doch nicht erklang mir
würdige Klage,
des hehrsten Helden wert.
GUTRUNE (vom Boden heftig sich aufrichtend)
Brünnhilde! Neiderbos'te!
Du brachtest uns diese Not:
die du
die Männer ihm verhetztest,
weh, dass du dem Haus genaht!
BRÜNNHILDE
Armsel'ge, schweig'!
Sein Eheweib war'st du nie,
als Buhlerin
bandest du ihn.
Sein Mannesgemahl bin ich,
der ewige Eide er schwur,
eh' Siegfried je dich ersah.
GUTRUNE (in jähe Verzweiflung ausbrechend)
Verfluchter Hagen!
Dass du das Gift mir rietest,
das ihr den
Gatten entrückt.
Ach, Jammer!
Wie jäh nun weiss ich's,
Brünnhild' war die Traute,
die durch den Trank er vergass! -
(Sie wendet sich voll Scheu von Siegfried ab und beugt sich, in Schmerz
aufgelöst, über Gunthers Leiche: so verbleibt sie regungslos bis an
das Ende. Hagen steht, trotzig auf Speer und Schild gelehnt, in finsteres Sinnen
versunken, auf der entgegensetzen Seite)
Schluss (57:22) - Immolation Scene
BRÜNNHILDE (allein in der Mitte: nachdem sie lange,
zuerst mit tiefer Erschütterung, dann mit fast überwältigender
Wehmut das Angesicht Siegfrieds betrachet, wendet sie sich) mit feierlicher
Erhebung n die Männer und Frauen).
(zu den Mannen)
Starke Scheite schichtet mir dort am Rande des Rhein's zuhauf!
Hoch und
hell lod're die Glut,
die den edlen Leib des hehresten Helden verzehrt.
Sein Ross führet
daher, dass mit mir dem Recken es folge: denn des
Helden heiligste Ehre zu
teilen, verlangt mein eigener Leib. Vollbringt Brünnhilde's
Wunsch!
(Die jüngeren Manner errichten während des Folgenden vor
der
Halle nahe am Rheinufer einen mächtigen Scheithaufen: Frauen schmücken
ihn mit Decken, auf die sie Kräuter und Blumen streuen)
BRÜNNHILDE (versinkt von neuem in die Betrachtung
des
Antlitzes der Leiche Siegfrieds. Ihre Mienen nehmen eine immer sanftere
Verklärung an)
Wie Sonne lauter strahlt mir sein Licht: der Reinste war er, der mich
verriet, Die Gattin trügend, - treu dem Freunde, - von der eig'nen Trauten
- einzig ihm teuer - schied er sich durch sein Schwert. Ächter als er
schwur keiner Eide; treuer als er hielt keiner Verträge; lautrer als
er liebte kein and'rer:
und doch, alle Eide, alle Verträge, die
treueste Liebe trog keiner
wie er! - Wiss't ihr, wie das ward?
(nach oben blickend)
O ihr, der Eide heilige Hüter! Lenkt euren Blick auf mein blühendes
Leid: erschaut eure ewige Schuld! Meine Klage hör', du hehrster Gott! Durch
seine tapferste Tat, dir so tauglich erwünscht, weihtest du den, der sie
gewirkt, dem Fluche, dem du verfieles: mich musste der Reinste verraten, dass
wissend würde ein Weib! Weiss ich nun, was dir frommt? - Alles, alles,
alles weiss ich, alles ward mir nun frei! Auch deine Raben hör' ich
rauschen; mit bang ersehnter Botschaft send' ich die beiden nun heim. Ruhe,
ruhe, du Gott! -
(Sie winkt den Mannen, Siegfrieds Leiche auf den Scheithaufen zu tragen;
zugleich zieht sie von Siegfrieds Finger den Ring ab und betrachtet ihn sinnend)
Mein Erbe nun nehm' ich zu eigen. Verfluchter Reif! Furchtbarer Ring! Dein
Gold fass' ich und geb' es nun fort. Der Wassertiefe weise Schwestern, des
Rheines schwimmende Töchter, euch dank' ich redlichen Rat. Was ihr begehrt,
ich geb' es euch: au, meiner Asche nehmt es zu eigen! Das Feuer, das mich
verbrennt, rein'ge vom Fluche den Ring! Ihr in der Flut löset ihn auf, und
lauter bewahrt das lichte Gold, das euch zum Unheil geraubt.
(Sie hat sich den Ring angesteckt und wendet sich jetzt zu dem Scheitergerüste,
auf welchem Siegfrieds Leiche ausgestreckt liegt. Sie Sie entreisst einem Manne
den Mächtigen Feuerbrand) (den Feuerbrand schwingend und nach dem
Hintergrunde deutend)
Fliegt heim, ihr Raben! Raunt es eurem Herren, was hier am Rhein ihr gehört!
An Brünnhilde's Felsen
fahrt vorbei! - Der dort noch lodert, weiset
Loge nach Walhall! Denn der
Götter Ende dämmert nun auf. So -
werf' ich den Brand in Walhalls
prangende Burg.
(Sie schleudert den Brand in den Holzstoss, der sich schnell hell entzündet.
Zwei Raben sind vom Felsen an Ufer aufgeflogen und verschwunden nach den
Hintergrunde zu) (Brünnhilde gewahrt ihr Ross, welches zwei junge Männer
hereinführen. Sie ist ihm entgegengesprungen, fasst es und entzäumt es
schnell, dann neige sie sich traulich zu ihm)
Grane, mein Ross! Sei mir gegrüsst!
Weisst du auch, mein Freund,
wohin ich dich führe?
Im Feuer leuchtend, liegt dort dein Herr,
Siegfried, mein
seliger Held. Dem Freunde zu folgen, wieherst du freudig?
Lockt dich zu ihm die lachende Lohe? Fühl' meine Brust auch, wie sie
entbrennt; helles Feuer das Herz mir erfasst, ihn zu umschlingen, umschlossen
von ihm, in mächtigster Minne vermählt ihm zu sein! Heiajaho! Grane!
Grüss' deinen Herren! Siegfried! Siegfried! Sieh! Selig grüsst dich
dein Weib!
(Sie hat sich auf das Ross geschwungen und hebt es jetzt zum Sprunge. Sie
sprengt es mit einem Satze in den brennenden Scheithaufen. Sogleich steigt
prasselnd der Brand hoch auf, so dass das Feuer ganzen Raum vor der Halle erfüllt
und diese selbst schon zu ergreifen scheint. Entsetzt drängen sich Manner
und Frauen nach dem äussersten Vordergrunde) (Als der ganze Bühnenraum
nur noch von Feuer erfüllt erscheint, verlischt plötzlich der
Glutschein, so dass bald bloss ein Dampfgewölk zurückbleibt, welches
sich dem Hintergrunde zu verzieht und dort am Horizont sich als finstere
Wolkenschicht lagert. Zugleich ist vom Ufer her der Rhein mächtig
angeschwollen und hat seine Flut über die Brandstätte gewälzt.
Auf den Wogen sind die drei Rheintöchter herbeigeschwommen und erscheinen
jetzt über der Brandstätte.)
HAGEN
Zurück vom Ring!
(Hagen, der seit dem Vorgange mit dem Ringe Brünnhildes
Benehmen
mit wachsender Angst beobachtet hat, gerät beim Anblick der Rheintöchter
in höchsten Schreck. Er wirft hastig Speer, Schild und Helm von sich und stürzt
wie wahnsinnig sich in die Flut. Woglinde und Wellgunde umschlingen mit ihren
Armen seinen Nachen und ziehe ihn so, zur schwimmend, mit sich in die Tiefe.
Flosshilde, den anderen voran dem Hintergrunde zuschwimmend, hält jubelnd
den gewonnenen Ring in die Höhe. Durch die Wolkenschicht, welche sich am
Horizont gelagert, bricht ein rötlicher Glutschein mit wachsender
Heftigkeit aus. Von dieser Helligkeit beleuchtet, sieht man die drei Rheintöchter
auf den ruhigeren Wellen des allmählich wieder in sein Bett zurückgetretenen
Rheines, lustig mit dem Ringe spielend, im Reigen schwimmen. Aus den Trümmern
der zusammengestürzten Halle Sehen die Manner und Frauen in höchster
Ergriffenheit dem wachsenden Feuerschein am Himmel zu. Als dieser endlich in
lichtester Helligkeit leuchtet, erblickt man darin den Saal Walhalls, in welche
die Götter und Helden, ganz nach der Schilderung Waltrautes im ersten
Aufzuge, versammelt sitzen. Helle Flammen scheinen in dem Saal der Götter
aufzuschlagen. Als die Götter von den Flammen gänzlich verhüllt
sind, fällt der Vorhang)