| Prologue | 00:00 | |
| Scene 1 | Mime: Zwangvolle Plage | 04:20 |
| Scene 2 | Wanderer: Heil dir, weiser Schmied! | 29:54 |
| Scene 3
Forging Song |
Mime: Verfluchtes Licht!
Siegfried: Her mit den Stucken |
51:43
60:50 |
Wald.
Den Vordergrund bildet ein Teil einer Felsenhöhle, die
sich links tiefer nach innen zieht, nach rechts aber gegen drei Vierteile der Bühne
einnimmt. Zwei natürlich gebildete Eingänge stehen dem Walde zu offen:
der eine nach rechts, unmittelbar im Hintergrunde, der andere, breitere, ebenda
seitwärts. An der Hinterwand, nach links zu, steht ein grosse Schmiedeherd,
aus Felsstücken natürlich geformt; künstlich ist nur der grosse
Blasebalg: die rohe Esse geht - ebenfalls -natürlich - durch das Felsendach
hinauf. Ein sehr grosse Amboss und andre Schmiedegerätschaften.
MIME (4:20)(sitzt, als der Vorhang nach
einem kurzen Orchestervorspiel aufgeht, am Ambosse und hämmert mit
wachsender Unruhe an einem Schwerte: endlich hält er unmutig ein)
Zwangvolle Plage!
Müh' ohne Zweck!
Das beste Schwert,
das sie ich geschweisst,
in der Riesen Fäusten
hielte es fest;
doch dem ich's geschmiedet,
der schmähliche Knabe,
er knickt und
schmeisst es entzwei,
als schüf' ich Kindergeschmeid! -
(Mime wirft das Schwert unmutig auf den Amboss, stemmt die Arme ein und
blickt sinnend zu Boden)
Es gibt ein Schwert,
das er nicht zerschwänge:
Notungs Trümmer
zertrotzt' er mir nicht,
konnt' ich die starken
Stücken schweissen,
die meine Kunst,
nicht zu kitten weiss!
Könnt' ich's dem Kühnen schmieden,
meiner Schmach erlangt' ich da
Lohn!
(Er sinkt tiefer zurück und neigt sinnend das Haupt)
Fafner, der wilde Wurm,
lagert im finstren Wald;
mit des
furchtbaren Leibes Wucht
der Niblungen Hort
hütet er dort.
Siegfrieds kindischer Kraft
erläge wohl Fafners Leib:
des
Niblungen Ring
erränge er mir.
Nur ein Schwert taugt zu der Tat;
nur Notung nützt meinem Neid,
wenn Siegfried sehrend ihn schwingt:
und ich kann's nicht schweissen,
Notung, das Schwert! -
(Er hat das Schwert wieder zurechtgelegt und hämmert in höchstem
Unmut daran weiter)
Zwangvolle Plage!
Müh' ohne Zweck!
Das beste Schwert,
das je ich geschweisst,
nie taugt es je
zu der einzigen Tat!
Ich
tappre und hämmre nur,
weil der Knabe es heischt:
er knickt und
schmeisst es entzwei,
und schmählt doch, schmied' ich ihm nicht!
(Er lässt den Hammer fallen)
(Siegfried, in wilder Waldkleidung,
mit einem silbernen Horn an einer Kette, kommt mit jähem Ungestüm aus
dem Walde herein; e hat einen grossen Bären mit einen Bastseile gezäumt
und treibt diesen mit lustigem Übermute gegen Mime an)
SIEGFRIED
Hoiho! Hoiho!
Hau' ein! Hau' ein!
Friss
ihn! Friss ihn!
den Fratzenschmied!
(Er lacht unbändig.)
(Mimen entsinkt vor Schreck das Schwert; er
flüchtet hinter das Herd; Siegfried treibt ihm den Bären überall
nach)
MIME
Fort mit dem Tier!
taugt mir der Bär?
SIEGFRIED
Zu zwei komm ich,
dich besser zu zwicken.
Brauner! Frag' nach dem
Schwert!
MIME
He! Lass das Wild!
Dort liegt die Waffe:
fertig fegt' ich sie
heut'.
SIEGFRIED
So fährst du heute noch heil!
(Er löst dem Bären den Zaum, und gibt ihm damit einen Schlag auf
dem Rücken)
Lauf', Brauner!
Dich brauch' ich nicht mehr!
(Der Bär läuft in den Wald zurück)
MIME (kommt zitternd hinter dem Herde hervor)
Wohl leid' ich's gern,
erlegst du Bären:
was bringst du
lebend
die braunen heim?
SIEGFRIED (setzt sich, um sich vom Lachen zu erholen)
Nach bessrem Gesellen sucht' ich,
als daheim mir einer sitzt;
im
tiefen Walde mein Horn
liess ich hallend da ertönen:
ob sich froh
mir gesellte
ein guter Freund?
Das frug ich mit dem Getön'!
Aus dem Busche kam ein Bär,
der hörte mir brummend zu;
er
gefiel mir besser als du,
doch bessre fänd' ich wohl noch!
Mit
dem zähen Baste
zäumt' ich ihn da,
dich, Schelm, nach dem
Schwerte zu fragen.
(Er springt auf und geht auf den Amboss zu)
MIME (nimmt das Schwert auf, um es Siegfried zu reichen)
Ich schuf die Waffe scharf,
ihrer Schneide wirst du dich freun.
(Er hält das Schwert ängstlich in der Hand fest, das Siegfried ihm
heftig entwindet)
SIEGFRIED
Was frommt seine helle Schneide,
ist der Stahl
nicht hart und fest!
(das Schwert mit der Hand prüfend)
Hei! was ist das
für müss'ger Tand!
Den schwachen Stift
nennst du ein Schwert?
(Er zerschlägt es auf dem Amboss, dass die Stücken ringsum
fliegen; Mime weicht erschrocken aus)
Da hast du die Stücken,
schändlicher stümper:
hätt'
ich am Schädel
dir sie zerschlagen! -
Soll mich der Prahler
länger noch prellen?
Schwatzt mir von Riesen
und rüstigen Kämpfen,
von kühnen Taten
und tüchtiger Wehr;
will Waffen mir
schmieden,
Schwerte schaffen;
rühmt seine Kunst,
als könnt'
er was Recht:
nehm' ich zur Hand nun,
was er gehämmert,
mit
einem Griff
zergreif' ich den Quark! -
Wär' mir nicht schier
zu schäbig der Wicht,
ich zerschmiedet' ihn selbst
mit seinem
Geschmeid,
den alten albernen Alp!
Des Argers dann hätt' ich ein
End'!
(Siegfried wirft sich wütend auf eine Steinbank zur Seite rechts Mime
ist ihm immer vorsichtig ausgewichen)
MIME
Nun tobst du wieder wie toll:
dein Undank, traun! ist arg!
Mach'
ich dem bösen Buben
nicht alles gleich zu best,
was ich ihm Gutes
schuf,
vergisst er gar zu schnell!
Willst du denn nie gedenken,
was ich dich lehrt' vom Danke?
Dem sollst du willig gehorchen,
der je
sich wohl dir erwies.
(Siegfried wendet sich unmutig um, mit dem Gesicht nach der Wand, so dass er
Mime den Rücken kehrt)
Das willst du wieder nicht hören!
(Er steht verlegen; dann geht er in die Küche am Herd)
Doch speisen magst du wohl?
Vom Spiesse bring' ich den Braten:
versuchtest du gern den Sud?
Für dich sott ich ihn gar.
(Er bietet Siegfried Speise hin; dieser, ohne sich umzuwenden, schmeisst ihm
Topf und Braten aus der Hand)
SIEGFRIED
Braten briet ich mir selbst:
deinen Sudel sauf' allein!
MIME (stellt sich empfindlich. Mit kläglich kreischender
Stimme)
Das ist nun der Liebe
schlimmer Lohn!
Das der Sorgen
schmählicher
Sold! -
Als zullendes Kind
zog ich dich auf,
wärmte mit
Kleiden
den kleinen Wurm:
Speise und Trank
trug ich dir zu,
hütete dich
wie die eigne Haut.
Und wie du erwuchsest,
wartet' ich dein;
dein Lager schuf ich,
dass leicht du schliefst.
Dir schmiedet' ich Tand
und ein tönend Horn:
dich zu erfreun,
müht' ich mich froh:
mit klugem Rate
riet ich dir klug,
mit
lichtem Wissen
lehrt' ich dich Witz.
Sitz' ich daheim
in Fleiss
und Schweiss,
nach Herzenslust
schweifst du umher:
für dich
nur in Plage,
in Pein nur für dich
verzehr' ich mich alter
armer Zwerg!
(schluchzend)
Und aller Lasten
ist das nun mein Lohn,
dass der hastige Knabe
mich quält und hasst!
(schluchzend)
(Siegfried hat sich wieder umgewendet und ruhig in Mimes
Blick geforscht. Mime begegnet Siegfrieds Blick und sucht den seinigen scheu zu
bergen)
SIEGFRIED
Vieles lehrtest du, Mime,
und manches lernt' ich von dir;
doch was
du am liebsten mich lehrtest,
zu lernen gelang mir nie:
wie ich dich
leiden könnt'.
Trägst du mir Trank
und Speise herbei -
der Ekel speist mich allein;
schaffst du ein leichtes
Lager zum Schlaf
-
der Schlummer wird mir da schwer;
willst du mich weisen,
witzig
zu sein -
gern bleib' ich taub und dumm.
Seh' ich dir erst
mit
den Augen zu,
zu übel erkenn' ich,
was alles du tust:
seh'
ich dich stehn,
gangeln und gehn,
knicken und nicken,
mit den
Augen zwicken:
beim Genick möcht' ich
den Nicker packen,
den
Garaus geben
dem garst'gen Zwicker! -
So lernt' ich, Mime, dich
leiden.
Bist du nun weise,
so hilf mir wissen,
worüber
umsonst ich sann:
in den Wald lauf' ich
dich zu verlassen, -
wie
kommt das, kehr ich zurück?
Alle Tiere sind
mir teurer als du:
Baum und Vogel,
die Fische im Bach
lieber mag ich sie
leiden als
dich:
wie kommt das nun, kehr' ich zurück?
Bist du klug so tu
mir's kund.
MIME (sizt sich in eiiniger Entfernung ihm traulich gegenüber)
Mein Kind' das lehrt dich kennen,
wie lieb ich am Herzen dir lieg'.
SIEGFRIED (lachend)
Ich kann dich ja nicht leiden,
vergiss das nicht so leicht!
MIME (fährt zurück und setzt sich wieder abseits Siegfried
gegenüber)
Des ist deine Wildheit schuld
die du Böser bänd'gen sollst. -
Jammernd verlangen Junge
nach ihrer Alten Nest;
Liebe ist das
Verlangen;
so lechzest du auch nach mir
so liebst du auch deinen Mime
-
so musst du ihn lieben!
Was dem Vögelein ist der Vogel,
wenn er im Nest es nährt
eh' das flügge mag fliegen:
das ist
dir kind'schem Spross
der kundig sorgende Mime
das muss er dir sein!
SIEGFRIED
Ei, Mime, bist du so witzig,
so lass mich eines noch wissen!
Es
sangen die Vöglein
so selig im Lenz,
das eine lockte das andre:
du sagtest selbst,
da ich's wissen wollt' -
das wären Männchen
und Weibchen.
Sie kosten so lieblich,
und liessen sich nicht,
sie
bauten ein Nest
und brüteten drin:
da flatterte junges
Geflügel
auf,
und beide pflegten der Brut,
So ruhten im Busch
auch Rehe
gepaart,
selbst wilde Füchse und Wölfe:
Nahrung brachte
zum Neste, das Männchen
das Weibchen säugte die Welpen.
Da
lernt' ich wohl,
was Liebe sei;
der Mutter entwandt' ich
die
Welpen nie.
Wo hast du nun, Mime,
dein minniges Weibchen
dass ich
es Muttern nenne?
MIME (ärgerlich)
Was ist dir, Tor?
Ach, bist du dumm!
Bist doch weder Vogel noch
Fuchs?
SIEGFRIED
Das zullende Kínd
zogest du auf,
wärmtest mit Kleiden
den kleinen Wurm:
wie kam dir aber
der kindische Wurm?
Du
machtest wohl gar,
ohne Mutter mich?
MIME (in grosser Verlegenheit)
Glauben sollst du,
was ich dir sage.
ich bin dir Vater
und
Mutter zugleich.
SIEGFRIED
Das lügst du, garstiger Gauch! -
Wie die jungen den Alten
gleichen,
das hab' ich mir glücklich ersehn.
Nun kam ich zum
klaren Bach:
da erspäht' ich die Bäum'
und Tier' im Spiegel;
Sonn' und Wolken,
wie sie nur sind,
im Glitzer erschienen sie gleich.
Da sah ich denn auch
mein eigen Bild;
ganz anders als du
dünkt'
ich mir da:
so glich wohl der Kröte
ein glänzender Fisch;
doch kroch nie ein Fisch aus der Kröte!
MIME (höchst ärgerlich)
Gräulichen Unsinn
kramst du da aus!
SIEGFRIED (immer lebendiger)
Siehst du,
nun fällt auch selbst mir ein,
was zuvor umsonst
ich besann:
wenn zu Wald ich laufe,
dich zu verlassen,
wie das
kommt, kehr' ich doch heim?
(er springt auf)
Von dir erst muss ich erfahren,
wer Vater und Mutter mir sei?
MIME (weicht ihm aus)
Was Vater! Was Mutter!
Müssige Frage!
SIEGFRIED (packt ihn bei der Kehle)
So muss ich dich fassen,
um was zu wissen:
gutwillig
erfahr'
ich doch nichts!
So musst' ich alles
ab dir trotzen:
kaum das
Reden
hätt' ich erraten,
entwand ich's mit Gewalt
nicht dem
Schuft!
Heraus damit, räudiger Kerl!
Wer ist mir Vater und
Mutter?
MIME (nachdem er mit dem Kopfe genickt und mit den Händen
gewinkt, ist von Siegfried losgelassen worden)
Ans Leben gehst du mir schier!
Nun lass! Was zu wissen dich geizt,
erfahr' es, ganz wie ich's weiss. -
O undankbares,
arges Kind!
jetzt hör', wofür du mich hassest!
Nicht bin ich Vater,
noch
Vetter dir,
und dennoch verdankst du mir dich!
Ganz fremd bist du mir,
dem einzigen Freund;
aus Erbarmen allein
barg ich dich hier:
nun
hab' ich lieblichen Lohn!
Was verhofft' ich Tor mir auch Dank?
Einst
lag wimmernd ein Weib
da draussen im wilden Wald:
zür Höhle
half ich ihr her,
am warmen Herd sie zu hüten.
Ein Kind trug sie
im Schosse;
traurig gebar sie's hier;
sie wand sich hin und her,
ich half, so gut ich konnt':
gross war die Not! Sie starb -
doch
Siegfried, der genas.
SIEGFRIED
So starb meine Mutter an mir?
MIME
Meinem Schutz übergab sie dich:
(Siegfried steht sinnend)
ich schenkt' ihn gern dem Kind.
Was hat sich Mime gemüht!
Was
gab sich der Gute für Not!
Als zullendes Kind
zog ich dich
auf.... "
SIEGFRIED
Mich dünkt, des gedachtest du schon!
jetzt sag': woher heiss' ich
Siegfried?
MIME
So hiess mich die Mutter,
möcht' ich dich heissen:
als "Siegfried"
würdest
du stark und schön. -
Ich wärmte mit Kleiden
den kleinen Wurm....
SIEGFRIED
Nun melde, wie hiess meine Mutter?
MIME
Das weiss ich wahrlich kaum!
"Speise und Trank trug ich dir zu "
...
SIEGFRIED
Den Namen sollst du mir nennen!
MIME
Entfiel er mir wohl? Doch halt!
Sieglinde mochte sie heissen,
die
dich in Sorge mir gab.
"Ich hütete dich
wie die eigne Haut"...
SIEGFRIED (immer dringender)
Dann frag' ich, wie hiess mein Vater?
MIME (barsch)
Den hab' ich nie gesehn.
SIEGFRIED
Doch die Mutter nannte den Namen?
MIME
Erschlagen sei er,
das sagte sie nur;
dich Vaterlosen
befahl
sie mir da:
"und wie du erwuchsest,
wartet' ich dein;
dein
Lager schuf ich,
dass leicht du schliefst"...
SIEGFRIED
Still mit dem alten
Starenlied!
Soll ich der Kunde glauben,
hast du mir nichts gelogen,
so lass mich Zeichen sehn!
MIME
Was soll dir's noch bezeugen?
SIEGFRIED
Dir glaub' ich nicht mit dem Ohr',
dir glaub' ich nur mit dem Aug':
welch Zeichen zeugt für dich?
MIME (holt nach einigem Besinnen die zwei Stücken eines
zerschlagenen Schwert herbei)
Das gab mir deine Mutter:
für
Mühe, Kost und Pflege
liess sie's als schwachen Lohn.
Sieh' her,
ein zerbrochnes Schwert!
Dein Vater, sagte sie, führt' es,
als im
letzten Kampf er erlag.
SIEGFRIED (begeistert)
Und diese Stücken
sollst du mir schmieden:
dann schwing' ich
mein rechtes Schwert!
Auf! Eile dich, Mime!
Mühe dich rasch;
kannst du was Rechts,
nun zeig' deine Kunst!
Täusche mich nicht
mit schlechtem Tand:
den Trümmern allein
trau' ich was zu!
Find' ich dich faul,
fügst du sie schlecht,
flickst du mit
Flausen
den festen Stahl,
dir Feigem fahr' ich zu Leib',
das
Fegen lernst du von mir!
Denn heute noch, schwör' ich,
will ich
das Schwert;
die Waffe gewinn' ich noch heut'!
MIME (erschrocken)
Was willst du noch heut' mit dem Schwert?
SIEGFRIED
Aus dem Wald
fort in die Welt ziehn:
nimmer kehr' ich zurück!
Wie ich froh bin,
dass ich frei ward,
nichts mich bindet
und
zwingt!
Mein Vater bist du nicht;
in der Ferne bin ich heim;
dein
Herd ist nicht mein Haus,
meine Decke nicht dein Dach.
Wie der Fisch
froh
in der Flut schwimmt,
wie der Fink frei
sich davon schwingt;
flieg' ich von hier,
flute davon,
wie der Wind übern Wald
weh' ich dahin -
dich, Mime, nie wieder zu sehn!
(Er stürmt in den Wald fort)
MIME (in höchster Angst)
Halte! Halte! Wohin?
(Er ruft mit der grössten Anstrengung in den Wald)
He! Siegfried
Siegfried! He!
(Er sieht dem Fortstürmenden eine Weile staunend nach; dann kehrt er in
die Schmiede zurück und setzt sich hinter den Amboss)
Da stürmt er hin!
Nun sitz' ich da:
zur alten Not
hab'
ich die neue;
vernagelt bin ich nun gauz! -
Wie helf' ich mir jetzt?
Wie halt' ich ihn fest?
Wie führ' ich den Huien
zu Fafners
Nest?
Wie füg' ich die Stücken
des tückischen Stahls?
Keines Ofens Glut
glüht mir die echten;
keines Zwergen Hammer
zwingt mir die harten:
des Niblungen Neid,
Not und Schweiss
nietet mir Notung nicht,
schweisst mir das Schwert nicht zu ganz!
(Mime knickt verzweifelnd aulf dem Schemel hinter dem Amboss zusammen)
(Der Wanderer [Wotan] tritt aus dem Wald an das hintere Tor der Höhle
heran. Er trägt einen dunkelblauen langen Mantel; einen Speer führt er
als Stab. Auf dem Haupte hat er einen grossen Hut mit breiter runder Krämpe,
die über das fehlende eine Auge tief hereinhängt)
WANDERER
Heil dir, weiser Schmied!
Dem wegmüden Gast
gönne hold
des Hauses Herd!
MIME (ist erschrocken aufahrend)
Wer ist's, der im wilden
Walde mich sucht?
Wer verfolgt mich im öden
Forst?
WANDERER (sehr langsam, immer nur einen Schritt sich nähender)
"Wand'rer" heisst mich die Welt;
weit wandert' ich schon:
auf der Erde Rücken
rührt' ich mich viel!
MIME
So rühre dich fort
und raste nicht hier,
heisst dich "Wand'rer"
die Welt!
WANDERER
Gastlich ruht' ich bei Guten,
Gaben gönnten viele mir:
denn
Unheil fürchtet,
wer unhold ist.
MIME
Unheil wohnte
immer bei mir:
willst du dem Armen es mehren?
WANDERER (langsam immer näherschreitend)
Viel erforscht' ich,
erkannte viel:
Wicht'ges konnt' ich
manchem künden,
manchem wehren,
was ihn mühte:
nagende
Herzensnot.
MIME
Spürtest du klug
und erspähtest du viel,
hier brauch'
ich nicht
Spürer noch Späher.
Einsam will ich
und
einzeln sein,
Lungerern lass' ich den Lauf.
WANDERER (tritt wieder etwas näher)
Mancher wähnte
Weise zu sein,
nur was ihm not tat,
wusste er nicht;
was ihm frommte,
liess ich erfragen.
lohnend
lehrt' ihn mein Wort.
MIME (immer ängstlicher, da er den Wanderer sich nahen sieht)
Müss'ges Wissen
wahren manche:
ich weiss mir grade genug;
(Der Wanderer schreitet vollends bis an den Herd vor)
mir genügt mein Witz,
ich will nicht mehr:
dir Weisem weiss
ich den Weg!
WANDERER (am Herd sich setzend)
Hier sitz' ich am Herd
und setze mein Haupt
der Wissenswette zum
Pfand:
mein Kopf ist dein,
du hast ihn erkiest,
entfrägst du
mir nicht,
was dir frommt,
lös' ich's mit Lehren nicht ein.
MIME (der zuletzt den Wanderer mit offenem Munde angestaunt hat,
schrickt jetzt zusammen; kleinmütig für sich)
Wie werd' ich den Lauernden los?
Verfänglich muss ich ihn fragen.
(Er ermannt sich wie zu Strenge)
Dein Haupt pfänd' ich
für den Herd:
nun sorg', es sinnig
zu lösen!
Drei der Fragen
stell' ich mir frei.
WANDERER
Dreimal muss ich's treffen.
MIME (sammelt sich zum Nachdenhen)
Du rührtest dich viel auf der Erde Rücken,
die Welt
durchwandertst du weit;
nun sage mir schlau:
welches Geschlecht tagt
in der Erde Tiefe?
WANDERER
In der Erde Tiefe
tagen die Nibelungen:
Nibelheim ist ihr Land.
Schwarzalben sind sie;
Schwarz-Alberich
hütet' als Herrscher sie
einst!
Eines Zauberringes
zwingende Kraft
zähmt' ihm das
fleissige Volk.
Reicher Schätze
schimmernden Hort
häuften
sie ihm:
der sollte die Welt ihm gewinnen.
Zum zweiten was frägst
du Zwerg?
MIME (versinkt in immer tieferes Nachsinnen)
Viel, Wanderer, weisst du mir
aus der Erde Nabelnest;
nun sage mir
schlicht,
welches Geschlecht
ruht auf der Erde Rücken?
WANDERER
Auf der Erde Rücken
wuchtet der Riesen Geschlecht:
Riesenheim
ist ihr Land.
Fasolt und Fafner,
der Rauhen Fürsten,
neideten Nibelungs Macht;
den gewaltigen Hort
gewannen sie sich,
errängen mit ihm den Ring.
Um den entbrannte
den Brüdern
Streit;
der Fasolt fällte,
als wilder Wurm
hütet nun
Fafner den Hort.
Die dritte Frage nun droht.
MIME (der ganz in Träumerei entrückt ist)
Viel,
Wanderer,
weisst du mir
von der Erde rauhem Rücken.
Nun sage
mir wahr, welches Geschlecht
wohnt auf wolkigen Höhn?
WANDERER
Auf wolkigen Höhn
wohnen die Götter:
Walhall heisst ihr
Saal.
Lichtalben sind sie;
Licht-Alberich,
Wotan, waltet der
Schar.
Aus der Welt-Esche weihlichsten Aste
schuf er sich einen
Schaft:
dorrt der Stamm,
nie verdirbt doch der Speer;
mit seiner
Spitze
sperrt Wotan die Welt.
Heil'ger Verträge
Treuerunen
schnitt in den Schaft er ein.
Den Haft der Welt hält in der
Hand,
wer den Speer führt,
den Wotans Faust umspannt.
Ihm
neigte sich
der Niblungen Heer;
der Riesen Gezücht
zähmte
sein Rat:
ewig gehorchen sie alle
des Speeres starkem Herrn.
(Er stösst wie unwillkürlich mit dem Speer auf den Boden; ein
leiser Donner lässt sich vernehmen, wovon Mime heftig erschrickt)
Nun rede, weiser Zwerg:
wusst' ich der Fragen Rat?
Behalte mein
Haupt ich frei?
MIME (nachdem er den Wanderer mit dem Speer aufmerksam beobachtet
hat, gerät nun in grosse Angst, sucht verwirrt nach scinen Gerätschaften
und blichk scheu zur Seite)
Fragen und Haupt
hast du gelöst:
nun, Wand'rer, geh' deines
Wegs!
WANDERER .
Was zu wissen dir frommt,
solltest du fragen:
Kunde verbürgte mein Kopf.
Dass du nun nicht weisst,
was dir nützt,
des fass' ich jetzt deines als Pfand.
Gastlich nicht
galt mir dein
Gruss,
mein Haupt gab ich
in deine Hand,
um mich des Herdes zu
freun.
Nach Wettens Pflicht
pfänd' ich nun dich,
lösest
du drei
der Fragen nicht leicht.
Drum frische dir, Mime, den Mut!
MIME (sehr schüchtern und zögernd, endlich in furchtsamer
Ergebung sich fassend)
Lang' schon mied ich
mein Heimatland,
lang' schon schied ich
aus der Mutter Schoss;
mir leuchtete Wotans Auge,
zur Höhle
lugt' es herein:
vor ihm magert
mein Mutterwitz.
Doch frommt
mir's nun weise zu sein,
Wand'rer, frage denn zu!
Vielleieht glückt
mir's, gezwungen
zu lösen des Zwerges Haupt.
WANDERER (wieder gemächlich sich niederlassend)
Nun, ehrlicher Zwerg,
sag' mir zum ersten:
welches ist das
Geschlecht,
dem Wotan schlimm sich zeigte
und das doch das liebste ihm
lebt?
MIME (sich ermunternd)
Wenig hört' ich
von Heldensippen;
der Frage doch mach' ich
mich frei.
Die Wälsungen sind
das Wunschgeschlecht,
das
Wotan zeugte
und zärtlich liebte,
zeigt' er auch Ungunst ihm.
Siegmund und Sieglind'
stammten von Wälse,
ein wild-verzweifeltes
Zwillingspaar:
Siegfried zeugten sie selbst,
den stärksten Wälsungenspross.
Behalt' ich, Wand'rer,
zum ersten mein Haupt?
WANDERER (gemütlich)
Wie doch genau
Geschlecht du mir nennst:
schlau eracht' ich dich
Argen!
Der ersten Frage
wardst du frei:
zum zweiten nun sag' mir,
Zwerg:
Ein weiser Niblung
wahret Siegfried;
Fafner soll er ihm fällen,
dass er den Ring erränge,
des Hortes Herrscher zu sein.
Welches
Schwert
muss Siegfried nun schwingen,
taug' es zu Fafners Tod?
MIME (seine gegenwärtige Lage immer mehr vergessend und von dem
Gegenstande lebhaft angezogen, reibt sich vergnügt die Hände)
Notung heisst
ein neidliches Schwert;
in einer Esche Stamm
stiess es Wotan:
dem sollt' es geziemen,
der aus dem Stamm es zög'.
Der stärksten Helden
keiner bestand's:
Siegmund, der Kühne,
konnt's allein:
fechtend führt' er' s im Streit,
bis an Wotans
Speer es zersprang.
Nun verwahrt die Stücken
ein weiser Schmied;
denn er weiss, dass allein
mit dem Wotans-Schwert
ein kühnes
dummes Kind,
Siegfried, den Wurm versehrt.
(ganz vergnügt)
Behalt' ich Zwerg
auch zweitens mein Haupt?
WANDERER (lachend)
Der witzigste bist du
unter den Weisen:
wer käm' dir an
Klugheit gleich?
Doch bist du so klug,
den kindischen Helden
für
Zwergenzwecke zu nützen:
mit der dritten Frage droh' ich nun!
Sag' mir, du weiser
Waffenschmied:
wer wird aus den starken Stücken
Notung, das Schwert, wohl schweissen?
MIME (fährt im höchsten Schrechen auf)
Die Stücken! Das Schwert!
O weh! Mir schwindelt!
Was fang'
ich an?
Was fällt mir ein?
Verfluchter Stahl,
dass ich dich
gestohlen!
Er hat mich vernagelt
in Pein und Not!
Mir bleibt er
hart,
ich kann ihn nicht hämmern:
Niet' und Löte
lässt
mich im Stich!
(Er wirft wie sinnlos sein Gerät durcheinander und bricht in helle
Verzweiflung aus)
Der weiseste Schmied
weiss sich nicht Rat! -
Wer schweisst nun das
Schwert,
schaff' ich es nicht?
Das Wunder, vie soll ich's wissen?
WANDERER (ist ruhig vom Herd aufgestanden)
Dreimal solltest du fragen,
dreimal stand ich dir frei:
nach
eitlen Fernen
forschtest du; -
doch was zunächst dir sich fand,
was dir nützt, fiel dir nicht ein.
Nun ich's errate,
wirst du
verrückt:
gewonnen hab' ich
das witzige Haupt!
Jetzt,
Fafners kühner Bezwinger,
hör', verfallner Zwerg:
"Nur
wer das Fürchten
nie erfuhr,
schmiedet Notung neu.
(Mime starrt ihn gross an: er wendet sich zum Fortgange)
Dein weisen Haupt wahre von heut':
verfallen lass' ich es dem,
der das Fürchten nicht gelernt!
(Er wendet sich lächeind ab und verschwindet schnell im Walde. Mime ist
wie vernichtet auf den Schmel hinter dem Amboss zurückgesunken)
MIME (starrt grad vor sich aus in den sonnig beleuchteten Wald
hinein und gerät zunehmend in heltiges Zittern)
Verfluchtes Licht!
Was flammt dort die Luft?
Was flackert und
lackert,
was flimmert und schwirrt,
was schwebt dort und webt
und
wabert umher?
Da glimmert's und glitzt's
in der Sonne Glut!
Was säuselt
und summt
und saust nun gar?
Es brummt und braust
und prasselt
hieher!
Dort bricht's durch den Wald,
will auf mich zu!
(Er bäumt sich vor Entsetzen auf)
Ein grässlicher Rachen
reisst sich mir auf;
der Wurm will mir
fangen!
Fafner! Fafner!
(Er sinkt laut schreiend hinter dem breiten Amboss zusammen)
SIEGFRIED (bricht aus dem Waldgesträuch hervor und ruft
noch hinten der Szene, während man seine Bewegung an dem zerkrachenden
Gezweige des Gesträuches gewahrt)
Heda ! Du Fauler!
Bist du
nun fertig!
(Er tritt in die Höhle herein und hält verwundert an)
Schnell! wie steht's mit dem Schwert?
Wo steckt der Schmied?
Stahl
er sich fort?
Hehe! Mime, du Memme!
Wo bist du? Wo birgst du dich?
MIME (mit schwacher Stimme hinter dem Amboss)
Bist du es, Kind?
Kommst du allein?
SIEGFRIED (lachend)
Hinter dem Amboss?
Sag', was schufest du dort?
Schärftest du
mir das Schwert?
MIME (höchst verstört und zerstreut hervorkommend)
Das Schwert? Das Schwert?
Wie möcht' ich's schweissen? -
"Nur
wer das Fürchten
nie erfuhr,
schmiedet Notung neu .."
Zu weise ward ich
für solches Werk!
SIEGFRIED
Wirst du mir reden?
Soll ich dir raten?
MIME
Wo nähm' ich redlichen Rat?
Mein weises Haupt
hab' ich
verwettet:
(vor sich hinstarrend)
verfallen, verlor ich's an den,
"der das Fürchten nicht
gelernt".
SIEGFRIED (ungestüm)
Sind mir das Flausen?
Willst du mir fliehn?
MIME (allmählich sich etwas lassend)
Wohl flöh' ich dem,
der's Fürchten kennt! -
Doch das
liess ich dem Kinde zu lehren!
Ich Dummer vergass,
was einzig gut:
Liebe zu mir
sollt' er lernen; -
das gelang nun leider faul! -
Wie bring' ich das Fürchten ihm bei?
SIEGFRIED (packt ihn)
He! Muss ich helfen?
Was fegtest du heut'?
MIME
Um dich nur besorgt,
versank ich in Sinnen,
wie ich dich Wichtiges
wiese.
SIEGFRIED (lachend)
Bis unter den Sitz
waist du versunken:
was Wichtiges fandest du
da?
MIME (sich immer mehr fassend)
Das Fürchten lernt' ich für dich,
dass ich's dich Dummen
lehre.
SIEGFRIED (mit ruhiger Verwunderung)
Was ist's mit dem Fürchten?
MIME
Erfuhrst du's noch nie,
und willst aus dem Wald
doch fort in die
Welt?
Was frommte das festeste Schwert,
blieb dir das Fürchten
fern?
SIEGFRIED (ungeduldig)
Faulen Rat
erfindest du wohl?
MIME (immer zutraulicher Siegfried näher tretend)
Deiner Mutter Rat
redet aus mir;
was ich gelobte,
muss ich
nun lösen:
in die listige Welt
dich nicht zu entlassen,
eh'
du nicht das Fürchten gelernt.
SIEGFRIED (eftig)
Ist's eine Kunst,
was kenn' ich sie nicht?
Heraus! Was ist's mit
dem Fürchten?
MIME
Fühltest du nie
im finstren Wald,
bei Dämmerschein
am dunklen Ort,
wenn fern es säuselt,
summst und saust,
wildes Brummer
näher braust,
wirres Flackern
um dich
flimmert,
schwellend Schwirren
zu Leib dir schwebt:
fühltest
du dann nicht grieselnd
Grausen die Glieder dir fahen?
Glühender
Schauer
schüttelt die Glieder,
in der Brust bebend und bang
berstet hämmernd das Herz?
Fühltest du das noch nicht,
das Fürchten
blieb dir dann fremd.
SIEGFRIED (nachsinnend)
Sonderlich seltsam
muss das sein!
Hart und fest,
fühl'
ich, steht mir das Herz.
Das Grieseln und Grausen,
das Glühen und
Schauern,
Hitzen und Schwindeln,
Hämmern und Beben: -
gern
begehr' ich das Bangen,
sehnend verlangt mich's der Lust!
Doch wie
bringst du,
Mime, mir's bei?
Wie wärst du, Memme, mir Meister?
MIME
Folge mir nur,
ich führe dich wohl:
sinnend fand ich es aus.
Ich weiss einen schlimmen Wurm,
der würgt' und schlang schon viel:
Fafner lehrt dich das Fürchten,
folgst du mir zu seinem Nest.
SIEGFRIED
Wo liegt er im Nest?
MIME
Neidhöhle
wird es genannt:
im Ost, am Ende des Walds.
SIEGFRIED
Dann wär's nicht weit von der Welt?
MIME
Bei Neidhöhle hegt sie ganz nah.
SIEGFRIED
Dahin denn sollst du mich führen:
lernt' ich das Fürchten,
dann fort in die Welt!
Drum schnell! Schaffe das Schwert,
in der Welt
will ich es schwingen.
MIME
Das Schwert? O Not!
SIEGFRIED
Rasch in die Schmiede!
Weis', was du schufst!
MIME
Verfluchter Stahl!
Zu flicken versteh' ich ihn nicht:
den zähen
Zauber
bezwingt keines Zwergen Kraft.
Wer das Fürchten nicht
kennt.
der fänd' wohl eher die Kunst.
SIEGFRIED (60:50)
Feine Finten
weiss mir der Faule;
dass er ein Stümper,
sollt' er gestehn:
nun lügt cir sich listig beraus'!
Her mit den
Stücken,
fort mit dem Stümper!
(auf den Herd zuschreitend)
Des Vaters Stahl
fügt sich wohl mir:
ich selbst schweisse das
Schwert!
(Er macht sich, Mimes Gerät durcheinander werfend mit Ungestüm an
die Arbeit)
MIME
Hättest du fleissig
die Kunst gepflegt,
jctzt käm' dir's
wahrlich zugut;
doch lässig warst du
stets in der Lehr':
was
willst du Rechtes nun rüsten?
SIEGFRIED
Was der Meister nicht kann,
vermöcht' es der Knabe,
hätt'
er ihm immer gehorcht? -
(Er dreht ihm eine Nase)
Jetzt mach' dich fort,
misch' dich nicht drein:
sonst fällst
du mir mit ins Feuer!
(Er hat eine grosse Menge Kohlen auf dem Herd aufgehäuft und unterhalt
in einem fort die Glut, während er die Schwertstücke in den
Schraubstock einspannt und sie zu Spänen zerfeilt)
MIME (der sich etwas abseits niedergesetzt hat, sieht Siegfried
bei der Arbeit zu)
Was machst du denn da?
Nimm doch die Löte:
den Brei braut'
ich schon längst.
SIEGFRIED
Fort mit dem Brei!
ich brauch' ihn nicht:
Mit Bappe back' ich kein
Schwert!
MIME
Du zerfeilst die Feile,
zerreibst die Raspel:
wie willst du den
Stahl zerstampfen?
SIEGFRIED
Zersponnen muss ich
in Späne ihn sehn:
was entzwei ist,
zwing' ich mir so.
MIME (für sich)
Hier hilft kein Kluger,
das sch' ich klar:
hier hilft dem Dummen
die Dummheit allein!
Wie er sich rührt
und mächtig regt!
lhm schwindet der Stahl,
doch wird ihm nicht schwül! -
(Siegfried hat das Herdfeuer zur hellsten Glut angefacht)
Nun ward ich so alt
wie Höhl' und Wald,
und hab' nicht so was
gesehn!
(Während Siegfried mit ungestümen Eifer fortfährt die
Schwertstücken zu zerfeilen, setzt sich Mime noch mehr beiseite)
Mit dem Schwert gelingt's,
das lern' ich wohl:
furchtlos fegt er's
zu ganz.
Der Wand'rer wusst' es gut! -
Wie berg' ich nun
mein
banges Haupt?
Dem kühnen Knaben verfiel's,
lehrt' ihn nicht Fäfner
die Furcht!
(mit wachsender Unruhe aufspringend und sich beugend)
Doch weh' mir Armen!
Wie würgt' er den Wurm,
erführ' er
das Fürchten von ihm?
Wie erräng' er mir den Ring?
Verfluchte Klemme!
Da klebt' ich fest,
fänd' ich nicht klugen
Rat,
wie den Furchtlosen selbst ich bezwäng'.
SIEGFRIED (hat nun die Stücken zetfeilt und in einem
Schmelz-tiegel gefangen, den er jetzt in die Herdglüt stellt)
He, Mime! Geschwind!
Wie heisst das Schwert,
das ich in Späne
zersponnen?
MIME (fährt zusammen und wmdet sich zu Siegfried)
Notung nennt sich
das neidliche Schwert:
deine Mutter gab mir die
Mär.
SIEGFRIED (nährt unter dem Folgenden die Glut mit dem
Blasebalg)
Notung! Notung!
Neidliches Schwert!
Was musstest du zerspringen?
Zu Spreu nun schuf ich
die scharfe Pracht,
im Tiegel brat' ich die Späne.
Hoho! Hoho!
Hohei! Hohei!
Blase, Balg!
Blase die Glut!
Wild
im Walde
wuchs ein Baum,
den hab' ich im Forst gefällt:
die
braune Esche
brannt' ich zur Kohl',
auf dem Herd nun liegt sie gehäuft.
Hoho! Hoho!
Hohei! Hoheí! Hoho!
Blase, Balg!
Blase die
Glut!
Des Baumes Kohle,
wie brennt sie kühn;
wie glüht
sie hell und hehr!
In springenden Funken
sprühet sie auf:
hohei, hohei, hohei!
zerschmilzt mir des Stahles Spreu.
Hoho! Hoho!
Hohei! Hoho!
Blase, Balg!
Blase die Glut!
MIME (immer für sich, entfernt sitzend)
Er schmiedet das Schwert,
und Fafner fällt er:
das seh' ich
nun sicher voraus.
Hort und Ring
erringt er im Harst: -
wie
erwerb' ich mir den Gewinn?
Mit Witz und List
erlang' ich beides
und berge heil mein Haupt.
SIEGFRIED (nochmals am Blasebalg)
Hohol Hoho!
Hohei! hohei!
MIME (im Vordergrunde für sich)
Rang er sich müd mit dem Wurm,
von der Müh' erlab' ihn cin
Trurk:
aus würz'gen Säften,
die ich gesammelt,
brau'
ich den Trank für ihn;
wenig Tropfen nur
braucht er zu trinken,
sinnlos sinkt er in Schlaf.
Mit der eignen Waffe,
die er sich
gewonnen,
räum' ich ihn leicht aus dem Weg,
erlange mir Ring und
Hort.
(Er reibt sich vergnügt die Hande)
Hei! Weiser Wand'rer!
Dünkt' ich dich dumm?
Wie gefällt
dir nun
mein feiner Witz?
Fand ich mir wohl
Rat und Ruh'?
SIEGFRIED
Notung! Notung!
Neidliches Schwert!
Nun schmolz deines Stahles
Spreu!
Im eignen Schweisse
schwimmst du nun.
(Er giesst den glühenden Inhalt des Tiegels in eine Stangenform und hält
diese in die Höhe)
Bald schwing' ich dich als mein Schwert!
(Er stösst die gefüllte Stangenform in den Wassereimer; Dampf und
lautes Gezisch der Kühlung erfolgen)
In das Wasser floss
ein Feuerfluss:
grimmiger Zorn
zischt'
ihm da auf!
Wie sehrend er floss,
in des Wassers Flut
fliesst et
nicht mehr.
Starr ward er und steif,
herrisch der harte Stahl:
heisses Blut doch
fliesst ihm bald! -
(Er stösst den Stahl in die Herdglut und zieht die Blasebälge mächtig
an)
Nun schwitze noch einmal,
dass ich dich schweisse,
Notung,
neidliches Schwert!
(Mime ist vergnügt aufgesprungen; er holt verschiedene Gefässe
hervor, schüttet aus ihnen Gewürz und Kräuter in einen Kochtopf
und sucht, diesen auf dem Herd anzubringen)
(Siegfried beobachtet während
der Arbeit Mime, welcher vom andern Ende des Herdes her seinen Topf sorgsam an
die Glut stellt)
Was schafft der Tölpel
dort mit dem Topf?
Brenn' ich hier
Stahl,
braust du dort Sudel?
MIME
Zuschanden kam ein Schmied,
den Lehrer sein Knabe lehrt:
mit der
Kunst nun ist's beim Alten aus,
als Koch dient er dem Kind.
Brennt es
das Eisen zu Brei,
aus Eien braut
der Alte ihm Sud.
(er fährt fort zu kochen)
SIEGFRIED
Mime, der Künstler,
lernt jetzt kochen;
das Schmieden
schmeckt ihm nicht mehr.
Seine Schwerter alle
hab' ich zerschmissen;
was er kocht, ich kost'es ihm nicht!
(Unter dem Folgenden zieht Siegfried dio Stangenform aus der Glut, zerschlägt
sie und legt den glühenden Stahl auf dem Amboss zurecht)
Das Fürchten zu lernen,
will er mich führen;
ein Ferner
soll es mich lehren:
was am besten er kann,
mir bringt er's nicht bei:
als Stümper besteht er in allem!
(während des Schmiedens)
Hoho! Hoho! Hohei!
Schmiede, mein Hammer,
ein hartes Schwert!
Hoho! Hahei!
Hoho! Hahei!
Einst färbte Blut
dein falbes
Blau;
sein rotes Rieseln
rötete dich:
kalt lachtest du da,
das warme lecktest du kühl!
Heiaho! Haha!
Haheiaha!
Nun hat
die Glut
dich rot geglüht;
deine weiche Härte
dem
Hammer weicht:
zornig splühst du mir Funken,
dass ich dich Spröden
gezähmt!
Heiaho! Heiaho!
Heiahohoho!
Hahei!
MIME (beiseite)
Er schafft sich ein scharfes Schwert
Fafner zu fällen,
der
Zwerge Feind:
ich braut' ein Truggetränk,
Siegfried zu fangen,
dem Fafner fiel.
Gelingen muss mir die List;
lachen muss mir der Lohn!
(Er beschäftig sich währende des Folgenden damit, den Inhalt des
Topfes in eine Flasche zu giessen)
SIEGFRIED
Hoho! Hoho!
Hohei!
Schmiede, mein Hammer,
ein hartes
Schwert!
Hoho! Hahei!
Hoho! Hahei!
Der frohen Funken,
wie
freu' ich mich;
es ziert den Kühnen
des Zornes Kraft:
lustig
lachst du mich an,
stellst du auch grimm dich und gram!
Heiaho, haha,
haheiaha!
Durch Glut und Hammer
glückt' es mir;
mit starken
Schlägen
streckt' ich dich:
nun schwinde die rote Scham;
werde kalt und hart, wie du kannst.
Heiaho Heiaho!
heiahohoho!
Heiah!
(Er schwingt den Stahl und stösst ihn den Wassereimer. Er lacht bei dem
Gezisch laut auf)
(Während Siegfried die geschmiedete Schwertklinge in
dem Griffhefte befestigt, treibt sich Mime mit der Flasche im Vordergrunde
umher)
MIME
Den der Bruder schuf,
den schimmernden Reif,
in den er gezaubert
zwingende Kraft,
das helle Gold,
das zum Herrscher macht
ihn hab'
ich gewonnen!
ich walte sein! -
(Er trippelt, während Siegfried mit dem kleinen Hammer arbeitet und
schleift und feilt, mit zunehmender Vergnügtheit lebhalt umher)
Alberich selbst,
der einst mich band,
zur Zwergerfrohne
zwing' ich ihn nun;
als Niblungenffürst
fahr' ich darnieder;
gehorchen soll mir
alles Heer!
Der verachtete Zwerg,
was wird er
geehrt!
Zu dem Horte
hin drängt sich Gott und Held:
(mit immer lebhaftern Gebärden)
vor meinem Nicken
neigt sich die Welt,
vor meinem Zorne
zittert sie hin!
Dann wahrlieh müht sich
Mime nicht mehr:
ihm schaffen andre
den ew'gen Schatz.
Mime, der kühne,
Mime
ist König,
Fürst der Alben,
Walter des Alls!
Bei, Mime!
Wie glückte dir das!
Wer hätte wohl das gedacht!
SIEGFRIED (hat während der letzten Absätze von Mimes Lied
mit den letzten Schlägen die Nieten dea Griffheftes geglättet und
lasst nun das Schwert)
Notung! Notung!
neidliches Schwert!
jetzt haftest du wieder im
Heft.
Warst du entzwei,
ich zwang dich zu ganz;
kein Schlag soll
nun dich mehr zerschlagen.
Dem sterbenden Vater
zersprang der Stahl,
der lebende Sohn
schuf ihn neu:
nun lacht ihm sein heller Schein,
scine Schärfe schneidet ihm hart.
(das Schwert vor sich schwingend)
Notung! Notung!
neidliches Schwert!
Zum Leben weckt' ich dich
wieder,
Tot lagst du
in Trümmern dort,
jetzt leuchtest du
trotzig und hehr!
Zeige den Schächern
nun deinen Schein!
Schlage den Falschen,
fälle den Schelm!
Schau, Mime, du Schmied:
-
(Er holt mit dem Schwert aus)
so schneidet Siegfrieds Schwert!
(Er schlägt auf dem Amboss, welcher von oben bis hinten in zwei Stücke
zerspaltet, so dass er unter grossem Gepolter auseinander fällt. Mime,
welcher in höchster Verzückung sich auf einen Schemel geschwungen
hatte, fällt vor Schreck sitzlings zu Boden. Siegfried hält jauchzend
das Schwert in die Höhe. Der Vorhang fällt)