| Scene 1 Fricka's entrance |
Wotan: Nun zäume dein Ross Fricka: Wo in dem Bergen |
00:00 05:20 |
| Scene 2 Wotan commmands Brünnhilde |
Brünnhilde: Schlimm, fürcht' ich, schloss der
Streit, Wotan: Als junger liebe |
21:30 26:30 |
| Scene 3 | Siegmund: Raste nun hier; gönne dir Ruh'! | 45:00 |
| Scene 4 | Brünnhilde: Siegmund! | 55:00 |
| Scene 5 | Siegmund: Zauberfest bezähmt ein Schlaf | 72:10 |
Wildes Felsengebirge
Wotan, Brünnhilde als Walküre, später Fricka
(Im Hintergrund zieht sich von unten her die Schlucht herauf, die auf ein erhöhtes Felsjoch mündet; von diesem senkt sich der Boden dem Vordergrunde zu wieder abwärts. Wotan, kriegerisch gewaffnet, mit dem Speer; vor ihm Brünnhilde, als Walküre, ebenfalls in voller Waffenrüstung)
WOTAN
Nun zäume dein Ross, reisige Maid!
Bald entbrennt brünstiger
Streit:
Brünnhilde stürme zum Kampf,
dem Wälsung kiese
sie Sieg!
Hunding wähle sich, wem er gehört;
nach Walhall
taugt er mir nicht.
Drum rüstig und rasch, reite zur Wal!
BRÜNNHILDE
(jauchzend von Fels zu Fels die Höhe rechts hinauf springend)
Hojotoho! Hojotoho!
Heiaha! Heiaha! Hojotoho! Heiaha!
(Sie hält auf einer hohen Felsspitze an, blickt in die hintere Schlucht hinab und ruft zu Wotan zurück)
Dir rat' ich, Vater, rüste dich selbst;
harten Sturm sollst du
bestehn.
Fricka naht, deine Frau,
im Wagen mit dem Widdergespann.
Hei! Wie die goldne Geissel sie schwingt!
Die armen Tiere ächzen vor
Angst;
wild rasseln die Räder;
zornig fährt sie zum Zank!
In solchem Strausse streit' ich nicht gern,
lieb' ich auch mutiger Männer
Schlacht!
Drum sieh, wie den Sturm du bestehst:
ich Lustige lass' dich
im Stich!
Hojotoho! Hojotoho!
Heiaha! Heiaha!
Heiahaha!
(Brünnhilde verschwindet hinter der Gebirgshöhe zur Seite. In einem mit zwei Widdern bespannten Wagen langt Fricka aus der Schlucht auf dem Felsjoche an, dort hält sie rasch an und steigt aus. Sie schreitet heftig in den Vordergrund auf Wotan zu)
WOTAN
(Fricka auf sich zuschreitend sehend, für sich)
Der alte Sturm, die alte Müh'!
Doch stand muss ich hier halten!
FRICKA (05:20)
(je näher sie kommt, desto mehr mässigt sie den Schritt und stellt sich mit Würde zu Wotan)
Wo in den Bergen du dich birgst,
der Gattin Blick zu entgehn,
einsam hier such' ich dich auf,
dass Hilfe du mir verhiessest.
WOTAN
Was Fricka kümmert, künde sie frei.
FRICKA
Ich vernahm Hundings Not,
um Rache rief er mich an:
der Ehe Hüterin
hörte ihn,
verhiess streng zu strafen die Tat
des frech
frevelnden Paars,
das kühn den Gatten gekränkt.
WOTAN
Was so Schlimmes schuf das Paar,
das liebend einte der Lenz?
Der
Minne Zauber entzückte sie:
wer büsst mir der Minne Macht?
FRICKA
Wie töricht und taub du dich stellst,
als wüsstest fürwahr
du nicht,
dass um der Ehe heiligen Eid,
den hart gekränkten, ich
klage!
WOTAN
Unheilig acht' ich den Eid,
der Unliebende eint;
und mir wahrlich
mute nicht zu,
dass mit Zwang ich halte, was dir nicht haftet:
denn wo
kühn Kräfte sich regen,
da rat' ich offen zum Krieg.
FRICKA
Achtest du rühmlich der Ehe Bruch,
so prahle nun weiter und preis'
es heilig,
dass Blutschande entblüht
dem Bund eines
Zwillingspaars!
Mir schaudert das Herz, es schwindelt mein Hirn:
bräutlich
umfing die Schwester der Bruder!
Wann ward es erlebt,
dass leiblich
Geschwister sich liebten?
WOTAN
Heut' hast du 's erlebt!
Erfahre so, was von selbst sich fügt,
sei zuvor auch noch nie es geschehn.
Dass jene sich lieben, leuchtet dir
hell;
drum höre redlichen Rat:
Soll süsse Lust deinen Segen
dir lohnen,
so segne, lachend der Liebe,
Siegmunds und Sieglindes
Bund!
FRICKA
(in höchste Entrüstung ausbrechend)
So ist es denn aus mit den ewigen Göttern,
seit du die wilden Wälsungen
zeugtest?
Heraus sagt' ich's; - traf ich den Sinn?
Nichts gilt dir der
Hehren heilige Sippe;
hin wirfst du alles, was einst du geachtet;
zerreissest die Bande, die selbst du gebunden,
lösest lachend des
Himmels Haft: -
dass nach Lust und Laune nur walte
dies frevelnde
Zwillingspaar,
deiner Untreue zuchtlose Frucht!
O, was klag' ich um
Ehe und Eid,
da zuerst du selbst sie versehrt!
Die treue Gattin
trogest du stets;
wo eine Tiefe, wo eine Höhe,
dahin lugte lüstern
dein Blick,
wie des Wechsels Lust du gewännest
und höhnend
kränktest mein Herz.
Trauernden Sinnes musst' ich's ertragen,
zogst du zur Schlacht mit den schlimmen Mädchen,
die wilder Minne Bund
dir gebar:
denn dein Weib noch scheutest du so,
dass der Walküren
Schar
und Brünnhilde selbst, deines Wunsches Braut,
in Gehorsam
der Herrin du gabst.
Doch jetzt, da dir neue
Namen gefielen,
als "Wälse"
wölfisch im Walde du schweiftest;
jetzt, da zu niedrigster
Schmach du dich neigtest,
gemeiner Menschen ein Paar zu erzeugen:
jetzt dem Wurfe der Wölfin
wirfst du zu Füssen dein Weib!
So
führ' es denn aus! Fülle das Mass!
Die Betrogne lass auch
zertreten!
WOTAN
(ruhig)
Nichts lerntest du, wollt' ich dich lehren,
was nie du erkennen kannst,
eh' nicht ertagte die Tat.
Stets Gewohntes nur magst du verstehn:
doch
was noch nie sich traf,
danach trachtet mein Sinn.
Eines höre!
Not tut ein Held,
der, ledig göttlichen Schutzes,
sich löse
vom Göttergesetz.
So nur taugt er zu wirken die Tat,
die, wie not
sie den Göttern,
dem Gott doch zu wirken verwehrt.
FRICKA
Mit tiefem Sinne willst du mich täuschen:
was Hehres sollten
Helden je wirken,
das ihren Göttern wäre verwehrt,
deren
Gunst in ihnen nur wirkt?
WOTAN
lhres eignen Mutes achtest du nicht?
FRICKA
Wer hauchte Menschen ihn ein?
Wer hellte den Blöden den Blick?
In deinem Schutz scheinen sie stark,
durch deinen Stachel streben sie auf:
du reizest sie einzig,
die so mir Ew'gen du rühmst,
Mit neuer
List willst du mich belügen,
durch neue Ränke
mir jetzt
entrinnen;
doch diesen Wälsung gewinnst du dir nicht:
in ihm
treff' ich nur dich,
denn durch dich trotzt er allein.
WOTAN
(ergriffen)
In wildem Leiden erwuchs er sich selbst:
mein Schutz schirmte ihn nie.
FRICKA
So schütz' auch heut' ihn nicht!
Nimm ihm das Schwert, das du ihm
geschenkt!
WOTAN
Das Schwert?
FRICKA
Ja, das Schwert,
das zauberstark zuckende Schwert,
das du Gott dem
Sohne gabst.
WOTAN
(heftig)
Siegmund gewann es sich
(mit unterdrücktem Beben)
selbst in der Not.
(Wotan drückt in seiner ganzen Haltung von hier an einen immer wachsenden unheimlichen, tiefen Unmut aus)
FRICKA
(eifrig fortfahrend)
Du schufst ihm die Not,
wie das neidliche Schwert.
Willst du mich
täuschen,
die Tag und Nacht auf den Fersen dir folgt?
Für
ihn stiessest du das Schwert in den Stamm,
du verhiessest ihm die hehre
Wehr:
willst du es leugnen,
dass nur deine List
ihn lockte, wo
er es fänd'?
(Wotan fährt mit einer grimmigen Gebärde auf)
FRICKA
(immer sicherer, da sie den Eindruck gewahrt, den sie auf Wotan hervorgebracht hat)
Mit Unfreien streitet kein Edler,
den Frevler straft nur der Freie.
Wider deine Kraft
führt' ich wohl Krieg:
doch Siegmund verfiel
mir als Knecht!
(Neue heftige Gebärde Wotans, dann Versinken in das Gefühl seiner Ohnmacht)
Der dir als Herren hörig und eigen,
gehorchen soll ihm dein ewig
Gemahl?
Soll mich in Schmach der Niedrigste schmähen,
dem Frechen
zum Sporn,
dem Freien zum Spott?
Das kann mein Gatte nicht wollen,
die Göttin entweiht er nicht so!
WOTAN
(finster)
Was verlangst du?
FRICKA
Lass von dem Wälsung!
WOTAN
(mit gedämpfter Stimme)
Er geh' seines Wegs.
FRICKA
Doch du schütze ihn nicht,
wenn zur Schlacht ihn der Rächer
ruft!
WOTAN
Ich schütze ihn nicht.
FRICKA
Sieh mir ins Auge, sinne nicht Trug:
die Walküre wend' auch von
ihm!
WOTAN
Die Walküre walte frei.
FRICKA
Nicht doch; deinen Willen vollbringt sie allein:
verbiete ihr Siegmunds
Sieg!
WOTAN
(in heftigen inneren Kampf ausbrechend)
Ich kann ihn nicht fällen: er fand mein Schwert!
FRICKA
Entzieh' dem den Zauber, zerknick' es dem Knecht!
Schutzlos schau' ihn
der Feind!
(Man vernimmt Brünnhilde von der Höhe her)
BRÜNNHILDE
Heiaha! Heiaha! Hojotoho!
FRICKA
Dort kommt deine kühne Maid;
jauchzend jagt sie daher.
WOTAN
(dumpf für sich)
Ich rief sie für Siegmund zu Ross!
(Brünnhilde erscheint mit ihrem Ross auf dem Felsenpfade rechts. Als sie Fricka gewahrt, bricht sie schnell ab und geleitet ihr Ross still und langsam während des Folgenden den Felsweg herab: dort birgt sie es dann in einer Höhle)
FRICKA
Deiner ew'gen Gattin heilige Ehre
beschirme heut' ihr Schild!
Von
Menschen verlacht, verlustig der Macht,
gingen wir Götter zugrund:
würde heut' nicht hehr und herrlich mein Recht
gerächt von der
mutigen Maid.
Der Wälsung fällt meiner Ehre:
Empfah' ich von
Wotan den Eid?
WOTAN
(in furchtbarem Unmut und innerem Grimm auf einen Felsensitz sich werfend)
Nimm den Eid!
(Fricka schreit dem Hintergrunde zu: dort begegnet sie Brünnhilde und hält einen Augenblick vor ihr an)
FRICKA
(zu Brünnhilde)
Heervater harret dein:
lass' ihn dir künden, wie das Los er
gekiest!
(Sie besteigt den Wagen und fährt schnell davon)
(Brünnhilde tritt mit besorgter Miene verwundert vor Wotan, der, auf dem Felssitz zurückgelehnt, das Haupt auf die Hand gestützt, in finstres Brüten versunken ist)
Brünnhilde, Wotan
BRÜNNHILDE
Schlimm, fürcht' ich, schloss der Streit,
lachte Fricka dem Lose.
Vater, was soll dein Kind erfahren?
Trübe scheinst du und traurig!
WOTAN
(lässt den Arm machtlos sinken und den Kopf in den Nacken fallen)
In eigner Fessel fing ich mich:
ich Unfreiester aller!
BRÜNNHILDE
So sah ich dich nie!
Was nagt dir das Herz?
WOTAN
(von hier an steigert sich Wotans Ausdruck und Gebärde bis zum furchtbarsten Ausbruch)
O heilige Schmach! O schmählicher Harm!
Götternot! Götternot!
Endloser Grimm! Ewiger Gram!
Der Traurigste bin ich von allen!
BRÜNNHILDE
(wirft erschrocken Schild, Speer und Helm von sich und lässt sich mit besorgter Zutraulichkeit zu Wotans Füssen nieder)
Vater! Vater! Sage, was ist dir?
Wie erschreckst du mit Sorge dein
Kind?
Vertraue mir! Ich bin dir treu:
sieh, Brünnhilde bittet!
(Sie legt traulich und ängstlich Haupt und Hände ihm auf Knie und Schoss)
WOTAN
(blickt ihr lange ins Auge; dann streichelt er ihr mit unwillkürlicher Zärtlichkeit die Locken. Wie aus tiefem Sinnen zu sich kommend, beginnt er endlich sehr leise)
Lass' ich's verlauten,
lös' ich dann nicht meines Willens
haltenden Haft?
BRÜNNHILDE
(ihm ebenso erwidernd)
Zu Wotans Willen sprichst du,
sagst du mir, was du willst;
wer bin
ich, wär' ich dein Wille nicht?
WOTAN (26:30)
(sehr leise)
Was keinem in Worten ich künde,
unausgesprochen bleib' es denn
ewig:
mit mir nur rat' ich, red' ich zu dir. -
(mit noch gedämpfter, schauerlicher Stimme, während er Brünnhilde unverwandt in das Auge blickt)
Als junger Liebe Lust mir verblich,
verlangte nach Macht mein Mut:
von jäher Wünsche Wüten gejagt,
gewann ich mir die Welt.
Unwissend trugvoll, Untreue übt' ich,
band durch Verträge, was
Unheil barg:
listig verlockte mich Loge,
der schweifend nun
verschwand.
Von der Liebe doch mocht' ich nicht lassen,
in der Macht
verlangt' ich nach Minne.
Den Nacht gebar, der bange Nibelung,
Alberich, brach ihren Bund;
er fluchte der Lieb' und gewann durch den Fluch
des Rheines glänzendes Gold
und mit ihm masslose Macht.
Den Ring,
den er schuf,
entriss ich ihm listig;
doch nicht dem Rhein gab ich ihn
zurück:
mit ihm bezahlt' ich Walhalls Zinnen,
der Burg, die
Riesen mir bauten,
aus der ich der Welt nun gebot.
Die alles weiss,
was einstens war,
Erda, die weihlich weiseste Wala,
riet mir ab von
dem Ring,
warnte vor ewigem Ende.
Von dem Ende wollt' ich mehr noch
wissen;
doch schweigend entschwand mir das Weib...
Da verlor ich den
leichten Mut,
zu wissen begehrt' es den Gott:
in den Schoss der Welt
schwang ich mich hinab,
mit Liebeszauber zwang ich die Wala,
stört'
ihres Wissens Stolz, dass sie Rede nun mir stand.
Kunde empfing ich von
ihr;
von mir doch barg sie ein Pfand:
der Welt weisestes Weib
gebar mir, Brünnhilde, dich.
Mit acht Schwestern zog ich dich auf;
durch euch Walküren wollt' ich wenden,
was mir die Wala zu fürchten
schuf:
ein schmähliches Ende der Ew'gen.
Dass stark zum Streit
uns fände der Feind,
hiess ich euch Helden mir schaffen:
die
herrisch wir sonst
in Gesetzen hielten,
die Männer, denen den Mut
wir gewehrt,
die durch trüber Verträge trügende Bande
zu blindem Gehorsam wir uns gebunden,
die solltet zu Sturm
und Streit
ihr nun stacheln,
ihre Kraft reizen zu rauhem Krieg,
dass kühner
Kämpfer Scharen
ich sammle in Walhalls Saal!
BRÜNNHILDE
Deinen Saal füllten wir weidlich:
viele schon führt' ich dir
zu.
Was macht dir nun Sorge, da nie wir gesäumt?
WOTAN
(wieder gedämpfter)
Ein andres ist's:
achte es wohl, wes mich die Wala gewarnt!
Durch
Alberichs Heer
droht uns das Ende:
mit neidischem Grimm grollt mir der
Niblung:
doch scheu' ich nun nicht seine nächtigen Scharen,
meine
Helden schüfen mir Sieg.
Nur wenn je den Ring
zurück er gewänne,
dann wäre Walhall verloren:
der der Liebe fluchte, er allein
nützte
neidisch des Ringes Runen
zu aller Edlen endloser Schmach:
der Helden
Mut entwendet' er mir;
die Kühnen selber
zwäng' er zum
Kampf;
mit ihrer Kraft bekriegte er mich.
Sorgend sann ich nun selbst,
den Ring dem Feind zu entreissen.
Der Riesen einer, denen ich einst
mit verfluchtem Gold den Fleiss vergalt:
Fafner hütet den Hort,
um den er den Bruder gefällt.
Ihm müsst' ich den Reif entringen,
den selbst als Zoll ich ihm zahlte.
Doch mit dem ich vertrug,
ihn darf
ich nicht treffen;
machtlos vor ihm erläge mein Mut: -
das sind
die Bande, die mich binden:
der durch Verträge ich Herr,
den
Verträgen bin ich nun Knecht.
Nur Einer könnte, was ich nicht
darf:
ein Held, dem helfend nie ich mich neigte;
der fremd dem Gotte,
frei seiner Gunst,
unbewusst, ohne Geheiss,
aus eigner Not, mit der
eignen Wehr
schüfe die Tat, die ich scheuen muss,
die nie mein
Rat ihm riet,
wünscht sie auch einzig mein Wunsch!
Der, entgegen
dem Gott, für mich föchte,
den freundlichen Feind, wie fände
ich ihn?
Wie schüf' ich den Freien, den nie ich schirmte,
der im
eignen Trotze der Trauteste mir?
Wie macht' ich den andren, der nicht mehr
ich,
und aus sich wirkte, was ich nur will?
O göttliche Not! Grässliche
Schmach!
Zum Ekel find' ich ewig nur mich
in allem, was ich erwirke!
Das andre, das ich ersehne,
das andre erseh' ich nie:
denn selbst muss
der Freie sich schaffen:
Knechte erknet' ich mir nur!
BRÜNNHILDE
Doch der Wälsung, Siegmund, wirkt er nicht selbst?
WOTAN
Wild durchschweift' ich mit ihm die Wälder;
gegen der Götter
Rat reizte kühn ich ihn auf:
gegen der Götter Rache
schützt
ihn nun einzig das Schwert,
(gedehnt und bitter)
das eines Gottes Gunst ihm beschied.
Wie wollt' ich listig selbst mich
belügen?
So leicht ja entfrug mir Fricka den Trug:
zu tiefster
Scham durchschaute sie mich!
Ihrem Willen muss ich gewähren.
BRÜNNHILDE
So nimmst du von Siegmund den Sieg?
WOTAN
Ich berührte Alberichs Ring,
gierig hielt ich das Gold!
Der
Fluch, den ich floh,
nicht flieht er nun mich:
Was ich liebe, muss
ich verlassen,
morden, wen je ich minne,
trügend verraten, wer
mir traut!
(Wotans Gebärde geht aus dem Ausdruck des furchtbarsten Schmerzes zu dem der Verzweiflung über)
Fahre denn hin, herrische Pracht,
göttlichen Prunkes prahlende
Schmach!
Zusammenbreche, was ich gebaut!
Auf geb' ich mein Werk; nur
Eines will ich noch:
das Ende,
das Ende! -
(Er hält sinnend ein)
Und für das Ende sorgt Alberich!
Jetzt versteh' ich den stummen
Sinn
des wilden Wortes der Wala:
"Wenn der Liebe finstrer Feind
zürnend zeugt einen Sohn,
der Sel'gen Ende säumt dann nicht!"
Vom Niblung jüngst vernahm ich die Mär',
dass ein Weib der Zwerg
bewältigt,
des' Gunst Gold ihm erzwang:
Des Hasses Frucht hegt
eine Frau,
des Neides Kraft kreisst ihr im Schoss:
das Wunder gelang
dem Liebelosen;
doch der in Lieb' ich freite,
den Freien erlang' ich
mir nicht.
(mit bittrem Grimm sich aufrichtend)
So nimm meinen Segen, Niblungen-Sohn!
Was tief mich ekelt, dir geb'
ich's zum Erbe,
der Gottheit nichtigen Glanz:
zernage ihn gierig dein
Neid!
BRÜNNHILDE
(erschrocken)
O sag', künde, was soll nun dein Kind?
WOTAN
(bitter)
Fromm streite für Fricka; hüte ihr Eh' und Eid!
(trocken)
Was sie erkor, das kiese auch ich:
was frommte mir eigner Wille?
Einen Freien kann ich nicht wollen:
für Frickas Knechte kämpfe
nun du!
BRÜNNHILDE
Weh'! Nimm reuig zurück das Wort!
Du liebst Siegmund;
dir
zulieb', ich weiss es, schütz' ich den Wälsung.
WOTAN
Fällen sollst du Siegmund,
für Hunding erfechten den Sieg!
Hüte dich wohl und halte dich stark,
all deiner Kühnheit entbiete
im Kampf:
ein Siegschwert schwingt Siegmund; -
schwerlich fällt
er dir feig!
BRÜNNHILDE
Den du zu lieben stets mich gelehrt,
(sehr warm)
der in hehrer Tugend dem Herzen dir teuer,
gegen ihn zwingt mich nimmer
dein zwiespältig Wort!
WOTAN
Ha, Freche du! Frevelst du mir?
Wer bist du, als meines Willens
blind wählende Kür?
Da mit dir ich tagte, sank ich so tief,
dass zum Schimpf der eignen
Geschöpfe ich ward?
Kennst du, Kind,
meinen Zorn?
Verzage dein Mut,
wenn je zermalmend
auf dich stürzte
sein Strahl!
In meinem Busen berg' ich den Grimm,
der in Grau'n und
Wust wirft eine Welt,
die einst zur Lust mir gelacht:
wehe dem, den er
trifft!
Trauer schüf' ihm sein Trotz!
Drum rat' ich dir, reize
mich nicht!
Besorge, was ich befahl:
Siegmund falle -
Dies sei
der Walküre Werk!
(er stürmt fort und verschwindet schnell links in Gebirge)
BRÜNNHILDE
(steht lange erschrocken und betäubt)
So sah ich Siegvater nie,
erzürnt' ihn sonst wohl auch ein Zank!
(Sie neigt sich betrübt und nimmt ihre Waffen auf, mit denen sie sich wieder rüstet)
Schwer wiegt mir der Waffen Wucht: -
wenn nach Lust ich focht,
wie
waren sie leicht!
Zu böser Schlacht schleich' ich heut' so bang.
(Sie sinnt vor sich hin und seufzt dann auf)
Weh', mein Wälsung!
Im höchsten Leid
muss dich treulos
die Treue verlassen!
(Sie wendet sich langsam dem Hintergrunde zu)
Sieglinde, Siegmund
(Auf dem Bergjoch angelangt gewahrt Brünnhilde, in die Schlucht hinabblickend, Siegmund und Sieglinde; sie betrachtet die Nahenden einen Augenblick und wendet sich dann in die Höhe zu ihrem Ross, so dass sie dem Zuschauer gänzlich verschwindet - Sieglinde schreitet Siegmund hastig voraus; Siegmund sucht sie aufzuhalten)
SIEGMUND
Raste nun hier; gönne dir Ruh'!
SIEGLINDE
Weiter! Weiter!
SIEGMUND
(umfasst sie mit sanfter Gewalt)
Nicht weiter nun!
(Er schliesst sie fest an sich)
Verweile, süssestes Weib!
Aus Wonne-Entzücken zucktest du
auf,
mit jäher Hast jagtest du fort:
kaum folgt' ich der wilden
Flucht;
durch Wald und Flur, über Fels und Stein,
sprachlos,
schweigend sprangst du dahin,
kein Ruf hielt dich zur Rast!
(Sie starrt wild vor sich hin)
Ruhe nun aus: rede zu mir!
Ende des Schweigens Angst!
Sieh, dein
Bruder hält seine Braut:
Siegmund ist dir Gesell'!
(Er hat sie unvermerkt nach dem Steinsitze geleitet)
SIEGLINDE
(blickt Siegmund mit wachsendem Entzücken in die Augen, dann umschlingt sie leidenschaftlich seinen Hals und verweilt so; dann fährt sie mit jähem Schreck auf)
Hinweg! Hinweg! Flieh' die Entweihte!
Unheilig umfängt dich ihr
Arm;
entehrt, geschändet schwand dieser Leib:
flieh' die Leiche,
lasse sie los!
Der Wind mag sie verwehn,
die ehrlos dem Edlen sich
gab!
Da er sie liebend umfing,
da seligste Lust sie fand,
da ganz
sie minnte der Mann,
der ganz ihre Minne geweckt:
vor der süssesten
Wonne heiligster Weihe,
die ganz ihr Sinn und Seele durchdrang,
Grauen
und Schauder ob grässlichster Schande
musste mit Schreck die Schmähliche
fassen,
die je dem Manne gehorcht,
der ohne Minne sie hielt!
Lass
die Verfluchte, lass sie dich fliehn!
Verworfen bin ich, der Würde
bar!
Dir reinstem Manne muss ich entrinnen,
dir Herrlichem darf ich
nimmer gehören.
Schande bring' ich dem Bruder,
Schmach dem
freienden Freund!
SIEGMUND
Was je Schande dir schuf,
das büsst nun des Frevlers Blut!
Drum fliehe nicht weiter; harre des Feindes;
hier soll er mir fallen:
wenn Notung ihm das Herz zernagt,
Rache dann hast du erreicht!
SIEGLINDE
(schrickt auf und lauscht)
Horch! Die Hörner, hörst du den Ruf?
Ringsher tönt wütend
Getös':
aus Wald und Gau gellt es herauf.
Hunding erwachte aus
hartem Schlaf!
Sippen und Hunde ruft er zusammen;
mutig gehetzt heult
die Meute,
wild bellt sie zum Himmel
um der Ehe gebrochenen Eid!
(Sieglinde starrt wie wahnsinnig vor sich hin)
Wo bist du, Siegmund? Seh' ich dich noch,
brünstig geliebter,
leuchtender Bruder?
Deines Auges Stern lass noch einmal mir strahlen:
wehre dem Kuss des verworfnen Weibes nicht! -
(Sie hat sich ihm schluchzend an die Brust geworfen: dann schrickt sie ängstlich wieder auf)
Horch! O horch! Das ist Hundings Horn!
Seine Meute naht mit mächt'ger
Wehr:
kein Schwert frommt
vor der Hunde Schwall:
wirf es fort,
Siegmund! Siegmund - wo bist du?
Ha dort! Ich sehe dich! Schrecklich
Gesicht!
Rüden fletschen die Zähne nach Fleisch;
sie achten
nicht deines edlen Blicks;
bei den Füssen packt dich das feste Gebiss
-
du fällst - in Stücken zerstaucht das Schwert:
die Esche
stürzt, es bricht der Stamm!
Bruder! Mein Bruder! Siegmund - ha! -
(Sie sinkt ohnmächtig in Siegmunds Arme)
SIEGMUND
Schwester! Geliebte!
(Er lauscht ihrem Atem und überzeugt sich, dass sie noch lebe. Er lässt sie an sich herabgleiten, so dass sie, als er sich selbst zum Sitze niederlässt, mit ihrem Haupt auf seinem Schoss zu ruhen kommt. In dieser Stellung verbleiben beide bis zum Schlusse des folgenden Auftrittes. Langes Schweigen, während dessen Siegmund mit zärtlicher Sorge über Sieglinde sich hinneigt und mit einem langen Kusse ihr die Stirne küsst)
Brünnhilde, Siegmund
(Brünnhilde, ihr Ross am Zaume geleitend, tritt aus der Höhle und schreitet langsam und feierlich nach vorne. Sie hält an und betrachtet Siegmund von fern. Sie schreitet wieder langsam vor. Sie hält in grösserer Nähe an. Sie trägt Schild und Speer in der einen Hand, lehnt sich mit der andren an den Hals des Rosses und betrachtet so mit ernster Miene Siegmund)
BRÜNNHILDE
Siegmund! Sieh auf mich!
Ich bin's, der bald du folgst.
SIEGMUND
(richtet den Blick zu ihr auf)
Wer bist du, sag',
die so schön und ernst mir erscheint?
BRÜNNHILDE
Nur Todgeweihten taugt mein Anblick;
wer mich erschaut der scheidet vom
Lebenslicht.
Auf der Walstatt allein erschein' ich Edlen:
wer mich
gewahrt, zur Wal kor ich ihn mir!
SIEGMUND
(blickt ihr lange forschend und fest in das Auge, senkt dann sinnend das Haupt und wendet sich endlich mit feierlichem Ernste wieder zu ihr)
Der dir nun folgt, wohin führst du den Helden?
BRÜNNHILDE
Zu Walvater, der dich gewählt,
führ' ich dich: nach Walhall
folgst du mir.
SIEGMUND
In Walhalls Saal Walvater find' ich allein?
BRÜNNHILDE
Gefallner Helden hehre Schar
umfängt dich hold mit hoch-heiligem
Gruss.
SIEGMUND
Fänd' ich in Walhall Wälse, den eignen Vater?
BRÜNNHILDE
Den Vater findet der Wälsung dort.
SIEGMUND
Grüsst mich in Walhall froh eine Frau?
BRÜNNHILDE
Wunschmädchen walten dort hehr:
Wotans Tochter reicht dir traulich
den Trank!
SIEGMUND
Hehr bist du,
und heilig gewahr' ich das Wotanskind:
doch Eines
sag' mir, du Ew'ge!
Begleitet den Bruder die bräutliche Schwester?
Umfängt Siegmund Sieglinde dort?
BRÜNNHILDE
Erdenluft muss sie noch atmen:
Sieglinde sieht Siegmund dort nicht!
SIEGMUND
(neigt sich sanft über Sieglinde, küsst sie leise auf die Stirn und wendet sich ruhig wieder zu Brünnhilde)
So grüsse mir Walhall, grüsse mir Wotan,
grüsse mir Wälse
und alle Helden,
grüss' auch die holden Wunschesmädchen: -
(sehr bestimmt)
zu ihnen folg' ich dir nicht.
BRÜNNHILDE
Du sahest der Walküre sehrenden Blick:
mit ihr musst du nun ziehn!
SIEGMUND
Wo Sieglinde lebt in Lust und Leid,
da will Siegmund auch säumen:
noch machte dein Blick nicht mich erbleichen:
vom Bleiben zwingt er mich
nie.
BRÜNNHILDE
Solang du lebst, zwäng' dich wohl nichts:
doch zwingt dich Toren
der Tod:
ihn dir zu künden kam ich her.
SIEGMUND
Wo wäre der Held, dem heut' ich fiel?
BRÜNNHILDE
Hunding fällt dich im Streit.
SIEGMUND
Mit Stärkrem drohe,
als Hundings Streichen!
Lauerst du hier lüstern
auf Wal,
jenen kiese zum Fang:
ich denk ihn zu fällen im Kampf!
BRÜNNHILDE
(den Kopf schüttelnd)
Dir, Wälsung - höre mich wohl:
dir ward das Los gekiest.
SIEGMUND
Kennst du dies Schwert?
Der mir es schuf, beschied mir Sieg:
deinem Drohen trotz' ich mit ihm!
BRÜNNHILDE
(mit stark erhobener Stimme)
Der dir es schuf, beschied dir jetzt Tod:
seine Tugend nimmt er dem
Schwert!
SIEGMUND
(heftig)
Schweig, und schrecke die Schlummernde nicht!
(Er beugt sich mit hervorbrechendem Schmerze zärtlich über Sieglinde)
Weh! Weh! Süssestes Weib!
Du traurigste aller Getreuen!
Gegen
dich wütet in Waffen die Welt:
und ich, dem du einzig vertraut,
für
den du ihr einzig getrotzt,
mit meinem Schutz nicht soll ich dich schirmen,
die Kühne verraten im Kampf?
Ha, Schande ihm, der das Schwert mir
schuf,
beschied er mir Schimpf für Sieg!
Muss ich denn fallen,
nicht fahr' ich nach Walhall:
Hella halte mich fest!
(Er neigt sich tief zu Sieglinde)
BRÜNNHILDE
(erschüttert)
So wenig achtest du ewige Wonne?
(zögernd und zurückhaltend)
Alles wär' dir das arme Weib,
das müd' und harmvoll matt von
dem Schosse dir hängt?
Nichts sonst hieltest du hehr?
SIEGMUND
(bitter zu ihr aufblickend)
So jung und schön erschimmerst du mir:
doch wie kalt und hart
erkennt dich mein Herz!
Kannst du nur höhnen, so hebe dich fort,
du arge, fühllose Maid!
Doch musst du dich weiden an meinem Weh',
mein Leiden letze dich denn;
meine Not labe dein neidvolles Herz:
nur
von Walhalls spröden Wonnen
sprich du wahrlich mir nicht!
BRÜNNHILDE
Ich sehe die Not, die das Herz dir zernagt,
ich fühle des Helden
heiligen Harm -
Siegmund, befiehl mir dein Weib:
mein Schutz umfange
sie fest!
SIEGMUND
Kein andrer als ich soll die Reine lebend berühren:
verfiel ich
dem Tod, die Betäubte töt' ich zuvor!
BRÜNNHILDE
(in wachsender Ergriffenheit)
Wälsung! Rasender! Hör' meinen Rat:
befiehl mir dein Weib um
des Pfandes willen,
das wonnig von dir es empfing!
SIEGMUND
(sein Schwert ziehend)
Dies Schwert, das dem Treuen ein Trugvoller schuf;
dies Schwert, das
feig vor dem Feind mich verrät:
frommt es nicht gegen den Feind,
so fromm' es denn wider den Freund! -
(Er zückt das Schwert auf Sieglinde)
Zwei Leben lachen dir hier:
nimm sie, Notung, neidischer Stahl!
Nimm sie mit einem Streich!
BRÜNNHILDE
(im heftigsten Sturme des Mitgefühls)
Halt' ein Wälsung! Höre mein Wort!
Sieglinde lebe - und
Siegmund lebe mit ihr!
Beschlossen ist's; das Schlachtlos wend' ich:
dir, Siegmund, schaff' ich Segen und Sieg!
(Man hört aus dem fernen Hintergrunde Hornrufe erschallen)
Hörst du den Ruf? Nun rüste dich, Held!
Traue dem Schwert und
schwing' es getrost:
treu hält dir die Wehr,
wie die Walküre
treu dich schützt!
Leb' wohl, Siegmund, seligster Held!
Auf der
Walstatt seh' ich dich wieder!
(Sie stürmt fort und verschwindet mit dem Rosse rechts in einer Seitenschlucht. Siegmund blickt ihr freudig und erhoben nach. Die Bühne hat sich allmählich verfinstert; schwere Gewitterwolken legen sich auf den Hintergrund herab und hüllen die Gebirgswände, die Schlucht und das erhöhte Bergjoch nach und nach gänzlich ein)
Siegmund, Sieglinde, Hunding, Brünnhilde, Wotan
SIEGMUND
(neigt sich wieder über Sieglinde, dem Atem lauschend)
Zauberfest bezähmt ein Schlaf
der Holden Schmerz und Harm.
Da
die Walküre zu mir trat,
schuf sie ihr den wonnigen Trost?
Sollte
die grimmige Wal
nicht schrecken ein gramvolles Weib?
Leblos scheint
sie, die dennoch lebt:
der Traurigen kost ein lächelnder Traum. -
(Neue Hornrufe)
So schlummre nun fort,
bis die Schlacht gekämpft,
und Friede
dich erfreu'!
(Er legt sie sanft auf den Steinsitz und küsst ihr zum Abschied die Stirne. Siegmund vernimmt Hundings Hornruf und bricht entschlossen auf).
Der dort mich ruft, rüste sich nun;
was ihm gebührt, biet'
ich ihm:
Notung zahl' ihm den Zoll!
(Er zieht das Schwert, eilt dem Hintergrunde zu und verschwindet, auf dem Joche angekommen, sogleich in finstrem Gewittergewölk, aus welchem alsbald Wetterleuchten aufblitzt)
SIEGLINDE
(beginnt sich träumend unruhiger zu bewegen)
Kehrte der Vater nur heim!
Mit dem Knaben noch weilt er im Wald.
Mutter! Mutter! Mir bangt der Mut:
nicht freund und friedlich scheinen die
Fremden!
Schwarze Dämpfe - schwüles Gedünst -
feurige
Lohe leckt schon nach uns -
es brennt das Haus - zu Hilfe, Bruder!
Siegmund! Siegmund!
(Sie springt auf. Starker Blitz und Donner)
Siegmund - Ha!
(Sie starrt in Angst um sich her: fast die ganze Bühne ist in schwarze Gewitterwolken gehüllt, fortwährender Blitz und Donner. Der Hornruf Hundings ertönt in der Nähe)
HUNDINGS STIMME
(im Hintergrunde vom Bergjoche her)
Wehwalt! Wehwalt!
Steh' mir zum Streit, sollen dich Hunde nicht halten!
SIEGMUNDS STIMME
(von weiter hinten her aus der Schlucht)
Wo birgst du dich, dass ich vorbei dir schoss?
Steh', dass ich dich
stelle!
SIEGLINDE
(in furchtbarer Aufregung lauschend)
Hunding! Siegmund!
Könnt' ich sie sehen!
HUNDING
Hieher, du frevelnder Freier!
Fricka fälle dich hier!
SIEGMUND
(nun ebenfalls vom Joche her)
Noch wähnst du mich waffenlos, feiger Wicht?
Drohst du mit Frauen,
so ficht nun selber,
sonst lässt dich Fricka im Stich!
Denn sieh:
deines Hauses heimischem Stamm
entzog ich zaglos das Schwert;
seine
Schneide schmecke jetzt du!
(Ein Blitz erhellt für einen Augenblick das Bergjoch, auf welchem jetzt Hunding und Siegmund kämpfend gewahrt werden)
SIEGLINDE
(mit höchster Kraft)
Haltet ein, ihr Männer!
Mordet erst mich!
(Sie stürzt auf das Bergjoch zu, ein von rechts her den Kämpfern ausbrechender, heller Schein blendet sie aber plötzlich so heftig, dass sie, wie erblindet, zur Seite schwankt. In dem Lichtglanze erscheint Brünnhilde über Siegmund schwebend und diesen mit dem Schilde deckend)
BRÜNNHILDE
Triff ihn, Siegmund!
traue dem Schwert!
(Als Siegmund soeben zu einem tödlichen Streiche gegen Hunding ausholt, bricht von links her ein glühend rötlicher Schein durch das Gewölk aus, in welchem Wotan erscheint, über Hunding stehend und seinen Speer Siegmund quer entgegenhaltend)
WOTAN
Zurück vor dem Speer!
In Stücken das Schwert!
(Brünnhilde weicht erschrocken vor Wotan mit dem Schilde zurück; Siegmunds Schwert zerspringt an dem vorgehaltenen Speere. Dem Unbewehrten stösst Hunding seinen Speer in die Brust. Siegmund stürzt tot zu Boden. Sieglinde, die seinen Todesseufzer gehört, sinkt mit einem Schrei wie leblos zusammen. Mit Siegmunds Fall ist zugleich von beiden Seiten der glänzende Schein verschwunden; dichte Finsternis ruht im Gewölk bis nach vorn: in ihm wird Brünnhilde undeutlich sichtbar, wie sie in jäher Hast sich Sieglinden zuwendet.)
BRÜNNHILDE
Zu Ross, dass ich dich rette!
(Sie hebt Sieglinde schnell zu sich auf ihr der Seitenschlucht nahestehendes Ross und verschwindet sogleich mit ihr. Alsbald zerteilt sich das Gewölk in der Mitte, so dass man deutlich Hunding gewahrt, der soeben seinen Speer dem gefallenen Siegmund aus der Brust zieht. Wotan, von Gewölk umgeben, steht dahinter auf einem Felsen, an seinen Speer gelehnt und schmerzlich auf Siegmunds Leiche blickend)
WOTAN
(zu Hunding)
Geh' hin, Knecht! Kniee vor Fricka:
meld' ihr, dass Wotans Speer
gerächt, was Spott ihr schuf.
Geh'! - Geh'!
(Vor seinem verächtlichen Handwink sinkt Hunding tot zum Boden)
WOTAN
(plötzlich in furchtbarer Wut auffahrend)
Doch Brünnhilde! Weh' der Verbrecherin!
Furchtbar sei die Freche
gestraft,
erreicht mein Ross ihre Flucht!
(Er verschwindet mit Blitz und Donner. Der Vorhang fällt schnell)