| Appearance of the flower maidens Kundry: Hier weile! Parsifal! Parsifal: Amfortas! Die Wunde! Parsifal: Auf Ewigkeit |
16:30 26:30 42:40 56:30 |
Klingsors Zauberschloss - am Südabhang derselben Gebirge, dem
arabischen Spanien zugewandt anzunehmen. Im inneren Verliesse eines nach oben
offenen Turmes. Steinstufen führen nach dem Zinnenrande der Turmmaür;
Finsternis in der Tiefe, nach welcher es von dem Maürvorsprunge, den der Bühnenboden
darstellt, hinabführt. Zauberwerkzeuge und nekromantische Vorichtungen.
Klingsor auf dem Maürnvorsprunge zur Seite, vor einem Metallspiegel
sitzend.
Klingsor:
Die Zeit ist da.
Schon lockt mein Zauberschloss den Toren,
den,
kindisch jauchzend, fern ich nahen seh' -
Im Todesschlafe hält der
Fluch sie fest,
der ich den Krampf zu lösen weiss.
Auf denn! Ans
Werk!
(Er steigt, der Mitte zu, etwas tiefer herab und entzündet dort Räucherwerk,
welches alsbald den Hintergrund mit einem bläulichen Dampf erfüllt.
Dann setzt er vor die Zauberwerkzeuge und ruft, mit geheimnesvollen Gebärden,
nach dem Abgrunde:)
Herauf! Herauf! Zu mir!
Dein Meister ruft dich, Namenlose,
Urteufelin! Höllenrose!
Herodias warst du, und was noch?
Gundryggia dort, Kundry hier!
Hieher! Hieher denn, Kundry!
Dein
Meister ruft: herauf!
(In dem bläulichen Lichte steigt Kundry Gestalt herauf. Sie scheint
schlafend. Allmählich aber macht sie die Bewegungen einer Erwachenden.
Schliesslich stösst sie einen grässlichen Schrei aus.)
Erwachst du? Ha!
Meinem Banne wieder
verfallen heut zur rechten
Zeit.
(Kundry lässt ein Klagegeheul, von grösster Heftigkeit bis zu
bangem Wimmern sich abstufend, vernehmen.)
Sag', wo triebst du dich wieder umher?
Pfui! Dort bei dem
Rittergesipp,
wo wie ein Vieh du dich halten lässt!
Gefällt
dir's bei mir nicht besser?
Als ihren Meister du mir gefangen -
haha -
den reinen Hüter des Grales -
was jagte ich da wieder fort?
Kundry:
(rauh und abgebrochen, wie im Versuche, wieder Sprache zu gewinnen)
Ach! Ach!
Tiefe Nacht!
Wahnsinn! Oh! Wut!
Ach! Jammer!
Schlaf.. schlaf...
Tiefer Schlaf! Tod!
Klingsor:
Da weckte dich ein and'rer? He?
Kundry:
Ja.. mein Fluch!
Oh... Sehnen! Sehnen!
Klingsor:
Haha! Dort, nach den keuschen Rittern?
Klingsor:
Da, da, dient' ich.
Klingsor:
Ja. Ja, den Schaden zu vergüten,
den du ihnen böslich
gebracht?
Sie helfen dir nicht;
feil sind sie alle,
biet' ich den
rechten Preis.
Der festeste fällt,
sinkt er dir in die Arme,
und so verfällt er dem Speer,
den ihrem Meister selbst ich entwandt.
Den Gefährlichsten gilt's nun heut zu bestehn;
ihn schirmt der Torheit
Schild.
Kundry:
Ich will nicht. O! O!
Klingsor:
Wohl willst du, denn du musst.
Kundry:
Du.. kannst mich... nicht... halten.
Klingsor:
Aber dich fassen.
Kundry:
Du?
Klingsor:
Dein Meister.
Kundry:
Aus welcher Macht?
Klingsor:
Ha! Weil einzig an mir
deine Macht.. nichts vermag.
Kundry:
(grell lachend)
Haha! Bist du keuch?
Klingsor:
(wütend)
Was fraägst du das, verfluchtes Weib?
(Er versinkt in finstres Brüten.)
Furchtbare Not!
So lacht nun der Teufel mein,
dass einst ich nach
dem Heiligen rang?
Furchtbare Not!
Ungebändigten Sehnens Pein,
schrecklichster Triebe Höllendrang,
den ich zum Todesschweigen mir
zwang -
lacht und höhnt er nun laut
durch dich, des Teufels
Braut?
Hüte dich!
Hohn und Verachtung büsste schon einer;
der Stolze, stark in Heiligkeit,
der einst mich von sich stiess.
Sein
Stamm verfiel mir,
unerlöst
soll der Heiligen Hüter mir
schmachten;
und bald - so wähn ich -
hüt ich mir selbst den
Gral -
Haha!
Gefiel er dir wohl, Amfortas, der Held,
den ich zur
Wonne dir gesellt?
Kundry:
Oh! Jamer! Jammer!
Schwach auch er! Schwach.. alle!
Meinem Fluche
mit mir
alle verfallen!
öwiger Schlaf,
einziges Heil,
wie, wie dich gewinnen?
Klingsor:
Ha! Wer's dir trotzte, löste dich frei;
versuch's mit dem Knaben,
der naht!
Kundry:
Ich . . . will nicht!
Klingsor:
(steigt hastig auf die Tormaür)
Jetzt schon erklimmt er die Burg.
Kundry:
Oh! Wehe! Wehe!
Erwachte ich darum?
Muss ich? Muss?
Klingsor:
(hinabblickend)
Ha! Er ist schön, der Knabe!
Kundry:
Oh! - Oh! Wehe mir!
(Klingsor stösst, nach aussen gewandt, in ein Horn.)
Klingsor:
Ho! Ihr Wächter! Ho! Ritter!
Helden! Auf! Feinde nah!
Ha! Wie
zur Maür sie stürmen,
die betörten Eigenbolde,
zum
Schutz ihres schönes Geteufels!
So! Mutig! Mutig!
Haha! Der fürchtet
sich nicht!
Dem Helden Ferris entwand er die Waffe;
die führt er
nun feislich wieder den Schwarm.
(Kundry gerät in unmeimliches ekstatisches Lachen bis zu krampfhalten
Wehegeschrei.)
Wie übel den Tölpeln der Eifer gedeiht!
Dem schlug er den
Arm, jenem den Schenkel!
(Kundry schreit auf und verschwindet.)
Haha! Sie weichen. Sie fliehen.
(Das bläuliche Licht ist erloschen; volle Finsternis in der Tiefe,
wogegen glänzende Himmelsbläü über der Maür.)
Seine Wunde trägt jeder nach heim!
Wie das ich euch gönne!
Möge denn so das ganze Rittergezücht
unter sich selber sich würgen!
Ha! Wie stolz er nun steht auf der Zinne!
Wie lachen ihm die Rosen der
Wangen,
da kindisch erstaunt
in den einsamen Garten er blickt!
(Er wendet sich nach der Tiefe des Hintergrundes um.)
He! Kundry!
Wie? Schon am Werk?
Haha! Den Zauber wusst' ich wohl,
der immer dich wieder zum Dienst mir gesellt!
(Sich wieder nach aussen wendend)
Du da, kindlischer Spross,
was auch
Weissagung dich wies,
zu
jung und dumm
fielst du in meine Gewalt;
die Reinheit dir entrissen,
bleibst mir du zugewiesen!
(Er versinkt schnell mit dem ganzen Turme; zugleich steigt der Zaubergarten
auf und erfüllt die Bühne gänzlich. Tropische Vegetation, üppigste
Blumenpracht; nach dem Hintergrunde zu Abgrenzung durch die Zinne der Burgmaür,
an welche sich seitwärts Vorsprünge des Schlossbaüs selbst,
arabischen reichen Stiles, mit Terrassen anlehnen. Auf der Maür steht
Parsifal, staunend in den Garten hinabblickend. Von allen Seiten her, zürt
aus dem Garten, dann aus dem Palaste, stürzen wirr durcheinander, einzeln,
dann zugleich immer mehr schöne Mädchen herein; sie sind mit flüchtig
übergeworfenen, zartfarbigen Schleiern verhüllt, wie söben aus
dem Schlafe aufgeschreckt.)
Alle Mädchen: (16:30)
Hier was das Tosen! Hier, hier!
Waffen! Wilde Rüfe! Whehe!
Wer ist der Frevler?
Wo ist der Frevler?
Auf zur Rache!
Erstes Mädchen I Gruppe:
Mein Geliebter verwundert!
Erstes Mädchen II Gruppe:
Wo find' ich den meinen?
Zweites Mädchen I Gruppe:
Ich erwachte alleine!
Chor I und II:
Wohin entflohn sie?
Erstes Mädchen II Gruppe:
Wo ist mein Geliebter?
Drittes Mädchen I Gruppe:
Wo find ich den meinen?
Zweites Mädchen II Gruppe:
Ich erwachte alleine!
Alle Mädchen:
Wo sind unsere Liebsten?
Drinnen im Saale!
Wo sind unsre Libsten?
Wir sahn sie im Saale.
Wir sahn sie mit blutender Wunde.
Wehe! Wehe!
Auf, zur Hilfe!
Wer ist unser Feind?
(Sie gewahren Parsifal und zeigen auf ihn.)
Da steht er!
Seht ihn dort, seht ihn dort!
Da steht er! Wo? Dort!
Ha! Ich sah's!
Erstes Mädchen I Gruppe:
Meines Ferris Schwert in seiner Hand!
Zweites Mädchen I Gruppe:
Meines Liebsten Blut hab ich erkannt.
Chor I und II:
Der stürmte die Burg!
Drittes Mädchen II Gruppe:
Ich hörte des Meisters Horn.
Drittes Mädchen I Gruppe & Zweites Mädchen II Gruppe:
Ja, wir hörten sein Horn.
Chor I und II:
Der war's!
Erstes und drittes Mädchen:
Mein Held lief herzu.
Zweites & drittes Mädchen I Gruppe:
Sie kamen alle herzu.
Erstes Mädchen I Gruppe:
Mein Held lief herzu.
Chor I & II:
(abstimmen)
Sie alle kamen, doch jeden empfing seine Wehr!
Weh! Weh ihm, der sie
uns schlug!
Zweites Mädchen I Gruppe & Mädchen aus Chor I:
Der schlug mir den Liebsten.
Erstes Mädchen I GrupParsifal:e & Mädchen aus den Chören:
Mir traf er den Freund.
Zweites Mädchen II Gruppe & Mädchen aus den Chören:
Noch blutet die Waffe!
Erstes Mädchen II Gruppe & Mädchen aus den Chören:
Meines Liebsten Feind.
Alle Mädchen:
Weh! Du dort! Ach wehe!
Was schufst du soche Not?
Verwünscht,
verwünchst sollst du sein!
(Parsifal springt tiefer in den Garten herab.)
Ha! Kühner!
Erstes Mädchen I Gruppe, Erstes & zweites Mächen II Gruppe:
Wagst du zu nahen?
Zweites und drittes Mädchen I Gruppe, drittes Mädchen II Gruppe:
Was schlugst du unsre Geliebten?
Parsifal:
Ihr schönen Kinder, musst' ich sie nicht schlagen?
Zu euch, ihr
Holden, ja wehrten sie mir den Weg.
Erstes Mädchen II Gruppe:
Zu uns wolltest du?
Erstes Mädchen I Gruppe:
Sahst du uns schon?
Parsifal:
Noch nie sah ich solch zieres Geschlecht:
nenn' ich euch schön, dünkt
euch das recht?
Zweites Mädchen I Gruppe:
So willst du uns wohl nicht schlagen?
Zweites Mädchen II Gruppe:
Willst uns nicht schlagen?
Parsifal:
Das möcht' ich nicht.
Erstes Mädchen II Gruppe:
Doch Schaden schufst du uns so vielen!
Zweites und drittes Mädchen, I und II Gruppe:
Grossen und vielen!
Erstes Mädchen I und II Gruppe:
Du schlugest unse Gespielen.
Alle Mädchen:
Wer spielt nun mit uns?
Parsifal:
Das tu ich gern!
(Die Mädchen, von Verwunderung in Heiterkeit übergegangen, brechen
jetzt in ein lustiges Gelächter aus. Währen Parsifal immer näher
zu den aufgeregten Gruppen tritt, entweichen umerklich die Mädchen der
ersten Gruppe und des ersten Chors hinter den Blumenhag, um ihren Blumenschmuck
zu vollenden.)
Chor I:
Bist du uns hold?
II Gruppe:
So bleib nicht fern!
Chor II:
Bleib nicht gern von uns.
Erstes Mädchen II Gruppe:
Und willst du uns nicht schelten..
Zweites Mädchen II Gruppe:
Wir werden dir's entgelten:
II Gruppe:
Wir spielen nicht m Gold.
Erstes Mädchen II Gruppe:
Wir spielen um Minnesold.
Zweites Mädchen II Gruppe:
Willst auf Trost du uns sinnen...
Erstes Mädchen II Gruppe:
...sollst den du uns abgewinnen!
(Die Mädchen der ersten Gruppe und des ersten Chors kommen, mit dem
Folgenden, ganz in Blumengewändern, selbst Blumen erscheinend, zurück
und stürzen sich sofort auf Parsifal.)
Zweite Blume I Gruppe:
Lasset den Knaben!
Erste Blume I Gruppe:
Er gehöret mir!
Dritte Blume, zweite Blume I Gruppe:
Nein!
Chor I:
Nein! Mir!
Chor II und I Gruppe:
Ha! Die Falschen!
Sie schmückten heimlich sich.
(Während die Zurückgekommenen sich am Parsifal herandrängen,
verlassen die Mädchen der zweiten Gruppe und des zweiten Chores hastig die
Szene, um sich ebenfalls zu schmücken.)
Chor I und I Gruppe:
(während sie, wie in anmutigem Kinderspiele, in abwechselndem
Reigen um Parsifal sich drehen.)
Komm, komm, holder Knabe!
Komm, komm! Lass mich dir blühen!
Holder Knabe, die zu Wonn' und Labe
gilt mein minniges Mühen!
Erste Blume I Gruppe:
Komm, o holder Knabe!
Zweite und dritte Blume I Gruppe:
Holder Knabe!
(Der zweite Gruppe und der zweite Chor kommen, ebenfalls geschmückt,
zurück und gesellen sich zum Spiele.)
Alle Blumenmädchen:
Komm! Komm, holder Knabe!
Lass mich dir erblühen!
Dir zu
Wonn' und Labe
gilt unser minniges Mühen!
Parsifal:
(heiter ruhig in der Mitte der Mädchen)
Wie duftet ihr hold!
Seid ihr denn Blumen?
Erste Blume I Gruppe:
Des Garten Zier. . .
Zweite Blume I und II Gruppe:
.. und duftende Geister.
Erste Blume I und II Gruppe:
Im Lenz pflückt uns der Meister!
Zweite Blume I und II Gruppe:
Wir wachsen hier...
Erste Blume I und II Gruppe:
.. in sommer und sonne...
Erste und Zweite Blume I und II Gruppe:
für dich erblühend in Wonne.
Dritte Blume I und II Gruppe und Chor I:
Nun sei uns freund und hold!
Zweite Blume I und II Gruppe und Chor II:
Nicht karge den Blumen den Sold!
Alle Blumen:
Kannst du uns nicht lieben und minnen,
wir welken und sterben dahinnen.
Erste Blume II Gruppe:
An deinen Busen nimm mich!
Chor der Blümenmädchen:
Komm, holder Knabe!
Erste Blume I Gruppe:
Die Stirn lass mich dir kühlen!
Chor I und II:
Lass mich dir erblühen!
Zwiete Blume I Gruppe:
Lass mich die Wange dir fühlen!
Zweite Blume II Gruppe:
Den Mund lass mich dir küssen!
Erste Blume I Gruppe:
Nein! Ich! Die Schönste bin ich!
Zweite Blume I Gruppe:
Nein! Ich bin die Schönste!
Chor I und II:
ich bin schöner!
Erste Blume II Gruppe:
Nein! Ich dufte süsser!
Alle anderen:
Nein, ich! Ich! Ja, ich!
Parsifal:
(ihrer anmutigen Zudringlichkeit sanft wehrend)
Ihr wild holdes Blumengedränge,
soll ich mit euch spielen,
entlasst mir der Enge!
Erste Blume II Gruppe:
Was zankest du?
Parsifal:
Weil ihr euch streitet.
Erste Blume I Gruppe, dann Zweite Blume II Gruppe:
Wir streiten nur um dich.
Parsifal:
Das meidet.
Zweite Blume I Gruppe:
Du lass von ihm; sieh, er will mich!
Dritte Blume I Gruppe:
Mich lieber!
Dritte Blume II Gruppe:
Nein, mich!
Zweite Blume II Gruppe:
Nein, lieber will er mich!
Erste Blume II Gruppe:
Du wehrest mich von dir?
Erste Blume I Gruppe:
Du scheuchest mich fort?
Zweite und dritte Blume I Gruppe, dritte Blume II Gruppe:
Du wehrest mir?
Chor II:
Wie, bist du feige vor Fraün?
Alle Blumen II Gruppe:
Magst du nicht getraün?
Chor II:
Magst du nicht getraün?
Erste Blume I Gruppe:
Wie schlimm bist du, Zager und Kalter!
Chor I und II:
Wie schlimm!
So zag?
Erste Blume II Gruppe:
Wie schlimm bist du, Zager und Kalter!
Chor II:
So Zag und Kalt!
Erste Blume I Gruppe:
Die Blümn lässt du umbuhlen den Falter?
Zweite und dritte Blume I Gruppe:
Wie ist er zag!
Zweite und dritte Blume II Gruppe:
Wie ist er kalt!
Chor I:
Auf! Wiechet dem Toren!
Alle Blumen I und II Gruppe:
Wir geben ich verloren.
Chor II:
Doch sei er uns erkoren!
Alle Blumen II Gruppe:
Nein, mir gehört er an!
Alle Blumenmädchen:
Nein, uns gehört er! Ja uns!
Auch mir! Ja mir!
Parsifal:
(halb ärgerlich die Mädchen abscheuchend)
Lasst ab! Ihr fangt mir nicht!
(Parsifal will fliehen, als er Kundrys Stimme vernimmt und betroffen still
steht.)
Kundry:
Parsifal! Bleibe!
(Die Mädchen sind bei dem Vernehmen der Stimme Kundrys erschrocken und
haben sich alsbaldvon Parsifal zurückgehalten.)
Parsifal:
Parsifal?
So nannte träumend mich einst die Mutter.
Kundry: (26:30)
Hier weile! Parsifal!
Dich grüsset Wonne und Heil zumal.
Ihr
kindischen Buhlen, weichet von ihm;
früh welkende Blumen,
nich
euch ward er zum Spiele bestellt.
Geht heim, pfleget der Wunden,
einsam erharrt euch mancher Held.
(Die Mädchen entfernen sich zaghaft und widerstrebend von Parsifal und
ziehen sich allmählich nach dem Schlosse zurück.)
Erste Blume, dann dritte Blume II Gruppe:
Dich zu lassen!
Zweite Blume II Gruppe:
Dich zu meiden!
Dritte Blume, dann Erste Blume I Gruppe:
O, wehe!
Zweite Blume I Gruppe:
O, wehe der Pein!
Chor I und II:
O wehe!
Alle Blumen I Gruppe:
Von allen möchten gern wir scheiden.
Alle Blumen I und II Gruppe:
...mit dir allein zu sein.
Chor I und II:
Leb wohl, leb wohl!
Leb wohl, du Holder, du Stolzer, du - Tor!
(Mit dem letzten sind die Mädchen unter Gelächter im Schlosse
verschwunden.)
Parsifal:
Dies alles. . . hab' ich nun geträumt?
(Er sieht sich schüchtern nach der Seite hin um, von welcher die Stimme
kam. Dort ist jetzt, durch Enthaüllung des Blumenhages, ein jugendliches
Weib von höchster Schönheit - Kundry, in durchaus verwandelter Gestalt
- auf einem Blumenlager, in leicht verhüllender, phantastischer Kleidung,
annähernd arabischen Stiles - sichtbar geworden.)
Riefest du mich Namenlosen?
Kundry:
Dich nannt'ich, tör'ger Reiner,
"Fal parsi",
dich
reinen Toren, "Parsifal".
So rief, als in arab'schem Land er
verschied,
dein Vater Gamuret dem Sohne zu,
den er, im Mutterschoss
verschlossen,
mit diesem Namen sterbend grüsste.
Ihn dir zy künden,
harrt'ich deiner hier:
was zog dich her, wenn nicht der Kunde Wunsch?
Parsifal:
Nie sah ich, nie träumte mir, was jetzt
ich schau, und was mit
Bangen mich erfüllt.
Entblühtest du auch diesem Blumenhaine?
Kundry:
Nein, Parsifal, du tör'ger Reiner!
Fern, fern ist mein Heimat.
Dass du mich fändest, verweilte ich nur hier.
Von weit her kam ich, wo
ich viel ersah.
Ich sah das Kind am seiner Mutter Brust,
sein erstes Lallen lacht mir
noch im Ohr;
das Leid im Herzen,
wie lachte da auch Herzeleide,
als ihren Schmerzen
zujauchzte ihrer Augen Weide!
Gebettet sanft auf
wiechen Moosen,
den hold geschläfert sie mit Kosen,
dem, bang in
Sorgen,
den Schlummer bewach't der Mutter Sehnen,
den weckt' am Morgen
der hiesse Tau der Muttertränen.
Nur Weinen war sie, Schmerzgebaren,
um deines Vaters Lieb' und Tod.
Vor gleicher Not dich zu bewahren,
galt ihr als höchster Pflicht Gebot.
Den Waffen fern, der Männer
Kampf und Wären,
wollte sie still dich bergen und behüten.
Bur Sorgen war sie, ach! Und Bangen;
nie sollte Kunde zu dir hergelangen.
Hörst du nicht noch ihrer Klage Ruf,
wann spät und fern du
geweilt?
Hei! Was ihr das Lust und Lachen schuf,
wann sie suchend dann
dich ereilt;
wann dann ihr Arm dich wütend umschlang,
ward dir es
wohl gar beim Küssen bang?
Doch ihr Wehe du night vernahmst,
nicht ihrer Schmerzen Toben,
als endlich du nicht wiederkamst
und
deine Spur verstoben!
Sie harrte Nächt' und Tage,
bis ihr
verstummt' die Klage,
der Gram ihr zehrte den Schmerz,
um stillen Tod
sie warb;
ihr brach das Leid das Herz,
und - Herzeleide - starb.
Parsifal:
(immer ernsthafter, endlich furchtbar betroffen, sinkt, schmerzlich überwältigt,
zu Kundrys Füssen nieder)
Wehe! Wehe! Was tat ich? Wo war ich?
Mutter! Süsse, holde Mutter!
Dein Sohn, dein Sohn musste dich morden!
O Tor! Blöder, taumelnder
Tor.
Wo irrtest du hin, ihrer vergessend,
deiner, deiner vergessend!
Traute, teürste Mutter!
Kundry:
war dir fremd noch der Schmerz,
des Trostes Süsse
labte nie
auch dein Herz;
das Wehe, das dich reut,
die Not nun büsse
im Trost, den Liebe dir beut.
Parsifal:
(im Trübsinn immer tiefer sich sinken lassend)
Die Mutter, dei Mutter konnt ich vergessen!
Ha! Was alles vergass ich
wohl noch?
Wes war ich je noch eingedenk?
Nur dumpfe Torheit lebt in
mir.
(Kundry, immer noch in halb liegender Stellung, beugt sich über
Parsifals Haupt, fasst sanft seine Stirn und schling traulich ihren Arm um
seinen Nacken.)
Kundry:
Bekenntnis
wird Schuld in Reü enden,
Erkenntnis
in Sinn
die Torheit wenden.
Die Liebe lerne kennen,
die Gamuret umschloss,
als Herzeleids Entbrennen
ihn sengend überfloss!
Die Leib
und Leben
einst dir gegeben,
der Tod und Torheit weichen muss,
sie beut dir heut,
als Muttersegens letzten Gruss,
der Liebe - ersten
Kuss.
(Sie hat ihr Haupt völig über das seinige geneigt und küsst
ihn lange auf seinen Mund. Plötzlich fährt Parsifal mit einer Gebärde
des höchsten Schreckens auf; seine Haltung drückt eine furchtbare Veränderung
aus; er stemmt seine Hände gewaltsam gegen das Herz, wie um einen
zerressenden Schmerz zu bewältigen.)
Parsifal: (42:40)
Amfortas! Die Wunde! Die Wunde!
Sie brennt mir hier zur Seite!
O,
Klage! Klage!
Furchtbare Klage!
Aus tiefstem Herzen schriet sie mir
auf.
Oh! Oh!
Elender! Jammervollster!
Die Wunde sah ich bluten;
nun blutet sie in mir.
Hier - hier!
Nein! Nein! Nicht die Wunde ist
es.
Fliesse ihr Blut in Strömen dahin!
Hier! Hier! Im Herzen der
Brand!
Das Sehnen, das furchtbare Sehnen,
das alle Sinne mir fasst und
zwingt!
O! Qual der Liebe!
Wie alles schaürt, bebt und zuckt
in sündigem Verlangen!
(Während Kundry in Schrecken und Verwunderung aug Parisfal hinstarrt,
gerät dieser in völlige Entrückheit.)
Es starrt der Blick dumpf auf das Heilsgefäss -
das heil'ge Blut
erglüht;
erlösungswonne, göttlich mild,
durchzittert
wiethin alle Seelen;
nur hier, im Herzen, will die Qual nicht weichen.
Des Heilands Klage da vernehm ich,
die Klage - ach! Die Klage
um das
entweihte Heiligtum.
"Erlöse, rette mich
aus
schuldbefleckten Händen!"
So rief die Gottesklage
furchtbar
laut mir in die Seele.
Und ich - der Tor, der Feige,
zu wilden
Knabentaten floh ich hin!
(Er stürzt verzweiflungsvoll auf die Knie.)
Erlöser! Heiland! Herr der Huld!
Wie büss ich, Sünder,
meine Schuld?(Kundry, deren Erstaunen in leidenschaftliche Bewunderung übergegangen,
sucht schüchtern sich Parsifal zu nähern.)
Kundry:
Gelobter Held! Entflieh dem Wahn!
Blick auf! Sei hold der Huldin Nahn!
Parsifal:
(immer in gebeugter Stellung, starr zu Kundry aufblickend, während
diese sich zu ihn neigt und die liebkosenden Bewegungen ausführt, die er
mit dem Folgenden bezeichnet)
Ja! Diese Stimme! So rief sie ihm -
und diesen Blick, deutlich erkenn
ich ihn -
auch diesen, der ihm so friedlos lachte;
die Lippe - ja - so
zuckte sie ihm,
so neigte sich ser Nacken -
so hob sich kühn das
Haupt;
so flatterten lachend die Locken -
so schlang um den Hals sich
der Arm -
so scmeichelte weich die Wange!
Mit aller Schmerzen Qual im
Bunde,
das Heil der Seele
entküsste ihm der Mund!
(Er erhebt sich allmählich.)
Ha! Dieser Kuss!
(Er stösst Kundry von sich.)
Verderberin! Weiche von mir!
Ewig! Ewig - von mir!
Kundry:
(in höchster Leidenschaft)
Grausamer!
Fühlst du im Herzen
nur and'rer Schmerzen,
so
fühle jetzt auch die meinen!
Bist du Erlöser,
was bannt
dich, Böser,
nicht mir auch zum Heil dich zu einen?
Seit
Ewigkeiten - harre ich deiner,
des Heilands, ach! So spät!
Den
einst ich kühn geschmäht.
Oh! Kenntest du den Fluch,
der
mich durch Schlaf und Wachen,
durch Tod und Leben,
Pein und Lachen,
zu neüm Leiden neu gestählt,
endlos durch das Dasein quält!
Ich sah ihn - ihn -
und... lachte!
Da traf mich sein Blick!
Nun such' ich ihn von Welt zu Welt
ihm wieder zu begegnen.
In höchster
Not
wähn' ich sein Auge schon nah,
den Blick schon auf mir ruh'n.
Da kehrt mir das verfluchte Lachen wieder;
ein Sünder sinkt mir in die
Arme!
Da lach' ich - lache -
kann nicht weinen,
nur schreien, wüten,
toben, rasen,
in stets erneuter Wahnsinns Nacht,
aus der ich büssend
kaum erwacht.
Den ich ersehnt in Todesschmachten,
den ich erkannt, den
blöd Verlachten,
lass mich an seinem Busen weinen,
nur eine
Stunde mich dir vereinen,
und, ob mich Gott und Welt verstösst,
in dir entsündingt sein und erlöst!
Parsifal: (56:30)
Auf Ewigkeit
wärst du verdammt mit mir
für eine Stunde
Vergessens meiner Sendung
in deines Arms Umfangen!
Auch dir bin ich
zum Heil gesandt,
bleibst du dem Sehnen abgewandt.
Die Labung, die
dein Leiden endet,
beut nicht der Qüll, aus dem es fliesst;
das
Heil wird nimmer dir gespendet,
eh jener Qüll sich dir nicht
schliesst.
Ein andres ist's - ein andres, ach!
Nach dem ich jammernd
schmachten sah,
die Brüder dort, in grausen Nöten,
den Leib
sich quälen und ertöten.
Doch wer erkennt ihn klar und hell,
des einz'gen Heiles wahren Qüll?
Kundry:
(in wilder Begeisterung)
So war es mein Kuss,
der welthellsichtig dich machte?
Mein volles
Liebesumfangen
lässt dich dann Gottheit erlangen.
Die Welt erlöse,
ist dies dein Amt;
schuf dich zum Gott die Stunde,
für sie lass
mich ewig dann verdammt,
nie heile mir die Wunde!
Parsifal:
Erlösung, Frevlerin, biet' ich auch dir.
Kundry:
Lass mich die Göttlichen lieben,
Erlösung gabst du dann auch
mir.
Parsifal:
Lieb' und Erlösung soll dir werden,
zeigest du
zu Amfortas
mir den Weg.
Kundry:
(in Wut ausbrechend)
Nie- sollst du ihn finden!
Den Verfallnen, lass ihn verderben,
den
Unsel'gen,
Schmachlüsternen,
den ich verlachte - lachte - lachte!
Hah! Ihn traf ja eigne Speer!
Parsifal:
Wer durft' ihn verwunden mit der heil'gen Wehr?
Kundry:
Er - er -
der einst mein Lachen bestraft -
sein Fluch - ha! - mir
gibt er Kraft -
gegen dich selbst ruf' ich die Wehr,
gibst du dem Sünder
des Mitleids Ehr'!
Ha! Wahnsinn!
(Flehend)
Mitleid! Mitlleid mit mir!
Nur eine Stunde mein!
Nur eine Stunde
dein -
und des Weges
sollst du geleitet sein!
Parsifal:
Vergeh, unseliges Weib!
Kundry:
(rafft sich mit wildem Wutrasen auf und ruft nach dem Hintergrunde zu)
Hilfe! Hilfe! Herbei!
Haltet den Frechen! Herbei!
Wehrt ihm die
Wege!
Wehrt ihm die Pfade!
Und flöhest du von hier, und fändest
alle Wege der Welt,
den Weg, den du suchst,
des Pfade sollst du nicht
finden;
den Pfad' und Wege,
die dich mir entführen,
so verwünsch'
ich sie dir;
Irre! Irre!
Mir so vertraut -
dich weih' ich ihm zum
Geleit!
(Klingsor ist auf der Burgmaür herausgetreten und schwenkt eine Lanze
gegen Parsifal)
Klingsor:
Halt da! Dich bann'ich mit der rechten Wehr!
Den Toren stelle mir
seines Meisters Speer!
(Er schleudert auf Parsifal den Speer, welcher über dessen Haupte
schweben bleibt.)
Parsifal:
(erfasst den Speer mit der Hand und hält ihn über seinem
Haupte)
Mit diesem Zeichen bann'ich deinen Zauber;
wie die Wunde er schliesse,
die mit ihm du schlugest,
in Traür und Trümmer
stürz'
er die trügende Pracht!
(Er hat den Speer im Zeichen des Kreuzes geschwangen; wie durch ein Erdbeben
versinkt das Schloss. Der Garten ist schnell zur Einöde verdorrt; verwelkte
Blumen verstreün sich auf dem Boden. Kundry ist schreiend zusammengesunken.
Parsifal hält im Enteilen noch einmal an und wendet sich von der Höhe
der Maürtrümmer zu Kundry zurück.)
Parsifal:
Du weisst -
wo du mich wiederfinden kannst!
(Er enteilt. Kundry hat sich ein wenig erhoben und nach ihm geblickt.)