| Prelude | ||
| Scene 1 | Herald: Hört! Grafen, Edle, Freie von Brabant! | 08:43 |
| Scene 2 Elsa's Dream |
Men: Seht hin! Sie naht Elsa: Einsam in trüben Tagen |
20:15
23:52 |
| Scene 3 Lohengrin's farewell to the swan |
Elsa: Ha!; Chorus: Gegrüsst
Lohengrin: Nun sei bedankt, mein lieber Schwan |
37:27
38:07 |
Eine Aue am Ufer der Schelde bei Antwerpen. Der Fluss macht dem Hintergrund zu eine Biegung, so dass rechts durch einige Bäume der Blick auf ihn unterbrochen wird und man erst in weiterer Entfernung ihn wieder sehen kann.
(Im Vordergrund sitzt König Heinrich unter einer mächtigen alten Eiche (Gerichtseiche), ihm zunächst stehen sächsische und thüringische Grafen, Edle und Reisige, welche des Königs Heerbann bilden. Gegenüber stehen die brabantischen Grafen und Edlen, Reisige und Volk, an ihrer Spitze Friedrich von Telramund, zu dessen Seite Ortrud. Die Mitte bildet ein offener Kreis. Der Heerrufer des Königs und vier Hornbläser schreiten in die Mitte. Die Bläser blasen den Königsruf.)
Der Heerrufer
Hört! Grafen, Edle, Freie von Brabant!
Heinrich, der Deutschen König, kam zur Statt,
mit euch zu dingen nach
des Reiches Recht.
Gebt ihr nun Fried' und Folge dem Gebot?
Die Brabanter
Wir geben Fried' und Folge dem Gebot.
Willkommen, willkommen, König, in Brabant!
König Heinrich (erhebt sich)
Gott grüss'
euch, liebe Männer von Brabant!
Nicht müssig tat zu euch ich
diese Fahrt!
Der Not des Reiches seid von mir gemahnt!
Soll ich euch
erst der Drangsal Kunde sagen,
die deutsches Land so oft aus Osten traf?
In fernster Mark hiesst Weib und Kind ihr beten:
"Herr Gott, bewahr uns
vor der Ungarn Wut!"
Doch mir, des Reiches Haupt, musst' es geziemen,
solch wilder Schmach ein Ende zu ersinnen;
als Kampfes Preis gewann ich
Frieden auf
neun Jahr - ihn nützt' ich zu des Reiches Wehr;
beschirmte Städt' und Burgen liess ich baun,
den Heerbann übte
ich zum Widerstand.
Zu End' ist nun die Frist, der Zins versagt -
mit
wildem Drohen rüstet sich der Feind.
Nun ist es Zeit, des Reiches
Ehr' zu wahren;
ob Ost, ob West, das gelte allen gleich!
Was deutsches
Land heisst, stelle Kampfesscharen,
dann schmäht wohl niemand mehr
das Deutsche Reich!
Die Sachsen und Thüringer
Wohlauf! Mit Gott für
Deutschen Reiches Ehr!
Der König (hat sich wieder gesetzt)
Komm' ich zu
euch nun, Männer von Brabant,
zur Heeresfolg' nach Mainz euch zu
entbieten,
wie muss mit Schmerz und Klagen ich ersehn,
dass ohne Fürsten
ihr in Zwietracht lebt!
Verwirrung, wilde Fehde wird mir kund;
drum
ruf ich dich, Friedrich von Telramund!
Ich kenne dich als aller Tugend
Preis,
jetzt rede, dass der Drangsal Grund ich weiss.
Friedrich
Dank, König, dir, dass du zu richten kamst!
Die Wahrheit künd' ich, Untreu' ist mir fremd.
Zum Sterben kam der
Herzog von Brabant,
und meinem Schutz empfahl er seine Kinder,
Elsa,
die Jungfrau, und Gottfried, den Knaben;
mit Treue pflog ich seiner grossen
Jugend,
sein Leben war das Kleinod meiner Ehre.
Ermiss nun, König,
meinen grimmen Schmerz,
als meiner Ehre Kleinod mir geraubt!
Lustwandelnd führte Elsa den Knaben einst
zum Wald, doch ohne ihn
kehrte sie zurück;
mit falscher Sorge frug sie nach dem Bruder,
da sie, von ungefähr von ihm verirrt,
bald seine Spur - so sprach sie
- nicht mehr fand.
Fruchtlos war all Bemühn um den Verlornen;
als
ich mit Drohen nun in Elsa drang,
da liess in bleichem Zagen und Erbeben
der grässlichen Schuld Bekenntnis sie uns sehn.
Es fasste mich
Entsetzen vor der Magd;
dem Recht auf ihre Hand, vom Vater mir
verliehn, entsagt' ich willig da und gern
und nahm ein Weib, das meinem
Sinn gefiel:
(Er stellt Ortrud vor, die sich vor dem König verneigt.)
Ortrud, Radbods, des Friesenfürsten Spross.
(Er schreitet feierlich einige Schritte vor)
Nun führ' ich Klage wider Elsa von
Brabant; des
Brudermordes zeih' ich sie.
Dies Land doch sprech' ich für mich an mit
Recht,
da ich der Nächste von des Herzogs Blut,
mein Weib dazu
aus dem Geschlecht, das einst
auch diesen Landen seine Fürsten gab.
Du hörst die Klage, König! Richte recht!
Alle Männer
Ha, schwerer Schuld zeiht Telramund!
Mit
Grausen werd' ich der Klage kund!
Der König
Welch fürchterliche Klage sprichst du aus!
Wie wäre möglich solche grosse Schuld?
Friedrich
O Herr, traumselig ist die eitle Magd,
die meine
Hand voll Hochmut von sich stiess.
Geheimer Buhlschaft klag' ich drum sie
an:
Sie wähnte wohl, wenn sie des Bruders ledig,
dann könnte
sie als Herrin von Brabant
mit Recht dem Lehnsmann ihre Hand verwehren
und offen des geheimen Buhlen pflegen.
Der König (durch eine ernste Gebärde Friedrichs Eifer
unterbrechend)
Ruft die Beklagte her!
Beginnen soll nun das
Gericht!
Gott lass mich weise sein!
Der Heerrufer (schreitet feierlich in die Mitte)
Soll
hier nach Recht und Macht Gericht gehalten sein?
Der König (hängt mit Feierlichkeit den Schild an der
Eiche auf)
Nicht eh'r soll bergen mich der Schild,
bis ich
gerichtet streng und mild!
Alle Männer (die Schwerter entblössend, welche die
Sachsen und Thüringer vor sich in die Erde stossen, die Brabanter flach vor
sich niederstrecken.)
Nicht eh'r zur Scheide kehr' das Schwert,
bis ihm durch Urteil Recht gewährt!
Der Heerrufer
Wo ihr des Königs Schild gewahrt,
dort
Recht durch Urteil nun erfahrt!
Drum ruf ich klagend laut und hell:
Elsa, erscheine hier zur Stell'!
(Elsa tritt auf in einem weissen, sehr einfachen Gewande; sie verweilt eine Zeitlang im Hintergrunde, dann schreitet sie sehr langsam und mit grosser Verschämtheit der Mitte des Vordergrundes zu; Frauen, sehr einfach weiss gekleidet, folgen ihr, diese bleiben aber zunächst im Hintergrunde an der äussersten Grenze des Gerichtskreises.)
Die Männer
Seht hin! Sie naht, die hart Beklagte!
Ha! Wie erscheint sie so licht und rein!
Der sie so schwer zu zeihen wagte,
wie sicher muss der Schuld er sein!
Der König
Bist du es, Elsa von Brabant?
(Elsa neigt das Haupt bejahend.)
Erkennst du mich als deinen Richter an?
(Elsa wendet ihr Haupt nach dem König, blickt ihm ins Auge und bejaht dann mit vertrauensvoller Gebärde.)
So frage ich weiter:
Ist die Klage dir bekannt,
die schwer hier wider dich erhoben?
(Elsa erblickt Friedrich und Ortrud, erbebt, neigt traurig das Haupt und bejaht.)
Was entgegnest du der Klage?
(Elsa durch eine Gebärde:"Nichts!")
So bekennst du deine Schuld?
Elsa (blickt eine Zeitlang traurig vor sich hin)
Mein
armer Bruder!
Alle Männer
Wie wunderbar! Welch seltsames Gebaren!
Der König
Sag, Elsa! Was hast du mir zu vertraun?
Elsa (23:52) (in ruhiger Verklärung
vor sich hinblickend)
Einsam in trüben Tagen
hab' ich zu
Gott gefleht,
des Herzens tiefstes Klagen
ergoss ich im Gebet.
Da
drang aus meinem Stöhnen
ein Laut so klagevoll,
der zu
gewalt'gem Tönen
weit in die Lüfte schwoll:
Ich hört'
ihn fernhin hallen,
bis kaum mein Ohr er traf;
mein Aug' ist
zugefallen,
ich sank in süssen Schlaf.
Alle Männer
Wie sonderbar! Träumt sie? Ist sie entrückt?
Der König (als wolle er Elsa aus dem Traume wecken)
Elsa, verteid'ge dich vor dem Gericht!
(Elsas Mienen gehen von dem Ausdruck träumerischen Entrücktseins zu dem schwärmerischer Verklärung über.)
Elsa
In Lichter Waffen Scheine
ein Ritter nahte da,
so tugendlicher Reine
ich keinen noch ersah:
Ein golden Horn zur Hüften,
gelehnet auf sein Schwert -
so trat er aus den Lüften
zu mir,
der Recke wert;
mit züchtigem Gebaren
gab Tröstung er mir
ein;
des Ritters will ich wahren,
er soll mein Streiter sein!
Alle Männer
Bewahre uns des Himmels Huld,
dass klar
wir sehen, wer hier schuld!
Der König
Friedrich, du ehrenwerter Mann,
bedenke
wohl, wen klagst du an?
Friedrich
Mich irret nicht ihr träumerischer Mut;
ihr hört, sie schwärmt von einem Buhlen!
Wess' ich sie zeih',
dess' hab' ich sichren Grund.
Glaubwürdig ward ihr Frevel mir bezeugt;
doch eurem Zweifel durch ein Zeugnis wehren,
das stünde wahrlich übel
meinem Stolz!
Hier steh' ich, hier mein Schwert! Wer wagt von euch,
zu
streiten wider meiner Ehre Preis!
Die Brabanter
Keiner von uns! Wir streiten nur für dich!
Friedrich
Und, König, du! Gedenkst du meiner Dienste,
wie ich im Kampf den wilden Dänen schlug?
Der König
Wie schlimm, liess' ich von dir daran mich
mahnen!
Gern geb' ich dir der höchsten Tugend Preis;
in keiner
andern Hut, als in der deinen,
möcht' ich die Lande wissen. Gott
allein
soll jetzt in dieser Sache noch entscheiden!
Alle Männer
Zum Gottesgericht!
Zum Gottesgericht!
Wohlan!
Der König
Dich frag' ich, Friedrich, Graf von Telramund!
Willst du durch Kampf auf Leben und auf Tod
im Gottesgericht vertreten
deine Klage?
Friedrich
Ja!
Der König
Und dich nun frag' ich, Elsa von Brabant!
Willst du, dass hier auf Leben und auf Tod
im Gottesgericht ein Kämpe
für dich streite?
Elsa (ohne die Augen aufzuschlagen)
Ja!
Der König
Wen wählest du zum Streiter?
Friedrich
Vernehmet jetzt
den Namen ihres Buhlen!
Die Brabanter
Merket auf!
Elsa (hat Stellung und schwärmerische Miene nicht
verlassen; alles blickt mit Gespanntheit auf sie)
Des Ritters will ich
wahren,
er soll mein Streiter sein!
(Ohne sich umzublicken.)
Hört, was dem Gottgesandten
ich biete für
Gewähr:
In meines Vaters Landen
die Krone trage er;
mich glücklich
soll ich preisen,
nimmt er mein Gut dahin -
will er Gemahl mich
heissen,
geb' ich ihm, was ich bin!
Alle Männer (unter sich)
Ein schöner Preis,
stünd' er in Gottes Hand!
Wer für ihn stritt', wohl setzt' er
schweres Pfand!
Der König
Im Mittag hoch steht schon die Sonne:
So
ist es Zeit, dass nun der Ruf ergeh'!
(Der Heerrufer tritt mit den vier Heerhornbläsern vor, die er, den vier Himmelsgegenden zugewendet, an die äussersten Grenzen des Gerichtskreises vorschreiten und so den Ruf blasen lässt.)
Der Heerrufer
Wer hier im Gotteskampf zu streiten kam
für
Elsa von Brabant, der trete vor,
der trete vor!
(Langes Stillschweigen. Elsa, welche bisher in ununterbrochen ruhiger Haltung verweilt, zeigt entstehende Unruhe der Erwartung.)
Alle Männer
Ohn' Antwort ist der Ruf verhallt!
Friedrich (auf Elsa deutend)
Gewahrt, ob ich sie fälschlich
schalt?
Alle Männer
Um ihre Sache steht es schlecht!
Friedrich
Auf meiner Seite bleibt das Recht!
Elsa (etwas näher zum König tretend)
Mein
lieber König, lass dich bitten,
noch einen Ruf an meinen Ritter!
Wohl weilt er fern und hört' ihn nicht.
Der König (zum Heerrufer)
Noch einmal rufe zum
Gericht!
(Auf das Zeichen des Heerrufers richten die Heerhornbläser sich wieder nach den vier Himmelsgegenden.)
Der Heerrufer
Wer hier im Gotteskampf zu streiten kam
für
Elsa von Brabant, der trete vor,
der trete vor!
(Wiederum langes, gespanntes Stillschweigen.)
Alle Männer
In düstrem Schweigen richtet Gott!
(Elsa sinkt zu inbrünstigem Gebet auf die Knie. Die Frauen, in Besorgnis um ihre Herrin, treten etwas näher in den Vordergrund.)
Elsa
Du trugest zu ihm meine Klage,
zu mir trat er auf
dein Gebot:
O Herr, nun meinem Ritter sage,
dass er mir helf in meiner
Not!
Die Frauen (auf die Knie sinkend)
Herr! Sende Hilfe
ihr!
Herr Gott! Höre uns!
Elsa
Lass mich ihn sehn, wie ich ihn sah,
(Mit freudig verklärter Miene.)
wie ich ihn sah, sei er mir nah!
(Die auf einer Erhöhung dem Ufer des Flusses zunächststehenden Männer gewahren zuerst die Ankunft Lohengrins, welcher in einem Nachen, von einem Schwan gezogen, auf dem Flusse in der Ferne sichtbar wird. Die vom Ufer entfernter stehenden Männer im Vordergrunde wenden sich zunächst ohne ihren Platz zu verlassen mit immer regerer Neugier fragend an die dem Ufer näher stehenden; sodann verlassen sie den Vordergrund, um selbst am Ufer nachzusehen.)
Die Männer
Seht! Seht! Welch ein seltsam Wunder! Wie? Ein
Schwan?
Ein Schwan zieht einen Nachen dort heran!
Ein Ritter drin hoch
aufgerichtet steht!
Wie glänzt sein Waffenschmuck! Das Aug' vergeht
vor solchem Glanz! Seht, näher kommt er schon heran!
An einer goldnen
Kette zieht der Schwan!
(Auch die letzten eilen noch nach dem Hintergrunde; im Vordergrunde bleiben nur der König, Elsa, Friedrich, Ortrud und die Frauen. Von seinem erhöhten Platze aus überblickt der König alles; Friedrich und Ortrud sind durch Schreck und Staunen gefesselt; Elsa, die mit steigender Entzückung den Ausrufen der Männer gelauscht hat, verbleibt in der Mitte der Bühne; sie wagt gleichsam nicht, sich umzublicken. Die Männer stürzen in höchster Ergriffenheit wieder nach vorn.)
Ein Wunder! Ein Wunder!
Ein Wunder ist gekommen,
ein unerhörtes, nie gesehnes Wunder!
Ein Wunder! Ein Wunder! usw.
Die Frauen
Dank, du Herr und Gott, der die Schwache beschirmet!
Elsa (hat sich umgewandt und schreit bei Lohengrins Anblick laut
auf)
Ha!
Alle Männer und Frauen
Sei gegrüsst, du gottgesandter
Mann! usw.
(Der Nachen, vom Schwan gezogen, erreicht in der Mitte des Hintergrundes das Ufer; Lohengrin, in glänzender Silberrüstung, den Helm auf dem Haupte, den Schild im Rücken, ein kleines goldenes Horn zur Seite, steht, auf sein Schwert gelehnt, darin. Friedrich blickt in sprachlosem Entsetzen auf Lohengrin hin. Ortrud, die während des Gerichtes in kalter, stolzer Haltung verblieben, gerät beim Anblick des Schwans in tödlichen Schrecken. Sowie Lohengrin die erste Bewegung macht, den Kahn zu verlassen, tritt bei allen sogleich das gespannteste Stillschweigen ein.)
Lohengrin (38:07) (neigt sich zum Schwan)
Nun sei bedankt, mein lieber Schwan!
Zieh durch die weite Flut zurück,
dahin, woher mich trug dein Kahn,
kehr wieder nur zu unsrem Glück!
Drum sei getreu dein Dienst getan!
Leb wohl, leb wohl, mein lieber Schwan!
(Der Schwan wendet langsam den Nachen und schwimmt den Fluss zurück. Lohengrin sieht ihm eine Weile wehmütig nach.)
Die Männer und Frauen
Wie fasst uns selig süsses
Grauen!
Welch holde Macht hält uns gebannt!
Wie ist er schön
und hehr zu schauen,
den solch ein Wunder trug ans Land!
(Lohengrin verlässt das Ufer und schreitet langsam und feierlich nach dem Vordergrund.)
Lohengrin (verneigt sich vor dem König)
Heil, König
Heinrich! Segenvoll
mög' Gott bei deinem Schwerte stehn!
Ruhmreich und gross dein Name soll
von dieser Erde nie vergehn!
Der König
Hab Dank! Erkenn' ich recht die Macht,
die
dich in dieses Land gebracht,
so nahst du uns von Gott gesandt?
Lohengrin
Zum Kampf für eine Magd zu stehn,
der
schwere Klage angetan,
bin ich gesandt. Nun lasst mich sehn,
ob ich zu
Recht sie treffe an.
(Er wendet sich etwas näher zu Elsa.)
So sprich denn, Elsa von Brabant:
Wenn ich zum
Streiter dir ernannt,
willst du wohl ohne Bang' und Graun
dich meinem
Schutze anvertraun?
Elsa (die, seitdem sie Lohengrin erblickte, wie in Zauber
regungslos festgebannt war, sinkt, wie durch seine Ansprache erweckt, in überwältigend
wonnigem Gefühle zu seinen Füssen)
Mein Held, mein Retter!
Nimm mich hin;
dir geb' ich alles, was ich bin!
Lohengrin
Wenn ich im Kampfe für dich siege,
willst
du, dass ich dein Gatte sei?
Elsa
Wie ich zu deinen Füssen liege,
geb' ich dir
Leib und Seele frei.
Lohengrin
Elsa, soll ich dein Gatte heissen,
soll Land und
Leut' ich schirmen dir,
soll nichts mich wieder von dir reissen,
musst eines du geloben mir:
Nie sollst du mich befragen,
noch Wissens
Sorge tragen,
woher ich kam der Fahrt,
noch wie mein Nam' und Art!
Elsa (fast bewusstlos)
Nie, Herr, soll mir die Frage
kommen!
Lohengrin
Elsa! Hast du mich wohl vernommen?
Nie sollst du
mich befragen,
noch Wissens Sorge tragen,
woher ich kam der Fahrt,
noch wie mein Nam' und Art!
Elsa (mit grosser Innigkeit zu ihm aufblickend)
Mein
Schirm! Mein Engel! Mein Erlöser,
der fest an meine Unschuld glaubt!
Wie gäb' es Zweifels Schuld, die grösser,
als die an dich den
Glauben raubt?
Wie du mich schirmst in meiner Not,
so halt' in Treu'
ich dein Gebot!
Lohengrin (ergriffen und entzückt sie an seine Brust
erhebend)
Elsa! Ich liebe dich!
(Beide verweilen eine Zeitlang in der angenommenen Stellung.)
Die Männer und Frauen
Welch holde Wunder muss ich sehen?
Ist's Zauber, der mir angetan?
Ich fühl' das Herze mir vergehen,
schau' ich den hehren, wonnevollen Mann!
Lohengrin (geleitet Elsa zum König und übergibt sie
dessen Hut, dann schreitet er feierlich in die Mitte des Kreises)
Nun hört!
Euch, Volk und Edlen, mach' ich kund:
Frei aller Schuld ist Elsa von
Brabant!
Dass falsch dein Klagen, Graf von Telramund,
durch Gottes
Urteil werd' es dir bekannt!
Brabantische Edle (erst einige, dann immer mehrere, heimlich zu
Friedrich)
Steh ab vom Kampf!
Wenn du ihn wagst,
zu siegen nimmer du vermagst!
Ist er von höchster Macht geschützt,
sag, was dein tapfres Schwert dir nützt?
Steh ab! Wir mahnen dich in Treu'!
Dein harter Unsieg, bittre Reu'!
Friedrich (der bisher unverwandt und forschend sein Auge auf
Lohengrin geheftet, mit leidenschaftlich schwankendem und endlich sich
entscheidendem inneren Kampfe)
Viel lieber tot als feig!
Welch
Zaubern dich auch hergeführt,
Fremdling, der mir so kühn
erscheint,
dein stolzes Drohn mich nimmer rührt,
da ich zu lügen
nie vermeint.
Den Kampf mit dir drum nehm' ich auf
und hoffe Sieg nach
Rechtes Lauf!
Lohengrin
Nun, König, ordne unsern Kampf!
(Alles begibt sich in die erste Gerichtsstellung.)
Der König
So tretet vor, zu drei für jeden Kämpfer,
und messet wohl den Ring zum Streite ab!
(Drei sächsische Edle treten für Lohengrin, drei brabantische für Friedrich vor, sie messen mit feierlichen Schritten den Kampfplatz aus und stecken ihn, einen vollständigen Ring bildend, durch ihre Speere ab.)
Der Heerrufer (in der Mitte des Kampfringes)
Nun höret
mich und achtet wohl:
Den Kampf hier keiner stören soll!
Dem Hage
bleibet abgewandt,
denn wer nicht wahrt des Friedens Recht,
der Freie
büss' es mit der Hand,
mit seinem Haupte büss' es der Knecht!
Alle Männer
Der Freie büss' es mit der Hand,
mit seinem Haupte büss' es der Knecht!
Der Heerrufer (zu Lohengrin und Friedrich)
Hört
auch, ihr Streiter vor Gericht!
Gewahrt in Treue Kampfes Pflicht!
Durch bösen Zaubers List und Trug
stört nicht des Urteils
Eigenschaft!
Gott richtet euch nach Recht und Fug,
so trauet ihm,
nicht eurer Kraft!
Lohengrin und Friedrich (zu beiden Seiten ausserhalb des
Kampfkreises stehend)
Gott richte mich nach Recht und Fug,
so
trau' ich ihm, nicht meiner Kraft!
Der König (mit grosser Feierlichkeit in die Mitte
vorschreitend)
Mein Herr und Gott, nun ruf ich dich,
(Alle entblössen das Haupt und lassen sich zur feierlichsten Andacht an.)
dass du dem Kampf zugegen seist!
Durch Schwertes Sieg
ein Urteil sprich,
das Trug und Wahrheit klar erweist!
Des Reinen Arm
gib Heldenkraft,
des Falschen Stärke sei erschlafft!
So hilf
uns, Gott, zu dieser Frist,
weil unsre Weisheit Einfalt ist!
Elsa und Lohengrin
Du kündest nun dein wahr Gericht,
mein Gott und Herr, drum zag' ich nicht! usw.
Ortrud
Ich baue fest auf seine Kraft,
die, wo er kämpft,
ihm Sieg verschafft! usw.
Friedrich
Ich geh' in Treu vor dein Gericht!
Herr Gott,
nun verlass mein' Ehre nicht!
Der König
Mein Herr und Gott, dich rufe ich! usw.
So künde nun dein wahr Gericht!
Mein Herr und Gott, nun zögre
nicht!
Der Heerrufer und alle Männer
Des Reinen Arm gib
Heldenkraft
usw.
So künde nun dein wahr' Gericht,
du Herr und Gott,
nun zögre nicht!
Die Frauen
Segne ihn! Herr, mein Gott! Segne ihn!
(Alle treten unter grosser feierlicher Aufmerksamkeit an ihre Plätze zurück. Die sechs Kampfzeugen bleiben bei ihren Speeren dem Ringe zunächst, die übrigen Männer stellen sich in geringerer Weite um ihn her. Elsa und die Frauen im Vordergrund unter der Eiche beim König. Auf des Heerrufers Zeichen blasen die Heerhornbläser den Kampfruf. Lohengrin und Friedrich vollenden ihre Waffenrüstung. Der König zieht sein Schwert und schlägt damit dreimal an den an der Eiche aufgehängten Schild. Beim ersten Schlage nehmen Lohengrin und Friedrich die Kampfstellung ein; beim zweiten ziehen sie die Schwerter und legen sich aus; beim dritten Schlage beginnen sie den Kampf. Lohengrin greift zuerst an. Nach mehreren ungestümen Gängen streckt er mit einem weitausgeholten Streiche seinen Gegner zu Boden. Friedrich versucht sich wieder zu erheben, taumelt einige Schritte zurück und stürzt zu Boden. Mit Friedrichs Fall ziehen die Sachsen und Thüringer ihre Schwerter aus der Erde, die Brabanter nehmen die ihrigen auf.)
Lohengrin (das Schwert auf Friedrichs Hals setzend)
Durch Gottes Sieg ist jetzt dein Leben mein:
(Von ihm ablassend.)
Ich schenk' es dir, mögst du der Reu' es weihn!
(Der König nimmt seinen Schild von der Eiche. Alle Männer stossen ihre Schwerter in die Scheiden. Die Kampfzeugen ziehen die Speere aus der Erde. Jubelnd brechen alle Edlen und Männer in den vorherigen Kampfkreis, so dass dieser von der Masse dicht erfüllt wird.)
Alle Männer und Frauen
Sieg! Sieg! Sieg!
Heil! Heil
dir, Heil!
Der König (sein Schwert ebenfalls in die Scheide stossend)
Sieg! Sieg!
Elsa
O fänd' ich Jubelweisen,
deinem Ruhme gleich,
dich würdig zu preisen,
an höchstem Lobe reich!
In dir muss
ich vergehen,
vor dir schwind' ich dahin,
soll ich mich selig sehen,
nimm alles, was ich bin!
(Der König führt Elsa Lohengrin zu, sie sinkt an Lohengrins Brust.)
Der König und die Männer
Ertöne, Siegesweise,
dem Helden laut zum höchsten Preise!
Ruhm deiner Fahrt!
Preis
deinem Kommen!
Heil deiner Art,
Schützer der Frommen!
Du
hast gewahrt
das Recht der Frommen,
Preis deinem Kommen,
Heil
deiner Art!
Dich nur besingen wir,
dir schallen unsre Lieder!
Nie kehrt ein Held gleich dir
zu diesen Landen wieder!
Ortrud (die Friedrichs Fall mit Wut gesehen, den finsteren
Blick unverwandt auf Lohengrin geheftet)
Wer ist's, der ihn geschlagen,
durch den ich machtlos bin?
Der König
Preis deiner Fahrt!
Heil deiner Art!
Lohengrin (Elsa von seiner Brust erhebend)
Den Sieg
hab' ich erstritten
durch deine Rein' allein;
nun soll, was du
gelitten,
dir reich vergolten sein! usw.
Die Frauen
Wo fänd' ich Jubelweisen,
seinem Ruhme
gleich,
ihn würdig zu preisen,
an höchstem Lobe reich!
Du hast gewahrt usw.
Alle Männer
Du hast gewahrt usw.
Elsa
O fänd' ich Jubelweisen usw.
Der König
Heil sei deiner Fahrt usw.
Ortrud
Wer ist's, der ihn geschlagen usw.
Sollt'
ich vor ihm verzagen,
wär' all mein Hoffen hin? usw.
Friedrich (sich am Boden qualvoll windend)
Weh, mich
hat Gott geschlagen,
durch ihn ich sieglos bin!
Am Heil muss ich
verzagen,
mein Ruhm und Ehr' ist hin! usw.
(Friedrich sinkt zu Ortruds Füssen ohnmächtig zusammen. Junge Sachsen erheben Lohengrin auf seinen Schild und Brabanter Elsa auf den Schild des Königs, auf welchen zuvor mehrere ihre Mäntel ausgebreitet haben; so werden beide unter Jauchzen davongetragen.)