© Gerhard Rombach
Weitere Einträge nur noch
auf meinem Blog
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Vergebens
Einer sagte
er habe gesucht doch
es war vergebens
Ein anderer sagte
er habe gefunden doch
es war nicht was er suchte
*
Im Norden
Hier im hohen Norden
bebt die Erde nicht
und Berge speien keine
Lavaströme aus
Tornados reißen
keine Häuser nieder
Hier im Norden
herrscht Ordnung und
wenn sie nicht gestorben
sind dann leben sie
noch heute
*
Langsam durch die Straßen
Einmal noch will ich in die
Alte Heimat zurückkehren
Langsam durch die Straßen gehen
Neue Häuser durch alte ersetzen
Den kleinen Teich suchen
Wo wir Schlittschuh liefen
Und den schmalen Fluss
Der mir damals breit und
Gefährlich schien
Vielleicht steht die Bank noch
Auf der wir saßen, Pläne machten
Und Ausschau hielten
Nach einem Leben
*
So einfach
Ich habe dich damals nicht
kommen hören -
du warst einfach da
in meinem Leben
Jetzt sehe ich dir an dass du
wieder gegangen bist
*
Wolkenlos
Regen und Sturm
Sind angesagt
Ich blicke hinaus auf
Wolkenlosen Himmel
Wieder einmal betrogen
Um ein Unwetter
*
Bald
Wenn es Herbst wird
Will ich mit den Wildgänsen
Nach Süden ziehen
Dorthin wo die Nächte
Warm sind und der
Hibiskus blüht
Dorthin wo du auf mich
Wartest
Und die langen
Vergeblichen Jahre
Werden abfallen von uns
Wie Schnee der schmilzt
*
Wöchentlicher Wohnungsputz
Die Ratten mit dem Besen
Schlagen
Staubbälle zusammenkehren
Erbrochenes beseitigen
Gardinen im Gefrierschrank
Suchen
Das Meißener Porzellan notdürftig
Kleben
Hummelfiguren in Reih und Glied
Stellen
Silber putzen
Na sieh, wie schön und
Gleich ist wieder Ordnung
Eingekehrt
*
Abrechnung
Einmal musst du mit dir
ins Reine kommen
Die Wahrheit hinter den
vielen Worten erkennen
Einmal wird dir die
Rechnung präsentiert
*
Ein Augenblick
Nur einen Augenblick lang
war er unaufmerksam gewesen -
da hatte sich die Welt
verändert
*
Atemlos
Der Sommer war fast vorbei
Als er dem Frühling begegnete
Der Himmel hielt den Atem an und
In der Ferne sah er ein Licht
Wie Hoffnungsschimmer
*
Gerede vom Glück
Einen Tag finden um
glücklich zu sein
Einen glücklichen
Tag finden
Ein Glück finden das
den Tag übersteht
Etwas finden das
glücklich macht
Mann, du machst mich
ganz krank mit deinem
Gerede vom Glück
Glück ist ein kaltes Bier
und eine Bratwurst wenn
man hungrig ist
*
Urlaub
Morgen geht's wieder einmal
ab in den Urlaub
der wievielte -
ich weiß es nicht mehr
doch die gleiche Unsicherheit
wie immer und die Frage
wohin und
warum
*
Es kam die Zeit
Es gab eine Zeit da
wohntest du in meinem Herzen
Die Nächte waren lang
und meine Lieder sangen
von Liebe
Es gab eine Zeit da
warst du in meinen Träumen
Tag und Nacht
Es kam aber die Zeit
als du frei sein wolltest
Nur Träume sind blieben
*
Gegen Unrecht und Gewalt
Man muss dagegen anschreiben
Gegen Unrecht und Gewalt
Auch viele kleine Nadelstiche
Können den Riesen fällen
Oder eine primitive Schleuder
Mit der David damals den
Riesen Goliath fällte
Heute ist David zum Riesen
Geworden -
Ungerecht und gewalttätig
Man muss dagegen anschreiben
*
Noch im Erwachen
Manchmal erwache ich
aus einem Traum und
fühle dich neben mir
Manchmal weiß ich dass
ich ein Leben träume das
nicht das meine ist
Noch im Erwachen halte
ich deine Hand und
nenne dich beim Namen
*
Wenig stolz
Wenig stolz bin ich darauf
der Generation anzugehören die
die Welt an den Rand des Ruins
gebracht hat
Wenig stolz darauf dass wir das
Klima verändert, die wilden Tiere
dezimiert und die Weltmeere
nahezu ausgefischt haben
Wenig stolz darauf dass
die Ressourcen der Erde zu
Ende gehen und reines Wasser
anfängt knapp zu werden
Die Wurzel allen Übels der
ungehemmte Zuwachs unserer Art
und die ungezügelte Gier nach
Reichtum und Macht
*
Sie wissen alles besser
Ich muss demnächst versuchen
meinen Erinnerungen
zu entkommen
Aufdringlich sind sie
geworden in letzter Zeit
überfallen mich selbst nachts
und fordern Beachtung
Dabei bemerke ich
dass sie sich ändern -
eben noch wusste ich
wie es war da kommen sie
mit neuen Versionen
Dies ist nicht mein Leben
rufe ich ihnen zu
doch sie wissen alles besser
*
Viel zu spät
Dein Traum kam zurück
Zu mir als ob
Er wüsste wie ich
Mich nach dir sehne
Als ob er wüsste dass
Ich kein Leben habe
Ohne dich
Als ob er mich retten wollte
Doch es war zu spät
Für Träume
Viel zu spät
*
Schlimmer noch
Wenn das Internet versagt
bin ich abgeschnitten von
der Welt schlimmer noch
als Robinson Crusoe der
sich stets der Flaschenpost
bedienen konnte
*
Freigekauft
Man hatte ihn damals
freigekauft aus der DDR
wie so viele Andersdenkende
und damit Verfolgte
In der Bundesrepublik
fand er sich nie zurecht
Auch heute noch
mehr als 30 Jahre später
sucht er vergebens
nach einem Leben
*
Erwartungen
Auf die Reise
nehme ich nichts mit als
deine Gedichte und
meine Erwartungen
*
Der letzte Zug
Und immer wieder
dieser seltsame Traum
Ich stehe einsam auf
einem öden Bahnsteig
und der letzte Zug
ist abgefahren
Doch dieses Mal kamst
du mir entgegen
*
Dämmerung
Die Zeit wenn der Tag
zu Ende geht und die
Abendröte verblasst
Wenn Straßenlaternen
vergebens versuchen
den Tag zu ersetzen
Wenn Dämmerung in
Nacht übergeht und
Träume geboren werden
Wenn es jetzt Morgen wird
dort wo du lebst und deine
Träume schon lange nicht mehr
bei mir sind
*
Ewige Treue
Vor vielen Jahren schon
habe ich dich erfunden
und du bist mir
seitdem treu geblieben
*
Möglicherweise
Niemand soll glauben
ich hätte in meinem Leben
versäumt
zu träumen -
möglicherweise habe ich
versäumt zu erwachen
*
Delphin und Albatross
Ich lebe auf einer
einsamen Insel
Wenn die Flut kommt
will ich Delphin sein
Wenn der Sturm kommt
Albatross
Wenn der Tod kommt
wird mein letzter Gedanke
zu dir gehen
Delphin und Albatross
sollen dich grüßen
*
Der Schrei
Gell steigt der Schrei zum Himmel
Unrecht wurde begangen
Die böse Saat geht auf und Satan
Rüttelt wieder an seinen Fesseln
*
Sie nahmen unser Land
(Palästina)
Zuerst nahmen sie das Land
Das mehr als tausend Jahre lang
Unsere Heimat war
Dann nahmen sie unsere
Häuser und unsere Existenz
Und bauten die große Mauer
Zum Schluss nahmen sie
Unsere Hoffnung
Nur die Würde und den Hass
Können sie uns nicht nehmen
*
Unsterblich
Weißt du noch als
Gestern heute war und
Morgen uns wenig kümmerte
Erinnerst du dich daran
Dass wir unsterblich waren
Und die Welt verändern wollten
Die Welt ist die Gleiche geblieben
Tage kommen und gehen nur
Uns hat die Zeit nicht verschont
*
O Israel II
Aus Verfolgten
Wurden Verfolger
Aus Geschändeten
Schänder
Aus Opfern
Scharfrichter
Sie haben nichts gelernt
Aus dem Schicksal
Ihrer Eltern
Sie haben das Wort
Versöhnung aus ihrer
Sprache verbannt
Ihre Gerechtigkeit endet
An der Grenze die es so nie
Hätte geben dürfen
*
Neues Glück
Eines Tages will ich
Das Glück neu erfinden
Mit langer Haltbarkeit und
Ohne schädliche Zusätze
*
Am Abend
Wenn es Abend wird
Zähle ich was mir
Geblieben ist
Flüchtige Jahre
*
Berührung
Das wundersame Gedicht
Einer Fremden -
Es berührt mich wie
Die Hand der Geliebten
*
Mississippi
Jedes Mal wenn ich
Das Wort Mississippi höre
Bin ich wieder Huckleberry Finn
Stehe am Ufer des gewaltigen Stroms
Spüre die drückende
Feuchte Wärme des Abends
Fühle den salzigen Geschmack
Des Abenteuers auf der Zunge
Ich habe ihm nie danken können
Dem Freund meines Vaters
In dessen Bibliothek ich
All die Bücher fand und las
Die verboten waren im dritten Reich
Die mir verschlossene Welten
Auftaten und die Augen öffneten
Die mich Mensch werden ließen
In einer unmenschlichen Zeit
*
Vertriebene
Sie sprechen noch immer von
alten Zeiten als ob Vergangenes
wichtiger wäre als Gegenwart
Als ob sie nur verstehen können
was damals geschah und
Gegenwart ewig fremd bleibt
Sie starben schon damals
als man sie aus der Heimat
vertrieb
*
Hugin und Munin
Während ich schreibe
Sitzen zwei schwarze Vögel
Vor meinem Fenster
Sollten es Nachfahren von
Hugin und Munin sein -
Den Raben Odins?
Ihnen verdankte er seine
Göttliche Weisheit
Die Vögel sehen mich an
Dann fliegen sie davon -
Leider ohne dass ich
Weisheit erlangt hätte ...
*
Die Welt ging unter
Als wir für immer Abschied nahmen
Ging die Welt unter oder
Zumindest schien es mir so
Die Straße in der wir standen und
Die Häuser wurden undeutlich
Zerrannen wie in Tränen
Der Erdboden bebte und am Himmel
Erloschen die Sterne
Vielleicht bildete ich mir
Das auch alles nur ein denn
Ich hatte nur Augen für dich
So als ob ich mir dein Bild
Einbrennen müsste
Für ewig irgend wo in der Seele
Bevor ich mich abwendete
Und dich zurück ließ in einem Land
Das ich zu hassen gelernt hatte
*
Pläne
Sie ist noch da, die Straße
Die Gasse und das Tor wo wir
So oft standen spät noch und
Pläne machten für die Zukunft
Wie zuversichtlich wir waren und
Wie anders alles gekommen ist -
Dabei glaubten wir doch die Welt
In Händen zu halten
*
Paradox
Draußen steht die Welt
in Brand
hier drinnen schreibe ich
von Liebe
*
Ein Zimmer
Ein Zimmer
in der Dämmerung
Ein Zimmer
wie alle Zimmer
doch hier
hielt ich deine Hand
*
Wie damals
Eines Nachts will ich
Noch einmal diesen Traum haben
Blau soll er sein mit
Bunten Luftballons
Und du sollst bei mir sein
Wie damals
*
In Berlin
In Berlin liegen
meine Erinnerungen -
einsam und nutzlos
*
Zu einer anderen Zeit
In einer anderen Welt
in einem anderen Leben
zu einer anderen Zeit
war mir als wäre ich
glücklich
*
Rot wie Blut
Regen schlägt ans Fenster
Frühlingsregen könnte
man ihn nennen wenn
er nicht rot wäre -
rot wie Blut
*
Wie verängstigt Kinder
Nachts glitten Autos lautlos vorüber
Ihre Scheinwerfer zeichneten
abstrakte Muster auf
die billigen Gardinen
Wir lagen dicht aneinander
gedrückt wie verängstigte Kinder
und du wolltest nicht einsehen
dass Glück keine Dauer hat
*
Nichts ist ewig
So vieles was sich ändert
Im Lauf der Jahre
Menschen, Häuser, Städte
Nichts hat Bestand
Nichts ist ewig
Unser Leben ein Schein
*
Es wird eng
Heute las ich
dass in der Welt
doppelt so viele Kinder
geboren werden
wie Menschen sterben
Die Katastrophe ist
nicht mehr aufzuhalten
*
Der Besucher
Einmal, wenn der Besucher
der dunkle an die Tür klopft
und fragt ob ich zufrieden war
mit dem Leben werde ich sagen
Nichts war wie es hätte sein können
nichts wie es zu sein schien
eine Schattenwelt vielleicht
auch Liebe nur flüchtiges Glück
Lass uns gehen
*
Latein
Auf lateinisch lernte ich sagen
"Ubi bene, ibi patria"
Wo es mir gut geht
ist meine Heimat
Auf zwei neuen Sprachen lernte
ich später verstehen, dass dies
nicht meine Wahrheit ist
*
Verlorenes Land
Vielleicht ist es
wie eine Nabelschnur
Vielleicht auch nur ein
unbestimmtes Gefühl der Leere
die Suche nach verlorenem Land
Vielleicht sind es die
Generationen von Vorfahren die
dich zurück rufen, dich mahnen
deinen Platz einzunehmen in
heimischen Gräbern
*
Gedichte
Gedichte die mit uns altern
Einst träumte ich von
Schmetterlingen und ritt
Auf einem Regenbogen
Nun schreibe ich um
Dem Herbst zu entkommen
Und suche in Träumen
Die Felder meiner Jugend
*
Auf Reise
Ich war auf Reise
Um den Frühling
Zu suchen
Doch der Frühling wollte
Nichts von mir wissen
Blies mir Eiseskälte
In die Seele
*
Trotz GPS
Der Horizont läuft mir davon
Trotz GPS und anderen
Finessen
Das Ziel liegt unbekannt
In weiter Ferne
Der Weg ist weit doch
Wohin er auch führen mag
Ich warte dort auf dich
*
Felder
Ich weiß, ich werde sie
nie wieder finden
die Felder meiner Jugend und
schuf darum ein neues Land
aus Fantasie und Träumen
und den geheimsten Wünschen
jener Zeit
*
Suche
Immer auf Suche
nach Frühling
nach Liebe
Immer auf Suche
nach Geborgenheit
nach Angekommensein
Immer unterwegs
*
Heimat III
Wohl dem der seine
Heimat hassen kann
Denn die sie lieben
sind dem Heimweh
wehrlos ausgeliefert
*
Verlassen
Eine verlassene Wohnung
Der Briefkasten ungeleert
Teller mit Essensresten
Blumen am Vertrocknen
Den Besitzer kümmert
Es nicht mehr
*
Ich stelle mir vor
Ich stelle mir Träume vor
hellblaue Träume die sich
im Sommerwind wiegen
Ich stelle mir Gärten vor
wohlriechend und
bunt wie Träume
Ich stelle mir Menschen vor
in meinen Träumen -
Menschen die sich lieben
*
Sonne und Meer
Wir haben hoffen gelernt
Wissen aber kaum noch worauf
Ich blicke zurück
In die Vergangenheit
Sehe Sonne und Meer
Sehe dich und mich
Als wir jung waren und
Noch nicht gelernt hatten
Zu hoffen sondern nur
Zu leben und zu lieben
Als wir noch nicht gelernt hatten
Was Zukunft ist denn
Alles war Gegenwart
Jugend
Sonne und Meer
*
Heimat I
Wer kann schon sagen
Was Heimat ist
Ein Bild
Eine Erinnerung
Ein Gefühl
Wer kann schon sagen
Wo Heimat ist
Das Bild
Die Erinnerung
Das Gefühl
Tief in deiner Seele
*
Heimat II
Gefährlich die
Heimat zu verlassen
Sie verfolgt dich
Bis in deine Träume
*
In der Fremde
Manche Menschen
bleiben ewig fremd
auf dieser Erde denn ihre
Heimat sind die Sterne
*
17. April 2010
Sparsam, die ersten Leberblümchen
und meine Bank am See steht
einsam und verlassen
Wie lange bist du nicht mehr
neben mir gegangen -
du gehst jetzt eigene Wege
Die erste Wildgans auf dem See
hoch über dir ist sie geflogen
auf ihrem langen Weg nach Norden
Ihr Ruf verfolgte dich im Traum
*
Warten
Immer wartet man auf etwas -
einen Brief ein
freundliches Wort
oder auch nur auf ein Wunder
*
Viel zu schnell
Ein weiter Weg vom
Bub in kurzen Hosen -
dem Räuberhauptmann
seiner Gegend
hin zum sentimentalen
alten Narr im Ruhestand
Doch nur ein scheinbar
weiter Weg denn
schnell ist es gegangen
viel zu schnell
*
Wo seid ihr heute
Gedanken die
mich begleiten
Erinnerungen die
zu verblassen drohen
Wo seid ihr heute die
ich liebte ...
*
Nicht mehr lange
Nicht mehr lange und
der Wald wird aufblühen in
weißer und blauer Pracht
Buschwindröschen und
Leberblümchen läuten
den Frühling ein -
auch hier im hohen Norden
*
Champagner
Manchmal fühlt sich Erinnerung an
Wie abgestandener Champagner
Was frisch und spritzig war
Ist schal und fade geworden
Was jung und neu war
Ist alt und behäbig
Leg eine Platte auf und
Lass uns träumen von
Alten Zeiten ...
*
Das Urteil
Hin und wieder war ihm
Als müsste er anhalten
Zurück blicken
Spuren folgen die einmal ins
Leere zu führen schienen
Abzweigungen erkennen
Die er übersehen hatte
Oder nicht hatte sehen wollen
Erinnerungen zurückrufen die
Er versucht hatte zu verdrängen
Nächte der Ekstase und Tage
Der Enttäuschung nach einer
Liebe die vergebens war
Manchmal war ihm als ob er
Stets von neuem beweisen müsste
Mensch zu sein und nicht Untier
Eines Tages würde er zu dem Punkt
Gelangen wo alle Hoffnung zunichte ist
Und er sich zu entscheiden hatte
Eines Tages würde das Urteil fallen
*
Verregneter
Sonntag
Es soll ein verregneter
Sonntag sein
wenn ich an dich denke
Neun Uhr morgens und
auf den Wegen nur ein paar
verschlafene Hundebesitzer
Im Radio sollen sie Chopin spielen
Frédéric Chopin - der war auch nicht
besonders glücklich
Der Computer soll angeschaltet sein
und wieder ist kein Mail
von dir gekommen
Dort wo du lebst ist jetzt Mitternacht
und erst in neun Stunden beginnt
dein verregneter Sonntagmorgen
*
Soviel Leid
Niemand sagte uns damals dass
es soviel Leid auf der Welt gibt
Wir waren jung und wollten
es auch nicht wissen
*
Ohne Hoffnung
Sie war gegangen ohne sich
Auch nur einmal umzuwenden
Hatte ihn fallen lassen wie ein
Ausgedientes Kleidungsstück
Wie etwas das nutzlos
Geworden war
Kalter Regen fiel und sie
Ging mit schnellen Schritten
Zur nächsten Haltestelle
Der Mann sah ihr nach ohne
Zu sehen, ohne zu fühlen
Ohne Hoffnung
*
Die andere Welt
Ich schließe die Augen und
Eine andere Welt tut sich auf
Eine Welt in der du mich liebst
*
Eine Gitarre
Eine Gitarre weint
Ich möchte einsam sein
Sie trösten -
Mit ihr trauern
*
Im Schlaf
Manchmal ist mir als
Ob du mich rufst
Dann öffne ich die
Mailbox doch wie meistens
Gähnende Leere
Vielleicht hast du auch nur
Im Schlaf meine
Hand gesucht
*
Ohne Titel
In meiner Jugend
Träumte mir einmal ein
Wunschkind zu sein -
Geliebt zu werden
*
Zusammenhänge
Gewisse Zusammenhänge
beginne ich zu ahnen
Warum ich so oft an verlassene
Bahnhöfe denke und an
Züge die durch die Nacht eilen
wie schwarze Ungeheuer
Warum ich nachts im Traum so oft
auf Bahnsteigen stehe
weit nach Mitternacht und der
letzte Zug ist längst gegangen
Und warum mir immer ist als warte
ich auf jemanden der nie ankommt
*
Kein Frühling
Gitarrenmusik im Stereo
dein Gedicht
am Bildschirm
Sehnsucht im Herzen
doch der Frühling,
der Frühling will
nichts von mir wissen
*
Im Frühling
Über das Leben schreiben
im Frühling und
das Erwachen der Natur
Von Liebe schreiben
im Frühling und das
Warten auf ein Wunder
Über das Leben schreiben
im Frühling
das jubelnde Leben
Von Sehnsucht schreiben
und immer wieder
von dir
*
Ohne Zukunft
In seiner Hand lagen
Die Scherben eines Lebens
Die kläglichen Überreste
Einer Zukunft
Später im Taxi dachte er daran
Wie es begonnen hatte und
Dass sie schon immer wussten
Wie es enden würde
*
Buschwindröschen
Wieder einmal warte ich
auf den Frühling
Warte darauf dass
Anemonen blühen und
Buschwindröschen notdürftig
den Abfall verdecken den
der Schnee so gnädig verbarg
Plastiktüten
leere Konservendosen
einzelne Schuhe selbst
Skelette von Shoppingwagen
keine Seltenheit
Wer machte sich die Mühe
dies alles in meinen Wald
zu schleppen -
wer oder was?
Ich werde es nie erfahren
*
McDonald's
Ich saß bei McDonald's
Dem heiligsten der Orte
Unserer Zeit
Beobachtete Familien
Die Kinder unzufrieden
Die Väter gehetzt
Die Mütter enttäuscht
Als wären sie zu
Höherem bestimmt
Die heilige Messe
In unserer Zeit an
Diesem heiligen Ort
*
Nur eine Rose
Du konntest mich
Nicht sehen
Doch ich sah alles
Schwebte hoch über dir
Sah deine Tränen
Sah deine Trauer
Und warf dir heimlich
Eine Rose zu
Als Trost
*
Magische Stunde
In der magischen Stunde
Zwischen Dämmerung
Und Nacht ist mir manchmal
Als sei ich nicht allein
Eine leichte Hand streift
Meine Wange und im
Halbdunkel ist mir als
Atme ich deinen Duft
Vom Fenster kommt der
Schwache Schein
Einer Straßenlaterne
Der Raum hat sich verwandelt
Gleicht einem Zimmer
Zu einer anderen Zeit
In einem anderen Leben
Und unmerklich ist es Nacht
Geworden
*
Eins zu tausend
Glückselige Momente
die nie wiederkehren
Unendliche Jahre
der Eintönigkeit
Leben ein Gemisch
eins zu tausend
*
Sternschnuppe
Du hast du die Sternschnuppe
gesehen
Du weißt was ich mir
gewünscht habe
Warum bist du dann
immer noch nicht hier?
*
Pflichtfach
Du kannst das Leben nicht zwingen
dir zu geben was du glaubst es dir
schuldig ist
Du kannst dem Glück kein
Trinkgeld geben und sagen
jetzt bin ich dran
Und geliebt zu werden ist
kein Pflichtfach -
es will verdient werden
immer und immer wieder
von neuem
*
Gesellschaftsreise
Du sitzt in einer Bar
wo du nicht sein willst
Trinkst was dir absolut
nicht bekommt
Bist in einem Land
das dir zuwider ist
Und redest mit Leuten
die du nicht leiden kannst
Du bist auf einer
Gesellschaftsreise
*
Nie
Bist du nie durch kalten Regen
Nach Hause gegangen
Verletzt und enttäuscht
Hast du nie das Messer
Gespürt im Herzen und
Die Hoffnungslosigkeit -
dann hast du nie geliebt
*
Kurzer Besuch
Eben mal vorbei geschaut
in dieser Welt -
was sind schon 70 Jahre ...
*
Inschrift
Charles Bukowski schlug einmal
als Inschrift auf seinem Grabstein vor:
"ach, na ja, mir hat's eh nicht gefallen"
Selbst könnte ich mir den Text vorstellen:
"was soll ich sagen - es hätte schlimmer
kommen können"
*
Unsere Welt
Ist unsere Welt wirklich nur
Ein Zufall, eine einmalige völlig
Unglaubwürdige Begebenheit
Ein unlustiges Spiel der Götter
Oder ein missglücktes Experiment
Überirdischer Wesen
Werden wir eines Tages
den Text entziffern müssen
"Rien ne va plus"
oder wird in Sternenschrift stehen
"Game over"
*
Rezept für Wohlbefinden
Der Katze gegen das
Fell streichen
Die Nacht zum
Tag machen
Gedichte schreiben
Aufsässig sein ...
*
Die Mauer
Im Grenzland der Liebe hast du
Stets gezögert, nicht gewagt
Den letzten Schritt zu tun
Dich aufzugeben
Dich hinzugeben
Wolltest frei sein
Unabhängig
Ungebunden
Eine Mauer hast du um
Dein Leben gezogen doch
In stillen Nächten hört
Man dich leise weinen
*
Ein Schatten
Du warst nicht da -
Warst wie ein Schatten den man
Kaum erkennen konnte
Ein Flimmern in der Luft ein
Unbestimmbares Gefühl von Nähe
Doch auch von Kälte
Und nicht von dieser Welt
Ich hatte dich schon lange nicht gesehen
War überrascht dass du mich
Treffen wolltest
Jetzt saßen wir in unserem Café
Ein Cappuccino vor mir und ich
Sah langsam ein dass es ein
Schatten war der bei mir saß
Erinnerung - und du schon längst
Gegangen warst
*
Nichts auf der Welt
Im Traum sah er die
Grünen Täler seiner Heimat
Sah blau schimmernde
Berge in der Ferne
Hörte das Murmeln
Von Bächen und der
Bussard zog seine Kreise
Hoch über ihm
Im Traum kam die, die er liebte
Ihm lächelnd entgegen und
Es gab nichts auf der Welt das
Ihm unerreichbar erschienen wäre
*
Warten auf
Frühling
Warten auf den sehnsüchtigen
Ruf heimkehrender Kraniche
Und den ungestümen Schrei
Der Wildgans
Warten auf wieder erwachendes
Leben am See
Das Spiel der Wellen
Im lauen Südwind
Warten auf Frühling
Warten auf dich
*
Zwei Liebesgedichte
I
Rastlos wandert
ein Liebesgedicht
durchs Internet bis es
dich findet für die ich
es schrieb
Dein Herz schlägt
schneller -
du hast es
gelesen
II
Ein Liebesgedicht
irrt durchs Internet
auf der Suche nach dir
für die ich es schrieb
"Mailer daemon cannot deliver"
Und der Tag ist grau
und trist
*
Warum
Warum hoffe ich immer noch
auf ein Wort von dir
wo wir uns doch nichts mehr
zu sagen haben
Warum warte ich immer noch
auf einen Brief von dir
wo doch alle Worte
vergebens sind
Warum denke ich
immer noch nur an dich
wenn es Abend wird
und ich einsam bin
*
Auch ein Morgen
Sonntag Morgen -
ich blicke aus dem Fenster
und sehe absolut nichts
Früher hätte man gesagt
die Nebel wallen
Heute sage ich nur
Mistwetter
und mache mir noch
eine Tasse Kaffe ...
*
Auch ein Leben
Ich lese von einer Schauspielerin
Mit 17 Jahren bekam sie
Ihre Traumrolle als Elvira Madigan
Mit 20 war sie unglücklich
Mit 22 nahm sie Amphetamin
Wer sagt dass Liebe
Ewig sein muss
Wer sagt dass Leben
Gerecht sein muss und ein
Ständiger Tanz auf Rosen
*
Zurück
Was er glaubte hinter sich
Gelassen zu haben kam und
Klopfte an seine Tür
Wollte eingelassen werden
Als wäre nichts geschehen
Als wäre Liebe etwas das
Man öffnet und schließt
Wie eine alte Schublade
Dabei war die Erinnerung
Noch frisch an den Abschied
An den tödlichen Charme
Der halbleeren Bahnhofshalle
Und den langen einsamen
Heimweg
*
Nur manchmal noch
Als ich näher hinsah
merkte ich dass du
nicht mehr in meinem
Leben warst und als ich
die Hand hob um dir
übers Haar zu streichen
schreckte dein Schatten
vor mir zurück und wurde
langsam durchsichtiger
Als ich wieder nach dir sah
warst du schon verschwunden
Nur manchmal noch stehst du
in einsamen Nächten an
meinem Bett und streust
Träume über mich
*
Kein Wunder
Du hast nie erfahren
Dass ich verrückt war nach dir und
Jeden Tag auf ein Wunder wartete
Das Wunder dass du mich
Bemerken würdest
Mich an die Hand nehmen würdest
Doch dies ist nie geschehen
Und du hast nie erfahren
Dass ich verrückt war nach dir
*
Behutsam
Ein einfaches Hotelzimmer
Zwei Betten
Die Lichter vorüber fahrender
Autos zeichnen Muster auf
Altmodische Tapeten
In der Ferne lärmt die S-Bahn
Und ich habe absolut nichts
Wofür es sich lohnte zu leben
Außer dir und nehme dich
Behutsam in die Arme
*
Verlorene Zeit
Schon lange bevor ich dich kannte
Warst du in meinem Leben
Warst du in meinen Träumen
Und schon immer wusste ich
Dass du mich nicht lieben würdest
Tage vergehen wie Schnee
Der schmilzt und an meiner
Seele haftet die verlorene Zeit
*
Wie ein Blatt Papier
Schon kurz nachdem wir uns
kennengelernt hatten fingst du
an Abschied zu nehmen
Schon kurz nachdem ich anfing
dich zu lieben fühlte ich
wie du leichter und leichter
wurdest und schließlich wie ein
Blatt Papier warst auf das ich
ein Liebesgedicht schrieb
es kunstvoll faltete und in
die Luft warf wo es verschwand
Vielleicht hat es dich auch nie
gegeben
*
Siehst du nicht
Warum fragst du ob ich es bin
der unglücklich ist und
traurige Gedichte schreibt
Warum glaubst du dass ich
es bin der Sehnsucht hat
und Liebe sucht
Siehst du nicht meinen
Doppelgänger -
den mit den traurigen Augen?
*
Kein Trost
Heute schrieb mir eine Freundin
dass ihr Kind gestorben sei
Mir will es die Kehle zuschnüren
und wie sollte man auch nur glauben
Trost spenden zu können
"Leise höre ich dein Herz weinen"
heißt es in einem meiner Gedichte
*
Von Liebe schreiben
Wie soll ich heute von Liebe schreiben
Wenn Nebel die Fenster blind macht
Und der Frühling noch weit ist
Schwer vorzustellen mein
Platz an der Sonne und auf
Glück ist geringer Verlass
Ich schließe die Augen und
Lese in deinen Gedanken
Von Liebe
*
Der Junge
Der Junge auf dem Bild
neun Jahre alt, hellblond fast weiß
Das Foto hängt in meinem Zimmer
der Junge bin ich selbst
Ich möchte fragen wie es ihm so geht,
ihm sagen dass ich ihn vermisse
Ich möchte fragen ob es schlimm war
damals und warum ich nach so
vielen Jahren noch immer an ihn
denken muss
Ich möchte vieles ungeschehen
machen
*
Kriegswinter
Der Schneefall hat aufgehört
nur der Sturm tobt noch ums Haus
Da fallen mir die Kriegswinter ein,
die grausam kalten als man
anfing am Endsieg zu zweifeln
und hunderttausend vor Stalingrad
ums Leben kamen -
Gute wie Böse
*
Der Duft ihrer
Haare
Der Tag und der Abend prägte
Sich fest in mein Gedächtnis ein
Wir waren vierzehn oder
Fünfzehn Jahre alt
Drei Jungens und ein Mädchen
Wir zelteten am Mainufer
Unterhalb von Schloss Banz und
Wenn ich jetzt zurückdenke
Weiß ich noch genau wie wir mühsam
Das Vorkriegszelt aufbauten
Wie wir über offenem Feuer kochten
Ich sehe die Silhouette von Schloss Banz
Im Mondschein, höre den
Mächtigen Klang der Kirchenglocken
Das unmelodische Quaken der
Frösche am Flussufer und
Das Konzert der Grillen
Das Mädchen soll schön gewesen sein
Doch daran erinnere ich mich kaum
Meinen beiden Freunden entging
Wahrscheinlich die romantische Silhouette
Von Schloss Banz, das Glockengeläute
Und das Quaken der Frösche
Sie erinnern sich an das Mädchen
An den Duft ihrer Haare und
An ihre Neugier
Vielleicht entging mir damals etwas
Aber ich war jung und glaubte
Dass Liebe anders sein müsste
*
Firmenfest
An den Abend erinnere ich mich
besonders deutlich als ich mit dem Tod
zu Tisch saß
Es war ein Firmenfest und meine
Tischdame als Tod verkleidet
mit Sense und allem
Nach genügend Alkoholkonsum
erwachte sie aus ihrer Todesstarre und
wurde lebendiger als mir lieb war
Der Abend blieb dennoch ereignislos denn
ich konnte mich nicht dazu überwinden
mit dem Tod ins Bett zu gehen
*
Latte macchiato
Wir waren noch zusammen
aber du hattest mich
längst verlassen
warst in Gedanken schon
bei einer neuen Liebe
einer neuen Hoffnung
Wir saßen in einem Café
und ich wollte nicht einsehen
dass es ein Abschied war
wollte nicht einsehen
dass Liebe wie ein kalter
latte macchiato sein kann
Und ich war immer noch
verrückt nach dir
*
Lichterkette
Draußen im Dunkel
Vor dem Fenster
Eine vergessene Lichterkette
Von Weihnachten noch
Lass sie bleiben
Denke ich und versuche
Mich zu erinnern wie es war
Als ich sie aufhängte
Manche Erinnerungen
Sind wie schales Bier
Wie alter Zigarrenrauch
Wie eine Liebe die viel versprach
Und nichts hielt
Der Weihnachtsmann kam
Mit den falschen Geschenken
*
Beleidigend
Wer behauptet da
dass ich normal bin -
eine grobe Beleidigung
*
Frei
Wenn es dir abends
schlecht geht
und du bist allein
Du stellst dir ein Leben vor
ungebunden
mittellos, obdachlos
Frei wie ein Vogel
der fliegt wohin er will
Der sich niederlegt
um zu sterben
wo er will und allein
*
Schatten
Manchmal nachts
wenn ich nicht schlafen kann
stehe ich auf und setze mich
im Dunkel zu den Schatten
die immer um mich sind
meist unsichtbar -
außer in schlaflosen Nächten
Ich nicke ihnen zu
nenne sie beim Namen und
glaube ein freundliches Raunen
als Antwort zu hören
Dann gehe ich und schlafe
getröstet ein
*
Ohne Abschied
Heute Abend fegt ein Sturm ums Haus
Straßenlaternen tanzen Mazurka
Warum muss ich gerade heute
An dich denken
Warum ist mir gerade heute als
Riefe der Wind deinen Namen und
Warum klingt die Musik die ich spiele
Heute besonders traurig
Immer wieder ist mir als sähe ich dich
Von mir gehen ohne Abschied
Und wünsche dass du die Liebe
Gefunden hast die ich
Dir nicht geben konnte
*
Harte Zeiten
Wieder keine Punkte beim
Poetry Slam
Auch meine Idole
vorzeitig ausgeschieden
Hilde Domin
Sarah Kirsch
Rose Ausländer
Ulla Hahn
Zu gefühlvoll
zu altmodisch
Protestieren muss man
heute können
Seinen Frust
hinausschreien können
Die Jugend mitreißen
können
Harte Themen sind gefragt
in einer harten Zeit
Fuck You
*
Keine übereilten Rückschlüsse
Die weiße Möwe - schon längst
nicht nur Bewohner der
sieben Weltmeere
Moderne Möwen verbringen
den Winter auf Mülldeponien
genau wie es uns Menschen
nach Mallorca treibt
Rückschlüsse unerwünscht
*
Selbsterkenntnis
Hin und wieder bin ich
unzufrieden und mir selbst zu viel
Alter Idiot sage ich dann
(zu mir selbst)
Was willst du denn -
hast schon viel zu lange gelebt
und sentimentale Texte geschrieben
Deine Zeit ist vorüber ...
*
Man hätte ...
Man hätte sie aufschreiben sollen
die wilden Ideen und
verrückten Einfälle
bevor sie verschwanden
Man hätte sie leben sollen
bevor es zu spät war
Man hätte die Stunden
festhalten sollen
Man hätte besser
jung bleiben sollen
*
Mit dir
Und wieder gehe ich
auf regennassen Straßen
durch die Stadt mit dir
Der Traum sagt nicht wohin
wir gehen und nicht woher
wir kommen
Es ist mein Traum und du
bist bei mir
*
Ernst der Lage
Ein stiller Gedanke an meine Akte
Im Stasi-Archiv
Sie konnten mich nicht verstehen
Doch sie brauchten mich beim Bau
Ihres sozialistischen Luxus-Hotels
Den Schweden, geboren in der
Verhassten BRD der so gar keinen Respekt
Zeigte und sich lachend verhören ließ
Ein stiller Gedanke an meine Stasi-Akte
Der Ernst der Lage ging mir erst
Viel später auf
*
Rache
Der Mensch überfischt die Meere
Die Fische rächen sich
Indem sie weniger werden
Den Mensch wundert das
*
Hass
Es gibt bösartige Männer
Es gibt gewalttätige Männer
Doch nichts ist gefährlicher als
Der Hass einer enttäuschten Frau
*
Dann Stille
Draußen die Sirene
Eines Krankenwagens
Schreckerfüllte Sekunden
Gilt sie dir oder mir
Und sollte ich wirklich
So krank sein
Dann Stille -
Der Tod ist weiter gezogen
*
Stein
Ich las von Schiffen
mit Segeln aus Stein
Ich traf Menschen
mit Seelen aus Stein
*
Krähen
Noch ist es winterlich weiß
Ein paar Krähen auf dem Feld
Wie unabsichtlich ausgestreute
Überlebenskünstler
Selbstbewusst beobachten sie mich
*
Vierhändig
Die alte Fotografie
Großmutter im Sonntagsstaat
die Stielbrille stets griffbereit
an langer Silberkette
Sonntagsbesuch und nach
dem Essen spielten wir Klavier
vierhändig
Vergessen was wir spielten
doch fühle ich noch immer
das Glück dieser Stunden
*
Flaschenpost
Dein letzter Brief
Wie lange ist das her
Dein Schweigen
Jeder Tag ein kleiner Tod
Und immer wieder
Vergebens die Hoffnung
Auf Nachricht
Ich lebe auf einer Insel
Werfe Flaschenpost
Ins Meer und warte
Auf Antwort
*
Astronomisches
Ich sehe hinaus in die Winternacht
Begrüße die Sterne
Nenne sie beim Namen
Einen nach dem anderen
Die Nebulosen
Die Galaxien und dort -
Kaum zu erkennen
Ein paralleles Universum,
Wo ich nach neustem
Stand der Wissenschaft
Noch einmal existieren könnte
Etwas verzerrt vielleicht
Und spiegelbildlich doch
Wen sollte das schon stören ...
*
Letzter Tanz
Heute Abend bleibt es
Dunkel im Zimmer
Nur eine Kerze wirft Schatten
Heute bin ich allein mit dir
Die Mailbox schon lange leer
Keine Hoffnung
Keine Liebe
Dein flackernder Schatten
Fordert mich auf zum Tanz -
Einmal muss der letzte sein
*
Herr der Schöpfung
Ein weiter Weg vom Herrn
der Schöpfung zum
mutwilligen Zerstörer
seiner eigenen Welt
Ein weiter Weg vom Paradies
bis zum totalen Krieg gegen
Umwelt und gesunden
Menschenverstand
Das letzte Wort hat
Gott oder Satan
*
Der göttliche Plan
Der Glaube an einen göttlichen Plan
für unsere Erde und das Leben
faszinierte mich viele Jahre
- bin selbst Ingenieur -
Bis ich einsah, dass dem göttlichen
Konstrukteur wesentliche Fehler
unterlaufen waren und der Plan
niemals hätte durchgeführt werden dürfen
Zu hohe Kosten
zu schlechtes Material und
viel zu empfindlich um von
Menschen betrieben zu werden
Jetzt sitzen wir mit allen Reparaturen
die Garantiezeit ist abgelaufen
der Konstrukteur unauffindbar
Das Bauwerk unstabil
*
Am ersten Tag
Eine Zeitkapsel öffnet sich
am ersten Tag
Von unsichtbarer Hand
werden Samenkörner
über die Erde verteilt
Schicksale,
Lebensformen,
Menschen,
Schuld, Unschuld,
Liebe, Hass,
Treue, Verrat
Sie werden wachsen
und gedeihen
wohin sie auch fallen
Und alles zu seiner Zeit
*
Klima oder
Wetter
Kältester Winter seit vielen Jahren
als ob die Natur den Klimaforschern
sagen wollte: seht ihr
so leicht ist die Vorhersage
nun auch wieder nicht
*
Gedanken während eine
Grippeerkrankung
Ab und zu ein Stich im Ohr,
Hustenattacke - die Grippe
wehrt sich gegen Penicillin
Gerade denke ich mein Gott
ich bin dabei Milliarden
von Bakterien zu vernichten
Dazu auf grauenvollste Art
Sie werden Greenpeace
auf mich hetzen ...
*
Liebe stirbt
Träume verblassen wenn
Sie dem Tag begegnen
Liebe stirbt wenn keine
Träume sie nähren
Was bleibt ist die Erinnerung
An eine Liebe ohne Zukunft
Und diese unstillbare
Sehnsucht nach dir
*
26. Dezember 2009
Tage wie dieser grau in grau
Leichter Schneefall, fünf Grad minus
Um 3 Uhr nachmittags wird es Nacht
Lichterketten flammen auf
Leuchtreklamen
Weihnachtsdekorationen
Im Hintergrund läuft eine CD
Mit Gitarrenmusik des Barock
Jeder Zeitbegriff geht verloren
Das Buch in dem ich las
Ist mir aus der Hand gefallen
Ein Roman von Audrey Niffenegger
Der Anfang traf mich wie ein Keulenschlag
Sentimentaler alter Narr und bei meinem
Nächsten Besuch in London
Werde ich nicht versäumen dem
Highgate Cemetary einen Besuch
Abzustatten
*
Leben
Mein Glaube ans Göttliche
ist ausgesprochen schwach
Zu ungerecht und grausam die
Götter für meinen Geschmack
Was mich doch immer noch
an Wunder glauben lässt ist
Leben in allen seinen Formen
Der Mensch ein Meister
im Vernichten von Leben
weiß im Grunde nicht
was Leben ist
*
Letzter Tag
Letzter Tag des Jahres und wieder
Einmal denkt er zurück an sein Leben
An seine Ehe, wie es gelaufen war und
Was er auch dieses Jahr wieder
Versäumt hatte zu tun und zu sagen
Sie waren beide in Familien
Aufgewachsen wo Ehe etwas war
Das nicht unbedingt mit der
Großen Liebe zu tun haben musste
Eher mit Vertrauen, Sicherheit
Und solchen Dingen
Als die Kinder nach und nach
Ausgezogen waren um eigene Familien
Zu gründen begann er sentimentale
Gedichte zu schreiben
Sie war nicht für Gedichte sondern
Sorgte sich um die Enkel
Es war keine schlechte Ehe
Aber vieles blieb ungesagt, vieles
Ungetan oder selbstverständlich
Nur selten nahm er ihre Hand
Und dann war es fast als ob er
Sich schämte für diese Schwäche
Seine größte Furcht war einmal
Allein zurück zu bleiben oder selbst
Zu gehen ohne gesagt zu haben
Dass er sie liebte ...
*
Nordlicht
Das Haus in Österskär in dem
wir einen langen Herbst und
kalten Winter wohnten lag auf
einer Halbinsel an der Ostsee
Um zum Zug zu gelangen
der mich täglich zur Arbeit
nach Stockholm brachte
gab es ein kleines Boot mit Motor
Im Winter ging der Weg zum Bahnhof
einen Kilometer übers Eis
Bevor das Eis trug war der Weg
vier Kilometer länger
An die abendlichen Heimwege
übers Eis erinnere ich mich noch gut
Es war ein schrecklich kalter Winter
und eine gottverlassene Gegend
Das Eis stöhnte und ächzte
unter mir und über mir flammte
jeden Abend das Nordlicht wie ich
es danach nie wieder erlebt habe
Auf halbem Weg konnte ich bei
guter Sicht die Lichter des Hauses sehen
Dort war es warm und unser erstes Kind
nur einige Monate alt
*
Heile Welt
Weihnachten -
Ich denke an das Kind
Als Vater und Mutter
Noch zusammen waren
Als die Welt noch heil war
Ich denke an den Baum
Mit brennenden Lichtern
Die Geschenke
Der Kaufmannsladen
Der Werkzeugkasten
Die Eisenbahn
Die Dampfmaschine
Wohin sind sie gegangen
Die Jahre ...
*
Winternacht (Nocturne II)
Faszination der Winternacht
Bedrohung und Wunder
Im Hintergrund ein
Nocturne von Chopin
Ich sehe hinaus in die Nacht
Sehe in die Vergangenheit
Dies habe ich selbst
Gespielt vor langer Zeit
In einem anderen Land
In einem anderen Leben
In einer Winternacht
Vor langer Zeit
*
Nocturne I
Nocturne von Chopin
Glück und Unglück
Zugleich
Höchstes Glück es zu hören
Zutiefst unglücklich
Der es schrieb
Nocturne Opus 55, Nummer 1
*
Nichts als Musik
Weihnachtskonzert
in der Kirche
Ein Chor
ein Dirigent
eine Orgel
zwei Trompeten
und wie durch Zauber
schwebt himmlischer Friede
durch den Raum
zusammen mit Max Reger,
Messiaen und Händel
Für ein paar Stunden
ist die Welt nichts als Musik
*
Schokoladebraun
Der kleine Junge in meinem Haus
fünf Jahre oder so, Einwanderer
in zweiter Generation aus Pakistan,
schokoladebraun und schwarzhaarig doch
mit perfekter Aussprache des Schwedischen
Während ich - schon gut fünfzig Jahre im Land
meinen süddeutschen Akzent nie richtig
ablegen konnte, fragt mich eines Tages
"warum sprichst du so komisch" und ich antworte
"weil ich aus einem anderen Land komme"
Seine zweite Frage überrascht mich total
"warum bist du dann so weiß?"
Und mir ist klar - aus dem Jungen wird einmal
etwas Großes - er denkt logisch ...
*
Der Fernseher läuft
Aus dem Zimmer nebenan
höre ich Gesprächsfetzen und
weiß, der Fernseher läuft -
wahrscheinlich eine der Serien
wo alle unglücklich sind
Unsere Vorstellungen vom Leben
und wie es sein sollte
sind verschieden und alle
überlegen wir warum es nicht
ist wie es hätte sein können
*
Das gleiche Lied
Manche Abende sind einsamer
Als andere
Manche Nächte schwärzer
Ein Schatten sitzt an meinem Bett
Wenn der Widerschein der
Leuchtreklame durchs Zimmer huscht
Glaube ich zu erkennen
Dass du es bist die bei mir sitzt
Noch im Schlaf höre ich dich
Leise singen und es ist immer
Das gleiche Lied
*
Klimakonferenz
Klimakonferenz in Kopenhagen
Sie tun als wäre noch Zeit
Sie tun als wäre die Welt
Noch zu retten
Zu viel Politik, zu viel Gerede
Zu wenig Mut
*
Reise nach Berlin
I
Über den Wolken
Hier scheint ewig die Sonne
Hier herrscht ewiger Sommer
Doch wie im richtigen Leben
Trügt der Schein -
Das Paradies ist anderswo
II
Erinnerungsfetzen wie
Fader Geschmack im Mund
Flaues Gefühl
In der Magengegend
Das Flugzeug nähert sich
Seinem Bestimmungsort
III
Die große Stadt unter mir
Hierher flog ich einmal
Um ein Jahr zu bleiben
Ein Jahr das Himmel und
Hölle zugleich wurde
Ein Jahr das Wunden schlug
Die nie mehr heilen werden
IV
Ich schließe die Augen
Und denke an die russische
Propellermaschine mit der
Ich damals flog, höre den
Ungewohnten Lärm der Motoren
Und fühle wieder die Unsicherheit
Vor dem was mich erwarten würde
V
Wer kann sich heute noch vorstellen
Wie es war in der geteilten Stadt
Die Armut, die Angst
Der unendliche Neid und das
Misstrauen einem aus dem
Feindlichen Westen gegenüber
Auch wenn er ihre Sprache sprach
VI
Die moderne Maschine gleitet heute
Fast geräuschlos über Vororte
Ich versuche mich zu orientieren
War es nicht dort wo ich wohnte
Graue trostlose Plattenbauten,
Über die Stalinallé zu erreichen
Und trotzdem privilegiert
Zimmer, Küche, Bad für eine Person
Reiner Luxus trotz Stasiwache
Tag und Nacht vor dem Haus
Und keiner der seltenen Besucher
Blieb unregistriert
VII
Und wie man damals allein
Am Geruch feststellen konnte ob
Man sich im westlichen oder östlichen
Teil der Stadt befand
Der Geruch von Millionen schwelender
Braunkohlefeuer war eindeutig
VIII
Später dann im Taxi auf dem Weg
Vom Flugplatz denke ich an das
DDR-Taxi und wie der Fahrer
Verächtlich ein Trinkgeld ablehnte
Vielleicht aus Idealismus aber
Viel wahrscheinlicher weil er
Sich Westvaluta erwartet hatte
IX
Im Hotel stehe ich dann lange
Am Fenster, sehe auf die
Lietzenburgerstraße hinab
Es wird langsam Nacht
Und mir ist als ob ein Schatten
Aus der Vergangenheit
Auf mich wartet
*
Warten auf nichts
Wie wird es sein
Einmal wenn
Nichts mehr übrig ist
Kein Hoffen
Kein Sehnen
Keine Liebe
Nur das Warten
Auf nichts
Werde ich dann sagen
Ja, es war ein Leben wert
Oder werde ich
Beim letztem Atemzug
Noch denken
Es war alles vergebens ...
*
Nach der
Vertreibung
Warum fragen wir immer
nach dem Wieso und Warum jedes
Mal wenn etwas schief gelaufen ist
Als ob wir es ein anderes Mal
besser machen würden
Als ob wir in der Lage wären
einzusehen was gut ist für uns
und was nicht
Als ob wir nicht hilflos unseren
Trieben ausgeliefert wären
und dem Fluch der auf der
Menschheit lastet seit der
Vertreibung aus dem Paradies
*
Vor der Abreise
Immer dieses Gefühl der Unsicherheit
Wenn es auf Reisen geht
Werden die Blumen überleben
Könnte ein Wasserhahn undicht werden
Oder Feuer ausbrechen
Sind alle elektrischen Geräte abgeschaltet
Was, wenn ein wichtiges Schreiben kommt
Oder ein dringender Telefonanruf
Was, wenn man im Urlaub krank wird
Oder das Flugzeug abstürzt
Wer wird sich dann um den Hund kümmern
Wird er bellen und die Nachbarn stören
Vielleicht sollte man doch lieber zu Hause
Bleiben und es sich bequem machen
*
Konjunktiv
Es hätte sein können
Diese wunderbaren Konjunktive
Die im Mund schmelzen und
Einen leicht bitteren Geschmack
Auf der Zunge hinterlassen
Wir hätten uns begegnen können
Wir hätten uns lieben können
Doch es blieb beim Konjunktiv
*
Koma
Die Zeitungen berichteten
von einem Mann der
zwanzig Jahre lang
unbeweglich im Koma lag dann
erwachte und erzählen konnte
dass er die ganze Zeit alles
gehört und verstanden hatte
Zwanzig Jahre lang
total gelähmt
Schlimmeres hätte sich
kein Horrorverfasser
ausdenken können
*
Menschliches
Wie konnte ein zutiefst
unglücklicher Mensch
wie Franz Schubert
Musik schaffen die
total glücklich macht?
Die menschliche Natur
ein ewiges Rätsel ...
*
Musikalisches
Manche Leute sehen Farben
bei Musik - eine für jede Tonart
An den lateinischen Namen
dieser Abnormalität kann ich
mich nicht erinnern
Jüngere Leute werden rabiat
beim Rock und kommen völlig
außer Rand und Band
Wieder andere lassen sich von
Schnulzen zu Tränen rühren
Selbst sehe ich Landschaften
bei Mozarts Musik und
bei Franz Schubert denke ich
an die Vergänglichkeit des Lebens
Wenn ich Chopin höre will ich
am liebsten sterben und immer
wenn Leonhard Cohen singt
sehne ich mich nach dir
*
Damals im Herbst
Still ist es geworden am See
Wildgänse und Schwäne
sind längst verschwunden
nur ein paar Enten stöbern
noch in braunem Schilf
Langsam gehe ich am
Ufer entlang und denke
alt bin ich geworden,
alt und sentimental
Mit den Wildgänsen und
Kranichen hätte ich ziehen sollen
damals im Herbst als du
nach mir riefst
Und mir ist als hörte ich
Leonhard Cohen singen
Dance Me, Dance Me
To The End Of Love
*
Nur ein Traum
Immer wieder gehe ich
Im Traum mit dir durch
Endlose Straßen
Höre deine Stimme doch
Kann dich nicht verstehen
Sehe dein Lächeln und
Fühle deine Trauer
Immer wieder bin ich
Im Traum mit dir
In der großen Stadt und
Selbst im Traum haben wir
Keine Zukunft
Im Erwachen ist mir als
Hörte ich dich weinen
*
Novemberabend
In den späten Novemberabend
hinein ist mir als
kämst du immer näher
Ich spiele deine Musik
ich lese deine Gedichte und
fühle deine Hand in meiner
als wären keine Jahre vergangen
Deine Gedichte erzählen
von Liebe, deine Musik
schenkt Vergessen
*
Wunder der Technik
Wunder der Technik
kleine farbige Pünktchen
auf der Weltkarte
Leser meines Blogs:
Verwandte in Kalifornien
Freunde in Australien
und Spanien
Pünktchen auch in England
und Russland -
und alle ihr in Deutschland
Schweiz und Österreich
Hundert lesen jeden Tag
Was sie sich wohl dabei
so denken ... ?
*
Wie immer
Es wird sein wie immer
wenn ich zurück komme
in die große Stadt
Die Straßen
die Leuchtreklamen
der Lärm
Die dröhnende Stimme
der Lautsprecher im
Bahnhof Zoo
Die unendlich vielen
Menschen in den
Kaufhäusern
Die blau leuchtende
Gedächtniskirche und die
Buchhandlung gegenüber
Es wird sein wie immer
nur du wirst nicht
bei mir sein
*
Abenddämmerung
In der Abenddämmerung
wenn die Laternen aufleuchten
denkt er an die große Stadt
die vielen Menschen
die Lichter
Er erinnert sich an die Geräusche
das Rattern und Klingeln
der Straßenbahn und
den Lautsprecher vom
S-Bahnhof
Wenn er müde ist
kurz vor dem Einschlafen
hört er manchmal ihre Stimme
und sieht sie ihm
entgegen kommen
Im Schlaf hält er sie fest in
den Armen und es ist
immer Frühling
*
Am Ende
Als es zu Ende war
stand er ungläubig, wollte es
zuerst nicht wahrhaben
In Gedanken fragte er sich
immer wieder was er Falsches
gesagt oder getan haben könnte
Es kam ihm nie in den Sinn
zu bedenken was er nicht
getan und nie gesagt hatte
*
In der Nacht
Man kann die Nacht
nicht schwärzer machen
als sie ist
Man kann nichts
ungeschehen machen
das man geschehen ließ
Man kann das Leben
nicht zurück spulen
wie einen alten Film
Sind es Regentropfen
die fallen oder
sind es Tränen?
*
Kurz gesagt
Nach außen hin machte er
einen sesshaften Eindruck
Seine eher flüchtigen Bekannten
hielten ihn für zufrieden,
fast behäbig
doch sein Inneres, zu dem
er selten Zutritt gewährte
war ein einziges Chaos aus
Träumen, Sehnsüchten und
unerfüllbaren Wünschen.
Insgeheim schrieb er Gedichte
Kurz gesagt, eine verkorkste
Existenz
*
Entscheidung
Er ließ nichts unbeachtet
wägte für und wider
und beschloss schließlich
jung zu sterben
*
Wenn es Tag war
Nachts fiel es ihm leichter
an sie zu denken,
sich vorzustellen wie es
hätte werden können
In seinen Erinnerungen
war es oft Nacht und
Züge rasten durch
verlassene Bahnhöfe
Oftmals ging er auf
leeren Straßen die ins
Nichts führten und nach
Einsamkeit schmeckten
Wenn es einmal Tag war
konnte er bunte Schmetterlinge
sehen doch daran glaubte er
schon längst nicht mehr
*
Rückblick
Der alte Kerl werden sie sagen,
Wie soll der von
Liebe schreiben können
Mit seinen verstaubten Ansichten
Und seiner blöden Sehnsucht
Jung muss man sein,
Die Stunde genießen
Sich nehmen, was nicht
Freiwillig zu haben ist
Fallen lassen wie Schmutz
Was einem gegeben war
Der alte Kerl sieht zurück
Auf sein Leben und seine Liebe
Streicht ihr über das weiße Haar
Und da ist nichts was er
Zu bereuen hätte
*
Wessen
Erinnerung
Da sind immer wieder Erinnerungen
an Dinge die ich nie erlebt habe
die mir nie begegneten
Da sind immer wieder Erinnerungen
die mir fremd sind
Wessen Erinnerung ist in mir und
wie soll ich damit leben können ...
*
Für immer
Ich erinnere mich an den
Salzigen Geschmack beim Abschied
An den Wind der dir durchs Haar blies
Und die vertraute Geste mit der du
Die Strähnen wieder zurück strichst
Ich sehe sie immer noch vor mir
Die leere Straße zum Grenzübergang
Und wie du stehen und winken würdest
Bis ich verschwunden war
Ich erinnere mich an jene verzehrende
Unendliche Traurigkeit in mir weil es
Ein Abschied für immer war und du
Es nicht wissen konntest
*
Wieder
Diese schrecklichen Worte
"nie wieder"
Diese wundersamen Worte
"immer wieder"
Dieses Negative
"schon wieder"
Dir aber die ich liebe sage ich
"wir sehen uns wieder
wenn es Frühling wird"
*
Die Bettlerin
Sie sang im Abteil einer Vorortbahn
Für ein paar Münzen
Bettlerin konnte man sie nennen
Sie sang mit ungeübter Stimme
Doch Worte die
Mein Herz verstand
Sie sang von ihrer Heimat und
Von Söhnen, fremd geworden
Hier im fremden Land
Sie sang mit traurigen Augen
Die Lieder ihrer Heimat
Im Abteil einer Vorortbahn
Beschämt sah ich zur Seite
Denn sie berührte meine Seele
*
Moderne Zeiten
Dornröschen wachte auf
Aus ihrem Schlaf
Die Vögel sangen nicht mehr
Das Meer war ohne Fische
Die Berge ohne Gletscher
Und die Luft geschwängert
Von Abgasen
Selbst der Kuss des Prinzen
Konnte sie nicht beglücken
Der hatte Aids
*
In Granit
In die tiefsten Windungen der
Seele hat sie sich verkrochen
Die Erinnerung an dich
Ich hätte sie aufschreiben sollen
In Jamben vielleicht
Oder als Sonett
Ich hätte Runen ritzen sollen
In den Granit der Ewigkeit
Ich hätte bei dir bleiben sollen
*
Brenn-Nesseln
Wenn es nur immer so bliebe
denkst du und legst den Stein
unters Kopfkissen und
die Brenn-Nesseln aufs Laken
Um nicht zu schlafen
um nicht zu vergessen
um nicht zu träumen
von dem was morgen kommt
*
Auch sie haben Träume
Auch die Armen und Elenden,
die Geschundenen und
Gedemütigten haben Träume
Bunt und vielfältiger als
die euren, denn
von ihren Träumen ging
noch keiner in Erfüllung
*
Den Mächtigen unserer Welt
Wenn sie sehen könnten
das Elend der Armen
Wenn sie hören könnten
die Wehklagen der Gepeinigten
Wenn sie fühlen könnten
den Schmerz der Kinder
Sie würden das
Elend bekämpfen die
Wehklagen verstummen lassen
Die Schmerzen lindern
Doch sie wollen nicht sehen
Sie wollen nicht hören
Sie wollen mächtiger werden
*
Glauben
Schweben, auf der kleinen
Kugel Erde durch unendlich
großen leeren Raum
Nicht wissen woher
Nicht wissen wohin
Nicht wissen warum
Es ist das Wissen ums
Nichtwissen, das Menschen
an einen Gott glauben lässt
*
Nichts
Blätter die fallen
Zeit zu gehen
Nichts was ungetan wäre
an Vergänglichem
Nichts was die Welt hat
ändern können zum Besseren
Nichts was Abdruck hinterlassen wird
im Gedächtnis der Menschen
*
Wunschzettel
Bald ist es wieder an der Zeit
Wunschzettel zu schreiben
Auf meinem wird stehen:
Ich wünsche mir nichts,
Denn ich habe alles was man
Sich wünschen könnte und
Den Rest kann mir doch
Keiner schenken
*
Schon als Kind
I
Schon als Kind erfuhr ich
wie schwer es ist
erwachsen zu sein
Die mir am liebsten waren
liebten sich nicht mehr
Die mir Liebe geben sollten
quälten einander
Schon als Kind erfuhr ich
wie schwierig Liebe ist
II
Später sagte man mir oft
welch Glück ich hatte
bei Vater und der zweiten
Frau zu sein
Geordnete Verhältnisse
gute Schulen
Sie hat das Kind gehasst
das in die Ehe kam
Als könnten gute Schulen und
geordnete Verhältnisse
eine Kindheit ersetzen
*
Letzter Ausweg
Mangels Zauberformeln und
wirksamen magischen Gesten
bleibt als letzter Ausweg
Gedichte zu schreiben ...
*
Impromptu
Die betörenden Klänge
von Franz Schuberts
Impromptu f-moll
im Lautsprecher denke ich:
wie kann Schmerz so
wunderschön sein und wie
kann eine Melodie trösten
die allen Kummer dieser
Welt enthält
Ich sehe hinaus in die Nacht
und möchte weinen vor Glück
*
Konjunktiv
Nichts was mich bewegen könnte
dich vergessen zu wollen
Nichts was meine Liebe zu dir
würde ändern können
*
Sehnsucht
Deine Gedichte werden
immer schöner
und immer trauriger
je mehr du dich
nach Liebe sehnst
*
Im Café
Wir sitzen in der Wärme eines Cafés
Draußen hat sich der erste
Herbststurm breit gemacht
Treibt Menschen vor sich her
Wir hatten uns lange nicht gesehen
Als dein Anruf kam, als du mich
Treffen wolltest und ich dir
Keine Fragen stellen durfte
Deine Hand auf der Tischplatte zittert
Ich möchte dir übers Haar streichen
So wie damals als wir hier saßen
Mit dem ganzen Leben noch vor uns
Dein Kaffe steht unberührt
Du siehst mich an und ich weiß
Dies ist dein Abschied von mir
Und vom Leben
*
Ohne Titel
Dieses traumhafte Gefühl
Zu schweben
Diese unendliche Leichtigkeit
Diese unsagbare Weite
Voll blühender Bäume
Ich war sicher
Mein altes Leben
Abgeschlossen zu haben
Und dachte: dann ist es also
Doch so danach ...
Nahm Bleistift und
Papier zur Hand
Und schrieb diese Zeilen
*
So viele Tränen
So viele Gefühle
so viel Energie
verschwendet an
unerwiderte Liebe
So viele Tränen
*
Schlechter Tag für Blogs
Sonntag - schlechte Zeit
für Blogs und e-Post
Ein Viertel der Bevölkerung
schläft ihren Rausch aus
Ein Viertel der Bevölkerung
sieht Sport im TV
Ein Viertel der Bevölkerung
ist uninteressiert und
der Rest unzurechnungsfähig
*
Roboter
Ich lese von Industrierobotern
in einer technischen Zeitschrift
und überlege ob nicht auch wir
Menschen Roboter sind, digital
gesteuert von höheren Wesen
sowie von Gier und Egoismus
Ich Roboter mit Selbstreproduktion
und mit Vernichtungstrieb
*
Wo Hoffnung wohnt
Ein jeder hat in seiner Seele
einen Platz wo Heimat ist
wo Eltern wohnen und
man Kind sein kann
Ein jeder hat in seiner Seele
einen Platz wo Hoffnung wohnt
ganz im Geheimen und
wo Träume wachsen
Man muss den Platz nur finden
*
Moderne Zeiten
Neun Stunden war man früher
bei der Arbeit
Die Zeiten haben sich gebessert
noch immer sind es neun
doch zwei davon in Autoschlangen
*
Man nennt es Leben
Der Bub in kurzen Hosen
der alte Mann gebeugt
Die Zeit dazwischen
nennt man Leben
*
Halleluja
Einmal werden sie
von mir sagen
na ja
so schlimm war er ja
gar nicht und
ich stehe mit meiner Harfe
irgendwo und singe
ein Halleluja dazu
*
Der gleiche Himmel
Lichter in der Nacht
Sternklarer Himmel
Frost ist angesagt
Ich sehe hinaus in die Nacht
Hinauf zum Himmel
Es ist der gleiche Himmel
Nur weit, weit weg
Von dir
*
Seeboden
Meist leeres Gerede auf der Party
Wie fast immer
Nur selten ein Mensch mit dem
Es sich lohnte zu reden
Ich sehe hinaus auf die Landschaft
Alter Seeboden denke ich
Den das Meer einmal
Zurück erobern wird
Man schenkt Wein nach
Belegte Brötchen werden gereicht
Und ich sehe Meer
Immer nur Meer
*
Durchhalteparolen
Wieder bereite ich mich
auf einen Winter vor
lasse das Fell wachsen
lege eine Speckschicht an
und bemale die Wände mit
Durchhalteparolen
Vor der Tür heulen
Herbststürme
es ist so gemütlich
*
Der Kommissar
Bestialische und
blutrünstige Morde
als Abendunterhaltung
im Fernsehen
Nach der Sendung
zweifele ich am Verstand
der Menschheit und gelobe mir
in Zukunft nur noch die
Reklameabschnitte zu sehen
*
Das Böse
Bewährte Strukturen verfallen
Chaos breitet sich aus
Unmoral wird Norm
Gewalt statt Rücksichtnahme
Politik statt gesundem
Menschenverstand
Auch kurze Lichtblicke werden
Den Untergang unserer Gesellschaft
Nicht mehr aufhalten
Das Böse sitzt zu tief
*
Soll und Haben
Wie viele Male
Saß ich auf der Bank am See
Habe Bilanz gezogen
Abgerechnet, nachgedacht
Doch die Buchführung
Wollte nicht aufgehen
Soll und Haben
Blieben verschieden
Der Schlussstrich muss
Noch gezogen werden
*
In meinen
Gedichten
Wenn du mir begegnen willst
dann suche im Schatten
von Platanen oder
tief in den Wäldern
des Nordens
Suche an einsamen Seen
und auf hohen Bergen
Wenn du mich finden willst
dann suche in
meinen Gedichten
Dort lebe und
dort liebe ich
*
In Gedanken
Ich denke mir eine
Zeit aus in der ich
leben möchte
Ich denke mir ein
Land aus in dem
ich sterben will
Ich denke mir eine
Liebe aus für die
es sich lohnte zu
leben und zu sterben
*
In diesem Land
Die Straßen auf denen
ich gehe sind mir fremd
Die Menschen die mir
begegnen unbekannt
Doch das Gefühl ist stark
hier schon gewesen zu sein
In diesem Land
In diesem Leben
*
Sehr ausführlich
Hin und wieder treffe ich den
Einen oder anderen Bekannten
Von früher
Alt geworden ist er denke ich
An meinen Namen kann er sich
Nicht erinnern
Nach einleitenden Reden
Erfahre ich alles über
Seine Enkel
Sehr ausführlich
Sehr, sehr ausführlich
Und noch verschiedenes
Andere was mich auch nicht
Besonders interessiert bevor ich
Endlich flüchten kann
Gottlob vergesse ich alle Enkel
Bald wieder und wie er hieß
Will mir auch nicht einfallen ...
*
Lästig
Sie lassen mir keine Ruhe
Verfolgen mich noch im Schlaf
Auch im Wald bin ich nicht
Vor ihnen sicher
Bei meiner Bank am See
Stehen sie ständig auf Wache
Sie machen mir keine Angst
Doch ihre Vorwürfe
Sind mir lästig
*
Was auch immer
Erster Schnee
Fiel in der Nacht
Vom Fenster aus sehe ich
Die Spuren von Autoreifen
Schwarze Striche in
Weißer Unendlichkeit
Der Abend gestern war
Nicht gut gelaufen
Du bist früh gegangen
Hast mich allein gelassen
Mit zu vielen Gedanken
Und zu viel Wein
Allein gelassen führte ich
Lange Gespräche mit der Nacht
Über Liebe und das Gefühl
Der Leere danach
Wenn es hell wird werde ich
Dich anrufen und sagen
Dass es mir leid tut -
Was auch immer
*
Annäherung
Richtig nahe
Kamst du ihnen nie
Sie blieben schemenhaft
Glitten weiter ins
Ungewisse je mehr du
Versuchtest dich ihnen
Zu nähern
An der Schwelle drehten
Sie sich noch einmal um
Bevor sie verglühten
*
Asche im Haar
Sie kommen und gehen
Ob du es willst oder nicht
Stehen an deinen Fenstern
Und beobachten dich
Streuen sich Asche ins Haar
Wollen Aufmerksamkeit
Doch du willst nichts mehr
Zu tun haben mit diesen
Alten Erinnerungen
*
Gestern und heute
Mit dem Heute kann ich umgehen
Das Gestern bereitet mir Sorgen
*
Sonntagmorgen
Sonntagmorgen -
Claude Debussys "Nachmittag eines Fauns"
im Radio
Zu früh für Bocksprünge
denke ich und
drehe mich zur anderen Seite
*
Gewissheit
Irgendwie ahnt man
Zusammenhänge zwischen
Leben und Tod
doch definitive Gewissheit
kommt erst mit dem
letzten Atemzug
*
Stiefmutter
Mit dem feinen Gespür
des Kindes für
Recht und Unrecht
verurteilte ich sie
zu lebenslänglicher
Eifersucht
*
Herbstnacht
Er steht in der Nässe
und Kälte einer Herbstnacht
auf dem Bahnsteig
Wartet auf den letzten Zug
nach Hause -
wo das auch sein mag
Denkt an einen anderen
Bahnsteig in einem
anderen Land
zu einer anderen Zeit
Die Stimmung ist die gleiche
und auch damals wusste er
nicht wo zu Hause war
nur dass er nicht mehr
dorthin zurück wollte ...
*
Freundschaft oder Liebe
Ich wollte dir Freundschaft geben
doch du wolltest Liebe
Ich wollte dein Freund sein
doch dir war das nicht genug
Nun gehen wir getrennte Wege
und keiner führt zu unserer
Bank am See doch immer
bist du noch in meinen Träumen
*
Noch einmal
Noch einmal will ich in die
große Stadt fahren wo
alles begann und alles endete
Die Stadt die geteilt war
in eine Hälfte voller Zuversicht
und eine Hälfte ohne Hoffnung
Wo ich wohnte in der Hälfte
ohne Hoffnung und wo
Freund nicht Freund war
Noch einmal will ich durch
regennasse Straßen gehen
ohne Ziel und noch einmal
will ich dir begegnen
und du sollst fragen:
bist du einsam heute und
noch einmal will ich antworten:
jetzt nicht mehr
Und es sollen Tage kommen
und Tage gehen bis alles endet
an einer Grenze ohne Mitleid
und ohne Wiederkehr
Noch einmal will ich in die
große Stadt fahren
die sich verändert hat und
leer ist ohne dich
*
Die Glückseligen
Sie lesen nicht
sie hören nicht
sie sehen nicht
und der himmlische Vater
hält sie in glückseliger
Unkenntnis über all
das Schreckliche das er
auf der Welt geschehen lässt
*
Selbstbild
Wie ich mich selbst sehe:
gezeichnet von Sehnsucht
und übermäßigem Gebrauch
von Poesie ... :-)
*
An meinen Grenzen
Nie wolltest du die Grenze
überschreiten zu meinem Land
Hattest stets tausend Ängste
und Bedenken in Bereitschaft
Papierschwalben warfst du
mir an hellen Tagen zu
bedeckt mit deinen Zeichen
und Erklärungen
Ich sehe dich noch immer
wie du weinst und Blumen
pflückst an meinen Grenzen
Es führt kein Weg von dir zu mir
*
So ein Gefühl
Manchmal kommt es wie ein Schatten
stürzt sich auf dich wenn
du es am wenigsten ahnst
Bisweilen fühlt es sich an wie
kalter Nieselregen der dir
langsam ins Herz dringt
Meistens kommt es wenn
du einsam bist
und wehrlos
Das Gefühl sein Leben
nutzlos vertan zu haben
*
Kein leeres Wort
Irgendwo muss es doch
zu finden sein
das Wort
Irgendwo wo es
Bestand hat und nicht
flüchtig ist
Irgendwo muss sie doch
zu finden sein
die Liebe
Irgendwo wo sie
beständig ist und nicht
nur ein leeres Wort
*
Wanderung
In meiner Tasche
Bleistift und Notizblock
So stelle ich mich den
Herausforderungen einer
langen einsamen Wanderung
*
Wieder ein Jahr
An dich denke ich wenn
die Abende in Herbst übergehen
und die Luft erfüllt ist
vom Schrei der Zugvögel
Sehnsucht nehmen sie mit
und wieder ein Jahr
von den wenigen die
geblieben sind
*
Forever young
Ich lebe in deinen Gedichten
Ich lebe in deinen Gedanken
Wenn es Nacht wird
Halte ich deine Hand
Forever young
Flüstert die Amsel
*
Schlechte Planung
Wir planen immer
für neue Erlebnisse
für die nächste Reise
Warum planen wir
so selten
für ein nächstes Leben
*
Ein Wort
Wir wissen es beide genau
Ein Wort
Und wir wären verloren
Doch die Jahre haben
Uns Ergebenheit gelehrt
Und so wenden wir uns ab
Und schweigen
*
So schlimm
Wenn ich in alten
Papieren krame
Gedichte von damals lese
Diesen Wust an verkorksten
Gefühlen und falschen
Hoffnungen
Mein Gott denke ich dann
War es wirklich so schlimm ...
*
Eine Art
Freiheit
Es ist spät geworden
Der kleine Bahnhof
Liegt verlassen als er
Aussteigt
Die Sperre ist unbesetzt
Die Unterführung nur
Schwach beleuchtet
Er sieht das Haus
Sein Haus
Geht langsam daran vorüber
Ohne aufzusehen
Es ist genug denkt er
Es ist endlich genug
Zum ersten Mal seit langer Zeit
Fühlt er eine Art Freiheit
Ein Zug wird kommen
*
Am Fenster
Vom Hotelfenster sehe ich hinaus
auf die vertraute Silhouette
der Stadt
Hier stand ich vor langer Zeit
und wartete vergebens auf das
Geräusch deiner Schritte
Langsam senkt sich
die Dämmerung
Leuchtreklamen flammen auf
Ich wende mich ab
sitze noch lange im
Halbdunkel und warte
*
Mein Kampf
Wer
gegen Gewalt
gegen Ungerechtigkeit
gegen Fanatismus
und Dummheit streitet
Kämpft auf
verlorenem Posten ...
*
Glück
Sehnsüchtig erinnere ich
mich der Tage -
vielleicht waren es auch
nur Stunden
Wer kann schon sagen
wann Glück anfängt
und wann es endet
Und wer kann sagen
warum Glück nicht
bleiben will
*
Weißt du noch?
Sollten wir uns einmal begegnen
Nach all den Jahren
Werde ich dich erkennen
Und fragen:
Weißt du noch?
Du wirst nachdenklich lächeln
Und antworten:
Sollte ich nicht?
*
Schweigen
Über Jahre las ich
Deine Gedichte
Teilte deine Freuden
Und Sorgen
Nun schweigst du
Und dein Schweigen
Sagt mehr als ich
Ertragen kann
*
Noch im Erwachen
In die Traurigkeit
Der Abendstunden hinein
Denke ich mir
Ein Leben aus
Und eine Liebe
Bleib bei mir sage ich
Noch im Erwachen
*
Die Wand
Ich stehe am Fenster
Sehe dunkle Wolken
Am Himmel
Auf dem Weg ein
Einsamer Mensch
Mit Regenschirm
Ich muss an Marlene
Haushofers Roman
Die Wand denken
Es ist still im Haus
Der Regen kommt näher
*
Die Zeit
Behutsam lege ich
mein Ohr an die Zeit
und höre die Zeit
leise weinen
Ja - es sind
schlimme Zeiten
*
Computerspiele
Meine Enkel sind
Urbane Menschen sie
Haben wenig Ahnung
Von Natur
Milch kommt aus Pappkartons
Was soll das viele Gras
Ihr Leben sind Computerspiele
Und dort regieren sie die Welt
*
Reichliche Auswahl
Halt suchen im Chaos des
Lebens, den Mond anbeten
oder die Sonne
Auch Götter gibt es in
reichlicher Auswahl und falsche
Propheten in Hülle und Fülle
Satan, eine Alternative -
er hat in unserer Zeit die
höchsten Einschaltquoten
*
Für einen Augenblick
Eines Tages will ich
ein Gedicht schreiben
das dich zum Träumen
bringt und sei es nur für
einen kurzen Augenblick
*
In der Nacht
Es ist nicht immer unbehaglich
Manchmal kommt er in der Nacht
tritt an mein Bett und sieht mich
lange traurig an
Bisweilen überrascht er mich am Tag
doch immer seltener
dann gehen wir wie früher
Hand in Hand
Mein Traum und ich
*
Gewebt aus Träumen
Woher kommt diese durchsichtige
helle Bläue des
sommerlichen Abendhimmels
Physikalische Erklärungen
gibt es in Fülle
Doch glaubt mir
es sind Schleier von Engeln
gewebt aus Träumen
*
Ohne Autos?
Wer kann sich heute
eine Welt vorstellen
ohne Autos?
Kaum einer der
dazu fähig ist
Wer kann sich heute
eine Welt vorstellen verwüstet
von Abgasen und Klimawandel?
Jeder Autofahrer sollte
das können
*
Nebenwirkungen
Fragen sie ihren Arzt
oder Apotheker wenn es
um Arzneimittel geht
Fragen sie ihren gesunden
Menschenverstand wenn es
um Politik geht
Risiken und Nebenwirkungen
sind in beiden Fällen
nicht auszuschließen
*
Lichtjahre
Lichtjahre lagen zwischen uns
Ein Katzensprung damals
als wir verliebt waren
*
Friede auf Erden
Ein Morgen wie geschaffen
für Vogelgesang und
Frühstück auf dem Balkon
Friede auf Erden bis
die Zeitung kommt
Krieg in Kongo
Hungersnot in Eritrea
Bomben in Afghanistan
Wie soll man da in Ruhe
seine Brötchen essen können
*
Klimapolitik
Das ungute Gefühl haben
Dass es zu spät ist, dass
Kein Wille vorhanden ist
Etwas wirklich ändern zu wollen
Das Gerede in den Parlamenten
Das makabre Spiel mit
Prozenten und CO2 Ausstoß
Die Parteien nur auf
Kommende Wahlen bedacht
Warum gibt keiner zu
Dass es bald zu spät ist
Für eine haltbare Zukunft
-----
dieser letzte
Abschnitt könnte
auch so aussehen:
Warum gibt keiner zu
Dass es schon längst
Zu spät ist
Für eine haltbare Zukunft
*
Weiße Flecken
In meiner Jugend las ich
Sven Hedin, den
Forschungsreisenden
Da gab es noch so
Ein paar weiße Flecken
Auf der Karte
Jetzt sitzt auf jedem
Ein Tourist
*
Am See
Die Bank am See
Nicht mehr so wohl gepflegt
Wie früher
Wir altern alle will sie sagen
Ich gehe mühsam weiter
*
Nur manchmal noch
Alt bin ich geworden
sesshaft und träge
Nur manchmal noch
flammt die Begierde auf
dann schreib ich ein Gedicht
und schlafe weiter ... :-)
*
Nur an dich
Heute soll ein Tag sein
an dem ich glücklich bin
Den ganzen Tag will ich
nur an dich denken
*
Das Blatt wenden
Eine Sprache erfinden
die nur du verstehst
ein Wort das nur
dir etwas bedeutet
Eine Geste
vielleicht auch nur
ein Blick oder eine
flüchtige Berührung
Das Blatt wenden
des Romans in dem
wir uns lieben
*
Lange Tage
Tage können
unendlich lang sein
In der Wüste
ohne Wasser
Im Kaufhaus
ohne Geld oder
beim Warten
auf ein Wunder
*
Gedanken während einer
Wanderung in Nordschweden
I
Weglose Einsamkeit
Die Kompassnadel zeigt
Den Pfad nach Norden
Wegloses Land
Ich fühle es, ich rieche es
Mit dem Geschmack von Wildbeere
Und Sehnsucht
Schon einmal das Gefühl der Leere
Die Kreuzotter lag auf
Meinem Pfad und sie beharrte
Auf ihr Recht
Der Ruf der Dohle ist
Mir ständiger Begleiter
Weit in der Ferne zählt ein Kuckuck
Unsere Jahre
II
Zwei schwarze Schafe
Auf der Weide
Und ich
Ein schönes Trio
III
Blau schimmernde Berge
In der Ferne
Jetzt will ich Vogel sein
Jetzt will ich fliegen
IV
Ohrenbetäubend
Diese Stille
V
Renntiere zu hunderten
Geweih an Geweih
Ziehen vorüber
Da sind auch Wolf und
Vielfraß nicht mehr fern
VI
Die Menschen hier
In ihrer bunten Kleidung
Farbkleckse im All
VII
Hier wird es niemals dunkel
Jetzt im Sommer -
Nur das Hotel prahlt
Mit zwei Sternen
*
Runen
Hier wo ich gehe
sind Wikinger gezogen
vor langer Zeit und
haben ihre Zeichen
in Granit geritzt
Auch unser digitales Alter
werden die Runen überdauern
*
Die Zeit
Dieses Leben unsere
Einzige Option
Die Zeit unser
Herr und Meister
*
Ohne Internet
Engel brauchen kein Internet
Gott hat keine Webseite
Gebete statt E-Mail
Erleuchtung ohne Bildschirm
Ein genügsames Leben als
Heilige auf Erden wandelten
Und starker Glaube noch
Keine Bedrohung war
*
Zusammen mit Marlene
Immer wenn Marlene singt
Denk ich an
Werder, wenn die Bäume blühn
Einmal bin ich hingefahren
Als der Zug noch um ganz
Berlin West herum fahren musste
In Werder gab es nichts als die
Übliche DDR-Tristesse und ich nahm
Den gleichen Zug zurück
Doch nachts träume ich noch
Immer von blühenden Bäumen
Zusammen mit Marlene
*
Tour de France
Fahrradrennen im TV
Erste Bergetappe
Sie machen unter sich aus
Wessen Doping am
Effektivsten ist
*
Wetterbericht
Weiße Wolkenrosse
Stürmen heute
Über den Himmel
Wie in Panik
Im Wetterbericht ist
Die Rede von
Sturmböen sie
Drücken es
Nüchterner aus
Das Resultat ist
Das Gleiche
*
Bis zum Morgen
Nachts wenn die
Schatten näher kommen
Nachts wenn die
Unruhe ans Tor pocht
Lass sie ein
Die Schatten und
Die Unruhe
Sie halten dir Gesellschaft
Bis zum Morgen
*
In allen Fenstern
Wir wollten uns nie
Wiedersehen doch
Ich sehe dich in
Allen Fenstern
In allen Spiegeln und
Nachts träume ich
Von dir
*
Schon lange
Wo ist sie heute
Die mir Atem und Besinnung
Nahm durch ihre bloße Nähe
Tot, schon lange tot
Die Engel sind ihr untertan
*
Immer wieder
Immer wieder träumt mir
Von einem Bahnhof
Züge fahren ab doch
Es kommt keiner an
Durch fensterlose
Wartesäle weht ein Wind
Und immer wieder
Nimmst du Abschied
*
Gestrandet
Hier bin ich gestrandet
Mit nur einem Rucksack
Voller Gedichte
Die gab ich in die magere Erde
Und warte immer noch
Vergebens auf Ernte
*
Weit ab
Meine innere Landschaft
Aus nordischen Wäldern
Rentierflechten überwuchern
Das Herz und im Dunkel
Jagen Bär und Wolf
Weit ab die lieblichen Hügel
Einer fränkischen Heimat
*
Globale Fürsorge
Früher wenn es regnete und
stürmte sagten wir:
gut, dass wir das Auto haben
Heute macht sich jeder
Gedanken über die globale
Erwärmung und sagt:
gut, dass wir nur zwei Autos haben
Die Fürsorge um unsere Erde
ist überwältigend und global
*
Virtuell
Ich habe mir
Ein Leben ausgedacht
Und eine Liebe
Alles modern und virtuell
Doch manchmal überlege ich
Ob ich nicht selbst das
Phantasiebild eines
Anderen Menschen bin
Schreibend
Schlafend
Liebend
Virtuell ...
*
In Gedanken
Ein milder Sommerabend
Ich sitze auf dem Balkon
Ein Glas Wein vor mir
Das Notizbuch aufgeschlagen
Ich schreibe an dich
In Gedanken
Bei jedem Punkt überlege ich
Ob es der letzte sein könnte
*
Dunkel
Wenn es nur Bäume gäbe
im Wald
aber da ist dieses Dunkel
Wenn es nur gute Stunden gäbe
im Leben
aber da ist diese Angst
Wenn es nur helle Tage gäbe
aber da sind die Nächte
ohne Hoffnung
Wenn du bei mir wärst
aber du bist nicht
in meinem Leben
*
Ohne Sterne
Keine Nachricht
In der Mailbox
Keine Liebe in Sicht
Kein Leben das
Zu leben wäre
Tage wie herrenlose
Hunde
Nächte ohne Sterne
*
Erinnern
Sich erinnern an Jahre
Die nie waren
An Menschen die ich
Nie kannte
An eine Liebe die nicht
Mir galt
Sich erinnern an einen
Der mir ähnelte
An ein Leben das es
Niemals gegeben hat
*
Unbeachtet
Der Sommer war ihm
Nicht wohlgesinnt
Löwenzahnsamen flogen
Vergebens im Wind
Auch die Liebe ließ ihn
Unbeachtet stehen
Jetzt fürchtet er das
Gift der Herbstzeitlose
*
Glück
Was heißt hier
Glück
Dem einen ist es
Schweinebraten
Dem anderen
Ein kaltes Bier
In Filmen hat es meistens
langes blondes Haar
*
Das letzte Wort
Wer wird dir dann
Die Hand auf den Arm legen
Und dich führen
Wer wird dir den Weg zeigen
Zum Abgrund wenn du
Nicht weiter weißt
Wer hat das letzte Wort
*
Herbstlaub
Ich blicke zurück
Auf den Frühling der
Nie kommen wollte und
Den Sommer der mir
Herbstlaub ins Herz wehte
Der Winter wird nicht
Gnädig sein
*
Dämon
Die dunkle Wolke am Himmel
Veränderlich
Einmal lachender Mund
Einmal Dämon
Als ob sie mich
Verschlingen wollte
*
Ungewisse Reise
Die Reise ins Ungewisse
Ohne Fremdenführer
Ohne Gebrauchsanleitung
- das Leben
*
Blindenschrift
Deine Gedanken
In Blindenschrift
Ich kann sie lesen
Deine Worte lautlos
Ich kann sie hören
Doch vergebens suche ich
Nach dir
*
Bescheidenheit
Das Alter hat mich
Bescheidenheit gelehrt
Doch in unbewachten
Augenblicken
Sehne ich mich immer noch
Nach dir
*
Spuren
Ungläubig besah er
Im Alter sein Leben
Und fand Spuren
Von Liebe die doch
Schnell verblassten
*
Schwere Geburt
Gedichte schreiben ist wie
Gefühle zur Welt bringen
*
Vergebliche Suche
Dich habe ich gesucht
Auf meinen Wegen
Doch gefunden
Habe ich dich nie
*
Wanderer
In den Tiefen meiner Seele
Bin ich immer auf Suche
Ein ewiger Wanderer
Lass mich ein wenn ich
An deine Tür klopfe
Und sei mir Heimat
*
Noch nicht
Noch ist nichts verloren
Noch geht die Sonne
Auf und unter
Noch liebst du mich
*
Könnte ich
Könnte ich mich erinnern
an dein Gesicht
Könnte ich mich erinnern
an dein Lächeln
Könnte ich noch einmal leben
ich weiß ich würde dich
wieder lieben
*
Juninächte
Die hellen Juninächte
hoch im Norden
Die weißen Birkenstämme
und die Sonne die nicht
untergehen will
Mein Wanderweg am See -
stets endet er bei einer Bank
wo du schon lange nicht mehr
auf mich wartest
*
Am Waldrand
Du stehst und winkst mir zu
Vom Waldrand her
Ist es Begrüßung, Sehnsucht
Oder Abschied
Ich gehe dir entgegen
Doch kann dich nie erreichen
Der Wald kommt drohend näher
Umschließt mich bald mit
Seinem Dunkel
Unsere Zeit ist abgelaufen
*
Neu erleben
So viele Gedichte die
Zu schreiben wären
So viele Leben die
Zu leben wären
Doch nur eine Liebe die
Ich neu erleben möchte
*
Hunger
Echten Hunger habe ich nie gespürt
außer nach einer Gitarre, einem
Motorrad oder einem Mädchen
Vielleicht war die Reihenfolge auch
Umgekehrt
Wer weiß schon so genau
Was einem wirklich fehlt
*
Fragmente
Fragmente tauchen auf
Aus der Erinnerung
Stunden der Zufriedenheit
Minuten des Glücks
Sekunden der Geborgenheit
*
Faulenzen
Oftmals sind es die sinnlosen
Tätigkeiten die das
Leben versüßen
lesen, lieben, faulenzen
*
Nicht besser
Zwei Stunden Wandern
Drei Gedichte
Besser kann es
Gar nicht laufen
*
Im Bett
Oft findet mich ein Gedicht
An unerwarteten Plätzen
Im Wald, im Bad
Im Bett
Sie scheuen sich zu kommen
Wenn man nach ihnen sucht
Und sicher ist man nie
Vor Überraschungen
*
Lebenslauf Teil 3
Nach Besuch der Oberrealschule fing
Ich an auf dem Bau zu arbeiten
Leicht war es nicht und die Hände
Sahen bald aus wie blutige
Ausgefranste alte Handschuhe
Es war nur ein paar Jahre nach dem Krieg
Regenkleider gab es damals keine
Erst nach 15 Minuten Dauerregen
Durften wir reingehen völlig durchnässt
Die Leute sagten die sind es gewöhnt
Aber der Ansicht waren wir nicht
Fünf Mark Lohn pro Woche bekam ich als
Lehrling davon kaufte ich ein Fahrrad auf
Abzahlung und fühlte mich wesentlich
Besser als an der Oberrealschule beim
Lateinunterricht
Das verstanden die Leute auch nicht
*
Schwache Nerven
Bis ans Ende der Welt
wollte ich dir folgen doch
gab schon im ersten
Kaufhaus auf
*
So wird es sein
Einmal werde ich nachts
Am Fenster sitzen und
Die Zeit davonlaufen sehen
Die Straßenlaternen schaukeln
Im Wind und die letzte Flasche
Wein ist ausgetrunken
Mir ist als spüre ich deinen
Herzschlag in der Ferne
Wild und ungestüm oder ist es
Mein eigener und ich warte vergebens
Auf das Klingeln des Telefons und
Auf deine Stimme
Der Sturm hat nachgelassen
In der Ferne sehe ich ein Leuchten
Es ist still geworden
So wird es sein ...
*
Suche
Immer auf der Suche nach einer
verlorenen Kindheit bin ich
alt geworden doch noch immer
frage ich mich wie es hätte sein
können geliebt zu werden
*
Niemals mehr
An einem jener Abende
die endlos sind und leer
will ich mir vorstellen es
klopft an meine Tür
du stehst draußen barfuß
zerschlissene Jeans
Rollkragenpullover und
mit diesem geheimnisvollen
Lächeln das mir schon immer
den Atem nahm
Hallo sagst du, kann ich
bleiben heute Nacht doch
dann erinnere ich mich
dass du schon lange
nicht mehr barfuß gehst
in zerschlissenen Jeans
und dass du niemals mehr
an meine Tür klopfen
wirst
*
Wie ein Schleier
In mir liegt eine Liebe begraben
ungelebt und geheimnisvoll
Über Tage und Nächte hinaus
bis in andere Welten reicht
meine Sehnsucht und weiß
dennoch nicht wer du bist
Wie ein Schleier hat sich Trauer
über meine Träume gelegt
*
Vergessen
Eines Tages wirst du mir
begegnen und mich lieben
Eines Tages wirst du glücklich
sein und mich vergessen
*
Nur ein Spiel
Wie törichte Kinder
spielten wir ein Spiel
das Liebe heißt
das Unglück bringt
*
Vielleicht
Vielleicht hätten wir
uns lieben können
in einer anderen Welt
in einer anderen Zeit
*
Begegnung
Zwischen dir und mir
Unsichtbare Wege
Im Hyperspace
Begegneten wir uns
Und taten so als ob
Wir uns liebten
*
Keine Wahl
Der letzte Tanz
Steht uns noch bevor
Darf ich bitten
Sagt der Tod und
Du hast keine Wahl
*
Nach allem
Nach allem was war und
Nach allem was sein wird
Es ist immer noch da
Das Gefühl dich nicht
Gefunden zu haben
*
Joan Baez
"Forever young" singt sie
Mit ergrautem Haar
Schon immer ein Wunder
Denke ich dabei
*
Untertext
Bilder fließen vorüber
Erinnerungen hängen wie
Fotografien in dunklen Ecken
Du wartest auf eine
Andere Vergangenheit
Auf eine Liebe die nicht fragt
Und keine Gegenleistung erwartet
Eine Liebe wie es sie nur in
Filmen gibt
Die Wirklichkeit ist anders
Kein Untertext lässt dich wissen
Wann du glücklich bist
*
Am Morgen
Die Taschen beschwert
Mit Steinen wie ein Selbstmörder
So betrete ich
Den neuen Tag
*
Bis zum Ende
Woher dieser
Unstillbare Wunsch
Aufbrechen zu wollen
In eine andere Welt,
Ein anderes Leben
Und woher dieser
Traum von einer
Anderen Wirklichkeit
Von einer anderen Liebe,
Einem anderen Glück
Es ist was uns bleibt
Bis zum Ende
Unerfüllbare Träume und
Vergebliches Hoffen
*
Blinde Fenster
Ein Haus in dem
Wir wohnen wollten
Ein Leben das
Wir teilen wollten
Hier stehen wir vor
Blinden Fenstern
Und sehen in die Nacht
*
Aus heiterem Himmel
Warum werden Engel immer
Als Menschen dargestellt
Sie könnten wie
Regenwürmer sein
Oder wie Bäume
Oder wie der Blitz aus
Heiterem Himmel
*
Grammatik
Ich mache mich aus dem Staub
Du machst dich aus dem Staub
Er, sie, es macht sich aus dem Staub
Wir machen uns aus dem Staub
Ihr macht euch aus dem Staub
Sie machen sich aus dem Staub
Zurück bleiben wie immer
Ein paar Dumme
*
Ersehnte Tage
Wie könnte ich die
Tage vergessen und
Die Nächte mit dir
Die erträumten Nächte
Und die ersehnten Tage
*
Ziellos
Keine Hoffnung
Keine Ideale
Keine Arbeit -
Die Jugend heute
*
Verschiedene Rassen
Ich habe Berlin erlebt
Als es geteilt war
Auch die Menschen waren
Geteilt in eine freundliche
Und eine unfreundliche Rasse
Ich weiß, sie hatten es
Schlecht damals. Jetzt haben
Sie es besser im Osten doch
Viel freundlicher sind sie
Nicht geworden
*
3 Fettaugen
Im Supermarkt geht es mir
Immer miese. 100 Sorten Brot
50 Sorten Margarine und Butter
Wie soll da einer einkaufen können
Da lobe ich mir die DDR-Läden
Von damals. Nur eine Sorte Brot wenn
Überhaupt und die gute Butter
Teilte sich in der Pfanne in
3 Fettaugen und viel Wasser
Damals wusste man wenigstens
Was einem fehlte
*
Eine Haarnadel
Immer hattest du etwas
Liegen gelassen bei
Deinen Besuchen
Ein Haar, eine Haarnadel
Einen Lippenstift
Einmal einen Schuh -
wie kamst du damals
nach Hause -
Und immer blieb die wilde
Sehnsucht nach dir zurück
Zusammen mit einem Hauch
Von Eau de Cologne
*
Drahtlos
SMS und e-Post
Diese Wunder der Technik
In allen Ehren doch
Ich wusste auch früher
Schon immer genau
Wann du Lust auf
Mich hattest
*
Auf dem Balkon
Ich sitze auf dem Balkon
Sehe auf die Natur die
Sich schier endlos ausbreitet
Am Horizont Wolken und Meer
Auf dem Dach gegenüber
Brüten Möwen. Auch sie haben
Verschiedenes missverstanden
*
Zu Hause
Bald werden wir wieder
Mit dem Auto in Urlaub fahren
In Staus stehen, Abgase einatmen
Und ich weiß schon jetzt genau
Dass ich denken werde:
Zu Hause ist es auch recht schön
*
Bei jedem Buchstaben
Als ob es immer
So weiter ginge
Als ob Liebe etwas
Selbstverständliches und
Unvergängliches sei
Als es dann doch vorüber war
Schrieben sie sich weiter
Wie alte Bekannte
Doch ihr Herz weinte
Bei jedem Buchstaben
Und es war als ob
Sie nie wieder würden
Lieben können
*
Hi Baby
Damals waren
wir so
Schön brutal wie es die
Mädchen gerne hatten
Lässig, cool und Coca Cola
Und keine konnte übersehen
Wie wir die Kippe warfen
Nicht eine die uns zärtlich
Hätte nennen können
Ein Schimpfwort allenfalls
Hi Baby und den Hut ins Genick
Rock'n Roll und On the Road
Da gab es keinen Abschiedskuss
Nun hält uns niemand mehr für cool
Und unsere Töchter warnen wir
Vor solchen Typen
*
Schwere Geburt
Flaches Atmen
Der gequälte Blick in die Ferne -
ein Gedicht wird geboren
*
Im Schlaf
Den seinen gibt's der
Herr im Schlaf
Mir gibt er manchmal
Ein Gedicht
Doch frag ich mich
Dann morgens ab und zu
Ob er auch richtig
Bei der Sache war
*
Alles
nachtschwarz
Aufwachen in der Nacht
Mit dem Kopf voll
Unsinniger Gedanken
Alles nachtschwarz
Innen wie außen
Doch von fern dieses himmlische
Leuchten der Reklameschilder
Und getröstet schlafe ich weiter
Noch ist die Menschheit
Nicht verloren
*
Beim jüngsten Gericht
Zahlen werden genannt
Tage an denen dieses oder
Jenes geschah
Den Vogel erschossen mit dem neuen
Luftgewehr, eine Ameise zertreten
Doch ohne Absicht, der vorgetäuschte
Beinschaden bei der Damenwahl
Ein böser Gedanke an die Schwiegermutter
Dem Sohn eine Ohrfeige verpasst
Insgesamt wenig Belastendes
Dennoch schwer bestraft:
Zu zehn Minuten Harfenkonzert
Bei den himmlischen Heerscharen
*
Ungesalzen
Natürlich kann man
ohne Lyrik leben
Man braucht ja auch kein Salz
in der Suppe
*
In meinen Nächten
Da ist immer ein Abend
schlimmer als
alle vorhergehenden
einsamer
hoffnungsloser
Da ist immer eine Erinnerung
grausamer als
alle anderen
Da bist immer du
die ich verloren habe
in meinen Nächten
*
Ende eines Zeitalters
Das Zeitalter der Menschen
Geht seinem Ende entgegen
Die Evolution verfehlte ihr Ziel
Dominante Lebensformen gab es vor uns
Die Dinosaurier gingen unter
Als ein Meteor die Erde traf
Wir Menschen
Brauchen keinen Meteor
Wir ordnen ganz alleine unseren Untergang
Einst werden intelligente Küchenschaben
In ihren Büchern schreiben:
Die nach den Dinosauriern kamen
Waren zweifellos die Schlimmsten
*
Selbstgespräch
Mann -
bei deinen Gedichten
versteht man ja tatsächlich
was gemeint ist
Wie willst du denn da
berühmt werden ?
*
Überfluss
Wenn ich im Frühling
über Felder und Wiesen blicke
die blühenden Bäume sehe
das üppig keimende Leben,
dann denke ich dass
dieses Wunder, diese unendliche
Schönheit und dieser Reichtum der
Natur doch besser einem anderen
Zweck dienen sollte als das
Raubtier Mensch zu nähren und
über alle Maßen der Vernunft hinaus
sich vermehren zu lassen
*
Das Haus
In der geheimsten Ecke
Meiner Seele habe ich
Ein Haus gebaut
Mit fünfundzwanzig Räumen
In jedem Zimmer hängt
Ein Bild von dir
Und die Erinnerung
Sitzt tief in allen Wänden
Hier warte ich
Hier lebe ich
Mit meinen Träumen
*
Nur noch selten
Nur noch selten liegt
Ein Brief von dir
In meiner Mailbox
Dann geht ein Schatten
Alter Leidenschaften
Durch den Raum
Ich liebe dich noch immer
Schreibst du und glaubst
Wohl selbst nicht mehr daran
*
Was ist los Hans-Ulrich
Wieder mal einen
Gedichtband bestellt und
Enttäuscht zur Seite gelegt
Alte Liebesgedichte neu geordnet
Was ist los Hans-Ulrich -
Sesshaft geworden ?
*
Sonntagmorgen
Dieser wunderschöne
Sonntagmorgen
Im Frühling
Vogelgesang
Blumenpracht
Und im Radio
Die neusten Berichte
Über Hungerkatastrophen
In Afrika
*
Bei den Pavianen
Im Fernsehen lief ein Programm
Über Rangordnung und
Hierarchie unter Pavianen
Unwillkürlich musste ich
An meinen letzten Job denken
Alles war wie bei den
Pavianen nur gelaust
Haben wir uns nicht
Das hätte vielleicht geholfen
*
Schlaflos
Ich liege schlaflos und
Sehe hinaus in die Nacht
Sehe die Lichter vom Bahnhof
Der verlassen liegt und auf
Reisende wartet
Ich weiß
Dieses Gefühl absoluter
Hoffnungslosigkeit hatte ich
Schon einmal doch damals
War da eine Mauer und Wachtürme
Und der Bahnhof war unerreichbar
Für dich
Auf dem Boden im Halbdunkel
Des Zimmers achtlos verstreut
Lagen deine Kleider und
Ich konnte dich leise atmen hören
Neben mir
*
Weisheiten
Aus der Tiefe meines
Lieblingssessels heraus
Strömen Weisheiten
Ohne Ende
Während Jahre vergehen
Und Landschaften
Vorüber ziehen
*
Bauchspeck
Wer gibt mir meinen Schwung
Zurück und meine Haare
Tausend Gedichte habe ich
Geschrieben und Bauchspeck
Angesetzt dabei
Ein Opfer das man gerne bringt
*
Selbstjustiz
Was soll der
Sentimentale Quatsch
Dieses Flattern mit
Den Augenliedern
Hundert Jahre
Zu spät geschrieben
Fehlt nur noch
Dass es reimt
Auch Haikus finde ich
Total senil
*
Die alten Worte
Immer seltener und meist in
der Dämmerung überkommt
mich die Sehnsucht nach dir
Dann sehe ich dein Bild
lese deine Gedichte
höre deine Musik
Deine Stimme klingt in mir und
sagt die alten Worte an die ich
damals so gern geglaubt hätte
*
Narren
Die Narren sind unter uns
Man erkennt sie nur
Nicht so leicht denn jeder
Ist auf seine Art verrückt
Und alle zerren wir an den
Grenzen der Vernunft
*
Alte Fotos
Einen Kasten mit alten Fotos
Mehr brauche ich nicht um
Unglücklich zu sein
Wer sind diese jungen Leute
Auf den Bildern die glaubten
Eine Zukunft zu haben ...
*
Kleiner Mann
Bald ist es zu spät denn die
Gesäße der Direktoren und
Aufsichtsräte breiten sich aus
Auf den Stühlen der Demokratie
Der kleine Mann dagegen
Wird immer kleiner und schmäler
Doch hat man ihm das Fernsehen
Gelassen zum Einschläfern
Wegen der Nebenwirkungen
Fragen sie ihren Anlageberater
oder Psychiater
*
Reiseeindrücke aus Riga
1.
Hier mündet die Düna
In die Ostsee
Breitbeinig träge
Schmutzig braun
Nach ihrem Weg
Fast 1000 Kilometer
Quer durch Russland
2.
Frühstück im Hotel Avalon
Vier Sterne reiner Luxus
Jeden Morgen fegt hier eine alte Frau
Die Straße vor den Panoramafenstern
Ich schäme mich und hole doch
Noch ein Stück Schinken
3.
Lacplesa iela 17
Bärentöterstraße Nr 17
Hier wohnte meine Frau
Die ersten Jahre ihres Lebens
Auch Häuser werden älter
4.
Lettland nach Jahrhunderten
Der Knechtschaft
Deutschritter
Schweden
Russen
Geschichte hat die
Menschen hier geprägt
Sie sind nicht fröhlich
Selbst Kinder lächeln selten
5.
Brivibas iela, "Freiheitsstraße"
Mit Freiheitsgöttin und Ehrenwache
Stumm stehen sie oder
Gehen mit merkwürdig
Zeremoniellen Schritten
Marionettenartig auf und ab
6.
Russisch orthodoxe Kirche
Prachtbau an der Brivibas iela
Hier beten alte Frauen
Oder betteln vor der Kirche
*
Jack Kerouac
Damals als wir Jack Kerouac lasen
"On the Road"
Und der Lärm schwerer Motorräder
Uns noch im Schlaf verfolgte
Damals als ein Leben auf der
Straße und jung zu sterben
Unser höchster Wunsch war
Und Jack Kerouac unser Gott
Damals als das Leben noch so
Herrlich sinnlos war ...
*
Nachtzug
Könnte ich
Den Nachtzug nehmen
In Träume
Ich würde zu dir fahren
*
Hoffnungsschimmer
Der helle Streifen am Horizont
Der Hoffnungsschimmer
Wird immer schwächer
Zu viele Menschen
Zu viel Politik
Zu wenig Menschlichkeit
*
Vergessen
Selbst Alkohol verfehlte
Diesen Abend seine Wirkung
Es regnete und in mir
War dein Lied, dein Bild
Und alles was ich
Zu vergessen suche
Gewisse Abende sind
Schwerer zu ertragen und
Manchmal wünschte ich
Dich nie geliebt zu haben
*
Erinnerungen an Berlin
Es hatte den halben Tag geregnet
Ich hielt es nicht länger aus in
Der Wohnung schließlich war es
Mein freier Tag, Sonntag
Bei der S-Bahn ließ ich
Die leidigen Kontrollen
Über mich ergehen und
Fuhr rüber nach Berlin West
Am Bahnhof Zoo sah es aus wie immer
Die kleinen Flittchen, fast Kinder noch
Lungerten herum grell geschminkt
Und auch hier goss es in Strömen
Ich fuhr bald wieder zurück zum Alex
Mit der Straßenbahn die Stalinallé
Hinaus und ließ in der Wohnung
Wasser in die Badewanne
Dann lag ich lange und dachte
An all die wunderbaren
Errungenschaften unserer
Westlichen Gesellschaft
Eigenartige Erinnerungen die
Immer wieder auftauchen
Wenn ich allein bin und es
Regnet wie heute
*
Lauf der Welt
Wie es eben manchmal so läuft
Sie treffen sich zufällig
Gehen ins Bett zusammen
Und wenn sie nicht gestorben sind
Dann leben sie noch heute ... :-)
*
Sinfonieorchester
Entweder kommt es von zu fettem Essen
Oder von zu saurem Wein aber
Manchmal packt mich nachts das
Elend und ich komme mir wertlos vor
Kann ja sein ich bin es auch aber wer
Will das schon so genau von sich wissen
Während es dann draußen anfängt hell
Zu werden mache ich das Radio an
Den Sender mit klassischer Musik
Und schlafe endlich ein während
Ein komplettes Sinfonieorchester
Vergebens versucht mich wach zu halten
*
So lange man jung ist
Ch.B. schreibt an einer Stelle
er habe sich geschworen
niemals Altmännergedichte
zu verfassen
Leicht zu halten
so lange man jung ist
Später schrieb er viele
Altmännerphantasien
*
Der Emigrant
Manchmal werde ich gefragt
warum ich ausgewandert bin
Wie soll ich ihnen erklären
dass mein zu Hause
kein zu Hause war und
dass mein Land mir nie
zu einer Heimat wurde
Wie sollten sie verstehen
dass ich geflohen bin doch
ohne jemals anzukommen
*
Heimwerker
In der Wohnung unter mir
Hämmert es schon seit Tagen
Ich kann's ja verstehen
Hat man sonst nichts worauf man
Stolz sein kann muss wenigstens
Das Bad gekachelt sein
Es hämmert und klopft
Er hatte einen beschissenen Beruf
Die Frau ständig sauer -
Da würde ich auch kacheln
*
Ein herrliches Gefühl
Wenn mir abends einmal
So richtig sentimental zumute ist
Stelle ich mir vor allein zu sein
Irgendwo in einem Hotelzimmer
Sturm ist aufgekommen
Regen schlägt gegen die Fenster
Es ist ein herrliches Gefühl
Sich leid zu tun während man
Warm und bequem zu Hause
Im Sessel sitzt
*
Deine Stadt
Kommst du eines Tages
Zurück in deine Stadt
Wird vieles anders sein
Die Bäume höher
Die Straßen staubiger
Menschen gehen vorüber
Ohne dich zu kennen
Nur die in den Gräbern
Nicken dir freundlich zu
*
Beweise
Beweise für das Wirken
eines gerechten Gottes
sind schwer zu finden
in unserer Zeit
Dafür häufen sich
die Anzeichen der
Existenz Satans
*
Grammatikalisches
Meine Enkelin und ich wir
schreiben beide Liebesgedichte
Sie im Präsens
ich im Plusquamperfekt
*
Die Zeit
Ich lese ein Buch über die Zeit
Wie man sie einfängt
Wie man sie misst
Wie man sie zerlegt in
Bruchteile von Sekunden
Man hat gelernt dass Zeit
Dehnbar ist und relativ
Mit zunehmendem Alter
Erkennt man dass Zeit
Auch kostbar ist
*
Dieses Leben
Eine unendliche Reihe
scheinbarer Zufälle
die wir Leben nennen
Das unbändige Aufbäumen
in der Jugend und
das Resignieren im Alter
Die Erinnerungen
denen nicht zu trauen ist
*
Der Frühling kommt
6. März 2009
Der Frühling kommt mit Brausen
Oder ist es nur die Autobahn
In der Ferne
Meine Wanderwege
Schneebedeckt
Die Seen unter dickem Eis
Doch die Hoffnung
Ist erwacht -
Der Frühling kommt
*
Keine Antwort
Du hast meine Gedichte geliebt
Jedes Wort an dein
Unruhiges Herz gelegt
Ich schreibe immer noch
Für dich doch es kommt
Keine Antwort mehr
*
Wie Träume
So stelle ich mir die Träume
Von Engeln vor -
Goldenes Spinnengewebe
Und schimmernde Tautropfen
Im Morgenlicht
So stelle ich mir
Die Liebe vor -
Wie Träume von Engeln
*
Landschaften
Ich fliege im Traum
Durch die Landschaften
Meines Lebens
Über Höhen und Täler
Über Tage und Jahre
Mir träumt ich wäre
Unsterblich
*
Gold im Haar
Unerbittlich reihen sich
Tage aneinander
Werden zu Jahren werden
Zu einem Leben
Doch meine Liebste
Bleibt ewig jung
Jeder Frühling kleidet sie neu
Jeder Sonnenstrahl wirft ihr
Gold ins Haar
Der Herbst spricht uns Mut zu
Gemeinsam gehen wir
Dem Winter entgegen
*
Eine Ahnung
Manchmal will ich mich
Nur langweilen
Kein TV
Kein Radio
Kein Buch
Vielleicht ein wenig Schubert
Aus dieser himmlischen Ruhe heraus
Kommt dann bisweilen
Ein Gedanke
Ein Gedicht
Eine Ahnung was es
Mit diesem Leben
Auf sich haben könnte
Und Alfred Brendel
Spielt dazu als ob er es
Schon wüsste ...
*
In ein paar Tönen
Franz Schubert hält mir
Gesellschaft in der Dämmerung
Ich spiele sein Impromptu
Opus 90 Ges-dur und
Aufgeschlagen auf dem Tisch
Liegen Gedichte von Nelly Sachs
Alle Schönheit und alle
Schmerzen dieser Welt in
Ein paar Tönen und Buchstaben
*
Abrechnung
Nächte, die schwärzer sind
Als die Hölle und
Einsamer als der Himmel
Nächte, in denen du
Traum- und schlaflos liegst
Vergebens die Hand ausstreckst
Die Vergangenheit hat dich
Eingeholt und präsentiert
Ihre Rechnung
*
Die alte Stadt
Es war Abend geworden -
Vom Gartenrestaurant
Etwas weiter weg
Hörte man Lachen und
Leise Tanzmusik
Lampions schaukelten im Wind
Ich stand und sah hinab
Auf die alte Stadt
Die ich verlassen würde
Heimat ist etwas was
Man erst im Alter
Zu schätzen weiß
*
Die Schöpfung
Ganz abgesehen von Darwin
Muss jemand die Welt erst
Einmal erschaffen haben
Die Steine
Die Tiere
Die Menschen
Doch wie die Dinge liegen
Kein guter Schöpfer
Eher der Gott der Rache
Und des Krieges
*
Es ist gut so
Irgend wann einmal
Werde ich sagen
Hört her Leute
Ich habe gelebt
Nicht schlecht
Ich habe geliebt
Und wurde geliebt
Es ist gut so
Doch alles muss einmal
Zu Ende gehen
Schluss für heute
Schluss mit diesem Leben
Vielleicht schreibe ich weiter
Im nächsten
*
Mehr als gern
Die Jahre haben mir
Gelassenheit geschenkt
Ich sage Gelassenheit
Nicht Gleichgültigkeit
Ich sage Erfahrung
Nicht Weisheit
Ständig kommen Mitteilungen
Und Ermahnungen aus
Der Vergangenheit
Was kümmert es mich
Manche Fehler wiederholt man
Mehr als gern ...
*
Nachlass
Einmal wird man
Meinen Nachlass sichten
Ein Bankkonto und
Zwei Gedichtbände
Alles leer
*
Menschen gingen vorüber
Ich saß allein in dem kleinen Café
Am großen Boulevard - du weißt
Wir waren dort einmal zusammen -
Hatte einen Drink bestellt
Dann noch einen
Menschen gingen vorüber
Als die Musikbox plötzlich
Unser Lieblingslied spielte
"Wicked Game" mit Chris Isaak
Und mit einem Mal saßt du neben mir
Ich hatte dich nicht kommen sehen
Dann fühlte ich deine Hand auf meinen Arm
Und am Halsband hing der kleine goldene Löwe
Den ich dir einmal geschenkt hatte
Es war ein magischer Augenblick
Genau wie damals und dann
Hörte ich dich leise den Refrain mitsingen
"I want to fall in love with you"
Es gibt Augenblicke im Leben die
Nie wiederkommen
Da sind aber auch Augenblicke
Die es nie gegeben hat
Und Chris Isaak sang
"What a wicked game to play"
*
Letzte Stunden
Der Regen hatte aufgehört zu fallen
In die Abendstille hinein
Drangen wieder
Die gewohnten Geräusche
Ein Auto das anfuhr
Das Klingeln einer Straßenbahn
Ein Kinderlachen
Wir wussten es waren
Die letzten Stunden zusammen
Du würdest in ein Taxi steigen
Ich würde am Fenster stehen
Mich zwingen nicht zu winken
Wir wussten beide es war
Unwiderruflich vorbei
*
Vermutung
Aldous Huxley vermutete
Dass diese Welt
Die Hölle
Eines anderen
Planeten sei
Lebte er noch heute so
Sähe er dass unsere Hölle
Voll ist bis zum Rande
Und keinen Platz hat für
Bewohner anderer Planeten
*
Kernkraft
In meiner Heimat Schweden
Hat man sich nach
Jahrzehntelangem Zögern
Wieder der Kernkraft
Zugewandt
Ich denke nach darüber
Und komme zu der Einsicht dass
Es tatsächlich besser ist
Schnell zu verglühen
Als langsam zu erfrieren
*
Vorne offen
Schneegestöber das
In Regen übergeht
Ich müsste mal wieder nach
Dem Mann sehen der im
Alten Militärunterstand wohnt
Drei Seiten Beton, vorne offen
Zwei Jahre haust er
Da schon mitten im Wald
Ohne alle Bequemlichkeiten
Und fühlt sich wohl dabei
Ein Wunder wenn man
Bedenkt wie viele sich
Unwohl fühlen trotz Wänden
Auf allen vier Seiten ...
*
Trübe
Das Wetter ist trübe
Die Politik ist trübe und
In den USA nennen sie
Obama den "Niggerboy"
Es ist zum verzweifeln
*
Ohne Umkehr
Man muss sich bisweilen
Umdrehen auf dem Weg
Erkennen können ob
Die Richtung stimmt
Viele Wege führen ans Ziel
Doch da sind auch
Dunkle Wege
Irrwege ohne Umkehr
*
Am See
Nur noch in meinen
Träumen bin ich
Manchmal am See mit dir
Die Fische bitte ich
Niemandem zu erzählen
Dass ich weinte
*
Unerbittlich
Unstillbar der Wunsch
Noch einmal zurückzugehen
Richtig zu stellen
Gut zu machen
Unerträglich die Gewissheit
Nichts ändern zu können
Unerbittlich die Zeit
*
Grenzen
Da sind immer Grenzen die
Zu überschreiten wären
Zwischen Jugend und Erwachsensein
Zwischen Traum und Wirklichkeit
Zwischen Vertrautem und Unbekannten
Zwischen Leben und Tod
Und stets sind wir unterwegs
Zu einer Grenze
*
Das Gartentor
Wie oft bin ich den
Kleinen Weg gegangen
Den steilen Berg hinauf
An der Hecke entlang
Wie auf der Flucht
Durch das Gartentor
Bei den Eichen
Eine neue Welt tat sich auf
Dann die Nussbäume
Der Schuppen mit
Den Kaninchen
Das kleine Haus
Die Mutter
Die Schwestern
Doch mein zu Hause
Durfte es nie werden
*
Eine andere Wirklichkeit
Nachts blicke ich aus dem Fenster
Sehe ferne Lichter sehe
Züge durch die Nacht rasen
Habe Fernweh
Nachts blicke ich aus dem Fenster
Sehe eine Wirklichkeit
Die nicht meine ist
Habe Sehnsucht ...
*
Fremde Lebensformen
Heilige
Verschiedener
Glaubensrichtungen
Religiöse Fanatiker
Terroristen
Fremde Lebensformen
Die sich auf unserem Planeten
Angesiedelt haben
*
Nahostkonflikt
Sie schufen jeder einen Gott
Zu ihrem Ebenbild
Unbarmherzig
Grausam
Gnadenlos
Wie soll da jemals
Frieden werden ?
*
Manchmal
Manchmal
Wenn ich nachts aufwache
Wünschte ich mir
Meine Träume stünden
Im Zimmer
Still freundlich und
Ein wenig durchsichtig -
Alte Bekannte
*
Spuren
Die Spuren deiner Hände
Die Spuren deiner Lippen
Die Spuren deiner
Liebe
Sind tief in
Meine Seele
Eingraviert
*
Anfang und Ende
Jeder Anfang birgt
Das Ende in sich
Jede Liebe die letzte
Gleichgültigkeit
Selbst unsere Welt
Wird einst verglühen
Nach letztem Aufbäumen
In Trotz
*
Wie eine Sanduhr
Zum See will ich gehen
Wenn es Frühling wird
Das Leben packen
Es umdrehen wie eine Sanduhr
Auf dich warten
Bei unserer Bank
Verliebt sein ...
*
Lange Reise
Chemotherapie -
Gift mit Gift bekämpfen
Die Hoffnung nicht verlieren
Das Licht sehen
Am Ende des Tunnels
Du Fremde mit den
Traurigen Augen hast
Eine lange Reise vor dir
Und keiner weiß noch
Wo sie endet
*
Immer näher
Es ist immer näher
Zu Verlust als zu Gewinn
Immer näher zum Ende
Als zum Anfang
Immer weiter der Weg
Um anzukommen
*
Zuversicht
Denke ich
An meinen Freund Achim
Schöpfe ich Hoffnung
Obwohl er wenig erreichte
Und jung starb
Verlor nie die Zuversicht
*
Theaterrezension
Sah heute im Theater
Ein Stück mit dem Titel
"Jetzt geht es mir viel besser"
Als es zu Ende war
Ging es mir
Bedeutend schlechter
Das Werfen fauler Eier
Ist leider völlig aus der
Mode gekommen
*
Was soll ich sagen
Einsam kann es sein
Doch allein fühle
Ich mich nie
Da sind die Eltern
Die Großmutter
Schon lange tot
Was soll ich sagen -
Sie halten mir Gesellschaft
*
Blog
Menschen gehen ein und aus
Freunde
Fremde
Lesen meine Gedanken
Nehmen teil an
Meiner Freude
Teilen meine Trauer
Fühlen meine Sehnsucht
Notieren meinen Schmerz
Wer hört den Schrei
Wer tröstet und
Wer wird getröstet
*
Angeblich
Angeblich existieren
unendlich viele
parallele Welten
Auf einer bist du
ewig jung
Angeblich ist die Liebe
dort ganz anders
als bei uns
So irgendwie unendlich ...
*
Zeit und Jahre
Woher kommt die Zeit
und wohin
gehen die Jahre
Fragen, die ein Kind
stellen könnte und
die auch der Klügste
nicht beantworten kann
Zeit ist reine Energie
sagt der Physiker
Gott schuf Raum und Zeit
sagt der Gläubige
Zeit ist dieser hellblaue
flüchtige Schein
im Morgengrauen
sagt der Poet ...
*
KKK
Von Ku-Klux-Klan
hin zu Obama -
Das ist Amerika
*
Synapsen
Muss mal wieder meine
Synapsen in Schwung bringen
Die Nervenzellen im Gehirn
Die Schaltzentralen
Sie gehen mit der Zeit
Sie werden immer träger
Sie wollen Arbeitszeitverkürzung
Und höhere Gehälter
Sie haben alle Trümpfe
Auf der Hand
*
Kirchliches
Ich lebe in einem
Protestantischen Land
Man fragt mich wie es
Denn so war In Deutschland
Ich sage
Meine besten Freunde
Waren Katholiken aber
Man sah es ihnen
Absolut nicht an ...
*
Ich bin kein
Ich bin
kein Judenhasser
mein Vater war
kein Judenhasser
mein Großvater war
kein Judenhasser
vielleicht hat
mein Urgroßvater
einen gehasst
Ich sollte mich
wirklich schämen
*
Humanitäre Gründe
Den Nachrichten zufolge
sind wieder Friedensgespräche
aktuell zwischen Israel
und Hamas
Vielleicht geht das Geld
zu Ende oder die Munition
Humanitäre Gründe sind dort
wohl völlig ausgeschlossen
*
Auch was
Die sexuelle Revolution
ging nicht unbemerkt
an mir vorüber
Doch blieb ich weitgehend
verschont von den Folgen
der Emanzipation
*
Und gingen
auseinander
Als alles gesagt war
Was gesagt werden konnte
Als Liebe nur noch
Ein leeres Wort war
Nahmen wir unser Schweigen
Und gingen auseinander
Ein Lied begleitete mich -
Dein Lieblingslied
*
Nächstenliebe
Es gibt so viel Schönes
Auf unserer Welt
Warum tun so viele Menschen
So viel Hässliches?
Unsere Welt hätte so viel
Platz für Nächstenliebe
Warum dieser Hass
Dieser unerbittliche Hass?
*
Die Maske
Ich halte die Maske
vors Gesicht -
die mit lachendem Mund
und rufe "Hoppla Leute"
hier geht ein Clown
Ich halte die Maske
vors Gesicht -
die mit traurigen Augen
und rufe "Hallo Leute"
seht meine Sehnsucht
Ich gehe ohne Maske
unter euch und
ihr erkennt mich nicht -
ich bin ein Fremder
*
Bedauernswert
Oft tun mir die Raucher leid
Sie riechen schlecht
Ihr Geld geht auf in
Blauen Dunst
Sie rauchen um die Wette
Mit dem Tod
*
Beobachtung
Mein Schatten wird immer
heller -
irgend wie durchsichtiger
Eine durchaus
bedrohliche Entwicklung
*
Ein Wort
Könnte es sein
Dass ich endlich frei bin
Frei von dieser Liebe
Die so lange mein Leben war
Und mein Fluch?
Und weiß doch
Ein Wort von dir
Wird genügen um
Mich vergessen zu lassen
Dass ich frei sein wollte
*
Überraschung
Was soll ich sagen -
Dein Lächeln überraschte mich
Machte mich wehrlos
Und verletzbar
*
Irgendwo
Irgendwo weht ein Sturm
Irgendwo ist Krieg
Irgendwo weint ein Kind
Und irgendwo fragt sich
Ein Mensch warum
Es so sein muss
Eine Antwort ist nicht
Zu erwarten
*
Entsorgung
Bald ist es Zeit die
Weihnachtsbäume zu entsorgen
Die Lichterketten zu löschen
Die Kerzenständer abzuräumen
Und das Christkind einzumotten
Auch die Neujahrsgelübde sind
Zum Glück vergessen
Und alles geht wieder
Seinen gewohnten Gang ...
*
Ankunft
Arlanda Flugplatz
Ankunftshalle
Ich sehe mir die Leute an
Sie müssten glücklich sein und
Gut erholt nach ihrem Urlaub
Statt dessen müde
Und enttäuscht
Nicht jede Reise läuft
So wie geplant
Geld alle
Unglücklicher Urlaubsflirt
Schlechtes Gewissen
Und morgen fängt
Die Arbeit wieder an ...
*
Zusammenfassung
Vom Räuberhauptmann
In kurzen Hosen
Zum Pflegefall im Altersheim
Ein ganz normaler Lebenslauf
*
Meerschweinchen
Ich habe zwei
Meerschweinchen in Pension
Sie kennen nur ihr kleines Reich
Ich bin ihr Gott
Versorge sie mit
Wasser, Heu und gelben Rüben
Sie piepsen ihrem Gott
Ein Hallelujah
Bisweilen fühle ich mich selbst als
Meerschweinchen im Käfig
Ich sehe keine Wände doch
Weiß ich wo sie sind
Ich sehe keinen Gott doch
Irgend wer versorgt mich gut
Mit Wein und Leckereien
Ich spiele ihm mein Hallelujah
auf dem CD-Player
*
Reisende
Wir alle sind nur auf Besuch
In unserer Welt
Für kurze oder längere Zeit
Bevor wir weiter reisen
Der Fahrplan ist uns unbekannt
Das Ziel verborgen
Den Reiseleiter hat man
Lange nicht gesehen
Man nennt es "Fahrt ins Blaue"
*
Zufrieden
Heute bin ich zufrieden
Mit meinem Tag
Was zu tun war ist getan
Was vermeidbar war
Habe ich vermieden
Mir ist keiner Schuld bewusst
Und ich habe niemandem
Etwas zuleide getan
Andere sehen das natürlich
Ganz anders
*
Hundert Briefe
Der Regen hatte nachgelassen
Der Zug für seine Rückfahrt
Fuhr gerade in den Bahnhof ein
Es war ihr letzter Abend gewesen
Und ihm war klar
Er hätte nie kommen sollen
Eine damals wie im Rausch durchtanzte
Nacht und hundert Briefe waren
Nicht genug gewesen für eine Liebe
Jetzt würde er zurückfahren
Zurück in sein altes Leben
Und war fast froh darüber
*
Drei Elche
So richtig in Schweden
angekommen fühlte
ich mich erst als
eines Tages drei Elche
in meinem Gemüsebeet
standen und Äpfel von
den Bäumen fraßen
*
Jugendbilder
Begraben unter der Zeit
Jugendbilder
Erinnerungen
Falsche Hoffnungen
Träume
Vergebliche Wünsche
Alles kam dann
Zum Glück ganz anders
*
Heiligabend
Es sind die Weihnachten
Unserer Kindheit
Nach denen wir uns sehnen
Die Weihnachten als unsere
Welt noch heil war
Die Lichter
Die Düfte
Die Erwartungen
Stille Nacht
Heilige Nacht
Und Engel schwebten
Durch unsere Träume
*
Lesung Bruno K. Öijer
Stockholm, Dezember 2008
Der große Dichter
mit dem wirren Haar
liest seine Werke vor andächtig
lauschendem Publikum
Faszinierend ihn zu hören
ihn zu sehen
einsam auf der Bühne
Was er liest -
nicht unbedingt verständlich
Gedichte muss man fühlen
nicht verstehen
*
17. Dezember 2008
Heute will sich keine
Heiterkeit einstellen
Griesgrämig starre ich
Aus dem Fenster
Kein Engel weit und breit
Keine Sonne
Kein Schnee
Düster
Ein Tag wie geschaffen
Um griesgrämige
Gedichte zu schreiben ...
*
Krisenmanagement
Krisenmanagement ist
die Kunst Mitarbeiter
zu entlassen ohne sein
eigenes Gehalt kürzen
zu müssen
*
Noch einmal
Noch einmal will ich
Mir die Flügel anspannen
Aus Spinnenweben
Und Träumen
Mich hinauf schwingen
In schwindelnde Höhen
Wo Sehnsüchte nichtig sind
Und Tränen vergebens
Alle Wünsche verblassen
Während der blaue Planet
Langsam, langsam in der
Ferne verschwindet
So wird es sein ...
*
Beobachtungen in Berlin Dez. 2008
I
Hotel am Alexanderplatz
Umgetauft und
Wanzenfrei
Hier wohnte ich
Im 18. Geschoss
Mit Aussicht
Auf die Freiheit
II
Noch immer sichtbar
Die Wunden die
Die Mauer schlug
Noch immer wahrnehmbar
Der Hauch des Bösen
Aus dem Osten
III
Siegessäule frisch vergoldet
Hier fühlen
Französische Touristen
Sich jeden Tag erneut
Besiegt
IV
Am Brandenburger Tor
Wo einst die Freiheit
Zu Ende war
Wo heute die Freiheit
Zu Hause ist
V
Weihnachtsmarkt bei
Der Gedächtniskirche
Geruch von Bratwurst
Und schmalzgebackenen
Käsekeulchen
Der goldene Jesus in
Der Kirche nimmt's gelassen
Er hat ganz andere Sorgen
VI
Deutsche Oper
Unter den Linden
Baugerüste, Baugerüste
Hier singen Maurer solo
Und Zimmerleute
Tanzen Polonaise
Am Dirigentenpult der Architekt
Gottlob kein Eintritt
VII
DDR-Museum beim Berliner Dom
Hier drängen sich
Auf engstem Raum
Helden der Arbeit und
Vergilbte Ideale
Sie hatten keine Chance
Zu übermächtig war der Traum
Vom fetten Leben drüben -
Die Schattenseiten wollten sie
Nicht sehen
*
Auf der falschen Seite
Würstchenbuden
Souvenirverkäufer
Menschenmassen
Checkpoint Charlie heute
Einst Grenze
zwischen
Ost und West
Hier war es
Wo so viele um ihr
Leben bangten
Hier war es
Wo ich Abschied nahm
Die Krämer haben
Einen Rummelplatz
Daraus gemacht
Ich schließe
Die Augen und sehe dich
Wie damals stehen
Einsam auf der
Falschen Seite
*
Recuerdos del Sol
I
Das Gefühl von weichem Sand
zwischen den Zehen
Von warmen salzigem Wasser
auf der Zunge
Von nackter Haut
an meiner
Es gibt so unsäglich
viel Schönes ...
II
Der Anblick von geölten Touristen
und Strandstühlen
Von ungereinigten Abwässern
ins Meer
Von aufdringlichen Verkäufern
von Melonen und Anteilwohnungen
Es ist so unsagbar
deprimierend ...
*
Nichts ist einfach
Das Gefühl sich vor
Der Welt verstecken zu
Müssen doch dein Schatten
Wird dich verraten
Nichts ist einfach
Nichts ist selbstverständlich
Außer der Angst vor
Sich selbst
*
Der Duft von Heckenrosen
Und plötzlich ist da wieder
Die Erinnerung
Die alte Stadt
Die Wege die ich ging
Der Duft von Heckenrosen
Und wie ich zornig war
Auf mich und
Alle Welt
*
Im Tunnel
Weit voraus
Die Tunnelöffnung
Gleißender Lichtschein
Dorthin sind wir alle
Auf dem Weg
*
Kain und Abel
Es begann mit
Kain und Abel
Die Missgunst
Der Neid
Der Brudermord
Nichts hat sich
Seitdem geändert
An Missgunst
An Neid
An Brudermord
Nichts ...
*
Begegnungen
Wege die sich kreuzen
Menschen die sich begegnen
Schicksale die
Ihren Lauf nehmen
*
Im Alter
Die Felder unserer Jugend
Sind bebaut
Längst kreuzen Wege
Unsere Wälder
Und unsere Spielgefährten
Deckt die Erde
*
Entblättert
Die Bäume haben sich
Entblättert um
Nicht zu erfrieren
*
So nicht
So hatte er sich das Leben
nicht vorgestellt
Vielleicht hätte er
als Missionar nach
Afrika gehen oder
Steuerberater werden sollen
Er hätte dem Leben
auch ein Schnippchen
schlagen und jung
sterben können
Was wissen wir Menschen
schon davon was richtig ist ...
*
Zeit der
Hoffnung
Winterwege
Die du gehst und
Denkst an das Gedicht
Deiner Jugend
An Knecht Rupprecht
Drauß' im Walde
Und die goldenen Lichtlein
Über Tannenwipfeln
Dunkle Zeiten gab es
Und helle -
Weihnachtszeit
Noch ist Hoffnung
*
Der Mensch sei gut
Hoffnungslos heute wieder -
Der Mensch sei gut
Doch ich sende Giftpfeile
In eine gewisse Richtung
Und hoffe dass sie
Ihr Ziel verfehlen
*
Zwei Variationen über Liebe
I
So wie wir uns im Winter
Zurücksehnen nach Frühling
Und Herbst
So sehne ich mich zurück
Nach den Tagen als Liebe
Jung war und heiß
Als aller Kummer leicht war
Und der Himmel voller
Zukunft
II
So wie alles Hoffen
Vergebens ist
Und das Streben
Nach Glück
So ist auch die Liebe
Nur ein Trugbild
Unserer Fantasie
Und am Ende ist man
Stets allein
*
In den Wind geschrieben
Wie schnell das Vergessen -
Wie schnell die Asche
In den Wind gestreut
So wenig was bleibt -
Von Träumen
Und Hoffnungen
Ein Name in die Rinde
Geschnitten, ein Leben
In den Wind geschrieben
Vergänglich -
Vergebens
*
Immer wieder
Von Träumen habe ich
Oft geschrieben, von Tränen
Und von Luftballons
Ich habe von
Sehnsucht geschrieben
Und von Liebe
Ich habe von dir geschrieben
Und immer wieder
Von der Suche nach dir
*
Schnee
Schnee fällt -
Gefrorene Träume
Von Engeln
*
Elvis
Wenn ich heute zurück denke
Erkenne ich das Chaos -
Doch damals war es ganz OK
Wer hatte schon Lust
Sich Gedanken zu machen
Über sein Leben
Was scherte uns
Knallharte Burschen
Die Zukunft
Elvis war "in"
*
Ohne Stammbaum
Wie soll ich sie kennen -
Meine Vorfahren
Alteingesessene Bauern
Staatsbeamte oder
Verrückte Poeten
Keiner erzählte mir
Von ihnen, keiner der
Eine Chronik hinterließ
Ich bin wie ich bin -
Nur weiß ich nicht warum
*
Wo warst du so lange
Bald werde ich wieder
in Berlin sein
werde die alten Wege
mit dir gehen und
dir die alten Worte
ins Ohr flüstern
Du wirst dich
an mich schmiegen
und sagen:
Wo warst du so lange
Liebster?
*
Stille Abende
Abende wie dieser
sind nie leicht
zu ertragen
wenn Stille sich
wie blutstillende Watte
um dich legt
und Fragen sich
wie welke Blätter
vor der Tür häufen
*
Vor der Tür
Plötzlich stand der Winter
vor der Tür und
wollte reinkommen
Mit einem elektrischen
Kamin habe ich
ihn vertrieben
Es ist jedes Jahr das Gleiche
keiner will ihn haben
aber er kommt dennoch
*
Es ist Herbst
Es ist Herbst
Liebste
doch wir sehen
dem Winter
getröstet entgegen
denn nichts kann uns
mehr trennen
Hinter uns das
Land der Sehnsucht
Vor uns das
Reich des Vergessens
*
Sieben Leben
Die Katze hat sieben Leben
sagt man
Ich habe nur zwei -
ein reales und ein
imaginäres
Im imaginären Leben
schreibe ich Gedichte
für dich
Wir treffen uns bei einer
Bank am See
*
See im November
Grau liegt der See
Wie lange ist es her
dass wir hier gingen
Die Zeit war uns nicht gnädig
und immer weiter wird
der Weg zu unserer Bank
*
Schule des Lebens
Das Leben schult uns
und das Schicksal
beschneidet unsere Äste -
sie würden in den
Himmel wachsen
Auch Jugendfreunde
formten unser Leben
Wo seid ihr heute
Karlemann, Heinz, Achim
und wie sie alle hießen
Heidi war meine erste Flamme
Durch sie erfuhr ich früh
wie schmerzhaft Liebe ist,
wie wunderbar, wie grausam
und wie hoffnungslos
*
Walzer A-Moll
Du sitzt am Fenster
hast dich nicht bemüht
Licht zu machen
Wieder einmal ohne Schlaf
weil unsinnige Gedanken
dich wach halten
In der Ferne fährt
ein Zug vorüber
schnell und lautlos
Aus der Wohnung unter dir
dringt leise Musik - Blues
noch so spät denkst du
Dir ist eher nach Chopin zumute
Walzer A-Moll Opus 34 No 2
oder eins von Franz Schuberts
traurigen Impromptus
Hast sie selbst einmal gespielt
als du noch glaubtest
glücklich zu sein
Eine Sternschnuppe fällt
du hast einen Wunsch frei -
doch der ist unerfüllbar
*
Keine Absicht
Es ist nicht meine Absicht
mich zu rechtfertigen
Nichts Selbstbiografisches
oder Testamentarisches
will ich hinterlassen
Ich habe gelebt und geliebt -
doch möge man mir einiges
verzeihen
*
Auf der Suche
Jenes fremde Land
dass ich Heimat nenne
Jene Menschen die
anders sind als ich
Jener Himmel in dem
ich einst schweben werde
auf der Suche -
wie immer auf der Suche
*
Unser Leben ein Traum
Nacht für Nacht
wandern meine Gedanken
zu dir in der Ferne
Nacht für Nacht
schenkst du mir deine Liebe
die noch kein Tag sah
Wir sind die Kinder der Nacht
Wir leben um zu träumen
und träumen unser Leben
*
Leicht angeschlagen
Wer kann schon
von sich behaupten
unbeschadet durchs Leben
gegangen zu sein
Andererseits
ein paar Kratzer und
angeschlagene Kanten -
wen stört das schon
*
Gavia arctica
Tanzende Nebel über dem See
Unheil verkündend der Ruf des
Prachttauchers, Gavia arctica
Bald werden Schneeflocken
um die Wette wirbeln
und Wasser zu Eis gefrieren
Meine Seele ist längst erfroren
*
Erster Schnee
Erster Schnee -
Die Kraniche sind schon gezogen
Sie haben dich gegrüßt auf ihrem
Flug nach Süden
Der Winter -
Der Winter ist nicht weit
Stille senkt sich über den See
Tanzende Schatten im Nebel
*
Sodom und Gomorrha
Gott -
falls da einer ist
war gut zu mir
Er liess mich wählen
zwischen Sodom
und Gomorrha
*
Kratzspuren
Kratzspuren am Boden eines
Käfigs nannte Charles Bukowski
seine Gedichte
Der Mann war bescheiden -
reine Canyons im Vergleich
zu den Kratzern anderer
*
Check Mail
Zauberwort im Internet
Heidnische
Beschwörungsformel
Letzte Worte eines
Verdurstenden
Tor zu Himmel oder Hölle
"Check mail" leer -
verurteilt zu weiteren
Stunden der Verzweiflung
*
Ellenbogen
Wir standen uns näher damals,
enger beisammen in jenen
schrecklichen Jahren
des Krieges
Die Ellenbogen waren nicht
so spitz und man half
seinem Nächsten
wo es ging
Not macht erfinderisch
Not macht auch menschlich.
Später hatten wir dann wieder alles -
auch die Selbstsucht
*
Verschlüsselt
Gedichte will ich für dich schreiben
so lange meine Hand die
Feder halten kann
Gedichte will ich schreiben
voll unerfüllter Träume
Verschlüsselt schreibe ich
mit unsichtbarer Tinte -
nur du kannst sie deuten
*
Wilde Teufel
Viele kleine Teufel
die uns Menschen
zu schaffen machen
Sie plagen uns im Rücken
sie hämmern an den Knien
sie bohren in den Kopf
und löschen das Gedächtnis
Sie werden immer wilder
und rasten nicht bevor
sie uns im Grabe haben
*
Suche
Wie könnte ich weiter leben
und fröhlich sein
Sieht niemand das Zeichen
auf meiner Stirn
Hört niemand mein
Weinen in der Nacht
Merkt niemand wie
ich dich suche?
*
Wir glaubten daran
Wir waren jung damals
wir dachten noch
das Leben sei gut
Wir glaubten noch
der Mensch sei ehrlich
Wir haben die Hände
ins Feuer gehalten
für unsere Helden -
und uns gründlich
verbrannt
*
Am Strand
Als ich dich laufen sah
am Strand
nur mit Licht bekleidet
wusste ich mit einem Mal
dass es im Paradies
nicht schöner sein kann
*
Wie über Steine
Lass die Jahre liegen
wo sie sind
Geh über sie hinweg wie
über Steine im Bach
Reich dem Schmetterling
die Hand
und nenn ihn Erinnerung
*
Drei Worte
Die drei Worte fielen mir
stets schwer zu sagen
Vielleicht weil ich sie
als Kind so selten hörte
Vielleicht aus Angst
vor Abweisung
Ich liebe dich rief ich
in meinen Träumen
und floh in Panik
vor dem Echo
Nun fällt es leichter
sie zu sagen doch keiner
der sie mehr hören will
*
Auf meine Art
Kühl sind die Abende
jetzt schon und
der Abschied rückt näher
Ich hätte dich küssen sollen
damals am Gartentor
Und dir Blondschopf
hätte ich sagen sollen
dass ich dich liebe
Dich aber, die mir
Vertraute war über Jahre
hätte ich festhalten sollen
als du gehen wolltest
Ich habe euch geliebt
auf meine Art doch am Ende
war es nicht genug
*
Die gosse Stadt
Die große Stadt
in der ich einsam
mit dir war
Die große Stadt
Anfang und Ende
einer Liebe
*
Sintflut
Gletscher schmelzen
Land wird überflutet
Immer dichter gedrängt
werden wir stehen
den Untergang vor Augen
*
Abdrücke
Wie Spuren im Sand
Unsere Fußabdrücke
in der Zeit
Nichts was verloren ginge
Nichts was bleibt
Alles ist Veränderung
Nichts ist ewig
*
Kein Grund
Kein Grund zu Pessimismus
Man lebt,
die Rente kommt stets
pünktlich auf ein Konto
Kein Aktienbesitz
der schwinden kann
Keine Liebe
die enden könnte
Ereignislos
trostlos
*
Verglüht
Letztes Herbstlaub
ist verglüht
Letzte Liebe
bloss Erinnerung
Ein langer Winter
steht bevor
*
Unlesbar
An düsteren Tagen
wie diesem
schreibe ich
düstere Gedanken
mit schwarzer Tinte
auf schwarzes Papier
Zum Glück unlesbar
*
Alles hat seine Grenzen
Mit vielem hätte sie Nachsicht
haben können
Dass er gelegentlich
am Bau arbeitet oder
als Briefträger um über
die Runden zu kommen
Aber einen von der
städtischen Müllabfuhr
ließ sie nicht zu sich ins Bett -
da hatte sie ihren Stolz
*
Lyrische Anregungen
Nichts regt einen Poeten
mehr an als flammendes
Herbstlaub,
vergängliche Blütenpracht
und die unerträgliche
Symbolik
braunen Schilfes am See
Darüber schreibt auch wer
besser schweigen sollte
*
Nachtschicht
Mein Gehirn arbeitet auch nachts
oder sollte ich sagen
besonders nachts
Tagsüber fehlt mir hin und wieder
die logische Art zu denken
die den Menschen vom Affen
unterscheidet
Na ja, sage ich dann nur -
besser nachts als gar nicht
*
Mein Mantra
Wie ein Mantra flüstere ich
deinen Namen
vor mich hin
Die Zauberformel wirkt
wie immer
und ich schreibe
ein Liebesgedicht
*
Das Echo
Wie ein Echo aus fernen Zeiten
höre ich deinen Namen am See -
oder ist es nur das Spiel des
Windes im Schilf
Reiher und Wildgänse
zogen nach Süden doch
du kehrst nicht
mit ihnen zurück
*
Wirtschaftsprognose
Bald geht es nicht mehr
um Profit -
es geht um
reines Überleben
*
Beobachtungen
Wohlwollend wie eh und je
beobachte ich die Natur
doch misstrauischer
als noch vor Jahren
Die Morgenröte
nur als Beispiel -
vielleicht ein Zeichen
beginnenden Verfalls
Gar nicht zu reden von
den seltsamen Geräuschen
kurz nach Mitternacht
*
Abwegige Gedanken
Wenn die Zeitungen voll sind
von Mord und Totschlag
denke ich mir eigene Welten aus
Welten wo Menschen Freunde sind
wo Krieg nie erfunden wurde und wo
weder Neid noch Hass zu Hause sind
Welten ohne Hunger und Durst
Welten ohne Grenzen
und ohne Waffen
Es soll heute eine ganze Reihe
guter Medikamente gegen derart
abwegige Zwangsgedanken geben
*
Höhere Mathematik
Da bleibt immer
ein kleiner Rest zurück
Du kannst teilen und
teilen soviel du willst
Diese ungeraden Zahlen
sind wie wir Menschen -
unberechenbar
*
Sehnsucht des Zugvogels
Vielleicht war es
die Einsamkeit
nordischer Wälder
die mich lockte
Vielleicht das
flammende Nordlicht
eisiger Winternächte
Vielleicht war es auch nur
die Sehnsucht des
Zugvogels die mich
nach Norden trieb
*
Meine Liebe
Meine Liebe ist
wie der Flügelschlag
eines Schmetterlings
Wie der Atem eines Engels
Wie die verhaltene Morgenröte
eines jungen Tages
Wie der letzte Traum
eines Verdurstenden
Meine Liebe ist
unendlich und
unsterblich
*
Schweigen
Du schreibst nicht mehr
Am Fenster ziehen
gelebte Jahre vorüber
*
Verlorenes Gedicht
Heut Nacht ging
ein Gedicht verloren
Ich schrieb es in Gedanken
als ich von dir träumte
Du warst bei mir und wolltest
niemals wieder gehn
Doch dann am Morgen
lag ich einsam
Heut Nacht ging
ein Gedicht verloren
*
Freudenfeuer
Wenn dir bewusst wird
im Herbst dass
bald wieder ein Jahr
zu Ende geht
Du denkst an vergangene Herbste
an vergangene Jahre
und du glaubst nicht an
Wiedergeburt oder so
Sieh das rotflammende Laub
der Wälder wie Freudenfeuer
in Erwartung eines
neuen Frühlings
Du bist unsterblich -
deine Atome sind unsterblich
*
Pilze
Beim Pilze sammeln heute
traf ich einen Finnen der
Sorten nahm die ich vermeide
Ich wünschte ihm Gesundheit
und ein langes Leben
Ob es ihm hilft ist ungewiss
doch Finnen sind oft
hart im Nehmen ...
*
Dämonen
Deinen Dämonen
kannst du nicht entrinnen
Mit eiskaltem Blick
erkunden sie deine Seele
Unter hämischen Kommentaren
betasten sie deine Träume
Noch im Erwachen spürst du
ihre gierigen Hände
Sie kennen kein Erbarmen
*
Bedauern unerwünscht
Ihr sollt mich nicht bedauern
wenn ihr meine Texte lest
Die finsteren Gedanken
leg ich ins Internet wie
ausgediente Kleider -
dann bin ich wieder
mit der Welt zufrieden
Ihr sollt mich nicht bedauern
oder Mitleid haben
*
Flüchtig
Immer wieder erdenke
ich dich neu, erschaffe dich
aus Sternenstoff und Träumen
Flüchtig bist du
im Erwachen
wie
Morgennebel
Unendlich langsam
meine Tage in
Erwartung der Nacht
*
Rastlose Gedanken
Wie Schmetterlingsflügel
streifen mich deine Gedanken
sind bei mir
sind in mir
wollen den Weg zeigen
zu deinem Herzen
Schmetterlingsworte
die verführen
Rastlose Gedanken wie
flammendes Herbstlaub
*
Auf dem Regenbogen
Viele Gedichte habe ich
geschrieben für dich,
doch das schönste
blieb ungeschrieben
Ich will es dir senden
auf dem Regenbogen
und nur du sollst
es lesen
*
Der Bote
Wenn Er an die
Tür klopft
der Bote
der schwarze
dem man nicht
begegnen will,
sag ihm er soll
später kommen -
ich schreibe gerade
ein Liebesgedicht
*
Unschuld
Noch lange erinnerte
ich mich unseres Weges,
unseres verlegenen Lächelns
und dem Fieber jeder
verstohlenen Berührung
Zeiten der Unschuld
Zeiten der Sehnsucht
*
4. September 2008
Kein Gedicht kam mir heute
in den Sinn
Die Wiesen leuchteten grün
Schwalben hingen
an blauem Himmel
Kein Unwetter weit und breit
Kühe starrten mich freundlich an
Wie soll man da einen klaren
Gedanken fassen ...
*
Ein hoffnungsloser Fall
Dieser hässliche Wortbrei
ohne Sinn den sie
moderne Lyrik nennen
Diese schrillen unharmonischen
Töne ohne Schönheit die sie
moderne Musik nennen
Ich bin alt geworden, das Gehirn
wie eine Trockenpflaume -
ein hoffnungsloser Fall
*
Rosarium Sangerhausen
(noch eine Urlaubserinnerung)
So viele Blüten erwarteten uns
aber auch Gewitterregen
der nicht enden wollte
und uns ins Café trieb
Eis mit Rosengeschmack -
kein bleibender Eindruck
*
Ohne Erfolg
Zwei Dichter
ohne Erfolg gelesen
auch die Erinnerung an dich
längst ausgeschöpft
wieder kein Gedicht
geschrieben
vergebens gelebt
heute
*
Pfusch
Die Erschaffung der Welt
fand in sieben Tagen statt
Das steht außer
jedem Zweifel denn
hätte Gott sich mehr
Zeit gelassen
wäre kein solches
Pfuschwerk entstanden
*
Meine Welt
Ich lebe allein
in meiner Welt
bevölkere sie mit
Gedichten und Träumen
Deine Signale erreichen
mich nicht mehr
Bleischwere Wände
habe ich errichtet
und schreibe tausendfach
darauf "du fehlst mir"
*
Schöpfung
Es hätte ein Lied
werden können,
ein Sommertag oder
eine Blumenwiese
Doch Gott schuf dich
Dir singe ich mein Lied,
dir huldigt der Sommertag
und alle Blumenwiesen
lächeln dir zu
Dich liebe ich
*
Kein Heimweh
Dieses Gefühl nirgends
zu Hause zu sein -
wie ein Giftbecher den du
immer wieder leeren musst.
Aber auch eine Art Freiheit -
kein Heimweh haben müssen
Dieses Gefühl nicht
geliebt zu haben -
du siehst den Abend kommen
den letzten vielleicht und
das Leben ging an dir
vorüber
ohne großes Aufsehen -
als hätte es so sein müssen
*
Am Horizont
Herbst liegt in der Luft
und unerfüllte Sommerträume
hängen schwer am Horizont
Haltet die Uhren an
in den Häusern
Stellt Stühle gegen
die Wände
Wartet auf das
Unvermeidliche!
*
Schönes Gefühl
Heute rief mich wieder
einmal ein Bekannter an
mit dem ich vor
hundert Jahren oder so
die Schulbank drückte
Wir haben uns seitdem
nicht mehr gesehen
und nur wenig zu sagen
außer dass wir so ziemlich
die letzten Überlebenden
unserer Klasse sind
und das ist ein
schönes Gefühl
*
Irgendwann in Berlin
Irgendwann will ich wieder
in Berlin sein
mich im gleichen Café
an den gleichen Tisch setzen
Will die Leute beobachten
wie sie achtlos vorübergehen
jeder mit sich selbst
beschäftigt
Im Radio soll leise
Musik spielen
irgend etwas Altmodisches
egal was
Dann sollst du kommen
dich zu mir setzen
und fragen warum
ich so traurig bin
Die Antwort wusste
ich damals erst
als du gegangen warst
*
Die Traurigkeit der Dächer
Ich blicke hinaus über die Stadt
Die Traurigkeit der Dächer
lässt mich an unser Leben denken
das nie begonnen hatte
Wo magst du sein?
Wie sehr ich hoffe
dass du gefunden hast
was wir vergebens suchten
*
Wie Wetterleuchten
Die Wege die ich mit dir ging
sind längst nicht mehr
die Worte sind verklungen
Die Jahre haben gnädig
ihren Schleier des
Vergessens ausgebreitet
Nur manchmal noch
wie Wetterleuchten
die Erinnerung
*
Für dich geschrieben
Etwas wird bleiben
das mich überdauert -
man mag es Seele nennen
Ich aber wünsche mir
es sei eins der Gedichte die
ich für dich schrieb
*
Keine Heimat
In jungen Jahren
braucht man
keine Heimat
Erst später will man sich
wie unter einer Decke
daran wärmen
*
Erkenntnis
Die nichts zu sagen haben
erkennt man leicht
an ihren vielen Worten
*
Leben
Immer vom Glück träumen
ist nicht die beste Art
zu leben
*
Kleine Worte
Große Gedanken
wünschte ich mir
die Berge versetzen
und Ozeane bewegen
Heute weiß ich dass
auch kleine Worte wie
stetig fallende Wassertropfen
die Welt verändern können
*
Überleben
So schwer zu deuten
die Zeichen unserer Zeit
So viel Gewalt
so wenig Toleranz
Die Stärksten werden
die Letzten sein
In Höhlen vielleicht
oder als Kannibalen
*