© Gerhard Rombach
Nicht dein Stil
Ich stelle mir vor
ein Zimmer
ein Hotelzimmer vielleicht
Ich stelle mir vor
es klopft an die Tür
du bist es
Ich stelle mir vor wie du
die Schuhe wegschleuderst
das Kleid fallen lässt
Dann ist nichts mehr -
denn das ist einfach
nicht dein Stil ... :-))
*
9. August 2008
Ein hoffnungsloser Tag
Nieselregen, fast schon Herbst
in der Luft
Im Wald heute
wollte ich sterben -
einfach so
Depressionen wahrscheinlich
und du hast wieder
nicht geschrieben ...
*
Nichts
Organisches
Immer wieder ist da
dieser Schmerz
dieses Ziehen und
Pochen in der Brust
Nein, nichts Organisches
nur ein schwarzes Loch
wo einst die Seele saß
wo Liebe war
*
Zärtliche
Worte
Mit Schlangenblick spähe
ich um sechs Ecken
Du schreibst nicht mehr
Hat sich ein Anderer
in dein warmes Nest
geschlichen und flüstert
zärtliche Worte in dein Ohr?
*
Das Gurren der
Tauben
Das ewige Gurren der Tauben
bin ich leid
und das Gezeter
der Schwerhörigen
Schweigt, schweigt, schweigt
rufe ich ihnen zu
Nehmt euch Bäume und
Sträucher zum Vorbild
Sie gedeihen ohne
grosses Aufsehen
*
Der Gärtner
Man hat mir Kräutersamen
geschenkt: Basilikum, Thymian,
Koriander und Petersilie
Ich fülle Erde in Töpfe
gebe die Samen dazu
und warte
So begegne ich den
Tücken der Natur
*
Sturmwarnung I
Niedrig und in großer Hast
die Schwalben
Sturmsegler
Schwärze am Horizont
Wolkengebirge
türmen sich auf
Auf dem
Hochspannungsmast
eine Möwe
Ihr durchdringender Schrei
wie Lachen:
sie fürchtet keine Stürme
*
Sturmwarnung II
Flugzeuge fallen wie
Fliegen auf nahe gelegene
Flugplätze
Kirchenglocken läuten
Heftiger Wind kommt auf
Angst geht um
*
Urlaubsimpresionen
I Gebet vor dem Urlaub
Lieber Wettergott lass es
schön werden im Urlaub
nicht zu warm
kein Regen aber auch
nicht zu trocken
kein Sturm aber
gern etwas Wind und
absolut kein Gewitter
wenn wir am Berg sind
(das wünscht sich meine Frau)
nicht diese feuchte
schwüle Luft sondern
klare Sicht und Frische
Sonst haben ich keine
besonderen Wünsche
*
II Am falschen Ort
Ich wache auf -
Urlaub im Harz
Erstes Morgenlicht dringt
durch die Gardinen
Ich höre den Regen
und denke:
wieder einmal
am falschen Ort
zur falschen Zeit
*
III Fremde Stadt
Menschen eilen hin und her
in dieser fremden Stadt
als ob sie hier
zu Hause wären
*
IV Wiedersehen
Enger erscheinen mir
die alten Gassen,
der Himmel höher
Nur die Bäume sind wie immer:
braune Stämme grünes Laub
Auf Natur ist Verlass
*
V Die alte Stadt
Nach langer Zeit wieder
in der alten Stadt aus der
ich floh im Zorn
Nun ist es leichter hier zu sein
nun kennt mich keiner mehr und
auch der Stadt bin ich ein Fremder
Die Häuser sind die gleichen
der Hofgarten, die Burg die man
auch Veste nennt
Hier war ich voller Pläne
*
VI Heimat
Das Wörtchen Heimat -
wie abgedroschen ich es
früher fand
Zunehmendes Alter
stimmte milder doch da
ist keine Heimat mehr
*
VII Strandpromenade
Strandpromenade zwischen
Kurpark und Unendlichkeit
Möwen gehören zum Bild
und Schiffe am Horizont
Hier lustwandelte einst
die bessere Gesellschaft
Die Zeiten haben sich geändert
nur die Zimmerpreise
blieben fürstlich
*
VIII Fußspuren
Er lief am Meer entlang
Wellen schlugen ans Ufer
Seine Fußspuren im Sand
waren flüchtig
Die Brandung verwischte sie
nach kurzer Zeit
Er dachte zurück an sein Leben
und wünschte für einen Augenblick
wenigstens der Sand würde sich
seiner Spuren erinnern
*
IX Kein Echo
Ich rufe hinaus
übers Meer
Keine Antwort
kein Echo
Ich bin allein
auf der Welt
*
X Strandgut
Zurück im Alltag bleibt die
Erinnerung an das Meer
den ewigen Schlag der Wellen
die Muschelschalen im Sand
Wie ich den Strand entlang ging
mir die Häuser wegdachte
die Menschen
Wie ich einsam war auf einer
fernen Insel vor der Küste
mein gestrandetes Schiff
Wie ich nach Strandgut Ausschau
hielt und nach
verborgenen Schätzen
*
Nicht endlos
Seine letzte Liebe
lag hinter ihm
Irgendwie war es ihm nicht
ernst gewesen damit so
als ob er nicht daran
hatte glauben können
Eher wie ein letzter Versuch
dem Alter zu entrinnen
Jetzt lag der Rest
seines Lebens vor ihm
grau trostlos doch wie er wusste
nicht endlos nur irgendwie
unbegreiflich
*
Flucht
Letzter Ausweg Flucht
Die Straßen waren
zu eng geworden
Die Wolken hingen zu tief
Zu viele Erinnerungen
Zu wenig Zukunft
Immer weiter nach Norden
trieb es ihn doch nirgends
fand er Ruhe
*
Sonntagsspaziergang
Die Arme kräftig durch
schlenkern beim Gehen
Den Hut ziehen
vor Jedermann
Tief atmen falls es
nötig erscheint
Und immer gerade Haltung
da ist der Vater zufrieden
*
Weiße Schäfchen
An einem Tag wie diesem
ist es leicht zu leben
Weiße Schäfchen an
blauem Himmel
und du hast gesagt
du liebst mich
*
Picknick
Menschliche Vergnügungen
hinterlassen oft hässliche
Spuren in der Natur
Picknick am See -
hier hat man sich
kräftig vergnügt
Pizzakartons
Bierbüchsen
Flaschen
Essensreste
Bestecke
Plastikbeutel
Papier
Pappbecher
Ich fülle einen nahe gelegenen
Abfallbehälter und schreibe
diese Zeilen die ich allen
den Menschen widme für die
die Bezeichnung Schwein
noch ein Kompliment wäre
*
Aussichtslos
Hier standen wir und
fühlten unser Leben
davon laufen -
ohne uns
Die Umgebung ungeeignet
für zärtliche Worte
die Kehle wie zugeschnürt
vor Wut und Hilflosigkeit
Auf der schmutzigen Hauswand
nebenbei das Wort "Fuck"
Besser hätte ich es auch nicht
ausdrücken können
Es war aussichtslos
*
Ganz natürlich
Es kam ihr nie in den Sinn
dass auch andere leiden könnten
Ich will es nicht Egoismus nennen
es war ganz einfach die gleiche
natürliche Selbstverständlichkeit
mit der Spinnenweibchen
nach der Paarung
ihren Partner verzehren
*
"Wege zum
Glück"
Ich gehöre zu denen
die es gut haben
Drei Kinder fünf Enkel
ausreichende Rente
Warum mache ich mir
Sorgen um unser Klima
um das Schmelzen der Gletscher
die Ausfischung der Meere
den Zerfall sozialer Strukturen
Warum sitze ich nicht wie die
Anderen am TV und lasse mich
von den "Wegen zum Glück"
im ZDF berauschen
*
Albträume
Von alledem drang nichts
an die Außenwelt
Er ging weiterhin
seinen Neigungen nach
schrieb Gedichte
liebte und sprach sich
beim Sonntagsspaziergang
lobend über die Natur aus
Nachts suchten ihn
Albträume heim
*
Blindenschrift
Wie soll ich dir
ein Liebeslied singen
wenn du nicht hören willst
Wie soll ich dir
meine Liebe erklären
wenn du keine Gedichte liest
Mit Blindenschrift will ich es
noch versuchen
und Zeichensprache
dann geb ich auf
*
Meine
Gespenster
Ich kenne meine Gespenster
nenne sie beim Namen
winke ihnen freundlich zu
Nachts sitzen sie reglos
im Zimmer als ob sie
auf etwas warteten
Gegen Morgen werden sie
durchsichtiger und tagsüber
höre ich nur ihr Flüstern
Es gibt schlechtere Gesellschaft ...
*
Vergebliche
Flucht
Bis hierher bin ich geflohen
doch die Schatten
waren schneller
Begrüßten mich schon
auf der Türschwelle
und wünschten
guten Aufenthalt
*
Endgültige
Abreise
Rechnungen müssten
noch beglichen und
Gespräche geführt werden
Alles gut verschließen
Fenster verhängen
nichts unversucht lassen
Der Post Bescheid geben:
Nachsendung unerwünscht
*
Wenig Substanz
Seine Worte wurden
immer dünner
Seine Gedichte
immer farbloser
Keine Leidenschaft
nährte sie mehr
Kein Hunger
beflügelte sie
Keine ferne Geliebte
nach der er sich
hätte sehnen können
Zum Schluss blieben
nur die Träume
doch auch sie immer
seltener und mit
wenig Substanz
*
Fischlein in
der See
Mit einem Gedicht
fing unsere Liebe an
Mit einem Gedicht
ging sie zu Ende
Deinen silbernen Schlüssel
warf ich ins Meer
Manntje' Manntje, Timpe Te,
Fischlein, Fischlein in der See
behüte ihn gut
kein anderer soll ihn finden
*
Ohne mich
Was soll die Traurigkeit
was soll die Sehnsucht
Das Leben geht weiter
auch ohne dich
auch ohne deine Liebe
auch ohne mich
*
Scheidungsgründe
Im Alter blickte er
zurück auf sein Leben
und war froh
etlichen Scheidungsgründen
aus dem Weg
gegangen zu sein -
wenngleich mit Bedauern ...
*
Das Maß aller
Dinge
Unser Leben -
nur eine Nanosekunde
im Universum
Unsere Welt -
ein Fünkchen Energie
das bald verglüht
Komm, lieb mich -
nur eine Pikosekunde lang
bevor es zu spät ist
*
Am Fenster
Die Spiegel sind verhängt
die Türen geschlossen
Meinen silbernen Schlüssel
werfe ich ins Meer
Unbeweglich wie ein Schatten
stehst du am Fenster und
siehst wie ich langsam
im Nebel verschwinde
Dein Lied klingt nur noch
schwach aus der Ferne
Einst war es unser Lied ...
*
Helle Nächte
Helle Juninächte als
Kompensation für endlos
dunklen nordischen Winter
Birkenstämme leuchten
im Halbdunkel und die
Luft ist erfüllt von Liebe
Wer will jetzt allein sein ...
*
Wieder in
Berlin
Manchmal
doch immer seltener
bin ich wieder in
Berlin, Friedrichstrasse
vernehme den Geruch
von Angst und schwelenden
Braunkohlefeuern
gehe neben dir
in Gedanken schon längst
in jener anderen Welt
wo nie Platz
für dich war
*
Am Ufer
In Gedanken gehe ich
mit dir zum See
Dann stehen wir
am Ufer
sehen unsere Bank
die Wellen
die Fische und
ich halte deine Hand
in Gedanken
*
Lasst mich
gehen
Wie ein Baum bin ich
der von Wäldern träumt
Wie ein Sandkorn das sich
nach Wüste sehnt
Wie ein Hungernder
unter Gesättigten
Wie ein Sehender
unter Blinden
Lasst mich gehen
hier bin ich nicht zu Hause
*
Dieses Lächeln
Es war dieses zugleich
unschuldige und
wissende Lächeln
das ihn lähmte und
hilflos machte
Sie hätte ihm alles
nehmen können
doch nahm nur
seine Liebe mit
als sie ging
*
5. Juni 2008
Heiß ist es heute und
das Rindvieh hat sich
in den Schatten gelegt
Nur wir dummen Menschen
wandern in der Sonne
12 verschiedene Seen
kann ich zu Fuß erreichen dazu
einen Meeresarm der Ostsee
Wer die Wahl hat
hat die Qual...
*
Am Strohhalm
Wie an einen Strohhalm
klammere ich mich an den
Gedanken die Welt wäre
noch zu retten
Um daran wirklich glauben
zu können müsste ich
Zeitungen, Fernsehen und
Radio abbestellen
*
Schrecken
Eine Kreuzotter
lief mir heute
über den Weg
Wer hat sich mehr erschreckt
sie oder ich ?
*
Nichts als Klagen
Was haben wir
geklagt über
Trockenheit und Hitze
Jetzt ertränkt es uns fast
und wieder sind wir
unzufrieden
*
Der Genügsame
Dem Himmel sei Dank
Er hat mich verschont
vor Wehrdienst und
ähnlichen Krankheiten
Die Behörden waren
gut zu mir und Essen
gab es stets zur Genüge
Mehr erwartet man sich
nicht vom Leben
*
Der Poet
Stirn in Falten gelegt
träumender Blick in
die Ferne gerichtet:
Der Poet dichtet ...
*
Familiengeschichte I
Der Großvater stammte
aus dem Elsass
Ihm sagte man
Sachen nach die ich
als Kind nicht
wissen durfte
Ich weiß sie
bis heute nicht
*
Familiengeschichte II
Nicht ohne leichtes
Unbehagen erinnern
an die Großmutter
An den Geruch der
Ziegen im Stall
an den gewärmten Ziegelstein
abends im Bett
Und an frisch gemolkene
Ziegenmilch als Brechmittel
bei geringstem Verdacht etwas
Falsches gegessen zu haben
*
Familiengeschichte III
Statt Familiengeschichte
eine Blechkiste
voller Fotos
Männer, Frauen, Kinder
Vorfahren ohne Namen
schon lange tot
Man hat versäumt mich
mit ihnen bekannt zu machen
meine Familiengeschichte
hat keine Namen
*
Schildbürger
Wer kann sich schon
erinnern an all die Tage
die glücklichen
und die unglücklichen
Schneid eine Kerbe
in die Bordwand wie die
Schildbürger: hier ist mir
das Glück begegnet
*
Seinesgleichen
Manchmal begegnet mir
jemand der eins meiner
Gedichte gelesen und
seinesgleichen erkannt hat:
eine Seele auf Suche
Dann tauschen wir
Zeichen aus wie
Taubstumme
*
Schaden begrenzt
Wie in den meisten Fällen
war der Schaden begrenzt
Herz intakt
Gehirn funktionstauglich
doch der Schock
saß tief und immer wieder
fragte er sich warum
sie gegangen war
*
Irgendwo I
Irgendwo
bin ich zu Hause
auf dieser Welt
Wenn ich nur
wüsste wo
*
Irgendwo II
Irgendwo fühle
ich mich wie zu Hause
Die Gegend erweist sich
jedoch als unbewohnbar
*
Steckbrief
Groß, braune Augen,
schütteres Haar
Eltern geschieden
unglückliche Kindheit
Grundeinstellung melancholisch
notdürftig überdeckt von
Lachfalten und
gelegentlicher Munterkeit
Schreibt Gedichte ...
*
Großstadt III
Erschreckend der Lärm
wohin man sich wendet
Autos, Hetze, laute Musik
Der Mensch hat seine
Hölle selbst geschaffen
und nennt sie Stadt
*
Rostfrei
Verschiedene meiner Freunde
und Bekannten haben
Reserveteile eingebaut.
Kniegelenke, Hüften, Herzen
mit und ohne Antrieb
Ihr "Haltbarkeitsdatum" ist
lange ausgegangen
doch kämpfen sie
getreulich weiter
rostfrei und unverwüstlich
*
Himmelreich
Die Grenzen meines Himmelreichs
sind eng gesteckt und es wird
immer kleiner mit den Jahren
*
Letzte Vorhaben
In die Lausitz fahren
wo sie auch sein mag
Ein Sonett schreiben
nach der Rückkehr
Mit dem Himmel reden
unter vier Augen
Das habe ich vor mir
bevor ich es hinter mir habe
*
Sentimentales
Natürlich wäre da auch
anderes zu berichten
Positives, von sinkenden
Arbeitslosenzahlen oder so
Doch schreibt man nur
drei oder vier Worte per Zeile
und nennt es Gedicht
muss Unverständliches stehen
oder wenigstens Sentimentales
Das ist man seinen Lesern
schuldig :-)
*
Frühlingsgefühle
Mit den üblichen
Verschleißerscheinungen
könnte ich leben -
Rückenschmerzen
schlechtes Gehör
Was mir Sorgen bereitet
sind fehlende
Frühlingsgefühle
*
Heimweg
Es ist Nacht.
Er spürt den Regen auf
seiner Haut
und stellt sich vor
auf dem Heimweg zu sein
Doch da ist kein Heim
und kein Heimweg
nur Nacht, die fremde Stadt
und ein Gefühl wie loslassen
fallen lassen
Der Himmel ist heller
am Ende der Straße
dort müsste das Meer liegen
denkt er, das Meer
das alles vergibt
*
Sonntagvormittag
Die Melancholie
regennasser Straßen
Das Gefühl
von Einsamkeit
Ein Sonntagvormittag
*
Zu spät
Viel zu spät wurde mir klar
dass du mir schon
immer gefehlt hast
und ich dich schon
immer gesucht habe
Nichts ist beständig
außer dieser vergeblichen
Sehnsucht
Halte die Zeit an
streu Blumen auf
meinen Weg
*
Worte sind
nicht genug
Es ist wie sich
an etwas erinnern
das nie stattgefunden hat
Ein dumpfes Gefühl
und ein Drücken
in der Brust
Erinnern an etwas
das man lange
vermisst hat
Worte sind
nicht genug
es zu beschreiben
Man muss es
erlebt haben
*
Geheim
Ich trage eine
geheime Liebe
in mir
Die mich hoffen lässt
bangen lässt
überleben lässt
So geheim dass ich
sie selbst
nicht kenne
*
Vogelgedicht I
/Mai08
Auf unserem Flachdach haben
Möwen sich ein Nest gebaut
Sie haben großen Ärger
mit den Elstern
So ist es bei uns Menschen auch
Lässt man sich häuslich nieder
sind immer welche voller Neid
*
Vogelgedicht II /Mai08
Heute saß eine Amsel vor mir
und sah mich lange an -
freundlich würde ich sagen
Sie muss wohl gewusst haben
dass ich ihre Verwandten
jeden Winter mit Rosinen füttere
*
Millionär
Hin und wieder kauf ich ein Los -
so eins zum Rubbeln
Die Spannung steigt bevor
man sieht dass wieder nichts
gewonnen ist
Ein paar Minuten lang fühlt
man sich fast als Millionär
Und das Gefühl ist allemal
fünf Euro wert
*
Auf Reise I
/2008
Ich reise und
sehe mir die Welt an
Die Welt sieht mich an
und beide denken wir
schon besseres gesehen
zu haben
*
Auf Reise II
/2008
Fast immer wenn ich von
einer Reise zurück komme
frage ich mich warum
ich weggefahren bin
Nichts hat sich geändert
in der Welt
Nichts ist besser geworden
Die vielen Autos
Die Hetze
Die vielen Menschen
Der ganze Wahnsinn
den man Erde nennt und
auf der wir leben müssen
*
Auf Reise III
/2008
Was einem so alles
begegnen kann auf Reisen.
Elegante Damen in
schicken Autos und
Bettlerinnen mit Kopftuch
und Kind auf dem Schoß
Ich überlege mir dann
warum die Reichtümer so
ungleich verteilt sind
und wie Glück und Unglück
so nahe bei einander
existieren können -
nur Lichtjahre entfernt
Auf Reisen hat man Zeit
zu denken -
viel zu viel Zeit
*
Erwähnenswert
Außer Gedichten und
braunen Schuheinlagen
besaß er kaum etwas
was ihm erwähnenswert
erschienen wäre
Schuheinlagen
zum Wandern
Gedichte
zum Überleben
*
Evolution
Neuste Mode in den USA:
intelligentes Design -
begabte Konstruktion
höherer Wesen statt
Entwicklung gemäß Darwin
Ich frage mich nur:
wieso intelligent?
Ein Pfuschwerk,
würde ich sagen ...
*
Rache des
kleinen Mannes
Ich habe mal ein Gedicht
geschrieben über dieses künstliche
Gelächter bei TV-Sendungen
Das Gedicht kann ich nicht
mehr finden aber sie lachen
noch immer auf Knopfdruck
Das ist viel einfacher als sich
etwas auszudenken worüber
man wirklich lachen kann
Zwischendurch Reklame die sich
wie Jauche vor einem ergießt
Die bittere Rache des kleinen Mannes:
ich schlafe ein ...
*
Anfang und Ende
Irgend etwas
fängt immer an
oder geht zu Ende
Eine Freundschaft
ein Abenteuer
eine Liebe
Ein Leben
*
Schwere Wahl
Du solltest
es dir gut überlegen
Du kannst
arm und glücklich werden
oder reich und berühmt
Da ist nur zu wählen -
im Traum auf alle Fälle
*
Manchmal eine
Pizza
Vielleicht hättest du doch lieber
bei mir bleiben sollen als
zu diesem langweiligen Typen
zu gehen mit seiner Villa
seinem flotten Auto und
seiner dicken Brieftasche
Du hättest bei mir
bleiben können
Ich hätte unsterbliche Gedichte
für dich geschrieben und
manchmal eine Pizza geholt ...
*
Moderner
Abschied
Später verlor ich
ihre Spur
Sie hatte die Mail-Adresse geändert
Ein moderner Abschied
fast wie Tod
Man verschwindet im Gewirr
von Bits und Bytes
taucht unter im Netz
Löst sich auf
Ende
*
Für Samuel
Mein Enkel Samuel - er ist inzwischen
23 Jahre oder so, schrieb mir
dass er ins Kino ging und
deprimiert war hinterher
Ich wollte ihm erst antworten
dass man gar nicht ins Kino
gehen braucht um deprimiert
zu werden - man muss nur
warten bis man alt ist
Na ja, ich hab's dann doch
nicht so geschrieben -
die Jugendlichen heute haben
keine Lust zu warten
*
Wetter und
Politik
Oh Gott, denkt man -
Schnee im April, wo Weihnachten
doch so schön warm war
Aber es ist wie in der Politik:
sie geben mit einer Hand
und nehmen mit der anderen
Nun wollen wir auf
den Sommer hoffen -
der kommt bestimmt trotz
Protesten aus der Opposition
*
Für Fred
Die Sehnsucht haben wir
gemeinsam
und das magische Gefühl
für Worte
Dieses Etwas haben wir
gemeinsam
das uns am Leben hält und
unsterblich macht
Die ewige Suche
nach Liebe und die
bittere Gewissheit sie
nie zu finden
*
Rückblick
Was mir bleibt ist die Unruhe
die Rastlosigkeit und das
Gefühl der Versäumnis
Ich blicke zurück auf mein Leben
und mir ist als ob es schon immer
zu spät gewesen wäre
*
Lyrikstau
Fast eine Woche hatte ich
mich geärgert - egal worüber
Der Kopf war voll davon und
die Gedichte stauten sich
Erst heute kamen sie hervor -
sechs Stück und gar nicht mal
die schlechtesten
Wer hätte das gedacht wofür
ein Ärger gut sein kann ...
*
Ethanol
Der neue Trend -
Kraftstoff aus Mais und Weizen
Die Preise steigen und
der Hunger wächst in Afrika
Soll ich es meinen Enkeln sagen
beim nächsten Ausflug mit dem Auto
dass eben wieder zwei verhungert
sind durch unseren vollen Tank
*
Der Lebensretter
Wir wohnten neben einer
Gärtnerei in meiner Jugend
Dahinter, wo jetzt Wohngebiete sind
war nichts als Lehm
Ich wurde damals Lebensretter
kaum sieben Jahre alt
als ich den Sohn des Gärtners
aus der Jauchegrube zog
Sie haben ihn dann in der Küche
abgespült doch der Geruch
hielt sich noch tagelang -
mein guter Freund ist er
trotzdem geblieben
*
Das Gedicht
Du gehst im Wald
und denkst an nichts
Plötzlich steht
ein Gedicht vor dir
Du greifst es auf und
schreibst es nieder
Weißt nicht woher es kam
weißt nicht wohin es wollte
*
Maikäfer
Je älter man wird desto weiter
reichen die Erinnerungen zurück
Mit den Eltern wandern von
Vierzehnheiligen zum Staffelberg
"Wohlauf die Luft geht
frisch und rein"
und Maikäfer gab es in Fülle
*
Mein Freund aus Persien
Mein Freund Ramin
ist aus Persien
ich aus Deutschland -
gemeinsame Sprache:
schwedisch
Gemütlich ist es und
keiner will zurück
wir reden nur davon und
trinken Bier aus Dänemark dazu
*
Bauer Heyn
Im Frühjahr düngt man hier
die Felder was mich
an meine Jugend denken lässt
als es noch Bauern gab
in unserer Stadt
Einer fuhr damals noch mit
Ochsenkarren gemächlich durch
die Straßen - der Bauer Heyn
Sein Sohn studierte später,
war Musikprofessor und
hatte wieder Ochsen um sich
wie sein Vater ...
*
Schöne neue
Welt
Selbst Huxley hätte sich
nicht denken können
dass dicke Negerlippen
einmal höchste Mode werden
und Silikon Balkons
begehrenswert
Oh schöne neue Welt
was ist aus dir geworden ...
*
Klar Mann
Klar Mann,
daran ist nicht zu rütteln
die Welt geht unter weil
zu viele Menschen sind
In ein paar Jahren
werden Privilegierte um
allerletzte Plätze
kämpfen müssen
*
Früh übt sich
Als Junge waren meine Knie
fast immer blutig und mit
Schorf bedeckt -
bei Mitgliedern von
Räuberbanden ganz normal
Da musste manches auch
geheim gehalten werden:
Klavierspielen zum Beispiel
und dass man Mädchen nicht
besonders hässlich fand
*
Großstadt
Hin und wieder fahre ich
in die Großstadt
atme Qualm und Abgase
sehe den irren Blick
der Menschen
die Hetze
den Stress
quäle mich in endlosen
Schlangen
esse teuer und schlecht
und kehre gern zurück
in meine kleine Welt
*
Man wird so
geboren
Da ist diese kleine Knolle
bei mir im Gehirn die
sehnsüchtig macht und
Gedichte produziert
Man wird so geboren -
manche mit abstehenden
Ohren andere mit
Depressionen
Das Schreiben von
Gedichten ist da immer
noch recht harmlos ...
*
Werbung
Man schickt mir Zettel ins Haus
steckt Prospekte und
Zeitungen in den Kasten
Man berieselt mich mit Werbung
man ruft mich an
schickt SMS und Mails
Oh Himmel, lass Pech
und Schwefel regnen auf
die Reklamefritzen
die auch noch glauben
mir Gutes anzutun
*
Undank
Die Göttern haben mich
bewahrt vor Trunksucht und
vorm Rauchen
Sie haben mich beschützt
vor wilden Frauen und vor
anderen Versuchungen
Nun soll ich ihnen dankbar sein
für Jahre voller Langeweile ...
*
Buchführung
Ich zähle die Jahre
Die glücklichen
die unglücklichen
die guten und
die schlechten
Schreibe sie
auf
unter Soll und Haben
Das Leben hat es
gut gemeint
Keine roten Zahlen
*
Regen im Frühling
Nachts fiel Regen
Ich höre Vogelgesang
sehe erstes Grün
denke an dich
schreibe diese Zeilen
und bin glücklich
*
Regen am See
Grau liegt der
See
tief ziehen Wolken
es regnet
Nichts ist trostloser
als ein See bei Regen
*
Und wenn
Und wenn dem so wäre
dass wir unser Leben
in anderen Universen
immer und immer wieder
neu leben müssten
wollte ich es immer
und immer wieder
nur mit dir teilen
*
Aussprache unbekannt
Hin und wieder kaufe ich ein Buch
des Lyrikers dessen Namen ich mir
nicht merken kann
Daniel Boyacioglu -
Aussprache unbekannt
Man kann tatsächlich Gedichte
schreiben auch wenn man
einen solchen Namen hat ... :-)
*
Tiefdruck in der Lausitz
Mein Fernweh nimmt
bizarre Formen an
im Frühling
Am TV bringt
die Wetterkarte mich
zum träumen
Tiefdruck in der
Lausitz -
da will ich hin ...
*
Lesen mit Lorgnette
Poesie war früher etwas
für die feinen Damen
Man las mit einer Lorgnette
an Silberkette um den Hals
Jetzt kann man Poesie auch
in der U-Bahn lesen
in einer Kneipe oder
auf der Bank im Park
Doch besser ohne Lorgnette
die wird nicht mehr so gern
gesehen
*
Ein Fremder
Du bist schwarzhaarig -
nicht gut
Dein Name ist unaussprechbar -
nicht gut
Ich verstehe nicht was du sagst -
wirklich nicht gut
Du verstehst nicht was ich sage -
Gott sei Dank
*
Was ich euch
gebe
Was erwartet ihr von mir?
Die Weisheiten eines Propheten
Das Liebesgestammel Casanovas
oder nur die Zeilen eines
alten Narren
Was ich euch gebe ist Poesie
doch leider keine
allzu gute ...
*
Verlorene Generation
Wir wurden stehend über
einem Grab geboren
und unsere Mütter
haben uns verflucht
Wir kennen keine Zukunft
wir kennen nur den
Rausch der Gegenwart
und niemand wird uns
einst beweinen
*
Ohne Antwort
Hallo, hallo
ist da draußen jemand
der mich hört
Einer der nach Nähe sucht
einer der nach Liebe sucht
Hallo, hallo
ist da draußen jemand
der mich sieht
Einer der mich trösten könnte
einer den ich lieben könnte
Hallo, hallo
keiner der mich hören will
keiner den ich sehen kann
Hallo, hallo ...
*
Nicht zu spät
Noch ist es nicht zu spät
doch bald wird Regen
kommen und
meine Spur verwischen
Dann gibt es keinen Weg
zurück
*
Ohne Ende
Wer wird mein Erbe
einst verwalten
meine Gedichte
sortieren
verwerfen
bis auf eins
mit Herzblut geschrieben
ohne Anfang
ohne Ende
*
Leere Worte
Mit einem Rucksack
voll Gedichten wurde
ich geboren
Eins nach dem andern
holte ich hervor
und gab es dir
Bis nur noch leere Worte
übrig waren
*
Eines Tages
Eines Tages vergeht dir
die Lust am Schreiben
Eines Tages
verlierst du
die Freude am Leben
Eines Tages vergisst dich
deine Liebe
für die du geschrieben
und gelebt hast
*
Entdeckung im
Weltall
Astronomen haben im Weltall
einen leeren Raum entdeckt
der sich über zehn Milliarden
Lichtjahre erstreckt
Mir war sofort klar -
sie haben den Fußballplatz
der Götter gefunden
*
Vorfrühling
Heute bin ich gewandert
mit Frühling im Herzen
Noch warten Annemone
und Leberblümchen
auf warmen Sonnenstrahl
Doch nicht mehr lang dann
bringen Kraniche mit ihrem Ruf
die frohe Botschaft
*
Später Ruhm
Neulich schrieb mir einer
und lobte ein Gedicht
weil es von Bratwurst
handelt
Mir kamen fast die Tränen
vor Rührung -
Später Ruhm auf Grund
von Würsten
*
Fahrt ins Blaue
Es wird nicht zu spät sein
wir werden wieder jung sein
Ich werde dich in die Arme nehmen
- dich Federleichte -
und schweben mit dir
ins Blaue
*
Chaos
Versuche nicht Ordnung
in das Chaos deines
Lebens zu bringen
Ich fürchte du
müsstest mich
dann aussortieren
*
Der neue
Reisekatalog
Träume präsentieren sich
verpackt in bunte Kataloge
Viel Palmen, Strand
und braune Haut
Das Meer liegt
unbeweglich blau
Die Sonne festgeklebt
an wolkenlosem Himmel
Sehnsucht als Geschäftsidee
Das Paradies im Reisekatalog
*
Kriegswinter
Kalt ist es heute und
der Wind bläst aus Nordost
Da reden alte Leute gern
von harten Kriegswintern,
von Bratkartoffeln ohne Fett
und wie gesund sie
damals waren
*
Sommerwind
Leicht wie der Sommerwind
war deine Liebe
die zu mir kam an einem
Frühlingstag im Mai
und weiter zog im Herbst
Doch war's kein Abschied
denn noch immer streicht der
Sommerwind mir übers Haar
*
Spaziergang
Mein üblicher Weg zur
Bahnunterführung am Spielplatz
bei der Tankstelle rechts
durch den Autobahntunnel
Höllischer Lärm dann endlich
Wälder, Natur und der
schwächer werdende
Benzingeruch
Später fiel mir der Satz ein:
"Wenn ich einsam bin höre ich
dich weinen" - wusste aber
nichts damit anzufangen
*
Suche nach
Heimat III
Durch diese Tür bin ich gegangen
Durch diese Straße ohne
einen Blick zurück zu werfen
und ohne eine Spur zu hinterlassen
nach der ich suchen könnte
*
Suche nach Heimat II
Irgend wann muss ich
doch noch einmal in die
alte Heimat fahren
Muss mich berieseln lassen
von Nostalgie und
Ausschau halten
nach Überlebenden
*
Suche nach Heimat I
Hier ist keine Scholle an die
ich mich klammern könnte
Keine Gräber die zu hüten sind
Tief in die Erde dringen
meine Wurzeln in vergeblicher
Suche nach Heimat
*
Sie brauchten nie zu hungern
Ihr Leben ist chaotisch
Ihre Musik ist laut und hässlich
Sie hassen alles Schöne
Sie schänden und beschmieren es
Sie haben keine Ziele
Sie haben keine Ideale
Sie brauchten nie zu hungern
*
Ein Duft von
Sommer
Zurück an unseren See
werden meine Gedanken gehn
wenn ich einst unterwegs bin
hin in andere Welten
Zurück an dich und
an die Zeit der Hoffnung
Lauer Sommerwind
wird wehen und mich erinnern
an deinen Duft von Sommer
Wind und Liebe
*
Schuld
Da ist immer noch eine Wahrheit
hinter der Wahrheit
Eine Lüge hinter Ausflüchten
Eine Schuld die auftaucht aus dem
Sumpf des Selbstbetrugs
Da ist immer noch die Rechnung
die zu begleichen wäre
*
Impromptu
Unerträgliche Schönheit
der Musik
Impromptu von Schubert
Weinen möchte man
oder sterben
*
Hilflos
Hilflos in den Klauen
des Lebens
sehen wir dem Tod
entgegen
*
Erstaunlich
Erstaunlich
was in den Windungen des
Gehirns so vor sich geht
Überraschend tauchen
Erinnerungen auf an
Gerüche, an Bilder
an längst vergessene Gefühle
Während man vergebens
nach dem Namen eines
Bekannten sucht
*
Die gleiche
Strasse
Im Traum gehe ich immer wieder
die gleiche Strasse
vorbei an verfallenen Häusern
und leeren Fenstern
Ich bin traurig wie nach
einem Abschied
ohne Hoffnung
An der Grenze
schikanieren sie mich
ein letztes Mal
Dann bin ich drüben
in der Freiheit und weiß doch
ich werde mich nach dir sehnen
ein Leben lang
*
Die Schönheit
eines Lächelns
Nein,
klüger wurde ich nicht
mit zunehmendem Alter
Aber ich erkenne jetzt Dinge
die mir früher verborgen blieben
Die Schönheit einer Wolke
am Sommerhimmel
Die himmlische Schönheit
einer Blume in meiner Hand
Die unendliche Schönheit
eines Lächelns
und deine Liebe die mir
geblieben ist trotz allem ...
*
Am Abend
Kurz hinter der Wirklichkeit
liegt meine Welt
Hier nenne ich das Glück
beim Namen und gehe
Arm in Arm mit dir am See
Am Abend schalte ich
den Mond an
Es ist so romantisch
*
The Machine
Sah heute ein Bild mit dem Titel
"The Doing Nothing Machine"
Sofort dachte ich an meinen Computer
und taufte ihn
"The Doing Everything Machine"
Er versorgt mich mit Musik
mit Bildern, Nachrichten und
Neuigkeiten aus aller Welt
Er hält mich in Kontakt mit
Freunden und Verwandten
Zum lachen bringt er mich
und auch zum weinen
Nur lieben kann man nicht mit ihm
doch bin ich voller Zuversicht dass
dies bei neueren Modellen sehr bald
der Fall sein wird
*
Himmel und Hölle
Ein Tag wie jeder andere
der Himmel über mir
die Hölle unter mir
Dazwischen was man Leben
nennt und oft nicht weiß ob's zu
dem einen oder anderen gehört
*
Die Kette
Eine Kette aus Jahren aneinander
gereiht zu einem Leben
Glitzernde Steine
Bunte Steine
Schwarze Steine auf die
man wenig stolz sein kann
Eine Kette aus Jahren -
ein Leben
*
Regenwolken
Düster ist es draußen
schwere Wolken ziehen vorüber
Regen schlägt ans Fenster
So will ich denn ein
eigenes Paradies erfinden
in dem die Sonne scheint
und alle glücklich sind
In dem du bei mir bist
und unsere Liebe leicht ist
wie der Sommerwind
*
Abschied
Hier
sind wir gegangen
in der Abenddämmerung
Hier
haben wir uns geliebt
und hier nahmen wir
Abschied
Hier
ist die Erinnerung
noch immer
voller Tränen
Liebe ist ein
seltsames Ding
*
Amazon.de
Von meinem Internetbuchhandel
kommt dann und wann
eine Empfehlung
Sie ahnen was mir fehlt
und heute schlugen sie
"Das Liebesleben der Hyänen" vor
Es muss sie maßlos irritieren
dass ich nur immer
Poesie bestelle
*
Baum der
Kindheit
Auf den Baum meiner Kindheit
will ich noch einmal klettern
die Welt von oben sehen
Den Garten mit seinen
mächtigen Bäumen
die Mutter, die Schwestern
und im Tal die alte Stadt
Die Burg auf dem Berg
gegenüber und wie ich mich
danach sehnte das alles
zu verlassen
*
Kein Wunder
Unsere Erde dreht sich am Äquator
mit 1670 km/h um die eigene Achse
Ihre Geschwindigkeit bei der Fahrt
um die Sonne beträgt 107200 km/h
Das Sonnensystem bewegt sich
mit über 800000 km/h innerhalb
der Milchstrasse
Die Milchstrasse rast mit unglaublichen
2200000 km/h auf den Supersternhaufen
"The Great Attractor" zu
Kein Wunder, dass einem
dabei schwindlig wird ...
*
Wunder
Seit Tagen kein Wunder
schrieb Hans-Ulrich T
Jahre sind seitdem vergangen
und noch immer keine
in Sicht
Sind die Zeiten der Wunder
vorüber oder haben wir nur
verlernt sie zu erkennen?
*
Stille
Stille ist etwas Seltenes
und Kostbares in unserer
lauten und unbedachten Zeit
Stille, die uns
so viel zu sagen hat
*
Wo keine Gebete helfen
Es gibt Abende die sind
zum lieben gemacht und
andere um zu sterben
Es gibt Abende an denen die
Angst mir im Nacken sitzt
und die Reue mich reitet
An solchen Abenden
helfen keine Gebete
*
Adam und Eva
Gerechtigkeit und Toleranz
gehörten nicht zum
göttlichen Bauplan
unserer Welt
Doch dafür reichlich an
Gewalt und Unrecht
Mit Adam und Eva
fing es an
*
5. Januar 2008
Und immer wieder diese
andere Wirklichkeit diese
Hoffnungen und Illusionen
Wo Träume zu Hause sind
blühen Kirschbäume
mitten im Winter
*
Nicht ewig
Gerade wenn es anfängt
bequem zu werden
ist es auch schon
Zeit aufzuhören
Na ja -
man kann nicht ewig leben
*
Wie
Wirklichkeit
Ein Traum
viel schöner noch
als Wirklichkeit
Du warst bei mir
und wolltest
wiederkommen
Jetzt kann ich kaum
die Nacht erwarten
*
Großstadt
Von Jahr zu Jahr
rücken die Lichter näher
Die Großstadt
breitet sich aus
Wie ein Raubtier
frisst sie sich durch
Wiesen und Wälder
Nichts steht mehr
zwischen uns und
die Lichter rücken näher
*
Mit hämischen
Augen
Es gibt Abende wo du
einsamer bist als sonst
Wo Erinnerungen wie
schwarze Vögel in dunklen
Ecken sitzen und dich mit
hämischen Augen betrachten
Es gibt Abende wo du
allein bist mit deinen
Erinnerungen und sie sind
keine gute Gesellschaft
*
Göttliches
Und als der Herr am
siebten Tag sein Werk
besah erkannte er
dass ihm der Mensch
misslungen war
Seitdem lässt er nichts
unversucht mit Kriegen
Seuchen, Klimawandel
die Menschheit wieder
los zu werden
*
Frommer Wunsch
Bevor ich in die zweite
Kindheit komme
würde ich gern eine
zweite Jugend erleben
ist das etwa zuviel
verlangt?
*
Glück
Wie du auch
versuchen magst
Glück lässt sich
nicht erzwingen
Unerwartet kommt es
auf leisen Sohlen und
geht oft unerkannt
vorüber
*
Weihnachtsmänner
Bachs Weihnachtsoratorium
im Lautsprecher
lese ich wieder einmal in einem
Gedichtband von Bukowski -
eine unschlagbare Kombination
Viel habe ich von ihm gesehen
aber so weit ich mich
erinnern kann kein einziges
Wort über Weihnachten
Dabei ist der Mann doch
in Andernach geboren -
in Deutschland wo die
Weihnachtsmänner auf
den Bäumen wachsen
*
Entscheidung
Da ist noch eine Erinnerung
schmerzhafter als alle anderen
Der Tag an dem sich alles
entscheiden sollte
der Tag und
der Rest des Lebens
Und wie du nicht kamst und ich
dir noch heute dafür dankbar bin
*
Lauf der Dinge
Solange man jung ist
erlebt man Dinge
Später wird man sentimental
und kaut an der Erinnerung
wie auf zähem Fleisch
Zum Schluss bleibt nur das
unbestimmte Gefühl einmal
etwas erlebt zu haben
*
Inspiration
Wenn ich mal
ausnahmsweise völlig
ohne Inspiration bin
nehme ich mir einen
Gedichtband von
Charles Bukowski vor
der gibt mir enorme
Inspiration und nicht
immer nur für Gedichte ...
*
Kein Beamter
Mein Vater war Beamter
einer von der alten Sorte
fleißig ehrlich und genau
Er tat seine Arbeit
auch unter Hitler und
wurde dafür später als
Mitläufer verurteilt
Mir fehlt das Zeug zum
Beamten und war auch
stets ein Gegenläufer
*
Berlinreise
Dezember 2007
I
Bin wieder unterwegs
in die Stadt
wo ich unglücklich war
Sie ruft mich -
hat mir noch lange nicht
genug angetan
II
Beim Anflug auf Berlin
steigt plötzlich die Sonne
über den Horizont
Hervorragende Regie -
ich fühle mich
willkommen
III
Vor der Landung auf Tegel
donnern wir niedrig über
Wohnhäuser hinweg
Denen muss jetzt der Kaffe
aus der Tasse schwappen
denke ich
Dann steht das Flugzeug
still und ich bin wieder
in Berlin wie damals
IV
Als das Taxi vom
Adenauer Platz in die
Lietzenburgerstraße einbiegt
überkommt mich dann
das Gefühl des
Wiedererkennens
der Heimkehr und ich
beschließe der Stadt
zu verzeihen und mich
wohl zu fühlen trotz
altem Groll
*
Minusgrade
Fünf Grad minus heute
und ich denke zurück
an meine Winterreise
nach Lappland
Vierzig Grad minus
waren es beim
gefrorenen Wasserfall
Wie kann stürzendes
Wasser gefrieren?
Doch bei vierzig Grad minus
ist alles möglich und dann
weigerte sich unser Reisebus
weiter zu fahren ...
*
Bunker I
Eins meiner Wanderziele
ein Bunker aus dem
zweiten Weltkrieg
mitten im Wald
Wer sollte hier
verteidigt werden
Füchse und Hasen
vielleicht
*
Bunker II
Als ich heute zum Bunker kam
fand ich ihn bewohnt
Tiefgekühlt doch ordentlich
Der Mann im Schlafsack lebte
aber wollte nichts wissen
von meiner Zivilisation
*
Bunker III
Auf dem Heimweg
überlegte ich mir dann
wie es wohl sei
ob -
dach -
los
zu sein
Und außerdem noch
wärme -
los
im Winter
*
Bald
Bald bin ich wieder
unterwegs in die Stadt
wo ich unglücklich war
Sie ruft mich -
hat mir noch lange nicht
genug angetan
*
Stockholm, 23. November 2007
Die Nacht fällt früh
nach einem Tag der
spät erwachte
Was sollen die paar Stunden
trübes Dämmerlicht
Die Welt steht still hier
im Norden
*
Ich finde dich
Ich suche dich
auf Straßen die
ins Leere führen
Bis du sie gegangen?
Ich suche dich
in Liedern
und Gedichten
Hast du sie geschrieben?
Ich finde dich
in Träumen und bin
glücklich mit dir
*
Unsichtbare Blätter
In alle Winde hat es mich
verschlagen
Eisblumen meine Begleiter
und Worte ohne Hoffnung
Die schreibe ich mit unsichtbarer
Tinte auf unsichtbare Blätter
Nur wen ich liebe kann sie lesen
*
Wo die Zeit
still steht
Ich springe und springe
aber einholen kann ich
euch nicht
Ihr seid vor mir gegangen
doch dort wo die Zeit
still steht werdet ihr
warten auf mich
*
Unendliche Folge
Einer wird gehen
und einer wird kommen
in unendlicher Folge
Jeder steht auf den Schultern
Tausender vor ihm
*
Eine Kindheit
Heimat -
Ort ohne Zuhause
Straße ohne Namen
Das Bild der Eltern
Jeder in seiner Welt
Ohne Zutritt
Bitteres Gefühl
Etwas nie erlebt
Zu haben
*
Wicked Game
Das Spiel das wir Liebe
nannten geht zu Ende
Der Abend fällt und
du bist allein
Nur ein Lied
klingt noch in dir
What a wicked game to play
to make me feel this way
*
Im Wald
Still und freundlich nimmt
der Wald mich auf
aller Lärm bleibt zurück
Hier wohnt Gott -
nicht in
Tempeln aus Stein
*
15. November
2007
Heute lässt der Winter
seine Ankunft ahnen
Schickt kalte Winde
als Vorboten
legt dünnes Eis
in stille Buchten
Ich drücke meine Mütze
fester und denke zurück
an bessere Tage
*
Gerede
Wir lassen uns nicht
einschüchtern
vom Gerede der Ärzte
vom hohen Blutdruck
dem Ziehen in der Brust
Aber warum sind
alle Treppen
höher geworden
und alle Berge steiler -
dagegen sollte etwas
unternommen werden
*
Endlich
Gewissheit
Wenn dir eines Tages
ein junger Mensch
im Bus seinen
Sitzplatz anbietet
weißt du mit Sicherheit
dass man dir dein Alter
nun auch ansieht
*
Trend
Sie arbeiten an Maschinen
heben und stemmen
Sie laufen auf Bändern
in verschwitzten Hallen
Sie ziehen an Gestängen und
trinken importiertes Wasser
Sie modellieren ihre Körper
die Muskeln schwellen
Doch für normale Arbeit
sind die nicht geeignet
*
Sturm
Grau, grau, grau die Welt heute
Sturm ist angesagt
kein Vogel am Himmel
und Leere im Herzen
Da denke ich mir aus dass du
dabei bist einen Brief an
mich zu schreiben
Gleich wird es heller und
auch der Wetterdienst
kann sich doch manchmal irren
*
Trekking
Früher nannte ich es Wandern
heute heißt es Trekking
Die Ausrüstung ist teurer geworden
und die Pausen länger
Doch immer noch denke ich
unterwegs an dich
Und schreibe manchmal
ein Gedicht
*
Pläne schmieden
Den Wandertrieb nannten sie
meine Unruhe früher
Jetzt bin ich sesshaft und
schmiede Pläne nur noch
für das nächste Leben
*
Du hast es
gewusst
Ich habe gewusst
dass ein Herbst kommt
und du würdest weiter ziehn
Du hast gewusst
dass ich bleiben würde wenn
unser Sommer zu Ende geht
Nichts ist beständig
was glücklich macht
*
Herbstgeräusche
Das Fallen von Kastanien
und das Lachen der Kinder
die sie sammeln
Das Rascheln trockenen
Laubes unter meinen Füßen
Der Abschiedsgesang letzter
Schwäne hoch über mir
Das Knastern des ersten
Herbstfeuers im offenen Kamin
Das ohrenbetäubende Geräusch
nahender Winterstille
*
Herbstgedanken
Jeden Herbst die schwere
Entscheidung
mit den Vögeln gen Süden
ziehen
oder wie der Bär sich
eine Wohnhöhle graben
und den Winter verschlafen
Jeden Herbst der gleiche
kluge Entschluss
lieber doch im eigenen
Bett zu bleiben
*
Schlecht für die Moral
Wieder mal zu viel
Bukowski gelesen
und zu viel dabei
getrunken
Das eine schlecht
für die Moral
das andere
für die Leber
Eine schwere Nacht
steht mir bevor
*
Was geblieben ist
Ein kleiner Funke
ist geblieben
Der Stich im Herzen
wenn ich an dich denke
und die Schmetterlinge
im Magen
Die Sehnsucht ist geblieben
doch die Hoffnung
ist gegangen
*
Erinnerungsblätter
Warst am See mit mir
bei den Erlen und
dem braunen Schilf
vergangener Jahre
Der Herbst ist wieder da
doch du bist fern und
von den Bäumen fällt
das Laub
Erinnerungsblatt um
Erinnerungsblatt
*
Leere Seiten
Ich lebe doch
beweisen kann ich es nicht
Ich habe gelebt doch
auch hierfür fehlen
sichere Anzeichen
Die Türen meines Hauses
stehen offen
Auf dem Tisch ein
angefangenes Gedicht
Leere Seiten im Papierkorb
Alles war vergebens
*
Auch ein Abend
Nichts was erklärbar wäre
Der Abend in den ich
hinausstarre
den Regen sehe
der ans Fenster schlägt
Die Nacht fühle in mir
und dieses schleichende
unsagbar erniedrigende
Gefühl überflüssig zu sein
*
Winterzeit
Gestern überfiel mich
der Abend eine Stunde früher
als gewöhnlich
Auch die Vögel waren überrascht
Sie hatten versäumt
die Uhren zu stellen
*
Bank im Herbst
Dichter Nebel
am See
unsere Bank wie eine
einsame Insel
Hier saßen
wir im Sommer
und dachten nicht
an Herbst
*
Blind
Blind und stumm
stehe ich vor dir
Nur Schreiben ist mir
geblieben
und alle meine Gedichte
sind für dich
*
Herbstlaub
Ich wollte ich könnte
wie die Bäume
mein Herbstlaub abwerfen
überwintern
neu grünen
und jung sein
im Frühling
*
Ein Brief
Dein Brief heute
ein
rettender Engel
bevor ich mich
in schwarzer Nacht
verlor
*
Im Traum
Im Traum war lähmende
Stille die mir Angst machte
Das Fehlen von Singvögeln
Das Fehlen lachender Menschen
*
Feindbild
Die Menschheit bedarf
keiner äußeren Feinde
sie vernichtet sich selbst
So wie es jetzt aussieht
nicht schnell und brutal
mittels Atombomben
Sondern langsam und
gründlich durch
Treibhausgase
*
Klimawandel
Immer häufiger die Meldungen
über Klimawandel
Die dritte Welt macht alle
unsere Fehler nach -
will erste sein
wird letzte werden
*
Herbstfarben
Gelb hat der Herbst
den Wald gefärbt - weiß
das Leben mein Haar
Kraniche und Wildgänse
zogen weiter
Doch ewig ist die Hoffnung
auf einen neuen Frühling
*
Verlust
Heute traf mich wie ein Keulenschlag
das Gefühl einen Verlust
erlitten zu haben
*
Kriegswinter
Zehn Zentner Kartoffeln hatten wir
jeden Kriegswinter im Keller
Jetzt wissen viele nicht einmal mehr
was ein Zentner ist und Kartoffeln
kauft man tütchenweise im Supermarkt
*
Unheimliche
Erscheinung
Da ist wieder dieses Licht
in der Nacht
Es könnte ein Stern sein
eine Supernova oder
ein Raumschiff
im Anflug auf die Erde
Es könnte auch
eine Botschaft sein aus dem
Weltall oder die Inkarnation
Buddhas
Es kann aber auch das
Licht eines Baukrans sein
auf der Baustelle mit
Nachtschicht nebenan
*
Eragon
Den Film Eragon
sah ich heute im TV
Man legt eine DVD hinein
und heraus kommen
Drachen, Zauberer und
wunderschöne Jungfrauen
in Not
Da kann einer sagen
was er will aber für
15 Euro wird einem
schon viel geboten
*
Erinnerung
Später dann
als wir Hand in Hand
im Dunkel der Nacht
zur Burg hinauf gingen -
die Lichter der Stadt
tief unter uns -
wurde mir plötzlich klar
dass ich nie wieder
allein sein wollte
*
Der Himmel über
uns
Ich starre hinaus in die Nacht
hoch am Himmel
ein Stern
Du siehst den gleichen
Himmel
denselben Stern
Nur unsere Sehnsucht
ist nicht die gleiche
*
Ganz natürlich
Es kann wohl nicht das
echte Leben sein was
da am Bildschirm flattert
Schandtaten, Mord und Todschlag
monströse menschenähnliche
Gestalten
Da lob ich mir die alten Zeiten
Sissi die Kaiserin -
das war noch ganz natürlich
*
Der Stumme
Die Blechkiste voll Fotos
und Erinnerungen
Wie jung ich war
wie jung und stumm und
wie total verrückt nach dir
*
Wohnkomfort
Fünf Zimmer für zwei Personen -
gerade richtig denke ich
Eins zum Wohnen
eins zum Fernsehen
eins für die Computer
eins um sich zu streiten
(die Küche)
und eins wo man sich
dann versöhnen kann -
auch Schlafzimmer genannt
*
Schon wieder Herbst
Plötzlich war es Herbst geworden
unbemerkt
Doch mit Mozarts Klavierkonzert
No. 20 im Kopfhörer
einer Flasche Frankenwein
in Reichweite
sage ich ganz cool:
Lasst ihn kommen
den Winter
*
Wie man es nennt
Man nennt es Fernweh
wenn man zu Hause ist
Man nennt es Heimweh
wenn man wo anders ist
Man nennt es Sehnsucht
an einsamen Abenden
und weiß oft nicht wonach
*
Mühsame Ernte
Die Felder abgeerntet
das Heu in der Scheune
Jetzt berechnet der Bauer
in mühsamer Arbeit
was von der EG
noch zu ernten ist
*
Wetter 2007
Das Frühjahr zu warm
und zu früh
Der Sommer zu nass
und zu kalt
Im Herbst keine Pilze
da ist nichts mehr
zu retten
*
Der deutsche
Gruß
Damals als Eintopf
noch höchste Mode war
Damals als wir den
Arm hoben zum Gruß
wie der Hund das Bein
Damals gab es noch keine
NeoNazis
*
Bericht
Da wäre noch zu berichten
von denen die keiner beachtet
Von den Stillen und
Bescheidenen
Von denen die lieben
ohne geliebt zu werden
Und von denen die von uns
gehen ohne Proteste und
ohne großes Aufsehen
*
Fortschritt
Und wieder einmal zehrt der Fortschritt
stark an meinen Nerven
das neue Handy hat zu viele Funktionen
Wer braucht schon Video-Gespräche
und Fernsehen im Telefon
Und soll man jetzt mit Handy
seine Bilder machen
Ich wollte doch nur einfach mit dir sprechen
Der Fortschritt wollte es ganz anders
Da denke ich dann lieber nur an dich
und lese weiter die Gebrauchsanleitung
*
Armageddon
Dann sah ich mir im TV
die Serie "Armageddon" an
Den Weltuntergang
Ein riesiger Komet stürzt
auf die Erde und vernichtet
alles Leben
Schaudern erfasste mich
im bequemen Sessel
Doch war ich sehr erleichtert
überlebt zu haben
*
Der hölzerne
Mann
zu einem Urlaubsfoto
Mein Nachbar
der hölzerne Mann
Eine Gesellschaft ganz
nach meinem Geschmack
Höflich
etwas steif und kühl
Aber nie geschwätzig
oder neugierig
Ich traf ihn im Urlaub
auf einer Bank
in Kühlungsborn
Und dort schweigt er
noch immer
*
Einsicht
Irgendwann wurde mir
dann klar dass es anders
läuft als geplant
Glück ist nicht beständig
Leben ist nicht endlos
*
Alles nur
Reklame
Ich sehe einen blühenden
Baum mitten im Winter
Ich sehe einen brennenden
Busch in der Wüste -
nein, Moses ist nicht in Sicht
Warum geschehen
keine Wunder mehr
Warum sprichst du nicht
zu mir, Gott -
ist denn alles nur Reklame?
*
Auf Stein geschrieben
Der Pfad auf dem ich wandere -
Wikinger sind hier gegangen
haben Runensteine hinterlassen
Nachrichten in Granit geschlagen
Ich nehme mein Notizbuch vor
und schreibe auf vergängliches Papier
Niemand wird sich einst
an mich erinnern
*
Das verfallenen Haus im Wald
Hier haben Menschen gewohnt
vor langer Zeit in Armut
Hier wuchsen Kinder auf
die niemals Kind sein durften
Hier gehe ich vorüber
Hier höre ich sie weinen
*
In mir ist Sommer
Die Natur atmet Herbst
doch in mir ist Sommer
Gelb färben sich die Blätter
doch der See liegt
blau und einladend
Mein Wanderweg ist mühsamer
geworden durch die Jahre
häufiger muss ich rasten
Der Winter ist nicht weit
doch in mir ist Sommer
*
Von einem der
hinaus ging
(frei nach Willy Kyrklund)
Von einem der hinaus ging
in die Wüste um
Heilung zu finden für seine
Einsamkeit und Verzweiflung
Von einem der hinaus ging
und ließ Frau und Kind zurück
ließ seine Sandalen zurück
und seine Füße mit ihnen
Von einem der weiter und weiter
ging und ließ seinen Mantel zurück
sein Herz und all seinen Besitz
einen nach dem anderen
Von dem der hinaus ging in die Wüste
um einen Traum zu vergessen
zuerst die Worte dann die Wehmut
und zuletzt jene traurigen Augen
Und in der Wüste begegneten ihm
Skorpione und Schakale doch
wohin er auch ging sang der
Wüstensand ihr Lied
*
Der Duft von
Heimat
Abends wenn absolut nichts
im TV läuft denke ich
manchmal an die
alte Heimat
Sehe mich am Ufer
der Itz stehend
trübselig das trübe
Rinnsal betrachtend
Höre die alt vertraute
die hässliche Sprache
rieche den Duft der
Bratwürste
Und vergesse
für ein paar glückliche
Augenblicke alles was
mich von dort vertrieb
*
Nur ein Leben
lang
Wenn die Tage zu Ende sind
will ich westwärts ziehen
ohne Aufenthalt bis
ich dich gefunden habe
Dann werde ich sagen:
Hast du lange warten müssen?
Und du wirst glücklich lächeln
und antworten:
Nur ein Leben lang
*
Banal
Ich sah den Himmel
Die Wolken
Ein Sturm peitschte
Sie an
Ich rechnete aus
Wohin sie zogen und
Fand es ziemlich
Banal
*
Bei Vollmond
Gestern Abend trieb es mich
mal wieder in die Enge
Sentimental bei Vollmond
und besonders im Herbst
hört man mich oft seufzen
Dann ziehen selbst die Wildgänse
ganz vergebens vorüber :-)
*
Wicked Game
Wieder so ein blauer Abend
und die Sehnsucht sitzt mir
im Genick
Im Radio singt die Stimme
unser Lied
*
Am Ende
Am Ende ist es immer Herbst
Die letzte Liebe ist vorüber
Die letzte Sehnsucht
Ist verglüht
Am Ende bist du stets allein
*
Seltsame Blüten
Aus dem Stegreif heraus
mache ich dir Angebote
singe dir ein Lied
schreibe dir ein Gedicht
Der Herbst in mir
treibt seltsame Blüten
*
Trist
Mir ist oft als
bräuchte ich dich
um atmen zu können
um leben zu können
Mir ist oft als
ob ich mich an
dich erinnern könnte
dich lieben könnte
Doch dann ist alles
wieder hoffnungslos
und trist
*
Geheimsprache
Heute am Himmel
wie jedes Jahr um diese Zeit
die ersten Wildgänse
In unserer Geheimsprache
das Wort für Sehnsucht
und Liebe
Das Wort für unseren
ewigen Flug zu einander
ohne jemals anzukommen
*
Herbstgefühle
Heute Sonntag
Du fühlst den Herbst nahen
Dunkle Wolken jagen am Himmel
Ein Schwarm Krähen
kämpft gegen den Wind
Nicht einmal nach dem Sinn
des Lebens wagst du
zu fragen
Unten im Hof bellt
immer der gleiche Hund
und in der Mailbox
nichts als Spam
*
Warten
Dieses ewige Warten
auf den Abend
auf den Morgen
auf deinen Anruf
auf eine Liebe
Dieses ewige vergebliche
Warten
und nichts geschieht
was wirklich wäre oder
was Bedeutung hätte
*
So selbstverständlich
Manche Tage ist alles
so selbstverständlich und
braucht keiner Erklärung
Warum du bei mir
geblieben bist
oder warum du mich
verlassen hast und
warum die Erde sich dreht
Manche Tage ist alles
so selbstverständlich
Oder warum ich immer noch
lebe und Gedichte für
dich schreibe
*
Sommerblumen
Noch ist Sommer
doch die Luft riecht
schon nach Herbst und
hinter der Tür
lauert der Tod
Mich schreckst du nicht
schwarzer Bruder
Aus letzten Sommerblumen
binde ich dir
einen Kranz
*
Unabänderliche
Vergangenheit
Es ist nicht die Zukunft
die mir Sorgen bereitet -
sie kann immer irgendwie
beeinflusst werden
Es ist die Vergangenheit -
das Geschehene das bleibt
und nie mehr geändert
werden kann
*
Kurze Anleitung
Sie wollen ein
Gedicht schreiben?
Dann setzen Sie sich bequem
in einem Sessel zurecht
oder gehen Sie auf Wanderung
Beides ist gleich gut
Haben Sie lange gesessen
oder sind weit gewandert
ohne ein Gedicht zu schreiben
dann sind Sie entweder im Sessel
eingeschlafen oder in die falsche
Richtung gegangen und ins
Wasser gefallen
Möglicherweise lag es auch
an mangelnder Inspiration
*
Selbsterkenntnis
Nein - ganz normal
bin ich gewiss nicht
wer ist das schon
aber es hätte schlimmer
kommen können
da waren Alternativen
da waren Wege
*
Blitzlichtaufnahme
Wie eine Blitzlichtaufnahme
das Kind auf dem Schoß
der Großmutter
Die Eltern haben sich
auseinander gelebt und
werden sich trennen
Das Kind weiß nichts davon
Die Hände der Großmutter zittern
sie streicht dem Kind übers Haar
*
Wie gerne
Wie gerne ich dich
trösten würde
doch ich bin untröstlich
Wie gerne ich dir
helfen würde
doch ich bin hilflos
Wie gerne ich dich
lieben würde
von ganzem Herzen
bis zum Ende der Zeit
doch ich bin sterblich
*
Das Ende der
Welt
Ich wohne am Ende
der Welt
wo die Straße sich im
Nichts verliert und
das Fremdsein beginnt
Ich kenne den Geruch
von Einsamkeit
*
Worüber man
schreiben sollte
Diese ewigen Worte von
Sehnsucht und Liebe
die sich mir aufdrängen
die mich heimsuchen
Oft schäme ich mich ihrer
Über Freiheit und Gerechtigkeit
sollte man schreiben
Über Menschen die kämpfen
sollte man schreiben
Die gegen Unrecht kämpfen
und gegen Gewalt
Über unsere Erde
sollte man schreiben immer
und immer wieder und ihren
ungleichen Kampf gegen
die Dummheit der Menschen
*
C'est La Vie
So unendlich traurig
und so unendlich lustvoll
das Leben ist
Wir lieben
wir leiden
wir leben und sterben
Wolken ziehen vorüber
Träume kommen
und gehen
Wir sehen ihnen nach
c'est la vie
*
Zauberwort
Du sagst es immer
und immer wieder
das magische Wort
das Zauberwort
doch nichts will sich ändern
kein Sturm kommt auf
der dich mit sich trägt
kein Wunder geschieht
Nur zwei Wünsche
sind dir noch geblieben ...
*
Falscher
Eindruck
Sollte ich durch das
was ich schreibe den
Eindruck erweckt haben
irgendwann einmal
ganz vorbehaltlos
glücklich gewesen zu sein
dann bitte ich um
Entschuldigung -
ich war es nie ...
*
Später
Entschluss
Später erst kam er
zu der Einsicht dass
seine Jugend nicht
besonders glücklich war
Wie er sich auch anstrengte
wollte sich die Erinnerung
an ein Gefühl der
Geborgenheit nicht einstellen
So beschloss er denn
auch weiterhin unglücklich
zu bleiben
*
Zu meinem
Geburtstag
Heute bin ich
ein Jahr älter als gestern
Papierjahre sind es
zum Glück nur
Sie sind leicht und
treiben mit dem Wind
Leicht ist mir auch
denn endlich habe ich
gelernt zu vergessen
*
Meine Welt
Warum sollte ich mich erinnern
an Tage und Jahre ohne dich
Nichts gab es zwischen Himmel
und Erde das wert wäre
genannt zu werden
Meine Welt begann mit dir
Meine Zeitrechnung und
mein Leben
*
Ohne dich
Als ob ich dich einfach
streichen könnte
aus meinem Leben
wie eine verjährte Schuld
Als ob ich hätte leben können
ohne dich
*
Rassist oder Realist?
Sie lassen sich nicht
umerziehen
Sie wollen sich nicht
anpassen
Es wird Generationen dauern
bis alle Anderen sich
angepasst haben
Sie verachten unsere
Regeln und Gesetze
Nein - ich bin kein Rassist
nur Realist
und natürlich gibt es
Ausnahmen
*
Mein Kollege
und ich
Mein Kollege und ich
wir machen Zeichnungen
mit Computern
CAD - Computer Aided Design
Mein Kollege ein
eingefleischter Junggeselle
hatte eines Tages Familie
Frau und zehnjährige Tochter
Endlich dachte ich
wird er normal
Das ging fast ein Jahr lang gut
dann wurde die Frau ganz zu Recht
eifersüchtig auf die Computer und
zwang ihn sich zu entscheiden
Zum großen Glück für mich
und unsere Firma entschied er sich
für die Computer
Jetzt ist er wieder eingefleischter
Junggeselle und wir machen
unsere Zeichnungen
*
Mein Freund
Achim
Meinen Schulfreund Achim
habe ich immer maßlos bewundert
für seine festen Vorsätze und Pläne
die er mit großer Energie betrieb
Lange war sein höchstes Ziel
als Förster durch endlose Wälder
streifen zu können
Als seine kleine Schwester starb
konvertierte er und wollte
katholischer Priester werden
Als ich wieder von ihm hörte war er
Zeuge Jehovas, ausgebildeter Masseur
verheiratet und mit acht Kindern
Er hatte einem angeborenen
Herzfehler
Kurz vor seinem Tod kam ich noch einmal
in Kontakt mit ihm und er schrieb mir
dass ich immer sein großes Vorbild war
Das war rührend zu hören aber seitdem
überlege ich vergebens womit ich diese
Bezeichnung verdient haben könnte
*
Ohne Freiheit
Ich las die Gedichte einer
Politisch engagierten Frau
Aus einem Land ohne
Gerechtigkeit und ohne Freiheit
Jedes einzelne Wort
Anlass zu Verfolgung
Unterdrückung
Folter
Wie winzig und
Beschämend sind meine
Eigenen Texte und Gefühle
Gegen ihren Mut ...
*
Anfang und Ende
Bis ans Ende der Welt
wollten wir zusammen gehen
Doch dann wurde mir klar
das Ende der Welt
liegt in uns
Liebe ist Anfang und Ende
einer jeden Welt
*
Nur für dich
Für dich schrieb ich
Meine schönsten Gedichte
An dich dachte ich
Tag und Nacht
Wo bist du jetzt wenn
Ich rufe und wem
Schenkst du jetzt deine Liebe
In der Dämmerung
*
Alles vergebens
Heute wollen meinen Worten
keine Flügel wachsen
Heute bleiben sie
hilflos am Boden
Was zu sagen war
ist gesagt
So viele Worte
so viele Gedichte
und alle vergebens
*
Silbernes Haar
Wir sind zusammen
alt geworden
Meine Liebe hat nun
silbernes Haar
Gemeinsam sehen wir
der Nacht entgegen
*
Mein Lebenslauf
Nicht unbegabt aber faul
sagten die Lehrer
Später glitt ich nicht ganz erfolglos
doch ohne besonderen Ergeiz
und ohne Stress durchs Leben
wurde alt und bin es zufrieden
*
Das satte Leben
Wenn du eines Tages
Genug hast von deinem
Satten Leben
Deinem feisten Mann
Deinem großen Haus
Und den Hunden
Dann denk daran dass du
Mit mir zusammen hättest
Hungern und Poesie
Lesen können und dass du
Mit mir zusammen wahrscheinlich
Noch viel unglücklicher hättest
Werden können
*
Meine Geliebten
Meine drei Geliebten
Rose Ausländer
Hilde Domin
Sarah Kirsch
Die mir die Tage vergolden
und Träume schenken
in schlaflosen Nächten
*
Juli Abend
Ich sitze auf dem Balkon
Allein
Es ist ein warmer Juli Abend
Die Wolken ziehen westwärts
Auf dem Tisch eine Laterne
Mit Kerze
Ein Glas Wein
Ein Buch
Schreibblock
Ich schreibe gerade
Diese Zeilen und
Stelle mir vor wie es wäre
Wenn du neben mit
Sitzen könntest
Ich würde deine Hand halten
Und wir würden schweigen
Zusammen
*
Nur ein Zeichen
Gib mir ein Zeichen
damit ich weiß dass
du mich liebst
Lass den Jasmin blühen
der deinen Duft verströmt
Lass den Regen Morsezeichen
an mein Fenster trommeln
SOS
SMS
Save My Soul
*
Das Haus
Heute kam ich an
dem Haus vorbei wo
lange meine Freunde
wohnten
Ich sah es dem Haus an
dass es sich an mich
erinnerte
*
Connie
Glaubt nur nicht, dass Tiere
keine Seele hätten
Connie war die Berner
Sennenhündin meiner Freunde
Schon von weitem erkannte sie
mich und kam mir immer freudig
entgegen gesprungen
Einmal als sie etwas Dummes
oder Komisches gemacht hatte
lachte ich sie aus
Das hat sie mir nie
verziehen und ließ mich
seitdem links liegen
Auch die Freunde verlor ich
wenig später - aber das ist eine
andere Geschichte
*
Seelenwanderung
oder nicht
Glauben Sie an Seelenwanderung?
Ich eigentlich nicht, aber einmal
war ich stark im Zweifel
Es war auf einer Bergwiese
in den Alpen
als eine junge Kuh sich näherte
Ich kann es nicht besser erklären -
irgendwie war sie mir vertraut
so als ob wir uns kannten
Sie folgte mir wohin ich auch ging aber
es war Urlaub und was sollte ich mit
einer noch so liebevollen Kuh
Ich wurde sie nicht wieder los weder
mit guten noch mit bösen Worten
selbst Schläge halfen nichts
Schließlich versteckte ich mich
hinter Bäumen und schlich mich
dann feige davon
Ihr trauriges Brüllen verfolgte
mich den ganzen Berg hinab und
schnitt mir ins Herz
Ein trauriges Erlebnis und mir
war nicht nach lachen zumute ...
Glauben Sie an Seelenwanderung?
*
Per Anhalter
Ich hatte sie beim Tanzen
kennengelernt und wir
verknallten uns so total ineinander
wie das nur in jungen Jahren
möglich ist
Sie wohnte in Oberbayern
hatte reiche Eltern
und lud mich zu sich ein
weil ich noch studierte und
kein Geld hatte
Per Anhalter fuhr ich hin
begrüßte die Eltern
bekam ein schönes Zimmer
und gute Verpflegung
Nach zwei Tagen hielt ich es
nicht mehr aus
In dem Alter hat man noch
seinen Stolz und ausgehalten
werden war nicht meine Sache
Sie brachten mich zum Bus
und ich finde es noch heute
peinlich als ich noch einmal
aussteigen musste
weil es der falsche war
Wäre ich älter gewesen
hätte ich ihr ein Gedicht geschickt
statt hinzufahren
*
Auch ein
Vorsatz
Nichts was mich unterscheidet
von all den anderen öden Fritzen
in ihren Wohnhöhlen
mit ihren Fernsehern
und ihren alten Frauen
Außer diesem inneren
Grinsen vielleicht
und dem festen Vorsatz
im nächsten Leben jung
zu sterben
*
Nichts
Besonderes
Sie tun es heutzutage
als wäre es wie
Pommes essen
Sie steigen manchmal schon
den ersten Abend
mit einem Kerl ins Bett
Das taten früher nur die Nutten
Wie musste man sich
damals abrackern bevor
es endlich klappte
Doch heute ist es fast wie
Pommes essen -
so ganz und gar natürlich
und nichts Besonderes dabei
*
Im Sessel
Wenn ich abends bequem
im Sessel sitze und
meine Frau erzählt mir
lang und breit von Dingen
die mich nur wenig interessieren
dann nehm ich Block und Bleistift
in die Hand und schreibe
ein Gedicht das keinen interessiert
wie dieses hier zum Beispiel ... :-)
*
Als noch Frühling
war
Hier bin ich mit dir gegangen
als ich jung war im Frühling
Hier haben wir von Liebe geträumt
und hier haben wir geliebt
Hier waren wir glücklich und
du wolltest nie von mir gehen
Vom Leben wussten wir
nur wenig
*
Lebensjahre
Damals als wir Hand in Hand
standen beim Ruf des Kuckucks
und die Jahre unseres
Lebens zählten
So viele waren es und
so wenige sind geblieben
doch noch immer halte ich
deine Hand
*
Versuchen Sie
es einmal
Sie sollten einmal versuchen
Ein Gedicht zu schreiben
Es gibt nichts Besseres
Für die Seele
Gehen Sie auf Wanderung
Allein
Nehmen sie Schreibblock mit
Und Kugelschreiber
Sehen sie die Natur
Schreiben Sie was sie denken
Und fühlen
Vermeiden Sie Reime und
Haikus
Die verdummen nur :-))
*
When the
singer's gone
Die Signale werden schwächer
und unser Lied verliert sich
in der Ferne
Meine Gedichte erreichen
dich nicht mehr und
mit deinen Briefen
spielt der Wind
Wo ist er geblieben
der Traum von Liebe
in der geheimen Welt
die unsere war
Das Lied wird bleiben
doch werden andere es singen.
When the singer's gone
Let the song go on...
*
Tag und Nacht
Gegen den längsten
Tag des Jahres habe ich
nichts einzuwenden
aber was soll ich mit
der kürzesten Nacht ...
*
Ahnenforschung
Da wäre noch die Sache
mit der Ahnenforschung
Mütterlicherseits aus Franken
der Großvater aus dem Elsass
Dorthin bin ich dann gereist
um meine Wurzeln zu entdecken
Die hielten sich doch meistens
im Verborgenen und
nur der Wein war ein Erfolg
*
Im Internet
Früher war man sicher
im Auto
im Zug
auf dem WC
Heute erreichen sie
dich überall
per SMS
per Mail und
mit dem Handy
Selbst deinen Tod
liest du zuerst
im Internet
*
Gespräch mit
meinem Rücken
Ab und zu werfe ich mir
eine Pille rein und spüle
sie mit Wein hinunter
doch nicht um hoch zu werden
sondern um den Rücken
zu beruhigen
Ich spreche auch mit ihm
und sage:
lieber Rücken,
du hast mir lange und
treu gedient
Ein paar Jährchen
hättest du es wohl
noch aushalten können
anstatt jetzt jeden Tag
zu klagen
*
Am Morgen
Den Steinen habe ich
mein Leid geklagt
und im See dein
Bild gesucht
Die Nacht war gut zu mir
und am Morgen
konnte ich endlich
weinen
*
Hab und Gut
Allen werde ich etwas
zurücklassen
Dem Einen mein Hab
dem Anderen mein Gut
Doch dir, die ich liebe
lasse ich meine Worte zurück
und alle meine ungeschriebenen
Gedichte
*
Im Zweiten
sieht man besser
Kein renommierter Sender
ohne Kochprogramm
Da stehen sie die
einst Verachteten und
pressen ihre Knoblauchzehen
vor der Kamera
Da rühren sie behutsam
in den Töpfen und
reden andachtsvoll von
Sauerfleisch
Das Publikum ist tief gerührt -
ich schalte lieber um
auf ein Programm mit zwei
verliebten Obduzenten
*
Midsommar 2007
Die Tage um das
Mittsommerfest sind
immer ganz besonders
schwer für mich
Den Anderen ist wie
Weihnachten zumute
Selbst fühle ich nur
den kalten Juniregen
Es ist als ob man
Liebespaaren zusieht und
selbst in kaltem Wasser stehst
*
Immer wieder
Chris Isaak im Kopfhörer -
Wicked Game
Und immer wieder
der vergebliche Versuch
Gedanken zu verdrängen
die deine Gestalt annehmen
im Blau der Dämmerung
*
Schatten
Was du kennst und siehst
bin nicht ich
Es ist mein Schatten
ein Panzer hinter dem
ich mich verstecke
Was ich kenne und sehe
bist nicht du
Es ist mein Traum und
wen ich liebe
weiß ich nicht
*
An den Grenzen
Bis an die Grenzen des
Universums wolltest du gehen
um bei mir zu sein
Später waren dir
drei Schritte zu viel
Wie armselig sind die
Beziehungen der Menschen
und wie weit das Universum
*
Möwen
Wie sie dahin gleiten
die Möwen
schwerelos und elegant
So will ich sein
wenn ich das Erdenleben
hinter mir habe
"Wolltest du nicht immer
ein Maikäfer werden,
murmelt da meine Frau ..."
*
Wie eh und je
Sich anlehnen
an die alte Heimat
das Land, das Städtchen
Den schmalen Weg
gehen
hinauf zum Garten
In der Erinnerung wie eh und je
nur haben die Menschen
sich verändert
Man zieht nicht mehr
den Hut in Demut
*
Traum der
Ungeborenen
Als ob ich mich
erinnern könnte
wann ich anfing
dich zu lieben
Es muss gewesen sein bevor
ich noch geboren wurde
Als ob ich mich
erinnern könnte
wann ich begann
dich zu verlieren
Es muss gewesen sein bevor
du noch geboren warst
*
Du bist geblieben
Als du gehen wolltest
ging die Sonne auf
Da küsste ich dir den Schlaf
aus den Augen
und du bist geblieben
Ein Leben lang
*
Fremde Erde
Schon die Kinder im Exil geboren
sind Fremde in der Heimat ihrer Eltern
Von Enkeln weiß man dass
sie sich ihres Namens schämen
Uns Alte wird die Erde decken
doch ist es fremde Erde
*
Woran ich
glaube
Nein -
an einen gütigen Gott
kann ich nicht glauben
auch nicht an Satan
Wohl aber an höhere Wesen
denen nichts heilig ist
*
Unwetter
Ein Unwetter zieht auf
schwarze Wolken
am Horizont
die Natur verstummt
*
Unterwegs
Eigenartig, alt zu werden
fremd zu werden sich
und der Umgebung
Und innerlich wie immer
dieses Sehnen, Bangen,
Hoffen bis zuletzt
Jung sterben nur die Götter
mein Schatten geht mit mir
eine Ringtaube ruft
*
Der
Zeitreisende
Mit Sehnsucht im Herzen
reiste ich durch die Zeit
Mein Raumschiff war
die Erinnerung
Meine Träume Reisen
in die Zukunft
Wohin ich auch kam
suchte ich nach dir
Wohin ich auch fuhr
fand ich dich nicht
Unsere Uhren gingen
stets verschieden
und meine Reise
ist nun zu Ende
Wir hätten uns treffen
können
wir hätten uns lieben
können
*
Der Rosenkranz
Heute begegnete mir
ein alter Mann der einen
Rosenkranz betete
War er dankbar dafür dem Heim
entkommen zu sein oder ängstlich
nicht mehr zurück zu finden
Vielleicht tat er es auch nur aus
alter Gewohnheit
Er hat es mir nicht verraten
Leute die Rosenkranz beten
reden nicht gern mit
Sündern wie mir
*
Wo es dich nicht gibt
Sich zurücksinken lassen
in eine Melodie und immer
ist es deine Melodie
Festhalten an
einer Liebe und immer
ist es die Liebe zu dir
Sich verlieren in Träume
und immer ist es
der Traum von dir
In einer Welt
leben müssen
wo es dich nicht gibt
*
Als du bei mir warst
Wie aus dem Nebel
kommst du mir entgegen
so jung wie damals als
du noch bei mir warst
Wir wussten immer schon
dass nichts uns würde
trennen können
*
Das Wohnmobil
Ein Wohnmobil fuhr
an mir vorüber
mit der Aufschrift
"Wir vergeuden das Erbe
unserer Kinder"
und ich dachte:
glückliche Kinder die so
glückliche Eltern haben
*
Ewiges Warten
So lange man lebt
wartet man auf etwas
Auf ein Abenteuer
auf ein Mädchen
Später dann hauptsächlich
auf Essen und Trinken
Schließlich auf die Schwester
mit den Pillen
Zum Schluss warten andere
darauf dass man endlich
unter die Erde kommt
*
So weit
Warum quälst du mich?
Warum singst du von Liebe
und lässt mich träumen von dir
Warum bist du so weit weg
immer wenn ich dich
in die Arme nehmen will ...
*
Als ob es möglich wäre
Stumme habe ich
gesehen in
verzweifelten Versuchen
Worte zu formulieren
Ebenso fühle ich mich
wenn ich meine
Liebe zu dir
in Worte fassen will
Als ob es möglich wäre
einen Sturm auf Papier
zu bannen
*