© Gerhard Rombach
Naturgedicht
Das Gezwitscher der Vögel
macht mich ganz wild
Wie soll man da in Ruhe
über Natur schreiben können ...
*
Immer schön freundlich
Immer wieder rege ich mich
über diese schlappen Typen auf
die Scheiße reden wenn man
sie trifft
Die Sache von ihren Kindern
habe ich schon hundert Mal gehört
und wie schwer es ist einen Platz
im Kindergarten zu bekommen
Daran hätten sie denken sollen
bevor sie im Suff welche zeugten
Aber sonst bin ich meistens
freundlich und positiv ... :-)
*
Trunksucht und Unzucht
Manchmal wenn es mir
so beschissen übel ist
von all dem sozialen Gequatsche
mit netten Leuten
nehme ich mir Bukowskis
Gedichte vor und lasse mich
vom richtigen Leben berieseln
von Trunksucht, Unzucht und
allem anderen wofür man selbst
weder Mut noch Talent hat
Dann geht es wieder eine Weile ...
*
Ohne Anfang ohne Ende
Der Abend zog weiter
ließ mich allein zurück
mit schwarzer Sehnsucht
im Nacken
Liebe ohne Anfang
ohne Ende
Nie war der Traum wirklicher
nie schmerzhafter
Ein Abend wie geschaffen
der letzte zu sein
*
Auf Ausflug
Auf Ausflug mit dem
Rentnerverein
Sie kommen mir alle alt vor -
ich ihnen auch
Was schert uns das Museum?
Kaffe wollen wir haben und ein
schönes Käsebrötchen dazu
*
Bruder Ambrosius
Habe heute mit einem
Klosterbruder gesprochen
Ganz vernünftige Ansichten
unter der Kutte und bekehren
wollte er mich auch nicht
*
Corelli und Bach
Heute haben wir einen alten
Musikfreund beerdigt
Er wird gelächelt und sich
ein wenig bequemer
zurechtgelegt haben als
Corelli und Bach gespielt wurde
*
Die Entscheidung
Du hast dich entschieden
zwischen Passion
und stiller Geborgenheit
Du hast dich entschieden
zwischen Liebe und
lauer Zufriedenheit
Du hast deine Wahl getroffen
und wirst es ein Leben lang
bereuen
*
Ohne dich
Was wäre das Leben
ohne Sehnsucht
ohne unglückliche Liebe
Wie ein Film mit Happy End
Wie ein Leben
ohne dich
*
Niemals wieder
Niemals war mir
jemand so nahe
und doch so fern
Niemals schlug mein
Herz schneller als wenn
ich an dich dachte
Niemals wieder
werde ich so lieben
*
Flexibel
Den Beständigen und den
Aufrechten rufe ich zu:
eure Zeit ist vorüber
ihr habt gelebt!
Heute treibt man im
Strom der Medien und im
Wortschwall der Kommentatoren
Heute hängt man sein Fähnlein
in den Wind und
ist flexibel
*
Kein Anklang
Mein Bewunderung für Bukowski
fand nur wenig Zustimmung
Der Mann ist viel zu oft betrunken
und viel zu ehrlich
um es abzustreiten
*
Fremd
Als es Abend wurde war mir
der Morgen fremd geworden
Menschen gingen aus und ein
wie Schatten
Freund und Feind durch
die gleiche Tür
*
Ziellos
Du hattest nie ein Ziel
Du wusstest nie den Weg
Du bist nie angekommen
und dennoch warst du
stets bei mir
*
Für K
Während ich sitze und
Kersten Flenters Gedichte lese
geht draußen die Welt unter
Mann, Kersten - sage ich,
du siehst wirklich keinen
Tag jünger aus obwohl du
in Deutschland geboren bist
und zu retten ist sowieso
nichts mehr
*
Angst
Habe mir eine
fleischfressende Pflanze
angeschafft und
seitdem Angst davor
im Sessel einzuschlafen
*
Mein blauer Engel
Vom Heimweh nach
dem Traurigsein singt
mein blauer Engel
*
Genau wie früher
Hier ist es noch
genau wie früher
Die engen Gassen
die engstirnigen Bewohner
und ihre Bratwürste -
meine Heimatstadt
*
Kahlschlag
Hier in den Wäldern
hausten einst die Trolle
Maschineller Kahlschlag
hat sie zu Obdachlosen
und Wohlfahrtsempfängern
gemacht
*
Unerträgliche Zustände
Grausamkeit hat
möglicherweise auch eine Funktion
Wo kämen wir hin wenn alle gut wären
wenn alle Heilige wären
Die Gefängnisse leer
Rechtsanwälte und Richter arbeitslos
Mörder, Gangster, Vergewaltiger
umgeschult in Kindergärtner
unerträgliche Zustände ...
*
Das Gefühl
verliebt zu sein
Ja -
so muss es gewesen sein
doch wie ich mich auch zu
erinnern versuche gleitet es
immer tiefer zurück
und ist zum Schluss nur noch
wie ein heller Fleck auf der
Seele wie ein leichter Druck
in der Herzgegend
das Gefühl verliebt zu sein
das Gefühl glücklich zu sein
*
Dennoch
Und dennoch ist mir
manchmal als ob es
wert gewesen wäre
gelebt zu haben
*
Sache des Himmels
Einer hat seinen Glauben verloren
ein Anderer hatte ihn nie gefunden
Gerechtigkeit ist nicht
Sache des Himmels
*
Die schönsten Gedichte
Unter Einwirkung von
Alkohol schrieb er
seine schönsten Gedichte
Am Morgen danach
erkannte er sich in ihnen
selbst nicht wieder
*
Unverständlich
Eingeätzt in die Netzhaut
des Achtjährigen der Abend
als die Mutter auszog
Ein immer wieder
abrollender Film
Kein Wort der Versöhnung
So lange ist es her
und immer wieder
so unverständlich
*
Kein Verlass
Was sich so zusammenbraut
aus Erinnerungen
Kein Verlass in Sachen Gehirn
Nur Fakten zählen und
die habe ich verdrängt
Bilder wie Negative
schwarz wo Helle sein sollte
Schmerz statt Liebe
*
Der Tempel
Einen Tempel
habe ich gebaut
Dort bete ich dich an und
begehe Menschenopfer
*
Geben und
Nehmen
Was du mir gegeben hast:
die Geduld auszuharren,
den Hunger nach Nähe,
die unerträgliche Sehnsucht
und das wilde Verlangen
nach Liebe
Was du mir nicht
nehmen konntest:
meine Träume vom Leben
*
Ein Naturgesetz
Früher wollte ich
so gerne brutal sein
denn die brutalsten Kerle
bekamen immer
die schönsten Mädchen
Offensichtlich ein Naturgesetz
Später sah ich dann
dass die brutalen Kerle
auch weiterhin brutal blieben
und ihre schönen Mädchen
immer hässlicher wurden
*
Melancholie
Wozu diese
ewige Melancholie
das Leben ist auch so
traurig genug
*
Stundenlang
Stundenlang könnte ich
erzählen von Kriegszeiten
wenn ich nur einen fände
der mir zuhören will
*
Grobiane
Das Gezeter der Vögel
im Frühling macht mich
ganz krank
ich verstehe ihre Sprache
Diese Angeber
diese Grobiane
"und bist du nicht willig
so brauch ich Gewalt"
Ruft der Zaunkönig
während er eine junge
Schönheit bespringt
*
Evolution
Die natürliche Auswahl hält
nicht was Darwin sich
davon versprach
Wozu die vielen Glatzen
die Bierbäuche
das schwere Gehänge
Warum kam ausgerechnet
Toleranz und Intelligenz
ins Hintertreffen
Und wo, so fragt man sich, haben
Fußballmenschen ihren Platz
im Lauf der Evolution?
*
Was blieb
Zuerst kam die Sehnsucht
dann das Verlangen und
zum Schluss die Liebe
Später kamen dann manchmal
noch Überdruss und
Langeweile hinzu
aber die Liebe ist geblieben
*
Nach dem Rechten sehen
Bald müsste ich wieder einmal
nach Deutschland fahren um
nach dem Rechten zu sehen
Nach den Biergärten die mir
fehlen und den Glühwürmchen
denen es zu kalt ist hier in Schweden
*
Long ago
und da ist immer wieder
dieser Schmerz dieses
bohrende Gefühl
des Vermissens
der verpassten
Gelegenheiten und
das Gefühl vergebens
gelebt zu haben
long ago it must be ...
*
Gereimtes
Zufriedenheit -
Der Todfeind eines jeden Poeten
Übersättigung
Fettgewebe im Poesiezentrum
des Gehirns
Verstopfte Ganglien
Das Gerangel um
Herz und Schmerz oder
was noch schlimmer ist -
Gereimtes in Kleinschrift
*
Thema Frühling
Kein Frühlingsgedicht
nur das Geräusch
aufspringender Knospen
der Geruch von Grasbränden
die Liebespaare im
Unterholz und meine
vergeblichen Anstrengungen
irgend etwas Lesenswertes
zum Thema Frühling
zu produzieren
*
Die armen Kinder
Gestern erfuhr ich, dass
eins meiner Gedichte in
einem Schulbuch zu lesen
sein wird
Oh Gott, dachte ich
die armen Kinder ...
*
Unmut
Globalisierung und
Umweltprobleme
interessieren mich wenig
aber auf steigende
Benzinpreise und kalte Füße
reagiere ich mit Unmut
*
Bis auf weiteres
Niemandes Feind sein
den Hunden Grimassen
schneiden und Sonntags
in die Kirche gehen
Wenn der erste Schnee
fällt ist alles vorüber
*
Lebenslänglich
Wünsche können
in Erfüllung gehen
An Sehnsucht leidet man
sein Leben lang
*
Unheimlich
Glücksgefühle im Gehirn
wahrscheinlich so ein Virus
modern und multiresistent
Unheimlich allemal wo es doch
viel gesünder ist unglücklich
zu sein und virusfrei
*
Das Andere
Da war dann noch
das Andere am Himmel
groß und ungreifbar
und wie es vor
meinen Augen
einfach verschwand
*
Sondermeldung
An eine Jugend erinnere
ich mich kaum
sie war irgendwie chaotisch und
vom Deutschlandsender kamen
ständig die Sondermeldungen
*
Ein harmloser Irrer
Ich bin noch immer so ziemlich
der Gleiche
nicht unähnlich dem der keine
Gedichte schrieb
Doch meine Umgebung reagiert
misstrauisch, als fürchteten sie
mich eines Tages im Irrenhaus
besuchen zu müssen
*
In den Wäldern
des Norden
Nicht immer leicht zu wandern
in den Wäldern des Nordens
Hier dürfen Baumriesen
noch in Würde sterben
Hier hat der Troll den
Elch als Spielgefährten
*
Frühlingsgezwitscher
Was dir beim Lied
des Vogels
so nach Liebe klingt
ist Machtanspruch
und Kampf um
Lebensraum
Vielleicht ein kleiner Hitler
der da singt ...
*
Das Singen der
Vögel
Vorprogrammiert das Singen
der Vögel im Frühling
Nichts kann sie davon abhalten
Doch dir schreibe ich
lieber ein Gedicht
*
Wortsüchtig
Ich bin wortsüchtig und
liebe deine Gedichte
Wenn du schreibst, sehe
ich dir über die Schulter
und jedes deiner Worte
strahlt wie ein Juwel
*
Deine Melodie
Der Abend als du
zu mir kamst
in Form eines Liedes
Der Morgen als du
von mir gingst
nur deine Melodie
ist mir geblieben
*
Am offenen Kamin
Manchmal sitzt mein Schatten
im Sessel neben mir und
wir reden belebt über
diesseits und jenseits
während der Wind
ums Haus tobt und
das Feuer flackert
im offenen Kamin
es könnte nicht gemütlicher
sein ...
*
Ein Berliner
Unter den Linden
winkte mir einer zu
als wäre ich ein Berliner
*
Ein langer
Abend
Einhalt gebieten den Gedanken
die sich ins Fleisch bohren wollen
Den Hunden die Tür weisen
und nicht wissen ob sich
die Mühe lohnt
Geduldig sein und die
Erinnerungen nicht beachten
die in dunklen Ecken sitzen
Es wird ein langer Abend
werden
*
Ungefragt
Ungefragt wirst du in eine Welt
geboren die du nicht verstehst
und ungefragt wirst du gezwungen
sie zu verlassen wenn du gerade
angefangen hast ein paar
Zusammenhänge zu begreifen
Die Zeit dazwischen
nennt man Leben
*
Erfahrungen
Erfahrungen gesammelt
ein Leben lang -
doch kenne ich mich
noch immer nicht
*
Modenschau
Man kann die Strömungen
der Zeit ablesen an den Models
Zu Diors Zeiten waren sie noch
weiblich
sinnlich
elegant
doch jetzt
geschlechtslos
sinnlos
magersüchtig
Ich möchte wissen warum sie wie
Giraffen gehn - auf Stelzen
mit Implantat vielleicht
in Kopf und Unterleib ...
*
Meine Worte
Meine Augen sind erschaffen
um dich zu suchen
meine Hände
um dich zu fühlen
meine Worte
um dich zu lieben
*
Reisebericht I
Wir starteten um sechzehn
Uhr fünfundvierzig von Arlanda
und erreichten die Küste
bei Greifswald in elftausend
Metern Höhe
Hier spricht ihr Captain:
wir befinden uns im Anflug
bitte Gurte wieder anschnallen
Sitze aufrichten und
nicht mehr Heimweh haben
*
Reisebericht II
In einer fremden Stadt sein
unter fremden Menschen
und da ist wieder das
Gefühl von Einsamkeit
und Melancholie der
Abenddämmerung
und wieder denke ich an jene Tage
damals und ganz wie damals spiegelt sich
im Zimmer des Hotels die Leuchtreklame
von den Häuser gegenüber
*
Reisebericht
III
Kalt blies es in der Lietzenburgerstraße
bis ich sie mir entgegenkommen sah -
ganz unverkennbar dieser Gang und
in der Kleidung wäre ich erfroren
Doch dann erkannte ich:
die Autos stimmen nicht und plötzlich
war ich wieder vierzig Jahre älter
und einsam in Berlin
*
Reisebericht IV
Ich gehe sie entlang wie damals -
die Straße gibt es immer noch nur
die Fassaden haben sich verändert
wo jetzt nur Luxusläden stehn
waren Ruinen und Verfall:
die Friedrichstraße
Wir waren auf dem Weg zum
Check Point Charlie damals
das heißt ich war es, nach einem
Abschied ohne jede Hoffnung
wie alles ohne Hoffnung war
die Jahre damals in Berlin
*
Reisebericht V
Die Jahre woben
graue Fäden in mein Herz
in dieser Stadt
in die's mich immer wieder zieht
wo Kirschen blühen und
wo Marlene ihren Koffer
stehen ließ
hier war ich unglücklich
hier will ich sein
*
In Form eines
Herzens
Eine Handvoll weißer
Schneckenschalen
will ich sammeln und sie
in Form eines Herzens um
meine Erinnerungen legen
wie um das Grab des
kleinen Vogels im Garten
*
Wenn es Frühling wird
Die Tage werden immer
gleicher
ich denke an dich
ich denke an dich
ich denke an dich
morgens
mittags
abends
und besonders in den Nächten
wenn es Frühling wird
*
20
Mit 20 glaubt man noch
dass alles möglich sei
*
Das Universum
Mit Hilfe neuer Meßmethoden
berechnet man das Alter
unseres Universums jetzt auf
15,8 Milliarden Jahre
Ganz einig sind sie sich
noch immer nicht doch
ein paar Tage hin und her
spielt wirklich keine Rolle ...
*
30. März 2007
Der erste Schmetterling
flog heute über meinen
Wanderweg
Ich taufte ihn Zitronenfalter
doch weit und breit kein
Buschwindröschen
keine Annemone
Die Sonne hat ihn
viel zu früh geweckt
*
Aus der Hand
lesen
Ich nehme deine Hand
in meine
streichle sanft über die
Adern am Handrücken
drehe sie vorsichtig um
betrachte die Linien
und sage:
ich sehe, du warst
lange glücklich mit mir ...
*
Bis zum Ende der Zeit
Unser Lied -
so lange es klingt
ist die Welt noch heil und ich
weiß dass du mich liebst
Unser Lied -
wenn es einst verstummt
bin ich unterwegs in
andere Welten
Dort wird es
weiter klingen bis
zum Ende der Zeit -
bis zum Ende der Zeit
*
Ein Gedicht
Die Idee für ein Gedicht
bekommen -
Werk der Götter
es niederschreiben -
Handwerk
es veröffentlichen -
eine komplizierte Art
sich lächerlich zu machen
*
Deutsche Rechtschreibung
Gesegnet seien die Reformer
der deutschen Rechtschreibung
denen es gelang aus Chaos
Inferno zu schaffen
was aber keine größere Rolle
spielt denn Englisch ist doch
viel beliebter bei der Jugend und
den bis ins Greisenalter
jugendlichen
Fernsehmoderatoren
*
23. März 2007
Heut Nacht verschwand
das Eis vom See
wie auf ein Zauberwort
und ungewöhnlich früh
auf Grund des milden Winters
Die Fische jubeln und
dem Frühling steht
nichts mehr im Weg
*
Buchschluss
Ich mache Buchschluss heute
da gibt es manches
zu bedenken an
Plus und Minus
Das Leben hat es gut gemeint
bis jetzt doch steht die
große Revision noch aus
*
Ein schönes
Paar
Wenn es eine gäbe
die mir ähnlich ist
dünnhaarig
dicklich
faul
gutmütig
vielleicht könnte
ich sie lieben
*
Am Telefon
Am Telefon sitzen und warten.
Warum klingelt es nicht -
warum rufst du nicht an
Warum weißt du nicht einmal
dass es mich gibt -
und dass ich auf dich warte ...
*
Bare Münze
Manche Abende
versteigt man sich leicht
in Ungereimtheiten,
nimmt Liebe für
bare Münze und
gerät vor Glück fast
aus dem Häuschen
Diese Abende bereut man
oftmals lange
*
Im Mai
Der Tag an dem ich einsah
dass wir uns nie
begegnen würden
Der Tag an dem
der Winter kam -
im Mai
*
Winterschlaf II
Den Winterschlaf
in Höhlen verbracht,
habe ich lange
auf dich gewartet
Deine Gedichte
trug mir der Sturmwind zu
deine Träume weckten mich
aus den meinen
Nur eine Sehnsucht lang
haben wir gelebt und
einen Glückstag lang geliebt.
Die Jahre zogen weiter
*
Schlechter Film
Vergangene Nacht lief
mein Leben im Traum
vor mir ab wie ein Film
und ich dachte dauernd
"was für ein
schlechtes Manus ... "
*
Abende wie
dieser
An Abenden wie diesem
denke ich an dich
An Abenden die schwarz
sind vor Einsamkeit
und glühend rot
vor Sehnsucht
An Abenden wie diesem
erinnere ich mich
an Tage der Liebe und
Stunden des Glücks
Ich denke an dich,
Liebste
*
10. März 2007
Vorfrühling hier im Norden
doch noch liegt Schnee
in schmutzig grauen Haufen
und noch bläst kalter Wind
An gut geschützten Stellen
stehn alte Leute in der Sonne
Man sieht es ihnen an -
sie überlegen sich ob es
ihr letzter Frühling ist
*
Wanderung
Gegen Abend zogen
Wolken auf und die
Hoffnung verschwand hinter
schwarzem Gestrüpp
Steil ging es bergauf -
unser Ziel erreichten wir nie
*
Unverzeihlich
Mir taten stets Mädchen leid
die ausgenutzt wurden
Erst später verstand ich, dass
einige ausgenutzt werden wollten
Helen rettete ich vor den
plumpen Annäherungsversuchen
eines Kavaliers in Wien
Ritterlich begleitete ich sie
in unser gemeinsames Hotel
und ließ sie einsam schlafen
Das hat sie mir bis heute nicht
verziehen ...
*
Im Erwachen
Lautlos wie die Schatten der
Nacht eilen meine Gedanken
zu dir und flüstern dir Worte
der Liebe ins Ohr
Du lächelst zärtlich
und im Erwachen
ist dir als hättest du
einen Traum gehabt
*
Wer liebt mich
dann?
Vielleicht hat dich doch nur
meine Sehnsucht erschaffen
und vielleicht lebst du doch nur
in meiner Phantasie
Aber wer ist es dann der mir
Briefe schreibt und meine
Antwort liest - und wer
ist es dann der mich liebt?
*
Geheimdienst
Vor meinem Fenster
sitzt eine Krähe
auf der Telefonleitung
Es sind fast immer Krähen die
meine Gespräche belauschen -
aufgewachsen in Hinterhöfen,
geschult vom Geheimdienst
*
Müllabfuhr
Ich höre draußen die Müllabfuhr
und denke:
schon wieder eine Woche um
Meine Tüten sind auch
mit drin -
Abfall ist das Einzige was
ich noch produziere
Aber es schafft Arbeitsplätze.
Die Maschine poltert,
die Männer arbeiten schwer.
Mülltonnen werden gehievt
Meine Abfälle sind
ihr Lebenszweck
*
Es hilft nicht
Mit Absicht betrunken habe ich mich
schon lange nicht mehr
ich weiß nämlich, es hilft nicht
Es hilft nicht gegen Gespenster
die in Ecken sitzen
sie werden nur immer mehr
Und es hilft nicht
gegen die Sehnsucht
sie wird nur immer schlimmer
Es hilft auch nicht gegen den Tod
den kümmert es wenig ob einer
nüchtern ist oder betrunken
*
Wohin die Reise geht
Ich sitze und lese Gedichte von
Menschen die nicht wissen
wohin das Leben mit ihnen
unterwegs ist
Von meinem Sessel aus kann ich
Züge sehen die lautlos durch die
Nacht rasen
Alle sitzen wir in Zügen
und wissen nicht
wohin die Reise geht
*
Endlich Reklame
Im Zimmer nebenan läuft
der Fernseher -
sie ziehen so eine alte
amerikanische Show ab
Immer dieses künstliche Gelächter -
es ist eine Maschine. Sie drücken
auf den Knopf und heraus kommt
ein künstliches Lachen
Noch nie habe ich erlebt
dass ein normaler Mensch lacht
an Stellen wo sie auf den
Knopf drücken
Ich atme auf -
endlich Reklame
kein Gelächter mehr
nur noch purer Wahnsinn
*
Warnung vor dem Frühling
Kettet die Schoßhunde an
und die Gefühle denn
der Frühling ist nicht weit
Wappnet euch mit Ruhe
legt Scheuklappen bereit
denn der Frühling naht
Der große Betrüger naht
der Liebe verspricht
und weiterzieht
Kettet die Schoßhunde an
*
Alles was ich
weiß
Und wieder einen Tag gelebt
und wieder einen Tag
an dich gedacht
Du bist mein Morgen
und mein Abend
und du bist alles
was ich weiß
*
Meine Worte
Sie leben in mir
und ich lebe mit ihnen
Worte, ob gut ob schlecht
ich weiß es nicht
doch es sind meine ...
*
Neue Welten
Eben noch war ich Kind
Eben spielte ich noch
verbotene Spiele
erkundete neues Land
entdeckte neue Welten
Eben war es noch Morgen
*
Bukowina
Heute las ich
Rose Ausländer
Ihre Worte voller
Heimweh
Ihr Herz
voller Bukowina
*
Sie leben auf
Sie leben auf wenn sie
an ihre Jugend denken,
die alten Damen
Die Wangen leicht gerötet
und in den Augen einen
Abglanz jenes Blicks
der Himmel war, dem
der sie liebte
*
Unwirklich
Aus einem Traum erwachen -
das Glucksgefühl festhalten wollen
dich zurückrufen wollen
Doch die Schemen lösen sich auf
werden durchsichtig
unwirklich
Warum lässt du mich
immer von dir träumen
wenn du doch nicht
bleiben willst ... ?
*
Feinde
Du kennst nicht deine Feinde
sie lauern hinter sieben Hügeln
und haben Masken über ihren
hämischen Gesichtern
Neid, Eifersucht und Missgunst
heißen ihre Götter -
die Lüge ist ihr Lebenszweck
*
Komplimente
Ja Leute,
ich liebe es wenn man mir
schreibt und mich ein wenig lobt
und sauge wie ein Schwamm
die Komplimente auf
Man hat ja sonst
nicht viel vom Leben ... :-)
*
Leben
Wenn ich von Leben rede
ist es die Zeit als deine Liebe
tröstete in langen Nächten
Wenn ich von Sterben rede
ist es von Abschied und
der Zeit danach
Auf einem Sonnenstrahl
kamst du zu mir -
im Dunkel der Nacht
hast du mich verlassen
*
Liebe
Du sagst mir
immer noch
dass du mich liebst
Und ich,
ich glaube es
noch immer nicht
*
Der Geruch von
Einsamkeit
Sie lassen immer etwas zurück
Vergilbte Fotos von Menschen
die uns fremd sind
verstaubte Bücher von Schriftstellern
die niemand mehr liest
und einen Geruch von Einsamkeit
Sie nehmen auch immer etwas mit
Einen Teil unseres Lebens
der unwiderruflich verloren ist
und ihre uneigennützige Liebe
Man nennt sie Eltern
*
Verjüngungskur
Neulich traf ich einen Bekannten -
auch so ein älterer Jahrgang und
wir überlegten uns wann man
richtig alt ist
Mit 70 Jahren schlug ich vor
er meinte mit 80 Jahren
Schließlich einigten wir uns darauf
dass man erst richtig alt ist wenn
es keinen Spaß mehr macht
junge Mädchen zu sehen
Gerade da ging eine vorüber -
so an die 17 und mit allem Zubehör
Wir zogen unwillkürlich den Bauch ein
bei dieser Verjüngungskur
*
Freundliche
Worte
Ab und zu schreiben mir Frauen
die meine Gedichte gelesen haben
Meistens freundliche Worte und
ich antworte ebenso
Dabei stelle ich mir vor dass sie
klug und attraktiv sind
Ich frage nie nach ihrem Alter
das ist unfein
Leider wissen sie aber alle wie ich
aussehe und wie alt ich bin
Ich glaube sie schreiben an meine
Gedichte - nicht an mich ...
*
Unser Lied
Zu oft hast du
um mich geweint,
zu selten sagte ich
dass ich dich liebe
Jetzt gehen wir
getrennte Wege
doch unser Lied
wird mich begleiten
bis ans Ende
*
Sie wollen
meine Seele
Sie lauern mir auf -
die Zeugen Jehovas
sie wollen meine Seele
retten
Ein ziemlich undankbares
Unterfangen und meine
Sünden habe ich schon
längst gebeichtet
*
Der Strom geht weg
Vieles kann ich verkraften
nur nicht wenn Frauen weinen
Da klickt es dann bei mir,
die Sicherung geht durch
und ich bin völlig hilflos
Wie gut, dass es nicht
viele wissen
*
Hoffnung
An Winterzweigen hängen
erste Frühlingstropfen
Ungeduldig bewegt sich der See
unter seiner Decke aus Eis
Auf die Wildgänse wartet
das Sommerquartier
Hier werden sie ihre Jungen
großziehen -
hier sprießt noch Hoffnung
*
Electrical Boys
Der Lärm ist höllisch aber
ich halte ihm stand denn
mein Enkel ist dabei und spielt
auf so etwas Elektrischem
Jeder der irgendwie noch
bei Verstande ist, hat
Pfropfen in den Ohren
auch die die spielen
Sie nennen es Musik aber
warum um Gottes Willen
muss es denn
so höllisch laut sein
*
Löwenzahn und
Vergissmeinnicht
Auch wir rastlosen Wanderer
werden einmal
zur Ruhe kommen
Unsere Sehnsucht und Unrast
trugen wir mit uns
wohin wir auch gingen
Stets waren wir bereit zu Aufbruch
und Flucht, aber alle werden wir
sesshaft am Ende
Wo der Löwenzahn blüht
und das Vergissmeinnicht
richten wir uns häuslich ein
*
Tango Nuevo
Astor Piazzolla hat mich den
argentinischen Tango
lieben gelehrt
Welch sehnsüchtige Klänge
man dem Bandoneon
so entlocken kann
Wehmut, Fernweh,
Liebe, Leben, Tod -
alles was man will
Auch bei Mozart habe ich Gefühle
und auch bei Chopin kann ich
weinen -
doch richtig wohlig leiden
kann ich nur bei Piazzolla
*
Nur ein
Schatten?
Vielleicht warst du
doch nur ein Schatten,
ein elektronischer Abdruck
in meiner Mailbox
Eine Fata Morgana
im Internet,
ein Traum aus
Bits und Bytes
Oder hast du
mich wirklich
geliebt?
*
Die Pianistin
Als ich ihre CD hörte, habe ich
sie maßlos bewundert
Als ich ihre Autobiographie las,
war ich sprachlos vor Staunen
Eine Schönheit ist sie
allemal
Jetzt fürchte ich für sie -
denn so freizügig ist
das Leben nicht auf Dauer
*
"Hallo
Deutschland"
Ich habe mich beim ZDF beklagt
Wer will schon jeden Abend sehn
wie viele Missgeburten es in
Deutschland gibt und Mörder -
von denen haben wir hier selbst genug
Als Antwort kam ein Standardschrieb -
sehr aufmerksam und ich muss
eingestehen dass nicht nur Missgeburten
dort beim ZDF beschäftigt sind
*
Liebe
Da spielt sich
nicht mehr so viel ab
mit Frauen
doch ab und zu erinnert
man sich noch an dieses
herrliche Gefühl wenn
eine sagte
"ich liebe dich"
*
Ikarus
Manchmal ist mir nachts
als ob ich lebe
als ob mir Flügel
wüchsen
Am Tag dann wollen
meine Flügel nicht
mehr tragen
Ich stürze schwer und
unbeholfen in die Tiefe
wie Ikarus
*
Der Fanatiker
Ich bin was man einen
Vanillesoßenfanatiker
nennen könnte -
ich weiß auch genau warum
In meiner Jugend im Krieg als es
nur wenig zu essen gab und
auch sonst nicht viel Gutes,
hatte ich Freunde denen ein
Faltboot und ein Zelt gehörte
Ungeheure und seltene
Schätze damals -
sie hatten auch Mädchen, was mich
nicht wunderte bei dem Reichtum
Ein Wochenende nahmen sie
mich mit zum Zelten auf eine
kleine Insel mitten im Main
Gewaltig kam es mir damals vor
das Flüsschen
Was wir die drei Tage für Essen hatten
habe ich keine Ahnung mehr
es gab ja fast nichts - aber einen
Abend kochten sie Vanillesoße
Das Zelt, das Boot, der Fluss,
die Mädchen, das Quaken der Frösche,
die Glühwürmchen, das Lagerfeuer
und dazu Vanillesoße
das hat mich geprägt
fürs ganze Leben ... :-))
*
Gewöhnliche
Irre
Was es so alles gibt
auf dieser Welt:
Verrückte, Besoffene,
Verliebte und
gewöhnliche Irre
Darunter immer solche
die Gedichte schreiben
Zu denen zähle ich mich
selbst und bin in
ausgezeichneter Gesellschaft
*
Nichts bleibt
Immer wartet man darauf
dass was zu Ende geht
der Sturm, der Winter,
der Sommer, die Schmerzen
Meistens geht es auch
vorüber
Einige Dinge will man aber
dass sie bleiben
die Liebe, das Leben
Leider Gottes
gehen die auch zu Ende
Wenn ihr mich fragt
ist es gut so
*
Völlig wertlos
Zwei Gläser Wein
hat es gekostet
ein Blatt Papier
ein bisschen Kugelschreiber-
Farbe
und ist völlig wertlos
dieses Gedicht
*
Himmel und Hölle
An dem Gedanken
ist nichts auszusetzen:
die Guten kommen in den Himmel
die Schlechten in die Hölle
Nur frage ich mich -
bin ich da schon oder
habe ich es noch vor mir?
*
Das letzte Aufgebot
Natürlich hätte es auch schlechter
laufen können -
damals 1945
Ich hätte ein Jahr älter sein können
dann wäre ich zum letzten
Aufgebot gekommen
Volkssturm nannten sie es
obwohl keiner so besonders
gut im Stürmen war -
Invaliden, Alte und Kinder
Aber glaubt nur nicht dass ich
dankbar war -
damals 1945
Um der Schule zu entfliehen
hätte man so manches
auf sich genommen
*
Huren
Huren nannte Bukowski
seine reimenden Kollegen
Ein wenig übertrieben
würde ich sagen, aber er saß
nachts um ein Uhr dreißig in
Unterhosen an der Schreibmaschine
bei seinem siebenten Gedicht in
einem verqualmten Zimmer
und war betrunken
Das entschuldigt einiges ...
*
Nachdenken
Wenn ich mal Zeit habe
zwischen zwei Gedichten
und den Shows im TV, will ich
über das Leben nachdenken
Vielleicht auch nur nachfühlen
denn begreifen kann man es nicht
Eben war es noch da -
du willst es festhalten
aber es entgleitet
deinen Händen wie die
Seife in der Badewanne
auf Nimmerwiedersehen ...
*
Der Wolf
Wie ein gefangener Wolf
versuchte ich früher
der Falle zu entkommen
bereit, das eigene Fußgelenk
durchnagen zu müssen
Inzwischen habe ich gelernt
zu schreiben statt an
Knochen zu nagen
Man arrangiert sich irgendwie
*
Nichtstun
Wenn ich im Sessel sitze -
mit Nichtstun beschäftigt,
kann es passieren dass mir
ein Gedanke kommt
Dann nehme ich Block und Bleistift,
schreibe ihn auf und mache
weiter mit Nichtstun
Das nenne ich meine
Arbeitsdisziplin
*
Der Schriftsteller
Der Mann schrieb nur
von seinem eigenen Leben
Gedichte, Kurzgeschichten
und Romane
Gedichte möchte ich schon
schreiben können so wie er -
sein Leben will ich ganz
bestimmt nicht haben
*
Chopin
In jungen Jahren war ich der
"Räuberhauptmann" unserer Gegend
ein wildes Bürschchen
Später bekam ich lange Zeit
Klavierunterricht und als
Vorbilder zeigte man mir
diese Musterschüler
diese jungen Chopins denen
die Angst anzusehen war
wenn sie mir begegneten
Was aus ihnen geworden ist
weiß ich nicht -
aus mir wurde nie ein Chopin
*
Antik
Immer wenn ich
Gedichte meiner Enkelin
vom Schwedischen ins
Deutsche übersetzen will
komme ich mir so richtig
antik vor
Sie ist 17 und ihre Worte
sind wie ein fremder Dialekt
für mich
Andererseits weiß ich auch
schon lange nicht mehr wie
Jugendliche in Deutschland
miteinander reden
Es kann doch nicht
alles geil sein ....
*
Falsche Medizin
Ich studiere die Packungsbeilage
einer neuen Medizin
Einen Arzt oder Apotheker
kann ich leider nicht fragen
Da steht unter Nebenwirkungen
Haarausfall -
so ein Glück, denke ich
dass man keine mehr hat
*
Altmännergedichte
Meine beste Freundin
klagte mich an
Altmännergedichte zu schreiben
und nannte sie schamlos
Wenn die wüsste wie es ist
auf einem Vulkan
zu sitzen
im Rollstuhl ...
*
C.B.
Du fragst warum ich
Charles Bukowski lese?
Der Mann war
so unheimlich ehrlich
so enorm schamlos und
so unendlich begabt
braucht es mehr Argumente?
*
Vielleicht doch
Wieder einen Gedichtband
gekauft und gedacht: Mann,
der das geschrieben hat, hätte
auch lieber Metzger werden sollen
Aber was fängt man andererseits
mit einem gestörten Metzger an -
vielleicht doch besser der Mann
schreibt Gedichte
*
Aus der
Jugendzeit
Meine Kumpels - alle so um die 17
hatten mitten im Winter
ein Mädchen angemacht und
mit in den Park genommen
Dort lag sie dann halbnackt
auf einer vereisten Bank und
ließ alle mal ran
Als die Reihe an mich kam
fühlte ich mich total schäbig
und sagte nein
Viel später schlug mich der Gedanke
dass sie vielleicht enttäuscht war
einen überhüpft zu haben
Was einem so alles durch
den Kopf geht wenn man alt ist
und nicht mehr viel machen
kann ...
*
Falsche Götter
Ich war ein kleiner Junge
in der Hitlerzeit
Er war unser Gott und wir
hatten keine Götter neben ihm
Das hatten sie mit viel
Geschick so geordnet
Seitdem ist es mir stets
leicht gefallen
auf Götter zu verzichten
*
Ungereimtes
Manchmal kannst du lange warten
bis ein Gedicht angeschwirrt kommt
Aber dann pack es schnell und
schreib es nieder bevor so ein
Reim-Fritze es in die Finger bekommt
und total verkitscht
denen ist nichts heilig ...
*
Für dich
Warum quälst du mich
im Traum
mit deinen traurigen Augen
und Worten der Liebe
Wir waren nie für einander
bestimmt
selbst die Hoffnung starb
nur die Sehnsucht
bleibt für ewig
Warum quälst du mich?
*
Diskret
Ab und zu
holen sie einen ab
im Haus
Meistens
geht es sehr
diskret vor sich
Na ja,
denke ich -
der hat's geschafft
*
6 Milliarden
Du bist immer einsam
eingeschlossen in deinem
zu engen Körper
in einer zu kleinen Welt
zusammen mit
6 Milliarden anderen
Einsamen
*
Gedichte lesen
Was ist besser
Gedichte schreiben oder
Gedichte lesen?
Am schönsten ist es
eigene Gedichte in
einem Buch zu lesen
falls sie gut sind -
aber das sind sie selten
*
Immer wieder
Ich lese seine Gedichte
immer und immer wieder
"eine verwandte Seele"
denke ich und unbequeme
Erinnerungen aus der eigenen
Jugendzeit tauchen auf
Manchmal ist es bequem
zu vergessen aber es ist
auch gut Gedichte zu finden
die einen in die Wirklichkeit
zurückrufen - ungeschehen machen
kann man nichts
*
Samurai
Ich muss mal wieder
ins Kino gehen und mir
was Knallhartes ansehn
Keine Liebesgeschichten
die sind doch alle verlogen
Lieber etwas Japanisches
was von Samurais
Wenn die Köpfe rollen
lebe ich etwas auf ...
*
Endlos
Habe gerade
in einem Buch gelesen
dass unsere Erde
4 1/2 Milliarden Jahre
alt ist
Das ist gar nichts -
meine Tage sind endlos
wenn ich auf dich warte
*
Zwei Uhr nachmittags
Bei uns ist es stockdunkel
im Dezember so gegen
zwei Uhr nachmittags
Noch weiter nördlich
wird es überhaupt nicht
hell um diese Jahreszeit
Kein Wunder dass
die Leute deprimiert sind
und saufen
Aber heller wird es
davon auch nicht
*
Schubert
Ich sitze bequem im Trockenen
und sehe Sturmwolken
vorüberziehen
Ein Glas Wein steht griffbereit
und ein Quartet von Schubert
läuft im Plattenspieler
Ich könnte zufrieden sein
wenn der Titel nicht wäre:
"Der Tod und das Mädchen"
*
Gelegentlich
Gelegentlich denke ich
ich hätte doch lieber Poet
werden sollen als Architekt
Aber wie hätte ich mir dann
die Autos leisten können,
das Boot, die große Villa,
die langen teuren Urlaube
Wer hätte dann das Studium
der Kinder bezahlt und
den Schmuck meiner Frau -
und besonders begabt
war ich auch nicht ...
*
Du
Und da ist wieder
diese wilde
unvernünftige Sehnsucht
und der Griff um die Kehle
will sich nicht lockern
Du bist bei mir
du bist in mir und
du wirst nie verstehen
warum ich dich liebe
*
Auf der Flucht
Meine Nachbarin
hat Krebs -
unheilbar
Einst ist sie
vor den Russen
von Estland nach
Schweden geflüchtet
in einem offenen Boot
mitten im Winter
Jetzt macht sie sich
wieder auf den Weg ...
*
Ein neues Jahr
Immer hofft man
auf ein neues Jahr
auf eine Galgenfrist
Später hofft man nur noch
auf einen neuen Tag
einen Tag ohne Schmerzen
Dann hört man auf
zu hoffen
*
Lyrik von Jetzt
Ich liebe Lyrik -
auch die moderne
Die Grenze geht bei mir
wo man aus gutem Grund
vermuten muß, die Werke
eines Geisteskranken
in der Hand zu halten
und das ist leider immer
häufiger der Fall
*
Meine Enkelin
Meine Enkelin
schickt mir manchmal
ein paar ihrer Gedichte
Sie ist begabt und alle
Zweifel und Ängste
aus jener Zeit
kommen mir wieder
in Erinnerung
Wie gut alt zu sein
denke ich dann -
alt und vertrocknet ...
*
Neue Idole
Auch die Helden sind
nicht wie sie
einstmals waren
Wer wird denn heute
noch in Erz gegossen
hoch zu Roß und edel?
Die Zeiten ändern sich -
nun muß man singen können
je lauter desto besser ...
*
20. Dezember
2006
Das Eis will sich nicht legen
dieses Jahr auf meinem See
Grau der Himmel und
verlassen unsere Bank
Der Uferweg liegt einsam
ich wünsche du wärst hier
*
Über Liebe
schreiben
Vielleicht sollte ich doch
mehr über Liebe schreiben -
am besten über unglückliche
das wird so gern gelesen
und so viele kennen sie
aus eigener Erfahrung
*
14 Jahre
Meine erste Liebe -
ich war gerade 14 Jahre und sie
die Tochter eines Opernsängers
Noch heute, 60 Jahre später
tut es mir leid nicht wenigstens
versucht zu haben sie zu küssen
Wie weh es tut zu lieben
wenn man 14 ist ...
*
Man ist zufrieden
Mein Freund Charles B
konnte dieses Gefühl
so gut beschreiben -
Dieses Gefühl verschiedenes
falsch gemacht zu haben,
verpasst zu haben im Leben
Gut, wenn man wenigstens
schreiben kann wie es
hätte laufen können,
wie es hätte sein können
Zu guter Letzt glaubt man
selbst daran und ist zufrieden -
oder glaubt es wenigstens
zu sein
*
Tote Fliegen
Wie eine alte Kröte sitze ich
und warte auf mein Frühstück -
"tote Fliegen", denke ich ...
Als das Frühstück kommt,
sind es knusprige Brötchen
mit Butter und Räucherlachs
dazu frisch gebrühter Kaffe
Hmmm, denke ich -
das mit den Fliegen
kannste vergessen
*
Im siebenten Himmel
Ein Kirchgänger ist nie
aus mir geworden doch
komme ich ab und zu
nach Berlin, gehe ich
zu Hubendubel
bei der Gedächtniskirche
Dort kaufe ich einen
Gedichtband, dazu im Café
einen Cappucino und
fühle mich wie im
siebenten Himmel ...
*
Gute Butter
Was man doch so an
eigenartigen Erinnerungen
mit sich schleppt
Eben fiel mir wieder dieses
Einkaufszentrum ein - in
Berlin Ost, wo ich damals wohnte
Es sah aus wie im Westen
viele Regale - nur hier
waren die meisten leer
Manchmal ergatterte ich ein
Stück angeblich gute Butter
und war fasziniert sie in der
Pfanne zu beobachten
wie sie langsam schmolz
und sich in eine Wasserlache
mit ein paar Fettaugen darauf
verwandelte
Zum ersten Mal offenbahrte sich
mir damals die Überlegenheit der
sozialistischen Marktwirtschaft
*
Berlin
Ab und zu fahre ich nach Berlin
um das Elend der Menschheit
zu studieren
Nicht, daß Berlin schlimmer wäre
als andere Großstädte -
ganz im Gegenteil
Ich gehe dann ins KdW und
lasse mich vom Kapitalismus
berieseln
Pestbeulen der Menschheit
nenne ich die Großstädte und
fahre immer gerne wieder hin
*
Genealogie
Die Gene des Menschen
sind zu 99 Prozent
gleich denen des Schimpansen
Das eine, abweichende Prozent
besteht aus der Gabe
Poesie schreiben zu können
*
Ciss-Moll
Traurigkeit ist keine
Krankheit der Seele
Traurigkeit ist eine
Tonart des Lebens
Ciss-Moll glaube ich -
wie bei Chopin
*
Das Berlin-Gefühl
Ich nenne es mein Berlin-Gefühl
und es hat absolut nichts
mit dem Koffer zu tun
den Marlene Dietrich dort
noch stehen hat
Es stammt vielmehr aus
meiner DDR-Zeit, als ich in
Berlin-Ost stationiert war
um das Hotel am Palast und
einiges Andere zu bauen
Die ganze Woche über
schuftete ich schwer
und freute mich kindisch
auf den Sonntag
in Berlin-West
Am Sonntagmorgen nahm
ich dann die S-Bahn zum
Bahnhof am Zoo. Es regnete
und die Geschäfte waren
weitgehend geschlossen
Und da -
wie ein Blitz aus heiterem Himmel
überfiel mich dann dieses Berlin-Gefühl
während ich in leeren, regennassen
Straßen umherirrte
Lietzenburgerstraße
Uhlandstraße und Kudamm zurück
vollständig hoffnungslos
vollständig sinnlos, vollständig
einsam und zu Tode gelangweilt
Meistens fuhr ich bald wieder zurück
in das Bauern- und Arbeiterparadies,
wurde am Grenzübergang von
mürrischen Beamten gründlich
durchsucht und fuhr dann die Stalinallé
mit der Straßenbahn hinaus zu
meiner Wohnung um den Rest
des Sonntags zu verschlafen
während vor unserem Wohnblock
die ganz offensichtlich geheimen
Stasiagenten Wache hielten um ihre
DDR-Bürger vor jeglichem Kontakt
mit uns dekadenten Schweden
zu schützen
Das ungefähr ist, was ich mein
Berlin-Gefühl nenne.
Vielleicht ist es schwer zu verstehen
und bisweilen überfällt es mich auch
anderswo - doch nie so heftig wie an
jenen Sonntagen am Bahnhof Zoo
*
Bevor das Eis
sich legt
Die Zeit zwischen Herbst
und Winter
die Zeit zwischen Liebe
und Abschied
bevor das Eis sich legt
bevor alles
zu Ende geht
*
Späte Einsicht
Heute ging mir endlich auf
warum ich nie ein großer
Poet werden würde
auch wenn ich wollte
Es geht mir zu gut -
ich lebe in diesen gesicherten
Verhältnissen wo keine
Poesie gedeihen kann
Nie gehungert, selten betrunken
nie herumgehurt -
was soll da schon groß
dabei herauskommen ...
*
Man wird alt
Da ist immer noch diese
verdammte Sehnsucht
aber ich habe längst
vergessen wonach ...
*
Kreuzworträtsel
Sie quält sich in
ihrem Kreuzworträtsel
mit der Straße von
Sumatra herum und
dem zweiten Sohn
von Kains Neffen
Ich konnte diese Rätsel
nie leiden.
Lieber zugeben daß man
ein Dummkopf ist
und das Heft in
die Ecke knallen
Es gibt auch ohne Hefte
so viele Rätsel und
Ungereimtheiten über
die man nachdenken
kann -
das Weltall zum Beispiel
*
Ansichtssache
Wir sind mit dem Auto unterwegs,
kommen durch gottverlassene
Nester und fragen uns:
wie kann jemand so dumm sein
an so einem Ort zu leben?
Die Leute in den gottverlassenen
Nestern sehen uns vorbeifahren
und fragen sich:
wie kann man nur so dumm sein
sinnlos in der Welt herumzufahren?
*
Ziemlich simpel
Siehst du, sagte mein
technisch begabter Freund
so einfach ist es:
du brauchst nur das
Kabel da reinstecken
den Computer anschalten
am Bildschirm auf
"Word" klicken um
ein Dokument zu öffnen
nur den Text musst du
dir selbst ausdenken -
und das habe ich dann
getan und dieses
geschrieben, was trotz
Computer ziemlich simpel
ausfiel
*
Fit
Morgen geht´s wieder einmal
auf Reisen.
Man kann ja nicht immer nur
so herumsitzen und alt werden
man muß aktiv sein um
fit zu bleiben
Man sitzt dann erst stundenlang
am Flugplatz herum,
später 10 Stunden im Flugzeug,
dann im Taxi und schließlich
an der Hotelbar -
aber es ist eine andere
Aussicht von dort
und man fühlt sich fit
*
Gute Ratschläge
Du versuchst "smart" zu sein,
gibst gute Ratschläge -
die Enkel pfeifen drauf
deine Kinder haben damals
noch nicht einmal gepfiffen
Alle wollen unbedingt
deine Fehler wiederholen
und wissen nicht einmal
daß es deine Fehler sind
sonst würden sie es lassen
Na ja, sie werden klüger
wenn sie älter sind -
doch da ist dann wieder
keiner der ihre Ratschläge
hören will
*
Betrachtungen über Mode
Es gab sie schon immer
die Mondänen und die
Modebewußten und die,
die halb nackt gingen
und die, die jeden Monat
ein Vermögen ausgaben
für Kleider
Aber daß eine Schnur
durch den Hintern gezogen
einmal den Schlüpfer
ersetzen würde,
hätte ich mir nie
träumen lassen
*
Achtzehn
Diese jungen Mädchen mit
18 oder so - sie wissen alles
und wissen nichts vom
wirklichen Leben
Vielleicht ist es gut so
und vielleicht ist es gut
daß sie Dummheiten machen
und Fehler begehn
Nur - es gibt Fehler die
macht man mit 18 und
bereut sie noch mit 80 -
und das wissen sie nicht
*
6. November
2006
Fast unmerklich geht
die Nacht in Morgen über.
Das Herzklopfen will heute
nicht aufhören.
Er stellt das Radio an und
denkt: noch so ein Tag.
Draußen erwachen die
alltäglichen Geräusche.
Der Zeitungsbote kommt,
der Briefträger, die Müllabfuhr.
Immer das Gleiche,
denkt er wieder.
In der Zeitung steht von
Saddams Todesurteil aber
wen interessiert das schon ...
*
Falu-Rot
Schwedische Bauernhäuser
sind oft aus Holz gebaut und
rot-rostbraun gestrichen -
die Farbe heißt Falu-Rot
Ich sitze in der Sonne
an eine rot-rostbraune Hauswand
gelehnt und versuche ein Gedicht
zu schreiben - vergebens
es muß an der Farbe liegen ...
*
Heiße Liebe
Vor meinen Augen steigt
ein Telefonarbeiter auf
einen Telefonmast und repariert
eine Telefonleitung
Vielleicht haben allzu heiße
Gespräche der Liebe sie schmelzen
lassen - denke ich im Stillen
*
Herr der Ringe
Baumriesen stehen vor mir -
ob sie wohl auch manchmal
ausziehen um das Böse zu
bekämpfen wie im
"Herr der Ringe"???
*
Zwei Sammler
Ich sammle lyrische
Edelsteine und Wortperlen
sortiere sie in Fächer
und bewundere sie
von Zeit zu Zeit
Meine Frau sammelt Igel -
wir sind beide glücklich
*
Ein Wanderer
Unter meinen Füßen
das störrische Land
über das ich gehe
und in dem ich einst
ruhen werde
*
Samstagabend
Und da war dann wieder
dieses typische
Samstagsgefühl
dazu der Regen draußen
und die Nacht
wäre ich jünger würde
ich mich vielleicht verloben
oder Selbstmord begehen
egal was ...
*
Heimat
Der Ort in dem man
aufgewachsen ist
Der erste Schultag
die erste Liebe
die erste Enttäuschung
Heimat nennt man es und
meine liegt 1530 Kilometer
weit entfernt
am Ende der Welt
*
Keine Träne
Nein, Tränen habe ich ihr
keine nachgeweint
und keine Liebesbriefe
aufgehoben
Doch jetzt, ein Leben später
wünschte ich
ich hätte es getan
wie war doch schnell ihr Name?
*
Ein Fremder
Diese gottverlassenen
Wohnungen und Häuser
in denen ich einmal
gelebt habe
Ob sie sich noch an mich
erinnern?
Ob sie sich wohl daran
erinnern, daß ich dort nie
zu Hause war
und ob sie wissen daß ich
immer noch
ein Fremder bin?
*
So war das
gelaufen
Woran er sich später
so gern erinnert hätte:
das zerwühlte Bett,
ihre verstreuten Kleider
am Boden
die wunderschönen
aber traurigen Augen
als er ging
In Wirklichkeit hatte er sie
zufällig kennengelernt und
ein Hotelzimmer genommen.
Morgens stellte sie sich schlafend
und war weniger schön als
am Abend vorher. Später fehlten
ihm ein paar größere Scheine
in der Brieftasche.
So war das gelaufen ...
*
31. Oktober
2006
Was anfangen mit
diesem Morgen -
Regen schlägt ans Fenster
Schnee ist gemeldet und
der Kaffee kalt geworden
Ich schließe die Augen
denke an Sommer
denke an bunte Wiesen
über die du mir
entgegenkommst
jung und glücklich
*
Die Zeiten ändern
sich
Früher dachte ich:
so kann es doch nicht
weitergehn -
immer die gleichen Tage
immer die gleiche Liebe
Heute denke ich:
wenn es nur
so bleiben könnte
mit den Tagen und
der Liebe
Leider weiß ich:
weder sind Tage beständig
noch ist Liebe ewig
*
Ohne Gezeter
Auf der Suche nach
einem Gedicht gegen
schlaflose Nächte -
auf der Suche nach
einem Gedicht gegen
verlorene Jahre
Kurz muß es sein und
ohne viel Gezeter denn
die Nachbarn sind
hellhörig und so wenig
Zeit die bleibt
*
Geschäftliches
Wir hatten mehrere Tage
nicht miteinander telefoniert.
Sie ist so beschäftigt ihre
verdammten Bilder zu verkaufen.
Billige Drucke in teuren
Rahmen - genial.
Man muss es ihr lassen
sie ist geschickt, aber ich
wurde immer saurer.
Am Telefon sitzen und
auf Anrufe warten
ist nicht gerade mein Bier.
Schließlich war sie dann doch
am Apparat und redete
lang und breit von großem
Umsatz und hohen Profiten.
Ich werde mir wohl bald was
anderes suchen müssen -
mit kleinerem Einkommen aber
mehr Zeit für Telefongespräche.
*
Ewige Suche
Zwischen Morgengrauen
und Abendrot
zwischen Geburt und Tod
Die ständige Suche
nach Wärme, nach
Freundschaft und Liebe
Dieses ewige Streben
nach Glück zwischen
Traum und Wirklichkeit
*
Einsamkeit
Von Zeit zu Zeit
begegnet mir eine alte Dame
und wir sprechen ein wenig
von Kindern, Enkeln und
was es sonst noch
Wichtiges gibt im Leben
"Sie besuchen mich so selten"
sagt sie und dann gehen wir
weiter, jeder in seine Richtung
*
Nur ein Märchen
Von einem der auszog
das Lieben zu lernen
Er fragte den Bach:
du plätscherst so froh
vor dich hin - bist du verliebt?
Er fragte den Wind:
du streichelst so zärtlich
meine Wangen - bist du verliebt?
Er fragte die Nachtigall:
du singst so wunderschön und
sehnsuchtsvoll - bist du verliebt?
Von keinem bekam er
eine Antwort doch als er
sich umsah, stand sie vor ihm
und er brauchte nie mehr
zu fragen
*
Am Abend
Straßenlaternen
kämpfen gegen Dunkelheit
und Regen -
Chris Isaak im Plattenspieler
"Wicked Game"
und in Gedanken bin ich
nur bei dir
*
Ende der Zeit
Und wenn es so wäre
daß wir wiedergeboren
würden in einem
neuen Leben
Ich würde wieder nach
dir suchen wie ich
in diesem Leben
gesucht habe
und bis zum Ende
der Zeit
*
Herbst am See
Boote, Kiel nach oben
leere Badestege
gelbes Laub auf Wegen
grau und trostlos
naß die Bank
auf der wir saßen
still und einsam
Nur ein paar junge Leute
gehen Hand in Hand
für sie ist Herbst nicht
Zeit des Abschieds
*
Für dich
Für wen sollte ich Gedichte
schreiben
wenn nicht für dich
An wen sollte ich denken
in dunklen Stunden
wenn nicht an dich
Wer könnte mir
das Leben nehmen
wenn nicht du
*
Morgen
Wenn am Morgen der Himmel
schwarz ist von Regenwolken
wenn die düsteren Gedanken
der Nacht nicht weichen wollen
wenn der erwachende Tag
unerträglich erscheint
brauche ich nur an dich zu
denken und alles wird gut
*
Am Flügel
Ein Gedicht
das mich berührt,
das Saiten anschlägt
in meiner Seele
wie die Filzhämmer
im Flügel
Ich trete das
rechte Pedal
um den Ton
lange, lange
nachklingen zu lassen
*
Festhalten
Am Ende der Nacht
will ich den Traum
festhalten der flüchtig ist
wie ein Windhauch
Festhalten die Illusion
vom Glück -
festhalten dich, die mir
im Traum erschien
*
Ein Tag
Fast unbemerkt wollte
der Tag vorübergehn
doch dann kam dein Brief
und es wurde ein ganz
bemerkenswerter Tag
daraus
*
Gefangen
In diesem Raum
ohne Tür
in diesem Leben
ohne Ausweg
gefangen
in dieser Liebe
ohne Hoffnung
*
Berührung
Ein Gedicht
das dich berührt
das Saiten anschlägt
in deiner Seele
wie die Filzhämmer
eines Flügels
Ich trete das
rechte Pedal
um den Klang
lange, lange
nachklingen zu lassen
*
Blauer Tag
So kostbar
so schüchtern
dieser Tag -
so blau
als ob der Himmel
heute offen wäre
nur für uns
*
Keine Antwort
Ich saß am Telefon
und wartete auf Antwort
Es war ein nebeliger Morgen
und ziemlich trist.
Der Abend vorher war
wenig erfolgreich gewesen -
gelinde gesagt.
Wir hatten über Gefühle
geredet und da ich keine
besonderen vorzeigen konnte,
würde wohl auch keine Antwort
kommen
Ich saß trotzdem und
wartete
*
Heute
Heute schreibe ich
nur knallharte
Sachen -
Liebesgedichte und so ...
*
SMS
Ich schickte ihr
ein SMS in dem stand
daß ich betrunken bin
und Bukowski lese
Ich hatte keine
Antwort erwartet
und es kam auch keine
Frauen verstehen nicht,
daß eine Liebeserklärung
auch so aussehen kann
*
Stilvoll
Manchmal glaube ich
einen eigenen Stil
gefunden zu haben
Bei näherem Hinsehen ist es
dann meistens doch Bukowski
Der alte Kerl gefällt mir - aber
ganz so ekliges Zeug will ich
nun auch wieder nicht schreiben
*
Am Telefon
Wenn mir langweilig wird
rufe ich Leute an, von denen
ich eigentlich nichts wissen will
"Hallo", sagen wir dann
und "mach's gut"
zum Abschied
Was dazwischen liegt - meist
leeres Gerede. Aber was soll's -
man kann sich ja nicht isolieren
*
In Schweden
Wie das Leben es manchmal so will,
verschlug es mich schon in
jungen Jahren nach Schweden
Viel Wald viel Wasser und wieder Wald -
dazwischen wenige aber lange
und dünne Menschen
Meine alten Freunde in Deutschland
wurden immer dicker und dicker -
zum Schluß waren sie verschwunden
Geplatzt vielleicht, dachte ich mir
als ich schmal aber einsam
in den Wäldern am Wasser saß
*
Lebenswichtig
Zum Glück muss ich davon
nicht leben, doch ist mir
als ob ich ohne Schreiben
gar nicht leben kann
*
Im Spiegel
Bei genauerem Hinsehen
finde ich im Spiegel was
mir gar nicht gefallen will:
einen alten Kerl mit Falten
und wenig Haaren
Zum Glück ist es ist leicht
wieder jung zu werden. Ich
brauche den Spiegel nur wegzudrehn
*
Seniorenteller
Es hat schon etwas für sich
alt zu sein
Ermäßigungen beim Friseur
weil da nicht mehr so viel
zu schneiden ist,
Seniorenteller, Fahrt ins Blaue
und selbst beim TV hält man
es jetzt aus wenn so ein
gottverdammter Moderator
seine Show abzieht
Es hat schon etwas für sich ...
*
Jazz
Es war mein bester Arbeitsplatz
Tagsüber Architekt
und abends Musiker.
Tagsüber Streß und abends
Dixieland
Wir hatten eine Band.
Lars, der Sänger -
die Stimme weich wie Sandpapier
sein Banjo hart und rythmisch
Der spindeldürre Stig
am Schlagzeug und
Björn mit der Trompete
kein Thema war ihm fremd
Ein El-Bassist -
den Namen habe ich vergessen
und ich auf Klarinette,
Sax und Keyboard.
As Time Goes By ...
*
Eile
Menschen eilen vorüber
machen Umwege damit
sie der Wirklichkeit
nicht begegenen,
leben in ihren Träumen
und Hoffnungen
Die Wirklichkeit ist
ihr Feind ...
*
Gespräche
Wir sprachen vom Morgentau
in den Gräsern und
von der Vergänglichkeit
des Lebens
Wir sprachen über Liebe
und Sehnsucht
Aber ich war nie ein Freund
langer Gespräche ...
*
Nachtgedicht
Ab und zu wache ich nachts auf
mit einem Gedicht im Kopf das
ohne mein Zutun entstanden ist
Ich knipse das Licht an
kritzele die Worte auf ein Papier
und schlafe weiter
Am Morgen wenn der Verstand
wieder da ist, kann ich sehen
ob es gut oder schlecht ist
Meistens ist es schlecht wie
dieses Gedicht das ich heute
nacht schrieb
Aber was soll's - ich will nicht
unzufrieden sein, andere Leute
haben nachts Albträume
*
Stummfilm
Ein Film im TV
Zwei Menschen die
sich nichts mehr
zu sagen haben
Es könnte ein
Stummfilm sein
Aber sie reden
und reden
und reden ...
*
In der Ferne
Und immer sehe ich
noch in der Ferne
den Berg, den ich
besteigen wollte
Die Stadt, die ich
besuchen wollte
das Meer, an dem
ich weilen wollte
Und immer sehe ich
noch in der Ferne
das Leben das ich
leben wollte
und dem ich niemals
näher kam
*
So war das
damals
Na klar -
es gibt sie noch, die Liebe
und die Sehnsucht
tief vergraben
unter Jahren
Von Zeit zu Zeit
taucht sie empor
bei einem alten Song,
einem Gedicht
Dann will es mir
den Hals zuschnüren,
die Sicht wird trübe
und ich denke:
so schlimm war das
damals ...
*
Unheilbar
Liebe, sagte sie,
ist ein Krebsgeschwür
das dich langsam
vernichtet
Sehnsucht, sagte sie,
ist eine Krankheit -
unbestimmbar
unheilbar
Wer an ihr leidet
kommt nie zur Ruhe,
kann nie richtig
glücklich sein
und dann zog sie
weiter
*
Aussichtslos
Wie ich mich
auch anstrengen mag,
meine Texte bleiben
verständlich
Keine Aussicht
auf Nachruhm
*
Auf der Leine
Drei meiner Hemden
zum Trocknen
auf der Leine
drehen sich und
wenden sich im Wind
winken mit den Armen
als wollten sie
mich verhöhnen ...
*
Das andere Leben
Ab und zu überlege ich
ob es besser
hätte laufen können.
Die Kinder groß,
tüchtige Enkel,
goldene Hochzeit ...
Das andere Leben
gab es in Gedichten
*
Forellenquintett, Satz 4
Das Forellenquintett
auf dem Plattenspieler
Satz 4 ist besonders schön
Bukowskis Gedichte
aufgeschlagen vor mir
weniger schön
Andererseits litt Schubert
an Syphilis
Das Leben ist vielfältig
*
Schon wieder
Die Schwalben bereiten
sich zum Abflug vor
schon wieder
ein Jahr gegangen ...
*
Notlüge
Eine sagte mir
ich sähe jung aus
für mein Alter
Ganz bestimmt
eine Notlüge
*
Für T.
Endlich dem lästigen
Glücksgefühl entronnen
und gedacht daß
dieser Satz
auch Hans-Ulrich
gefallen hätte ...
*
Am Ende
Du kannst es an
den Augen sehen,
sagte sie,
da fehlt etwas -
die Hoffnung
die Zuversicht
der Wille zu leben
*
Lösch-Taste
Kontakt radieren
im Handy
So endgültig
so sinnlos
dieses Ende
mitten im Leben
Jemand drückte
die Lösch-Taste
*
Warnung
Am Himmel ringsumher
aufziehende Gewitter
Von Zeit zu Zeit ein Donnerschlag -
wie zur Warnung
*
Erinnerung an Potsdam 2006
I
Paläste
der Mächtigen
Gärten der Könige
und Kaiser
Plattenbauten
der DDR-Zeit
II
Fünfzehntes Stockwerk
Hotel Mercure
Knapp drei Sekunden
in freiem Fall
III
Es hat Zeiten gegeben
als noch Ordnung war
Schlösser und Gärten
für den Adel
Heldentod den Soldaten
Arbeit und Mühsal
für Bürger und Bauern
Alles gemäß
göttlicher Weisung
IV
Weiße Flotte
in braunen Gewässern
Die Welt ist eine Insel
*
Abschied
An den Morgen
erinnere ich mich noch gut
als Blut vom Himmel fiel,
als du deine Sachen nahmst
und alles vorbei war
Als ich dir vom
Fenster
nachsah und
das Messer spürte
das mir ins Herz
schnitt
*
Nackt
Nackt sind wir schon lange
keine Schönheiten mehr
aber wir können uns jetzt
Kleider leisten die
so manches verdecken
an Hängendem und
Weichem wo früher
Muskeln saßen
und Sehnen
Unser Urteil ist milder
geworden mit den Jahren
und zum Glück gibt es
immer einige die
noch älter sind
*
Woher
Woher nehmen,
diese ewige,
unbefriedigte Sehnsucht
die so gefragt ist
in Gedichten?
Woher nehmen,
all die Schmetterlinge,
Träume, Phantasien
während die Welt um uns
zum Teufel geht?
*
Internet
Dieses gottverdammte
Internet -
nichts geht mehr ohne.
Wie konnte man sich
dem nur ausliefern
so ohne Bedenken
Zieht einer
am falschen Draht
ist man erledigt.
Ohne Kontakt
zur Außenwelt
fast wie im Grab
*
Roboter
Roboter werden uns Menschen
immer ähnlicher
jetzt können sie schon
freundlich winken -
und einem dann
heimtückisch
in den Rücken fallen
*
Steine
Um einem Menschen
zu schaden
braucht man ihm keine
Steine in den Weg
zu legen -
es reicht mit wenigen
bösen Worten
*
Charles
Bukowski
Langsam geht es bergab
und die Texte werden
düsterer
Woher nehmen,
die ewige Sehnsucht
und die Seufzer
Das meiste ist
gesagt und das
wenigste war wichtig
Wenn man schreiben
könnte wie Bukowski -
genial und schweinisch
bis zum bitteren Ende
*