© Gerhard Rombach


Gestern

Gestern noch
war der Himmel
voller Hoffnung

Gestern noch
gingen wir Hand in Hand
und hatten
die gleichen Träume

gestern noch

*

Wenn du gehst

Nimm den Frühling mit
wenn du gehst
und diesen Sommer
den wir so liebten

Nimm die Sehnsucht mit
die mich verzehrt
und die Träume ohne die es
kein Leben gibt

Nimm die Hoffnung mit
die spät zu mir kam
und viel zu früh
verblaßte

Nimm mein Leben mit
wenn du gehst -
meine Träume,
meine Hoffnung

und mein altes Herz

*

Schmetterlinge

Deine Worte sind wie
Schmetterlinge über Sommerwiesen
wie Glühwürmchen
in lauen Sommernächten
wie Kolibris
voll süßem Nektar

Deine Worte lassen
Nachtigallen singen
und Fische tanzen im See

Deine Worte wecken
sentimentale Sehnsucht in mir
und die fatale Gewißheit

nie gelebt zu haben

*

Nur ein Fest

Das Fest, das das Leben
mir bereitet hat geht zu Ende

Eins nach dem anderen
erlöschen die Lichter

Die Gäste sind schon
längst gegangen

Ein Nachzügler
wünscht mir gute Nacht

Dann bin ich einsam mit mir
und meinen Gedanken

was bleibt ist Reue

*

Gedankenleser

Du liest in meinen
Gedanken wie in
einem offenen Buch

Ich fühle wie dein Herz
wild schlägt -

du hast richtig gelesen

*

Kein Morgen

Nimm mich mit
auf deiner Flucht
vor dem Leben

laß mich bei dir sein
wenn du traurig bist

umarme mich
wenn die Nacht kommt -

denn
es wird keinen
Morgen geben

*

Luftballons

Den Tag hast du
bemalt mit Schmetterlingen,
die Nächte
rosarot gefärbt

Der Liebe hast du
Flügel angeklebt
und bunte Luftballons
sind überall

Nur mich hast du
nicht ändern können -
ich war schon immer
grün kariert
und habe dich geliebt

*

Flucht

Meine Koffer waren stets gepackt
und immer schon stand ich
in Ecken gedrängt
bereit zur Flucht

Du hast es nicht
ändern können -
Flucht ist immer noch
mein einziger Ausweg

Flucht -
vor der Liebe?

*

Verlorener Frühling

Erste Herbststürme
eisiger Wind
Schrei der Wildgänse
auf dem Weg
nach Süden

Sehnsucht im Herzen
nach dir und
diesem Frühling
der niemals
wiederkehren wird

*

Erinnerung an dich

Lage auf Lage,
Schicht um Schicht
in unendlicher Folge

legen sich meine Erinnerungen
wie geologische Formationen
übereinander -

dazwischen dunkle Ablagerungen
mit längst vergessenen und
unerfüllten Wünschen

ganz tief unten
werden die Geologen der Zukunft
mein Geheimnis entdecken

die Erinnerung an dich -
und sie werden dich lieben lernen
so wie ich es getan habe

*

Zusammen

Schick mir deine Träume -
ich will ein Gedicht
daraus machen

Schick mir deine Liebe -
es soll ein Lied
daraus werden

Komm zu mir -
zusammen wollen wir
die Sehnsucht besiegen

*

Kein Trost

Meinen Brieftauben
sind die Flügel beschnitten
Meine Worte
verweht der Wind

Wer soll dich jetzt trösten
wenn du traurig bist
und von wem
sollst du jetzt träumen

wenn du Sehnsucht hast?

*

Rauchsignale

Lange habe ich
gewartet auf dich -
allzu lange

Meine Rauchsignale
verdunkelten den Himmel -
meine Notrufe
verwehte der Wind

Die Zeit war nicht gnädig -
auf Herbst folgte Winter
und mein Herz
gefror zu Eis

Wer soll dich jetzt wärmen
wenn du kommst?

*

Merlin

Du bist wie Merlin
Merlin
der Zauberer

Mit deinen Worten kannst du
Herzen brechen
und Wüsten neu erblühen lassen

An meiner Seele
läßt du Flügel wachsen -
sie fliegt zu dir

du bist mein Leben

*

Schlechtes Wetter

Wenn du mich liebst
bin ich glücklich -
dann tanze ich
mit meinem Engel

Wenn ich unglücklich bin
schreibe ich Gedichte
und der Regen
hängt mir im Gefieder

Warum verdirbst du so oft
das Wetter und
warum sind meine Gedichte
immer so traurig?

*

Tausend Träume

Deine Mailbox hat tausend Fächer
in jedem liegt ein Brief von mir -
doch du willst keinen lesen

Mein Herz hat tausend Wünsche
in allen Wünschen bist nur du -
doch du willst keinen erfüllen

Meine Seele hat tausend Träume
sie handeln alle nur von dir -
doch keiner hat ein Happy End

*

Nur ein Jahr  

Ein Jahr mit dir -  
ein Jahr das zu Ende ist  
und du gehst neue Wege.

Ein Jahr -
und zurück bleibt  
ein einsames Herz

und Augen -
die wohin sie auch blicken  
immer nur dich sehen

  und ein Mund –  
der dir zärtliche Worte  
geflüstert hat

und Hände –  
die immer noch  
in deinen ruhen wollen

und meine Liebe,  
die dir stets  
fremd war.

Ein Jahr ist so kurz -  
und die Einsamkeit  
ist so lang

*

 Zum Geburtstag  

Ich wollte dir  
Blumen schicken,  
doch die Blumen  
sind verwelkt

Ich wollte dir  
Worte schicken,  
doch die Worte  
sind verblaßt

Ich will dir  
mein Herz schicken  
an einer goldenen Kette  
und es soll immer  
bei dir sein

 *

Wenn

Wenn ich gehe,  
bist du immer bei mir  

wenn ich liebe,  
liebe ich immer mit dir

wenn ich weine,  
weine ich nur um dich.

Du gehst deine  
eigenen Wege

und du liebst mich  
schon lange nicht mehr -

  warum sollte ich dann nicht  
um dich weinen?

 *

  Wunden

  Deine Gedichte  
habe ich verbrannt

deine Briefe  
können mich nicht mehr  
erreichen

dein Bild verblaßt  
mehr und mehr

nur die Wunden  
die du geschlagen hast

wollen nicht heilen

 Tage

  Ein Tag wie  
jeder andere

immer die gleichen Gedanken  
und die selben Wünsche

endlose Tage  
und immer

diese schreckliche  
Sehnsucht nach dir

18. Februar 2003

Der Schnee liegt tief  
auf meinem Sommerpfad

mühsam und sinnlos  
ist mein Weg

wie alle Wege die ich  
ohne dich gehe -

die Zeit  
ist mein Feind

Winter

Eiskristalle im Bart,  
Schneewehen  
in der Seele

doch meine Gedanken  
wie heiße Quellen  
die Eis schmelzen

Denkst du auch an mich  
und haben wir  
die gleichen Gedanken?

*

Blau

Verloren, verbrannt -
letzte Feuer sind verglüht

wo Sehnsucht war
ist Höflichkeit und Asche

Liebe ist nicht blau ...

*

5. März 2003

Noch knirscht der Schnee
unter den Stiefeln,
doch die Sonne spielt schon
mit den Schatten

Erdrückend diese Stille –
nur Herzschlag ist zu hören
Ist es mein Herz oder gehst du
neben mir in deinen Träumen?

Siehst du den Schnee und
den dunklen Saum des Waldes?
Siehst du die Schatten und
den weißen Stamm der Birke?

Wach endlich auf ...

 Liebe übers Netz

Du schickst mir Träume
übers Netz,
die mich erröten lassen
ich spare sie in meinem Herzen

Du schickt mir Bilder übers Netz
damit ich besser
von dir träumen kann
ich trage sie an meinem Herzen

Doch wo bist du -
voll Wärme
und voll Leidenschaft?

nur du sollst immer bei mir sein

 *

 11. März 2003

Der Frühling
ist auf dem Weg nach Norden

zögernd noch -
doch ich höre sein Brausen

Bald werden sie
wiederkehren,

die Wildgänse, die Reiher
und die Kraniche

Wie sehr ich ihre
wilden Rufe vermißt habe -

doch mich zieht es stets
nur nach Süden

dorthin wo ich weiß
daß du auf mich wartest

Schweigen

Zwei Menschen
ein Schweigen

Liebe auf dem
Abstellgeleis

vergessen wonach
sie sich sehnten

vergessen
wovon sie träumten

zwei Seelen
wie Segel aus Stein

 14. März 2003

 Die Natur erwacht
zu neuem Leben
hier in meiner kleinen Welt

doch draußen
in der großen Welt
herrscht Krieg und Chaos

der erste Krokus blüht
in meiner kleinen Welt
doch draußen rollen

 Panzerwagen

Traumschiff

 Mein Traumschiff
ist blau -
jede Nacht
schicke ich es auf Reisen

die Fahrt geht stets
nach Süden
auf der Suche
nach dir

laß die Leuchtfeuer
brennen

* 

Grau in grau

 Mein Mond ist blau
und meine Liebe
lilarot gestreift -
die Sehnsucht hat
ein rosa Band im Haar
und meine Träume sind
wir bunte Luftballons

dich liebe ich -
du bist mein Regenbogen
und mein Feuerwerk 

doch alles andere
ist grau in grau

* 

Zauber

Du denkst an mich
und zauberst
Träume in mein Herz – 

wie bunte Schmetterlinge

 *

 Letzter Frühling

 Vor meinem Fenster
wartet der Frühling auf mich –
wird er wie immer sein?

Wird er leuchten
strahlend hell und
wird es der letzte sein?

Vor meinem Fenster
wartet die Liebe auf mich –
wird sie wie früher sein?

Stürmisch und
zärtlich zugleich und
wird es die letzte sein?

Vor meinem Fenster
wartet der Tod auf mich
wie wird er sein?

Tritt näher Bruder,
du sollst mir
willkommen sein

 Vergessen

Die Zeit
hat meine Fenster
blind gemacht
und fremd das Haus
in dem ich wohne

Die Sehnsucht
hat mein Herz
in Stein verwandelt -
wie sollte ich noch
lieben können?

Der Sturmwind tobt –
Zeit zu vergessen

 *

 29. März 2003

 Bleiche Sonne
kühler Wind
Weidenkätzchen –

Hoffnung

 *

 Abend

 Wieder einen Tag gelebt
und wieder einen Tag
gehofft

Der Abend fragt mich:
gehofft worauf?
mein Herz antwortet:
auf eine Liebe!

Die Nacht senkt sich -
und schickt mir
Träume

* 

 Letzte Liebe

 Du wirst
meine letzte Liebe sein
und meine erste -
denn Liebe ist stets
jung und neu

Du wirst
mir untreu sein,
denn deine Worte
zaubern Träume
in die Herzen

Du wirst
mir treu sein,
denn wir sind
wie Zwillinge –
Gefangene in Worten

Tauben

 Während ich dir schreibe
ruft eine Ringtaube
vor meinem Fenster

Ich muß lächeln -
eigentlich sollte es ja
eine Brieftaube sein

Aber das war einmal -
heute geht meine Post
elektronisch

Doch sagt sie
immer noch
dass ich dich liebe

*

 Einmal nur

 Einmal nur
laß mich bei dir sein

Laß mich
deine Lippen berühren
und deinen Duft atmen

Einmal nur
will ich dich
in die Arme nehmen

und fühlen
dass ich lebe

 Schutzlos

 Vor dir
habe ich meine Innenseite
nach außen gekehrt –
hielt dir
mein Herz entgegen
und sagte
hier nimm es

Vor dir
stand ich schutzlos
hoffnungslos
ahnungslos –
mein Herz schlägt dir
immer noch entgegen

hilflos

 Gedanken

 Diesen Tag
habe ich nur
an dich gedacht

es war ein
wunderschöner Tag 

 *

In der Dämmerung

 Vor meinem Fenster
zieht das Leben vorüber –
ich sehe ihm nach
und mache
die Fensterläden dicht

In die einsetzende
Dämmerung
will ich ein Lied singen
vom Leben
das vorüberzog

*   

Irrtum

Als ich aufschreckte
und mich aufmachte
das Glück zu suchen
erfuhr ich
dass man es
bei mir vermutete

*

Winterschlaf I

Den Winterschlaf
in Höhlen verbracht,
habe ich ein Leben lang
auf den Frühling gewartet -
vielleicht nur
eine Sehnsucht lang gelebt
und einen Schmetterlingstag lang
geliebt

Die Jahre zogen
wie Wolken vorüber -
Wohin nur?

*

Leise

Leise der Nacht entgegengehn -
vorsichtig, um sie nicht zu stören

Das Suchen der Vögel
nach Schlafplätzen
Die ersten Falter
an der Laterne
Das langsame Verblassen
des Himmels
Die Lichter der
Leuchtreklamen
Der warme Geruch frischen Asphalts
in der ersten Abendkühle

Vom Tag Abschied nehmen -
die Nacht begrüssen
wie eine Geliebte

*

Vergebliche Suche

Wir haben einander gesucht
ein Leben lang.
Immer unterwegs haben wir versäumt
uns zu begegnen.
Liebten die Einsamkeit
und nahmen die Traurigkeit
als Geliebte.
Wir werden uns nie finden
dessen bin ich gewiss

doch die Welt
hasst uns dennoch

*

Nur auf dich

Zu hoffen
habe ich
nie gelernt

Ich habe
immer nur
auf dich gewartet

*

Dein Lippenstift

Noch lange
nachdem du gegangen bist
hängt dein Duft
in meinem Zimmer

der Duft deiner Haare
der Duft deiner Liebe

deinen Lippenstift
hast du liegen gelassen
und die Erinnerung
an eine Liebesnacht

werde ich dich jemals wiedersehn -
oder bist du schon weitergezogen
in andere Welten?

*

Wie ein Poet

Du fragst wie ich dich liebe?

Wie ein Heiliger
den Himmel,

wie ein Ertrinkender
den Atemzug,

wie ein Vogel
die Lüfte,

wie ein Poet
das Wörtchen Sehnsucht

*

Ohne Wert

Meine Liebe ist
zeitlos
und selbstlos

und in deinen Augen
wertlos

*

Ein Clown

Heut trag ich
meine Traurigkeit
wie eine Fahne
vor mir her

rufe den Leuten zu
"hoppla, seht her -
hier geht ein Clown"
mit langer Nase

*

Sommernacht

Sommerblumenpracht
Sommersonnenwende

wo der Tag
nach vielen Siegen
den Rückzug antritt

und die Nacht
ihre dunklen Segel
setzt

*

Fremder Planet

Sammelst du Gedichte
wie andere Leute Pilze?

Weinst du
zu Walzern von Chopin?

Träumst du
von ewiger Liebe?

Dann ist dies auch nicht
dein Planet

*

Sternennacht

Wenn du Sehnsucht hast,
erzähl es dem Wind -
er wird dich trösten

Wenn du traurig bist,
erzähl es dem Regen -
er wird mit dir weinen

Wenn du Liebe suchst,
sieh hinauf zu den Sternen -
dort warte ich auf dich

*

Umarmung

Der Tag ist gegangen
und hat mich
allein gelassen

jetzt umarmt mich
die Nacht
mit ihren Träumen

*

Vorüber

Und später dann
als es vorüber war,
dachte ich zurück
an diese Zeit

als Hoffnung
spross
und wilde Blumen
wuchsen

Nachtschatten
Leidenschaft,
ewige Treue und
Vergissmeinnicht

und du warst da
mit deiner Liebe
die alles dies
zum Blühen brachte

*

Warten 

Warten wir nicht immer
auf Unmögliches?

Warten wir nicht immer
auf ein Wunder?

Warum sollte ich
dann nicht

auf dich warten?

*

Frühlingsträume

Er wollte
nie wieder lieben
und nie wieder
unglücklich sein

Doch ihre Worte waren
zärtliche Verführung
und ihre Tränen
heiße Sehnsucht

Frühlingsträume
im Schneegestöber

*

Wünsche

Wünsche,
so zauberhaft,
so unerfüllbar -

bunte Träume,
so unvernünftig,
so grausam

*

Schmetterling

Du kleiner Schmetterling -
bringst den Frühling
in mein Herz,
läßt dich nieder
auf meine Hand

bleib bei mir heute,
die Nächte
sind noch kalt

*

Das Lied der Amsel

Deine Sehnsucht
ist nicht wortlos

Im Morgenlicht
schreibst du von Liebe

Die Magnolie erblüht
zum Lied der Amsel

*

Spuren

Verwischte Spuren
denen ich folge -
verborgene Pfade
die ich gehe

wohin
werden sie mich führen -
und wer
wird auf mich warten?

*

Der Alte

Mit Wehmut zurückdenken
an die Zeiten als
man noch Sklave war
unter seinen Hormonen

Auch die Abende
werden immer trauriger
"sieh in der Fernsehzeitung nach
ob heut der Alte geht im ZDF"

*

Was ich dir sagen wollte

In den klammen Stunden
des Morgens wenn Schatten
durchsichtig werden und
Albträume langsam verblassen

Wenn sich dieses tötliche
Gefühl der Einsamkeit
einfinden will und alle Wege
bergauf zu gehen scheinen

will ich dir sagen
wie sehr ich dich vermisse ...

*

Nicht so schlimm

Vielleicht wird mir einmal
einer nachtrauern und sagen
na ja -
so schlimm war er ja nun
auch wieder nicht

*

Nachts

Nacht für Nacht
treten deine Gedanken
leise an mein Bett
legen sich zu mir
und sprechen von Liebe

Zusammen träumen wir
von einem Leben
Jeder Morgen
ist  ein Tod

*

Eines Tages

Eines Tages werden
sie kommen und sagen
daß du nicht mehr
gebraucht wirst

Eines Tages
wirst du zum
alten Eisen gehören

Eines Tages bist du
eine Belastung geworden
für's System -
Du hast zu lange gelebt

*

Spam

Allen diesen netten Leuten
die mir täglich
nette Angebote schicken
die ich weder haben will
noch gebrauchen kann

will ich sagen:
danke danke danke -
aber stopft euch das Zeug
doch selbst irgendwo rein
und laßt mich endlich in Ruhe

*

Im Wald

Der Wald den ich
so liebe war heute
feindlich gesinnt

Liebesbriefe
schrieb ich in Gedanken
als ich ging

Dunkel und böse
blickten die Bäume -
eifersüchtig

*

Urlaub I

Den Urlaub gut überstanden
Mit Menschen geredet
die nichts zu sagen hatten
Vier Kilo mehr
Speck am Bauch
Satt und zufrieden

*

Urlaub II

Die Wolke über dem Rhein
die sich auftürmte und
zu einem Berg voller Riesling
wurde
Nein danke sagten wir -
wir ziehen die Scheurebe vor
und dann begann es endlich
zu regnen

*

Sommer I

An diesen heißen Sommer
werden wir denken
wenn wir wieder zu
Schneemännern gefroren sind

*

Sommer II

Erinnerung an diesen Sommer:

Hitze brütet
quälende Gedanken aus

*

Sommer III

Herrgottnochmal -
schon wieder so ein
lästiger Sommertag

Örtlich betäubt von
der glühenden Hitze
des Nachmittags

will ich von nun an
nie wieder über
schlechtes Wetter klagen

*

Unterwegs I

Fremdartige Landschaften
ziehen vorüber

Haben die Leute
nichts Besseres
zu tun als Pinien
zu pflanzen?

*

Unterwegs II

In der Ecke des Hinterhofes
der Baum dessen Namen
ich vergessen habe

Irgendwann einmal
werde ich ihn
nachschlagen müssen

*

Unterwegs III

Ziegelwände
sonnenbeschienen
darüber Schwalben
im Sturzflug

*

Unterwegs IV

Hotel in ruhiger Lage
mit Aussicht auf Friedhof

*

Unterwegs V

Die Amsel sang im Hof
des Hotels
ich fühlte mich heimisch

*


Bedrohlich

Immer die Unsicherheit
vor einer langen Reise

Die Angst das Nest
zu verlassen

Bedrohlich
die Wolken

*

Besitznahme

Nein -
wir haben unser Leben
nicht geplant

Es kam und nahm
Besitz von uns
nahm unser Leben

Zurück blieb was
wir Sehnsucht nennen

*

Stumm

Vielleicht könnte es euch
milder stimmen wenn ich
aus Glas wäre oder
wenigstens durchsichtig

stumm
auf alle Fälle und
ohne Spuren zu hinterlassen
im Sand

*

Geschichtsfälschung

Einmal hat eine
sich umgedreht und
erstarrte zur Salzsäule
bei Sodom und Gomorrha

Einmal kam aber
auch einer aus dem
Labyrinth bei Knossos
und erstarrte zur Salzsäule
als er bei Tageslicht sah
was er dem Ungeheuer
entrissen hatte

*

Ohne Antwort

Wie lange kann man
glücklich sein
ohne Schaden zu nehmen

*

Unwetter

Mit wohligem Unbehagen
hören wir von
gewaltigen Unwettern
in fernen Regionen

Mitleid ist angebracht
und Erleichterung

Es hätte uns
treffen können

*

Urlaubsplanung

Ich bereite mich
auf den Urlaub vor

entfalte Landkarten
lese Prospekte und
studiere mit leichtem
Gruseln Hotelpreise

Der Wandertrieb
ist mir angeboren
und darf schon
etwas kosten

*

Sonntag, 25. Juni 2006

Sonntagsstille -
das wundersame Gefühl
die Zeit sinnlos
und nutzlos
verstreichen zu lassen

Den Wolken nachsehen
faul und glücklich sein

*

Wegbeschreibung

Immer schön geradeaus
nach Norden gehen

Hinter dem neunundfünfzigsten
Breitengrad
warte ich auf dich

schon leicht vermodert

*

Mittsommer

In diesen Tagen sind die
Nächte hell im Norden

Birkenstämme leuchten weiß
in blauer Dämmerung

Jetzt ist es Zeit für Tanz
jetzt ist die Zeit für Liebe

Der lange Winter
ist vergessen

*

Wenn es einfach wäre

Wenn es so einfach wäre -
Kopfhörer auf
John Denver
im Plattenspieler
Revolver an die Stirn
abdrücken

So einfach ist es aber nicht -
da sind Verpflichtungen
Erwartungen
da sind Menschen
die dir vertrauen
die dich lieben

so unglaublich es auch
klingen mag

*

Fußballhelden

Immer diese Märsche
und diese Helden

Jetzt reicht es schon
ein paar Tore zu schießen
um für Wochen
unsterblich zu sein

In einigen Jahren
wird es reichen
als Kleinkind seine Windeln
gründlich zu bescheißen

Die Zeiten ändern sich

*

Unwissend

Wie soll einer wissen
ob er unglücklich ist

wenn er nie richtig
glücklich war

*

Liebesgedicht

Die Worte kommen
mir leicht
wenn ich für dich
schreibe

Doch es sind stets
die gleichen Worte

*

Unerklärlich

Selbst für die Bläue
des Himmels
gibt es Erklärungen

Nur deine Liebe
zu mir
ist unerklärlich

*

Zu spät

Es war doch immer schon
zu spät für uns

und immer war es schon
die falsche Zeit
das falsche Leben

und das falsche Glück

*

Leben

Dieses ewige Warten
auf nichts
diese ständige Suche
nach etwas

Diese Furcht
unglücklich zu werden
diese Angst
allein zu sein

und was das Leben
sonst noch so
zu bieten hat

*

Die nie suchen

Einer geht über die Felder
auf der Suche
nach Unendlichkeit

Ein Anderer sucht Antwort
auf seine Fragen
in den Sternen

So wenige die Antwort finden,
so viele die sich nie
auf Suche begeben

*

Zu zweit

Der alte Mann auf der
Bank im Park -
hier saßen sie immer zu zweit

Warum mußte
gerade ich übrig bleiben,
sagt er

*

Strom der Zeit

Ich stelle mir Schiffe vor
mit Segeln aus Stein
in denen der Sonnenwind
sich fängt

Beladen mit Menschen

mit guten und mit bösen
auch solchen
die sich schämen
Mensch zu sein

Welten gleiten vorüber

So treiben wir
im Strom der Zeit
und stets nur
in eine Richtung

*

Fremdheit

Wie soll einer wissen
wo er hingehört und
wo er herkommt

Überall die gleichen Risse
in der Landschaft,
die gleiche Verlassenheit

Wie soll einer wissen
welche Welt die seine ist
von allen möglichen Welten

Und überall dieses Gefühl
der Fremdheit,
des Ausgeschlossenseins

Wie kann einer wissen
ob er lebt oder nicht
- und warum

*

Theaterspiel

Heute spiele ich Theater,
ziehe bunte Kleider an
und lege mir 
ungemütliche Ansichten zu

Grell geschminkt
trete ich vor mein Publikum
und sage was es
nicht hören will

Die Wahrheit ist oft
unbequem

*

Wortsuche

Immer bin ich auf der Suche
nach magischen Worten

In meinen Träumen
leuchten sie wie Edelsteine

doch die ich finde
sind meistens grau und trist

*

Alt werden

Ich liebe die Falten
in deinem Gesicht und
die Adern am Rücken
deiner Hände

Ich liebe deine
grauen Haare und den
mühsamen Gang

Ich wollte immer
alt werden mit dir -
jetzt bin ich es

*

Nachts

Nachts sitzen Schatten
an meinem Bett

flüstern und winken

Einmal werde ich
mit ihnen gehn

*

Andererseits

Als er sie nach
vielen Jahren
wiedersah

wollte er ihr
keine Sterne mehr
vom Himmel holen

Andererseits war er
auch nicht mehr
der Mann ihrer Träume

*

Am Fenster

Einmal wirst du
am Fenster stehn -
die Scheiben sind beschlagen
und du wirst dich selbst
davongehen sehen

Einmal wirst du
zurückblicken und
deinen Schatten sehen
der traurig
am Fenster steht 

*

Schwarzer Winter

Ich dachte mir
einen Sommer 
mit rotem Gras
und grünem Himmel

Ich dachte mir
einen Winter
mit schwarzem Schnee
und bunten Vögeln

Nur ein Leben ohne dich
habe ich mir nie
vorstellen können

*

Ein Augenblick

Den Siebenbürgen gleich
schneide ich eine Kerbe -

nicht in die Seite des Bootes
sondern in die Zeit

Hier kamst du mir entgegen
hier haben wir geliebt

hier war die Ewigkeit nichts
als ein langer Augenblick

Hier bin ich unsterblich

*

Selbstgespräch

"Sentimentaler alter Narr"
sage ich zu mir selbst
"wartest du immer noch
auf das Wunder?"

"Ja", antworte ich mir selbst
"ist es nicht besser
auf das Wunder zu warten
als nur auf den Tod?"

*

1. Mai 2006

Heute heiße ich
die Wildgänse willkommen
die Wasserhühner
und die Enten

Auch die Stare
sind zurück von ihrer
langen Reise

*

Frühlingsgefühle

Grün wird es endlich
hier im Norden

Weiß von Buschwindröschen,
blau von Leberblümchen

Und da ist auch wieder dieses
unbeschreibliche Gefühl
Mensch zu sein
in einem neuen Frühling

*

Ungeboren

Noch immer ungeboren
mein schönstes Gedicht
an dem ich ein Leben lang
geschrieben habe
mit unsichtbarer Tinte
und ohne Hoffnung

*

Haiku XIV

Die Stille suchen
in unberührter Natur
zu sich selbst finden

*

Fernweh

Was man von Reisen
zurückbringt
außer Erfahrungen
ist das Fernweh

Die verzehrende
Gewißheit
etwas zu versäumen
was erreichbar wäre

*

Zurückgelassen

Zurückgelassen
von einem Tag
der weiterzog

Zurückgelassen
in einem
fremden Leben

*

Abschiedsbrief

Mit von Tinte
befleckten Fingern
schrieb ich einst Liebesbriefe
und die Amsel sang
vor meinem Fenster

Nun schreibe ich
den Abschiedsbrief
und nur das Geräusch
der Tasten
ist zu hören


*

Es ist spät geworden

Griesgrämige alte Vögel
sitzen heute
in meinem Zimmer

Ich nenne sie
vergebliche Träume
unerwiderte Gefühle
gescheiterte Hoffnungen

Die Federn
lassen sie hängen
starren mich an

Es ist spät geworden
worauf warten sie?

*

Auf leeren Straßen

Immer bist du es
die ich sehe
bei der Bank am See
auf leeren Straßen
und im Traum

Immer sind
deine Augen traurig
und ohne Hoffnung

Und immer ist mir
als ob ich dich
hätte lieben können

*

Von Stein zu Stein

Es schneit Wahrheiten
diesen Winter

doch bleiben sie
nicht liegen und nichts
was sie verbergen könnten
an alten Träumen und
verwelkten Hoffnungen

Lass uns reden
von Stein zu Stein
wenn der Frühling kommt
und die Gletscher
schmelzen

*

Als der Morgen kam

Es hat Gedichte geschneit
in der Nacht

Leise und langsam
fielen sie,
bedeckten Gut und Böse
mit Hoffnung

Als der Morgen kam
sah man daß es doch nur
Schnee war

*

Masken

Zu Masken erstarrte
Gesichter

Zerrbilder des Lebens
mit dem Tod in Reichweite

Lächeln in Erwartung
des Unvermeidlichen

*

Unter dem Schnee

Unter dem Schnee
der Abdruck
eines vergangenen Jahres
der Widerschein
einer vergeblichen
Sehnsucht

Unter dem Schnee
die Verheissung
eines neuen Frühlings

*

Abschied

Ich erinnere mich
an den langen Heimweg
im Regen
an letzte Worte

Ich erinnere mich
an das Gefühl der Leere
und an den salzigen
Geschmack im Mund

*

Winterstimmung

Zu Eis gefroren
mein Sommertraum
unter Schnee begraben
die Bank am See

Nur wenn ich an dich denke
ist immer Frühling

*

Rückblick

Versteckt in meiner geballten Hand
die Erfahrungen eines langen Lebens.
Vor mir endlose Unendlichkeit
und im Rückspiegel
die Schönheit dieser Welt mit all
ihren Eitelkeiten, Sehnsüchten
und Hoffnungen

*

Spurlos

Lange habe ich gesucht

nach einem Abdruck deiner Hand
nach deinem Duft im Zimmer

Spurlos kannst du nicht
verschwunden sein

Oder hast du niemals existiert?

*

Eiseskälte

Ein Traum
der mich nicht schlafen lässt
ein Morgen
den die Nacht nicht wecken will
eine Liebe
die es nie gegeben hat

Die Zeit
erstarrt in Eiseskälte

*

Wintergedicht
(Zum Valentinstag)

Im letzten Licht der
der untergehenden
Wintersonne
die Liebe neu erfinden

Sich erinnern
an das Ungesagte
das Gemeinsame
das nie Erlebte

Sehnsucht die weh tut
im Winter

*

Was Liebe ist

Sag mir
wo die Sterne
zu Hause sind
und der Tod

Sag mir
was Liebe ist
und wo
ich sie finde

Sag mir
was Leben ist
und woher
es kommt

Sag mir
warum Liebe
aufhört und
wohin sie geht

*

Abschied

Dein Haar
an meiner Schulter
meine Lippen
auf deiner Hand
Abschied
ohne Wiederkehr

kleiner Tod

*

Freitagsgedicht

Heute Freitag ordne ich
die Welt neu und schaffe
die ungeraden Tage
im Kalender ab

Den Himmel mache ich
zur Hölle und die
Erde zum Wohnsitz
der Engel

war schon lange
überfällig

*

Fremd sein

In einem Land sein
wo du nicht zu Hause bist
fremd sein
unter Fremden

Unsichtbare Grenzen
umgeben dich
du bist anders
und verstehst nicht warum

Du bist unerwünscht
und wünschst dir doch nur
ein Stückchen
neue Heimat

Deine Augen sind traurig
und jede Nacht
quält dich
die Erinnerung

*

Das Wort für Liebe

Hinter dem Kindheitsfoto
im Rahmen versteckt
die weißblonde Locke

Jemand hat mich geliebt
doch unsere Sprache
hatte keine Worte dafür

Schwer trage ich an den Jahren
und immer noch suche ich
das Wort für Liebe

*

Gestern noch

Gestern gelebt
gestern geliebt

Was bleibt
ist Erinnerung
die ich hüten will
in der Hand halten will
anhauchend zum Leben
erwecken will
an einsamen Wintertagen
und wenn die Nacht
ihr Lied singt

Gestern noch
war ich jung

*

An meine Sonne

Ich will der Tag sein
dem du Leben schenkst
mit deiner Wärme

Ich will die Nacht sein
die sich nach deinen
Strahlen sehnt

Ich will das Leben sein
das ohne dich nicht
existieren kann

*

Freundschaft I

Unsere Freundschaft
ist zart wie
Löwenzahn im Frühling,
wie das frische Grün
der Weide am Bach

Unsere Freundschaft
ist jung,
doch starke Wurzeln
wachsen tief
in unsere Seelen

Unsere Freundschaft
ist wie
das Lied der Amsel -
voll verhaltener Sehnsucht
und unerfüllter Liebe

*

Freundschaft II

Manchmal ist es
als ob du
neben mir stehst -
deine Hand
in meiner

Manchmal schlagen
auch nur
deine Gedanken
wie Regentropfen
an mein Fenster

Wenn ich traurig bin
schickst du Trost,
wenn ich müde bin
schlafe ich ein
in deinen Armen

Stets denke ich daran
wie fern du bist
und wie sehr
ich dich vermisse -
ist das Freundschaft?

oder ist es Liebe ...

*

Nur ein Narr

Meine Schale wird härter
und dein Bild verblaßt
langsam mit der
Erinnerung an eine Liebe

Hat es sie je gegeben
oder war es nur
der letzte Traum eines
romantischen alten Narrens?

*

Warten

Am schwarzen Tor
will ich auf dich warten
wie ich immer auf dich
gewartet habe

Du kommst spät,
Liebste - 
endlose Jahre
der Sehnsucht

Laß uns weitergehen
Hand in Hand -
hier sind wir
ewig jung

*

Brücken

Eine Brücke schlagen
über die Zeit
Einen Weg bauen
über das Meer
Die Tür öffnen
zu deinem Herzen
Darin wohnen bleiben
für ewig

*

So kurz

Frühlingsnacht
Träume
Liebe
Nähe
Verlangen
Jugend

so kurz
so wunderbar

*

Leicht verspätet

Die Schwalben
und die Nachtigallen
hat der Frühling
zurückgebracht -

nur die Hoffnung
ist verspätet

*

Mein Herz

Wo bist du
wenn ich nach dir rufe?
Wer bist du
die ich liebe?

Du hältst mein Herz
in deinen Händen
und siehst nicht
dass ich um dich weine

*

Blaue Sehnsucht

Deine Farbe ist blau -

blau wie die Tiefe des Ozeans
und wie die Weite des Himmels
in der sich deine Gedanken
spiegeln

blau ist die Farbe
der Sehnsucht
und der Poesie

blau ist meine Liebe
zu dir in der
Abenddämmerung

*

Unruhiger Schlaf

Meine Gefühle
habe ich in Kisten verpackt
und mit Schlössern gesichert

Meine Liebe habe ich
auf Eis gelegt

Was mir Probleme bereitet
sind die Träume -

sie wollen mich nicht
schlafen lassen

*

Fremd

Ich kenne alle
deine Gedanken

Ich kenne jede
deiner Bewegungen
und Gesten

Ich erkenne dich
unter hunderten
von Menschen

Ich weiß um
deine Gefühle
und deine Ängste

und dennoch bist du
mir fremd

*

Supermarkt

Im Supermarkt der Gefühle
sind die Regale voll von
bunten Träumen und
schillernden Wünschen

Freundschaft gibt es nur
auf Bestellung
und auch dann nur
in begrenzter Stückzahl

Im Sonderangebot
ist Liebe -

Mein Warenkorb bleibt
heute leer

Frühjahrsdepressionen??

*

Einbahnstraße

Mein Weg verliert sich
in der Ferne
dort will ich
auf dich warten

Erinnerungen lasse
ich zurück -
das Leben
eine Einbahnstraße

*

Wunschlos

Mein größter Wunsch ist
wunschlos
glücklich zu sein -
aber
was soll ich mir dann
wünschen?

*

Gefangen

Du hast mich
mit deinen Gedichten
gefangen und
mit deinen Gedanken
gefesselt

Jetzt zapple ich im Netz
doch du bist
weitergezogen

*

Das Leben ein Traum

Die Bank
auf der ich mit dir saß,
der See
in dem dein Bild
sich spiegelte,
die Schwäne
die nach Süden zogen -
gab es sie wirklich?

Das Leben, nur ein Traum
selbst Träume
träumen wir

*

Es war Liebe 

Wenn ich an dich denke
steht die Zeit still,
singen Nachtigallen,
strahlen Sterne,
will ich singen und tanzen

ist das Liebe?

Wenn wir uns begegnen
vergeht die Zeit wie im Flug,
habe ich nur Augen für dich,
will ich dich nie wieder
gehen lassen

ist das Liebe?

Wenn wir Abschied nehmen
ist es für immer -
am Ende der Zeit,
am Ende unserer Zeit

ja, es war Liebe!

*

Regentropfen

Poet sein heißt verliebt sein -
und wenn mein Weg
einmal zu Ende ist,
will ich im Himmel
Gedichte für dich schreiben
und sie auf Regentropfen
zu dir senden

wie Tränen

*

In der Morgensonne

Meine Träume habe ich
wie Perlen auf seidene
Fäden gereiht

meine Tränen
wie Tautropfen an
Spinnengewebe gehängt

die Morgensonne
spiegelt sich in ihnen,
badet in Wehmut

aber auch dieser Tag
wird zu Ende
gehen

*

Wie eine Katze

Auf leisen Pfoten
wie eine Katze
habe ich mich
in dein Herz geschlichen
und mich dort wohnlich
eingerichtet -

kein Wunder
daß du seitdem
Herzbeschwerden hast

*

Erinnerung

Lange noch
nachdem du gegangen warst
hingen deine Träume
in meinem Zimmer
zusammen mit dem
schwachen Duft
deines Parfüms
und der Erinnerung
an dich

Deinen Koffer hast du
mitgenommen -
suchst neue Träume,
suchst neue Erinnerungen
und läßt nur
deine ewige
Sehnsucht zurück
und den schwachen Duft
deines Parfüms

*

Im Herbst I

Im Herbst schreiben
über die Vergänglichkeit
der Liebe und
des Lebens

Über die Blätter
die zu Boden fallen
und den Schnee
der sie verbergen wird 

Über die Sehnsucht 
im Herbst und
über das was weh tut und
nicht schweigen will

Über das schreiben
was tief in uns steckt
und was nicht
gesagt werden kann

Über die Sehnsucht schreiben
und über Liebe im Herbst

*

Wie Blumen

Worte streue ich
auf deinen Weg
wie Blumen

Nimmst du sie auf
erzählen sie
von Liebe

Gehst du vorüber
welken sie
und sterben

*

Abschied

Und er ging hinaus
in die Wüste
wo nichts ist
als Sand und Schweigen
und er ging hinaus
um zu Überleben

Barfuß ging er
und ließ ein Stück
nach dem anderen
fallen -
seine Liebe,
seine Träume und
seine Erinnerungen

Und in der Wüste
war nur Sand
und Einsamkeit -
und lange noch
nachdem sein Weinen
verklungen war
rief der Wind ihren Namen

*

Letzter Brief

Die Nacht ist
früh gekommen heute
und Regentropfen
schlagen an mein Fenster

Dein letzter Brief
am Bildschirm -
und du willst
keine Antwort haben

*

Morgennebel

Langsam -
wie Morgennebel sich
in der Sonne auflöst,
verblaßt die Erinnerung
an dich

Nur manchmal noch
will mein Herz
aufhören zu schlagen
und alte Wunden
brechen wieder auf

Dann blicke ich
in den Morgennebel
und hoffe vergebens
daß du mir
entgegenkommst

*

Wie ein Hauch

Wind
will ich sein
und Wolke

leicht und flüchtig
wie ein Hauch
auf deinen Lippen

Meer will ich sein
und Welle
die mit dir spielt

jung will ich sein -
dich wiegen
in zärtlichem Blau

*

Jene Tage

An einem
jener Tage
wo es einfach ist
fröhlich zu sein

will ich dir
mit leichter Hand
ein Gedicht
in den Wind schreiben

und hast du es
gelesen,
wirst du nie wieder
traurig sein

*

Luftschlösser

Unsere Gedichte
sind Brücken
über das Schweigen,
Rettungsinseln
im Meer der Einsamkeit

Unsere Worte
bauen Schlösser
aus Luft
und trocknen
Tränen -

deine 
und meine

*

Ohne Ende

Eine Nacht erfinden
die ohne Träume ist,
die ohne Wünsche ist,
die erfüllt ist
von dir

Eine Nacht erfinden
die ohne Ende ist

*

In mir
(Schlussversion)

In mir ist nichts mehr
das wert wäre
niedergeschrieben zu werden

nichts was Bestand hätte,
nichts was zählen könnte
bei der großen Abrechnung

Bilder verblassen
eins nach dem anderen,
Wege verlieren sich in der Ferne

Begegnungen
Erinnerungen
Gefühle -

nichts bleibt

*

Im Bücherregal

Ein Liebesroman
im Bücherregal

Ein scheuer Blick
im Lärm der Straße

Ein Gedicht voll
unschuldiger Sinnlichkeit

Glück hat
viele Gesichter

*

Einer dieser Tage

An einem dieser Tage
wo nichts unmöglich ist
will ich über die Sehnsucht
schreiben und über Liebe

Ich will schreiben
über die Unendlichkeit
des Universums und
die Schönheit unserer Welt

Es wird ein Tag
der Wahrheit sein -
ein Tag an dem
Wunder geschehen

Ich werde über dich
schreiben

*

Eifersucht

Ich habe eine
automatische Schreibmaschine
die zärtliche Briefe
verfassen kann

Doch dir schreibe ich
stets selbst
denn ich neige
zur Eifersucht

*

Stockholm 13. Dezember

Heute
kam die Sonne nur
eine Handbreit über
den Horizont
dunkelste Zeit des Jahres

Heute
Sankta Lucia, Lichterkönigin
flammendes Nordlicht

Hoffnung auf Wiederkehr
von Licht und Leben

*

Morgen

Wie eine Goldammer
sitzt der Morgen
auf dem Vogelbeerbaum
vor meinem Fenster

Weckt mich mit
schimmernden Strahlen
und singt einen Gruß
von dir

*

Schmetterlingsworte

Meine Welt ist von
Schmetterlingen bewohnt
von Worten mit Flügeln

Nachts verberge ich mich
in den Falten der Erde
und lausche dem Lied
der Sterne

Du bist meine Nacht

*

Emigrant

Bin hingegangen
wo die Felder heller blühten
der Himmel weiter war
und die Wälder dunkler

doch immer nenne ich
sie noch beim alten Namen
die Feldblume, die Bäume
und die Dunkelheit

deutlich die Spur
ins neue Land
unsichtbar
der Weg zurück

*

Advent

Wie viele denken schon
an die Vielen,
die keinen Advent
feiern können
weil sie arm sind
und in Not

Wie viele haben
Mitleid mit denen
die kein Mitleid begehren
und keine Almosen
sondern die Möglichkeit
zu überleben

Wie viele von uns
haben nicht schon
längst vergessen
was Advent bedeutet
und wie es ist
Christ zu sein

*

Vorweihnachtszeit

Lichterketten
schaukeln im
ersten Wintersturm

Du stehst am Fenster
und denkst an längst
vergangene Weihnachten

Schneeflocken
wirbeln vorüber

*

Herbstliebe II

Der Morgen graute
und die Herbstzeitlose
war verblüht

Auf schwarzen Flügeln
flog die Zeit davon

Liebe ist ein 
böses Spiel

*

Verschlossen

Verschlossen deine Tür mit
tausend Ausflüchten

Davor wie welke Blätter
Träume ohne Absender


*

Winteranfang

Langsam und müde
als ob er weit gereist wäre
fällt der Schnee

Jede Flocke
ein Abschied
vom Sommer

*

Erinnerungen

Erinnerungen liegen gleich
vergilbten Fotos in mir -
wir waren jung
die Sanduhr war noch
wohlgefüllt

Jetzt taste ich
nach deiner Hand -
schlaf gut
es war kein
schlechtes Leben

*

Deja vu

Das Gefühl
diese Minute schon
erlebt zu haben

Den Geschmack
des Regens der fällt
die tödliche Melancholie
der Strasse

Wo war ich damals -
und wo bin ich heute?

*

Jahre

Wo sind sie geblieben
die Jahre
als die Liebe leicht war?

Wohin gingen die Jahre
die wir so schnell
und achtlos lebten?

Woher kamst du
und warum
bist du nicht geblieben?

*

Aufwachen

Aus einem Traum aufwachen
und nicht wissen ob man schläft
oder wach ist

Aus dem Leben aufschrecken
und nicht wissen
ob man jemals gelebt hat

Eine Liebe erleben
und wissen
dass es nur ein Traum ist

*

Schon immer

Du bist mir schon immer
begegnet
lange bevor ich dich
kannte
in schwermütigen
Mondnächten
unter der
Eberesche

ich wusste es nur nicht

*

Herbstliebe

Spät ist es geworden
spät und einsam

Herbstliebe
letzte Liebe

Glücklich sein
in der Erinnerung

*

Zufällige Begegnung

Ein verstohlener Blick
im Vorübergehn
abschätzend
abwägend
ängstlich

Einsamkeit
in fremden Augen

Zufällige Begegnung
im Universum

*

Tage

Wie sich die Tage gleichen
und immer dieses
schwarze Ungetüm
das Sehnsucht heisst

*

Herbstlaub

Herbstlaub errötet
unter meinen
neugierigen Blicken
wie eine
unerfahrene Geliebte

Zögernd fällt
Blatt um Blatt
zu Boden -
du bist schön
Geliebte

*

Zeitlos

Die Zeit
versunken in
blaue Träume

*

Insel I

Auf die einsame Insel
hinter dem Mond
nehme ich nichts mit

als ein Gedicht
und dein Lächeln

*

Nothing

Everything isn't
what it seems to be

Nothing is
as I want it to last

Needless to hope
worthless to live

*

Der Wind

Der Wind
wendet die Blätter
unseres Lebens

lässt uns erinnern
und streut Salz
in alte Wunden

lässt uns vergessen
und hoffen
wie Narren

*

Ein Lächeln

Komm
gib mir deine Hand
lass uns den steinigen Weg
zusammen gehn
und schenk mir
dein Lächeln
wenn der Weg
zu Ende ist

*

Nie wieder

Nie wieder
weinen
nie wieder
traurig sein
lächeln
loslassen
abspringen

*

Vor der Abreise

Meinen Namen habe ich
in Stein geritzt
meine Worte
fest versiegelt -
nichts kann mich
hier mehr halten

*

Reisen I

Morgen gehts auf Reisen
wäre ich Schnecke nähme ich
mein Haus mit

So sind es nur
Erinnerungen

*

Reisen II

Schienenstränge
verlieren sich
in endloser Ferne
die Welt zieht vorüber
ich will sie
anhalten und
Abschied nehmen

*

Reisen III

An fremden Orten sein
fremde Düfte atmen
unerkannt bleiben

Das Gefühl der Leere
das bittere Gefühl des
Niewiederkommens

Diese ganz andere Welt
Häuser wie wilde Tiere
Unsicherheit

*

Fremde Stadt

Immer schon
wartete eine
fremde Stadt auf mich
ein fremdes Leben
eine andere Liebe

Immer schon
wollte ich weiterziehn
in andere Welten

Immer schon
bin ich bei dir
geblieben

*

Fliegenzeit

Wie die Eintagsfliege
Minuten zählt,
so zähle ich die Jahre -
reiße gelebte Blätter
vom Kalender
und lasse sie achtlos
zu Boden fallen

was soll´s ...

*

Scheintot

Wie mir diese Kalenderblätter
zuwider sind

aufdringliche Kerle
jeden Morgen
starrt mir einer entgegen
rot oder schwarz
will gelebt werden

ich schließe die Augen
und stelle mich tot

*

Und wieder

und da war wieder
dieser eigenartige Traum
der beim Erwachen
wie Sand
durch die Finger rann
und das Gefühl zurückließ
als hätte ich
die Katastrophe
verhindern können

*

Luftschloss

Mein Luftschloss liegt
an einem See in
einem fremden Land
auf einem anderen Planet

die Reise dauert nur
ein Leben lang

*

Mein liebster Traum

Die Nacht
ist nicht mehr weit
und du
mein liebster Traum
ziehst deine silberhellen
Flügel an

*

Ein Tag verklingt

Langsam verklingt
der Tag
schlägt zärtliche
Akkorde an
um die Nacht
zu verführen

*

Typographie

Meine Seele hat sich
selbstständig gemacht
flattert umher
als gedrucktes Wort
schwarz-weiß und
in feinster Typographie

Ich fühle mich nackt
wie ausgeliefert

*

Dämmerung

Als es noch
heller war im Leben
sehnte ich mich
nach den Nächten

Nun dämmert es
und nur der rote Mohn
leuchtet noch
in meinen Liedern

*

Versteckte Worte

Einige Worte habe ich
noch gefunden
gut versteckt
unter Sommerlaub

Werde sie brauchen können
im Winter
um mich an ihnen
zu wärmen

*

Zugvogel

Zugvogel
ewiger Abschied
die Federn
voller Tränen

*

Metamorphose III

Einkapseln will ich mich
auf die Verwandlung hoffen
Mensch will ich werden
oder wenigstens
Schmetterling

*

Die Zeiten werden schlechter

Herbstdunkel
beginnt sich auszubreiten
Regen schlägt ans Fenster
wohl dem der ein Dach
über dem Kopf hat
oder wenigstens
einen Hut besitzt

*

Glück

Glück ist ein Buch
Glück ist
ein Walzer von Chopin
Glück ist
ein Lebenszeichen von dir
Glück ist
ein Gedanke an dich
Glück ist so kurz

*

Der neue Tag

Der neue Tag
hat mich wachgerüttelt -
mir Morgenröte
um die Ohren geschlagen
und Sand
aus den Augen gewischt

Meine Geliebte,
die Nacht,
floh voll Entsetzen -
doch sie ist mir treu
und kommt
am Abend wieder

*

Leer

Still ist es geworden
in meinem Haus -
still und leer

nur die Erinnerung
sitzt tief
in allen Wänden

und abends
singe ich
dein Lied

*

Herzfehler

Leichter Druck
aufs Herz,
erhöhter Puls

ich fühle
dass du an mich
denkst

*

September

Jener Herbsttag
wo deine Worte
Eiskristalle waren

Jener Herbsttag
wo Raureif sich
auf unsere Liebe legte

Jener Herbsttag
im September
wo wir getrennte Wege
gingen

*

Warum

Ein Wort habe ich dir
in den Weg gelegt
als du gehen wolltest

Warum?

Achtlos
hast du es 
beiseite gestossen

*

Östliche Reise


Stets nach Osten
ging meine Reise
der Sonne entgegen
die nie unterging

Am Ende der Welt
blickte ich zurück
auf das Leben
und sehnte mich
nach der Nacht

*

Westliche Reise II

Mit der Sonne will ich
nach Westen fahren,
dem Licht, der Wärme
und dir entgegen

Will den Winter zurücklassen
und alles was mich bedrückt

Fahre mit leichtem Gepäck -
nur mit Sehnsucht im Herzen

*

Träume

Nachts wollen mir
deine Träume
keine Ruhe lassen

Sie umschleichen mich
und schmieden
dunkle Pläne

Noch im Erwachen
hört man
ihr lüsternes Gekicher

Nur mühselig
weicht die Nacht
von mir

*

Frühling II

Zeit der Hoffnung
nach endlosen
Winternächten

und überall dieses
keimende und sich
ausbreitende Leben

*

Neuer Tag

Wieder ein Tag
der zu leben wäre
der zu füllen wäre
mit Wundern

der leer bleibt
weil du nicht
in meinem
Leben bist

*

Seltsamer Winter

Wie Schmetterlinge
umfliegen mich
Träume

Deine Sehnsucht
wärmt
mein Herz

Blumenteppiche
im Schnee
und Vogelgesang

mitten im Winter

*

16.März 2005

Den Frühling
hast du mir geschickt
mit deinem Lächeln

doch noch liegt Eis
noch bläst es
kühl und streng
von Norden her

noch zaust der Wind
das braune Schilf am See
noch singt die Amsel nicht
von Liebe

*

Wieder Frühling

Langsam nur
verblasst die Erinnerung
an unseren Frühling

nie war das Gras grüner
nie der Himmel näher
nie wieder werde ich
diese Worte finden

und doch
ist es wieder Frühling
die Erde weich
unter meinen Schritten

ich gehe weiter -
die Erinnerung bleibt
zurück

*

Der Weg

Ein Stern
zeigte mir den Weg
zu dir
und deine Stimme
durchbrach das Schweigen

Nie verlor ich
den Weg
nie die Richtung
doch niemals kam ich
ans Ziel

Frühlinge kamen
und gingen
wärmten mein Winterherz
doch der Weg
war zu weit

Und wieder
ist Frühling -
die Amsel will ich
zu dir senden
und die Nachtigall

Sie sollen ein Lied
für dich singen -
das Lied vom Leben

*

Tierisch

Noch benommen
krieche ich wie ein Bär
aus dem Winterlager,
wittere in die Frühlingsluft
und wärme mir den Pelz
in der Sonne

Ein Jahr
wie jedes andere?
Die Zeichen
stehen schlecht ...

*

Und immer

Und wieder
grünt die Erde
als ob nichts
geschehen wäre

und wieder
ist die Luft erfüllt
vom Schrei
der Wildgans

und immer wieder
warte ich vergebens
auf dich

*

Zeit I

Hinter tickenden
Sekunden
schmilzt die Zeit
doch
in deinen Träumen
bin ich
ewig jung
und weiss
dass du
mich liebst

*

Zeit II

Hinter tickenden Sekunden
schmilzt die Zeit
mein Weg verliert sich
in der Ferne

Wo gestern war
ist Leere -
die Zeit
zerrinnt am Horizont

*

Das Meer

Ich bin Meer
du bist Insel

In ewigem Verlangen
umspüle ich
deine Strände -
finde Ruhe
in deinen Buchten
an warmen Sommertagen

Ich bin Meer
du bist meine Insel

*

Vogelmensch

Manchmal bin ich Albatros
schwebe
durch unermessliche Räume
ziellos
nur aus Sehnsucht
nach der Ferne

Manchmal
bin ich Schwalbe
will heim
nur heim
mich verkriechen
im dunklen Nest

*

Vergessen

Sie sind geflüchtet
auf die Inseln
des Vergessens
des Nichtdaseins
des Nichterkennens

Ihre Körper haben sie
zurückgelassen -
Schatten dessen
was sie
einstmals waren

*

Nur wenige

Wir alle haben
Träume und
Sehnsüchte

aber nur ein Poet
kann sie
in Worte kleiden

Wir alle haben
Träume und
Wünsche

doch so wenige
die in Erfüllung
gehen

*